Die Fabrik der Abschlüsse (II)

Trip Start Dec 25, 1983
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Trip End Ongoing


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Sunday, August 6, 2006

Die Fabrik der Abschlüsse (II)

Während die Farben der Landschaft durch die Fensterscheibe rauschten, sodass der von einem bestimmten Blickwinkel Betrachtende meinen musste, er tauche in der Karibik oder stünde zumindest in einem Aquarium, welches diese Region der Welt darzustellen versucht, betrachtete der immerzu Rauchende die junge Schönheit argwöhnisch. Aus Gründen, welche dem Leser genauso unbekannt sind wie dem Schreibenden, dachte der junge Mann in jenen Momenten folgendes: " Mein Leben besteht aus Fehlern. Ich bin nicht perfekt. Ich bin auf der Suche nach Fehlern. Die Literatur jener Leute, die perfekt sind, ist langweilig. Meisterwerke sind schön und langweilig, denn sie sind nicht mit Fehlern behaftet. Fehler entstehen durch den Kampf, das Kämpfen. Sie sind wunderschön. Sie sind faszinierend." Während dieser Pause seiner Gedanken zündete sich der mittlerweile Nervös-Gewordene eine weitere Zigarette an. Er betrachtete die ihm gegenübersitzende Schönheit mit unruhiger Aufmerksamkeit. Die Betrachtete täuschte vor, nichts davon zu bemerken und sah mit einem Ausdruck des Geschmeicheltseins aus dem Fenster.

Dann dachte er weiter: " Mein Leben lang werde ich kämpfen. Selbst dann, wenn es keine Kämpfe zu kämpfen gibt, werde ich doch mit mir selbst kämpfen. So bin ich. Fehler entstehen durch Konflikte. Wo keine Konflikte sind, gibt es keine Fehler. Das ist Kunst. Kunst sind die Fehler. Ich will mich auf die Suche nach den Fehlern begeben." Er dachte darüber nach, was er gerade gedacht hatte. "Verstehe ich mich überhaupt selbst," fragte er sich kurz darauf.

Nun trat ihm Schweiß von neuem auf die Stirn. Das dunkelblaue Jacket hatte er schon längst abgelegt und die langen Ärmel seines Hemdes hochgekrempelt. Unterdessen er hastig und unbestimmt mit flüchtigen Blicken das winzige Abteil musterte, trafen sich die Blicke der zwei darin sitzenden Passagiere durch gewollte Zufälle. Der Nervöse suchte zwar nach den Augen des weißen Engels, wenn er sie jedoch fand, wendete er sich in einer derart überhastet-heftigen Weise sofort wieder von ihr ab, dass die junge Dame lächeln musste, obgleich sie alle Anstrengungen unternahm, derartiges Verhalten zu unterdrücken. Als das Benehmen des Anzugtragenden zunehmend anstrengender für alle am Geschehen Beteiligten wurde, da dieser ohne Unterlass mit den aufgeregten Fingern seiner zitternden Hand auf die hölzerne Armlehne des Sitzes trommelte, fasste die vollkommen in weiß gekleidete Schönheit Mut und fragte ihn mit spürbarer Anteilnahme: "Mein Herr, was ist denn mit Ihnen? Kann man denn etwas für Sie tun?"

" Ich werde nun die Fehler suchen. Für den Rest meines Lebens," sprach es unaufhörlich im Kopfe des Mannes, welcher durch die Worte der Weiblichkeit aus einem Traum gerissen wurde. Eilends antwortete er ihr in Verwirrung, welche er zu verstecken suchte: "Nein, liebste Dame, alles ist in Ordnung mit mir. Oh, sehen Sie, wie herrlich doch diese Landscha...".

"NÄCHSTER HALT Z..., Ausstieg in Fahrtrichtung rechts," schallte es plötzlich aus den Lautsprechern. Der Mann sprang auf. "Es war mir sehr angenehm" sprach er zu der Dame, die ihm freundlich zunickte. Obwohl er gar kein derartiges Modestück trug, tat er so, als ob er den Hut vor ihr zöge. Daraufhin verließ er im Laufschritt das Abteil und einige Atemzüge später den Zug. Die junge Frau rief ihm etwas nach, was ihn nur dazu veranlasste, schneller zu laufen und sich glücklich zu schätzen, als des eiserne Getös endlich den Bahnhof verlassen hatte und er allein auf dem einzigen Bahnsteig des Bahnhofs von Z... stand.


...die Geschichte geht Weiter. Wo befindet sich der Mann und was wird nun mit ihm geschehen?...

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