Kaluga will zum russischen Wolfsburg werden

Trip Start Nov 27, 2007
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Trip End Nov 28, 2007


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Flag of Russian Federation  ,
Wednesday, November 28, 2007

Erfolgsmeldung kurz vor der Parlamentswahl: VW hat in Russland seine Produktion eröffnet. Wer genauer hinschaut, sieht eine riesige Baustelle und eine kleine graue Halle. In der Halle: zwei Hundert Journalisten, zwei Hundert Gäste, zwei gefühlte Spannferkel und 15 halb fertige Autos. Auf dem verschneiten Parkplatz neben der Halle stehen ein paar Dutzend weitere Autos - die dürfen die TV-Teams aber nicht filmen.

In einer "Rekordzeit" habe der VW seine Produktion aufgebaut, sagt von der Bühne einer der Redner aus der russischen Regierung. Also, ein Beweis dafür, dass das Investitionsklima gut ist, dass der Markt boomt und der Investoren kommen. Die Reden dauern fast eine Stunde, zuerst der Betriebsleiter, dann der Präsidentenbeauftragte, eine General-Leutnant der Steuerpolizei, dann noch ein Stellvertretender Regierungschef, dann noch einer vom Auto-Konzern und noch einer und noch einer.

Die Halle ist soeben fertig gebaut, und über die Nacht eingerichtet worden, Möbel, Akustik, Licht - alles aus Deutschland mit Dutzenden von LKW's gebracht. Im Vorraum wird gerade das Buffet ausgetauscht, vom leckersten Lachsschnittchen meines Lebens, zu Spannferkeln, Roast Beef, und einer schwer überschaubaren Auswahl an Salaten.

Nach einer Stunde Reden stellen sich alle Gäste auf die Bühne und legen ihre Zeigefinger auf einem Touch Screen. Sie müssen sich mit ihrem Fingerabdruck identifizieren, sagt die blonde Moderatorin, damit von der Laufband die ersten Autos rollen. Die ersten Autos rollen tatsächlich - direkt auf die Bühne, ein VW Passat und eine Skoda Octavia.

Was die blonde Moderatorin nicht sagt: Es gibt gar keine Laufband. Noch nicht.

Die Ehrengäste besuchen die "Produktion". Es sind 15 halb fertige Autos in dem Nebenraum aufgestellt und schön ausgeleuchtet. Es nennt sich "Endmontage". Russische Mitarbeiter in weißen Kitteln schrauben hektisch an den Autos herum. Der Stellvertretende Regierungschef macht ein konzentriertes Gesicht, der VW-Vorstandsvorsitzende erklärt ihm das Schreiben. Nach zehn Minuten ist der Rundgang zu Ende, mehr gibt es nicht zu besichtigen. Zeit für die Interviews: der VW-Vorstandsvorsitzende spricht über die Wichtigkeit des russischen Marktes und seine Attraktivität für ausländische Investoren. Der Gouverneur des Gebietes Kaluga freut sich auf die neue Arbeitsplätze. Die angereiste Print-Journalisten plündern das Buffet.

Draußen schneit es. Ein tadschikische Bauarbeiter verrät sein Stundenlohn: 1,80 Dollar. Außer dieser einer grauen Halle mit Buffet, Festsaal und 15 Autos gibt es nur noch Betonsäule in der Erde, ein halb fertiges Schornstein und jede Menge Matsch. Und eigentlich geht die Fabrik erst in zwei Jahren in Betrieb. Egal - die Wahl ist am Sonntag.

Zwei Stunden später meldet eine Moskauer Radiostation: Das deutsche Autokonzern hat in Russland seine Produktion begonnen. Das Radio gehört zum Gazprom.
Die teuerste Wahlkampfveranstaltung der Woche geht zu Ende.
Kaluga hotels Slideshow
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