Marsch der Nicht-Einverstandenen, 4. Versuch.
Trip Start
Nov 24, 2007
1
Trip End
Nov 25, 2007
10.05 Uhr, Zentrale der liberalen Jabloko-Partei
Der Raum ist knall voll. Dutzende von Journalisten sitzen und stehen, vorne drei Anführer der liberalen Opposition in St. Petersburg, Heimatstadt von Vladimir Putin, der neuerdings als "nationaler Führer" von seinen Taschenmedien bezeichnet wird.
Die Oppositionelle sind sichtlich aufgeregt, sie setzten sich gar nicht hin, sie reden im Stehen, ihre Stühle bleiben leer.
In einer Stunde soll es los gehen, mit weißen Nelken in der Hand wollen sie schweigend durch die Stadt spazieren, zum Palast-Platz vor der Eremitage, im Herzen der schönen Stadt.
Es wird der vierte Marsch der Nicht-Einverstandenen sein.
Beim ersten, im März, haben mehrere Tausend Menschen Absperrungen der Polizei durchbrochen und stundenlang die Hauptstrasse Newskij Prospekt blockiert. Beim zweiten, im April, prügelten die Sondereinheiten der Polizei die Menschen nieder, auch Frauen und Kinder, auch Journalisten. Beim dritten, im Juni, gingen schon wieder Tausende auf die Strasse, es blieb ruhig.
Doch seit der "nationale Führer" vor wenigen Tage die Oppositionelle als "Schakale" bezeichnet hat, war es klar: Auch dieses Mal wird die Staatsmacht zuschlagen. Die Stadtverwaltung St. Petersburg verbietet den Marsch.
10.30 Uhr.
Draußen vor der Tür warten sie schon, in ihren vergitterten Fahrzeugen - Dutzende, wenn nicht Hunderte Polizisten der Speziellen Eingreiftruppe OMON, in voller Kampfausrüstung. Sie warten auf ihr Befehl. Noch kommt kein Befehl, sie warten in ihren Autos, nur wenige Polizisten und Geheimdienstler im Zivil filmen die versammelte Journalisten.
Kurz nach 11.00 Uhr.
Hunderte von Menschen, die dem Aufruf der Opposition gefolgt haben und zur Jabloko-Zentrale kamen, machen sich auf den Weg, schweigend, mit weißen Blumen in den Händen.
Sie schaffen keine 50 Meter auf der Strasse, als die Polizei zuschlägt.
Und weil die Polizisten von allen Seiten kommen, gibt es keinen Fluchtweg. Dutzende Festnahmen. Der nicht erlaubte Spaziergang endet nach fünf Minuten. Die weißen Nelken fallen auf Asphalt, die hilflose Idealisten werden weggefahren.
12.00 Uhr, der Platz vor der Eremitage.
Hunderte Demonstranten auch hier. Die Menschenmenge wächst mit jeder Minute, Männer und Frauen schreien die Polizisten an: Weg mit der Diktatur! Wir wollen Freiheit! Und immer wieder: "Eto nash gorod!", das ist unsere Stadt. Das ist der populärste Schlachtruf der Petersburger Demonstranten, ein Appell an den Lokalpatriotismus und Stolz der St. Petersburger.
Als auch hier Hunderte von Menschen auf beiden Straßenseiten zu skandieren beginnen, schlägt die Polizei zu. Es sind Jagdszenen aus Russland 2007: Männer und Frauen, alt und jung, auf der Flucht vor der Polizei und schwarzen Helmen, und das ganze vor der Eremitage. Verirrte ausländische Touristen geraten auf dem Weg aus dem Museum in die Menge und werden gleich mit verhaftet.
Doch es dauert, bis die Polizei die Lage wieder in den Griff bekommt. Die Strassen sind breit, es sind viele Menschen, sie laufen weg, und kommen dann wieder, und immer wieder rufen sie "Das ist unsere Stadt".
Hunderte werden festgenommen.
Gegen 13. Uhr erscheint Boris Nemzow auf dem Platz, der einstige Hoffnungsträger der Demokraten. Vor zehn Jahren war er Jelzins Günstling und Vize-Chef der Regierung. Heute schreibt er Bücher, trinkt viel Alkohol engagiert sich neuerdings auch wieder politisch.
Er steht am Straßenrand un spricht zu einem Dutzend Menschen und zwei Fernsehenkameras. Er sagt, Putin und seine Bande haben Angst vor Menschen, wenn sie so viel Polizei auf die Strassen schicken, gegen so wenige unbewaffnete Menschen. Kaum bringt Nemzow seinen Satz zu Ende, wird er auch weggeschleppt, in einen Polizeibus gesteckt und weggefahren.
Um 13.30 Uhr ist die gesamte Führung der demokratischen Opposition hinter Gitter. Es bleibt eine Woche bis zur Parlamentswahl, die vom Kreml zu einem Referendum über den neuen "nationalen Führer" erklärt wurde.
Der Raum ist knall voll. Dutzende von Journalisten sitzen und stehen, vorne drei Anführer der liberalen Opposition in St. Petersburg, Heimatstadt von Vladimir Putin, der neuerdings als "nationaler Führer" von seinen Taschenmedien bezeichnet wird.
Die Oppositionelle sind sichtlich aufgeregt, sie setzten sich gar nicht hin, sie reden im Stehen, ihre Stühle bleiben leer.
In einer Stunde soll es los gehen, mit weißen Nelken in der Hand wollen sie schweigend durch die Stadt spazieren, zum Palast-Platz vor der Eremitage, im Herzen der schönen Stadt.
Es wird der vierte Marsch der Nicht-Einverstandenen sein.
Beim ersten, im März, haben mehrere Tausend Menschen Absperrungen der Polizei durchbrochen und stundenlang die Hauptstrasse Newskij Prospekt blockiert. Beim zweiten, im April, prügelten die Sondereinheiten der Polizei die Menschen nieder, auch Frauen und Kinder, auch Journalisten. Beim dritten, im Juni, gingen schon wieder Tausende auf die Strasse, es blieb ruhig.
Doch seit der "nationale Führer" vor wenigen Tage die Oppositionelle als "Schakale" bezeichnet hat, war es klar: Auch dieses Mal wird die Staatsmacht zuschlagen. Die Stadtverwaltung St. Petersburg verbietet den Marsch.
10.30 Uhr.
Draußen vor der Tür warten sie schon, in ihren vergitterten Fahrzeugen - Dutzende, wenn nicht Hunderte Polizisten der Speziellen Eingreiftruppe OMON, in voller Kampfausrüstung. Sie warten auf ihr Befehl. Noch kommt kein Befehl, sie warten in ihren Autos, nur wenige Polizisten und Geheimdienstler im Zivil filmen die versammelte Journalisten.
Kurz nach 11.00 Uhr.
Hunderte von Menschen, die dem Aufruf der Opposition gefolgt haben und zur Jabloko-Zentrale kamen, machen sich auf den Weg, schweigend, mit weißen Blumen in den Händen.
Sie schaffen keine 50 Meter auf der Strasse, als die Polizei zuschlägt.
Und weil die Polizisten von allen Seiten kommen, gibt es keinen Fluchtweg. Dutzende Festnahmen. Der nicht erlaubte Spaziergang endet nach fünf Minuten. Die weißen Nelken fallen auf Asphalt, die hilflose Idealisten werden weggefahren.
12.00 Uhr, der Platz vor der Eremitage.
Hunderte Demonstranten auch hier. Die Menschenmenge wächst mit jeder Minute, Männer und Frauen schreien die Polizisten an: Weg mit der Diktatur! Wir wollen Freiheit! Und immer wieder: "Eto nash gorod!", das ist unsere Stadt. Das ist der populärste Schlachtruf der Petersburger Demonstranten, ein Appell an den Lokalpatriotismus und Stolz der St. Petersburger.
Als auch hier Hunderte von Menschen auf beiden Straßenseiten zu skandieren beginnen, schlägt die Polizei zu. Es sind Jagdszenen aus Russland 2007: Männer und Frauen, alt und jung, auf der Flucht vor der Polizei und schwarzen Helmen, und das ganze vor der Eremitage. Verirrte ausländische Touristen geraten auf dem Weg aus dem Museum in die Menge und werden gleich mit verhaftet.
Doch es dauert, bis die Polizei die Lage wieder in den Griff bekommt. Die Strassen sind breit, es sind viele Menschen, sie laufen weg, und kommen dann wieder, und immer wieder rufen sie "Das ist unsere Stadt".
Hunderte werden festgenommen.
Gegen 13. Uhr erscheint Boris Nemzow auf dem Platz, der einstige Hoffnungsträger der Demokraten. Vor zehn Jahren war er Jelzins Günstling und Vize-Chef der Regierung. Heute schreibt er Bücher, trinkt viel Alkohol engagiert sich neuerdings auch wieder politisch.
Er steht am Straßenrand un spricht zu einem Dutzend Menschen und zwei Fernsehenkameras. Er sagt, Putin und seine Bande haben Angst vor Menschen, wenn sie so viel Polizei auf die Strassen schicken, gegen so wenige unbewaffnete Menschen. Kaum bringt Nemzow seinen Satz zu Ende, wird er auch weggeschleppt, in einen Polizeibus gesteckt und weggefahren.
Um 13.30 Uhr ist die gesamte Führung der demokratischen Opposition hinter Gitter. Es bleibt eine Woche bis zur Parlamentswahl, die vom Kreml zu einem Referendum über den neuen "nationalen Führer" erklärt wurde.


