Wunderschönes Taquile

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Trip End Ongoing


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Flag of Peru  ,
Friday, November 11, 2011

Taquile ist eine Insel auf dem Titicacasee und traumhaft schön!

Man erreicht sie von Puno in 2-3 Stunden Bootsfahrt. Wir haben das Kommunale Boot genommen und brauchten durch den kurzen Stopp auf den Uros-Inseln 3,5 Stunden. Aber das Wetter war toll, wie  schon die ganze Zeit seit wir in Peru eingetroffen sind. Nachdem wir den Hafen hinter uns gelassen hatten, durften wir auch aus dem vollen Bootsraum auf das obere Deck klettern und es uns dort zwischen der gestapelten Fracht gemütlich machen. Der Fahrtwind war kalt, aber warm angezogen war es in der Sonne gut auszuhalten.

Wir hatten lange hin- und herüberlegt ob wir eine Tour buchen und uns dann um nichts kümmern müssen oder ob wir, wie es in einigen Reiseführern geraten wird, auf eigene Faust nach Taquile fahren und uns dort eine Familie suchen, die uns aufnehmen will.

Unsere Entscheidung diesen 2-Tages-Ausflug ohne organisierte Tour zu machen war perfekt. Die Anfangsschwierigkeiten am Hafen den ganzen Tour-Organisatoren zu entkommen, die sich auf einen stürzen, um dann tatsächlich auf dem einzigen kommunalen Boot von Taquile (mit nur einer handvoll Touristen darauf) zu landen, waren nicht ganz einfach zu meistern, was auch durch unsere geringen Spanischkenntnisse bedingt wurde. Aber letztendlich saßen wir glücklich auf einem sehr vollen Boot, mit dem die Inselbewohner einmal im Monat ihre Einkaufstouren in Puno machen und genossen die Überfahrt.

Auf dem Boot trafen wir auch Celso, Huanna und den 5-jährigen Wilfredo, die von ihrer einmonatlichen Verpflegungstour zurückkamen. Neben den wichtigen Lebensmitteln, die man auf Taquile nicht bekommt, hatte Celso auch ein paar Glasscheiben für die Fenster seines Hauses dabei. Hier dauert es ganz schön lange bis man alle Baumaterialien zusammen hat. Das junge Paar war noch keine 30 Jahre alt und total nett und sympatisch und wir waren sehr froh, dass wir ihnen begegnet waren und entschieden uns bei ihnen unterzukommen und so wanderten wir mit Huanna und Wilfredo die steilen Wege vom Hafen hinauf zum Zentrum der Inseln, wo sie unweit von der Schule auf einem Berg ein kleines Anwesen haben.

Anwesen trifft es wirklich ganz gut, auch wenn es hier kein fliessendes Wasser und keinen Strom gibt. Die kleinen einfachen Wohngebäude waren u-förmig um einen kleinen Innnenhof angeordnet und von der offenen Seite mit einer kleinen Mauer abgegrenzt. Mindestens 3 Räume sahen so aus als wären sie für Gäste wie uns gedacht, die Familie teilte sich einen Raum, es gab ein Esszimmer für feierliche Anlässe und zur Bewirtschaftung der Gäste, ein extra Gebäude für die Küche und Toilette (mit Wassereimer) und ein kompletter Trackt war noch im Rohbau. Wir lernten, dass es auf Taquile ca. 2000 Einwohner in mehreren Communities gibt. 82 Familien haben ihre Häuser ausgebaut so dass sie ab und an Touristen für ein paar Nächte aufnehmen. Es gibt wohl relativ wenige Touristen, die auf Taquile übernachten, die meisten fahren nachmittags wieder zurück nach Puno oder übernachten auf der noch weiter entfernten Insel Amantani. Celso meinte in dieser Nacht waren wir die einzigen Touristen auf der Insel, darüber wer von den Inselbewohnern Gäste beherbergt, wird Buch geführt und versucht das so einzurichten, dass alle zu gleichen Teilen, davon profitieren.

Ich fand es zauberhaft schön dort. Die Insel ist recht klein, ich glaube 6 km lang und 2 km breit o.ä., und hat einige kleine Berge mit Inkaruinen und jede Menge Eukalyptusbäume in der felsigen Landschaft. Es gibt keine Autos und deswegen auch keine Straßen. Gemeinschaftlich erhalten die (ich glaube 16) Communities ein paar ordentlich gepflasterte Wege, die die Hauptachsen über die Insel bilden, also zu den 3 Häfen im Westen, Norden und Osten, über den Plaza de Armas, zu den Schulen und Kindergärten und den alten Kultstädten auf den Bergen. Ansonsten gibt es jede Menge Pfade querfeldein, die wir aber nur in Begleitung von Celso gegangen sind. Jede freie geeignet Fläche wir bewirtschaftet, es gibt tausende kleiner Terrassen, die für den Anbau genutzt werden. Wir haben hier gerade Frühling, Celso meinte im Januar und Februar ist die Insel satt grün. Das muss sehr schön aussehen. Schade, dass ich nicht wiederkomme...

Das Wasser muss die Familie auch den ganzen Weg auf den Berg zu ihrem Haus schleppen, seit vor einigen Jahren der Motor der Pumpe für den Brunnen um die Ecke kaputt gegangen ist. Unser Mittagessen des ersten Tages nahmen wir mit Celso zusammen im kommunalen Restaurant ein, in dem die Familien abwechselnd kochen und das Geld geht an die Kommune. Nach einer kurzen Rast für uns in Celsos Haus, während der er die nächste Ladung vom Schiff zum Haus schleppte, bekamen wir eine lange Inselführung, bergauf und ab an allen Ruinen und Kultstätten vorbei. Die letzten Touristen hatten die Insel gegen 2:30 Uhr verlassen und alles war traumhaft friedlich. Ab und an begegneten uns ein paar Inselbewohner oder wir sahen sie auf den Feldern arbeiten. Die Frauen tragen wallende quietsch bunte (meist rot-und pinkfarbend) Röcke bis über die Knie und dazu beigefarbende wollende Leggings und oft auch bunte Oberbekleidung. Die Männer sind dezenter gekleidet mit schwarzen Hosen, weisen Hemden mit schwarzen Westen und je nachdem ob sie verheiratet sind oder nicht mit roten oder weiß-roten Mützen, die sie selbst stricken und die an Schlafmützen erinnern. Außerdem ziert sie ein bunter gestrickter breiter Gürtel über ihrem weißen Hemd. Ein sehr ungewohntes Bild für uns ein ganzes Volk das sich uniform kleidet, selbst die Kinder tragen die traditionellen Kleider.

Ich war ziemlich begeistert wie viel ich von Celsos Beschreibungen verstand. Da hatte sich das Spanisch lernen der letzten Monate dann doch bewehrt. Aber es wäre auch schön gewesen sich noch besser verständigen zu können, verstehen ist doch noch einfacher als selbst zu sprechen.

Das überraschenste Erlebnis hatte ich als mir plötzlich mit einem laut geschrienen "Muchas Gracias" am Hals hing. Ich hatte gerade in Kinderhöhe gekniet und kurz zuvor Celso eine große Tüte mit verschiedenem Obst, das wir für diesen Zweck noch in Puno gekauft hatten, übergeben. Wir hatten gelesen, dass das mit das beste Geschenk ist, was man den Inselbewohnern machen kann, weil es hier für den Anbau von jegliche Art von Obst zu kalt ist, aber die Freude des kleinen Jungen hat mich echt überwältigt. Kurz darauf kam er auch genüßlich schmatzend und mit klebrigen Fingern aus der Küche.

Nach dem gemeinsamen Abendessen gab es dann zur einfacheren Verständigung Musik auf einer großen Panflöte, einer Trommel und mit einer Rassel aus den Zapatos (Schuhen, also die Hufe) der Schafe, vorgetragen von der ganzen Familie.

Am nächsten Tag führte uns Celso noch einmal bergauf und bergab quer zu einem schönen Strand, wo wir ein paar Stunden verbrachten und dann wieder mit ihm Essen gingen, bevor es zurück zum Hafen und auf ein total überfülltes Boot ging. Auf der letzten Hälfte der 500 Stufen, die zum Hafen führen hatte es angefangen zu regnen und so kamen alle klitschnaß am Boot an und alle quetschten sich in den Bootsraum. Dafür dass ich die ganze Zeit mit einigen anderen auf dem Boden zwischen den beiden an den Seiten des Schiffes angebrachten Bänken saß, sind die 3 Stunden Überfahrt dann doch ganz gut vorüber gegangen. Ich habe glaube ich die meiste Zeit verschlafen, da die Sonne verdeckt war ist es ganz schön frisch geworden und nur ein paar Männer mussten draußen sitzen, weil es drinnen keinen Platz mehr gab.

Zurück in Puno sind wir noch mal lecker Essen gegangen und haben wieder mal unsere Rucksäcke gepackt für die frühe Abreise am nächsten Morgen nach Cusco.
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