Vancouver wider Willen
Trip Start
Jun 06, 2011
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Trip End
Jun 27, 2011
Schonmal zu einem Städtetrip gezwungen worden? Ich ab heute schon, und das kam so:Eigentlich wollte ich ja gar nicht nach Vancouver. Also naja, schon, aber nicht als Eintageshüpfer, der so gar nicht ins restliche Programm passt. Wieso ich trotz alledem jetzt in Vancouver aufgeschlagen bin? Lange Geschichte. Die Nord-Kanadischen Airlines Air North und Canadian North (wenigstens lassen sich die Namen einfach merken!) bieten zusammen einen Air-Pass an, mit dem man stark vergünstigt eine festgelegte Runde durch den hohen Norden Kanadas drehen und als Nebeneffekt auch noch nette Flugzeugtypen einsammeln kann. Alles gut soweit. Weil der Pass auf Touristen aus den USA ausgelegt ist, startet die fixe Route ganz im Süden Kanadas (Vancouver), führt dann nördlich nach Whitehorse (wo ich ja momentan bin), und von dort noch weiter in den hohen Norden.
Leider präsentierten sich die Reservationskobolde aber dickköpfiger und unflexibler als gedacht: Meine Anfrage, ob ich den Pass statt von Vancouver im Süden hier von Whitehorse aus starten könne, wurde verneint. Obwohl ich trotzdem dessen vollen Preis bezahlt hätte, und sie dafür auf der Strecke Vancouver-Whitehorse meinen leeren Sitz quasi doppelt hätten verkaufen können. Versteh' einer die Logik. Jedenfalls gab's den Pass nur ab Vancouver, oder gar nicht. Und da die ganze Reiserei mit Pass und zusätzlichem One-Way-Flug runter nach Vancouver (nur um danach wieder - nun als Teil des Passes - nach Whitehorse hoch zu fliegen) noch immer günstiger kam, als alle im Pass enthaltenen Flüge ohne Pass zu buchen, war ich also nun unterwegs nach Vancouver.
Nach einem ansprechenden, den teilweise sichtbaren Bergen entlangführenden Zweistünder von Whitehorse in Air North's halbleerer Boeing 737-400 schlug ich in Vancouver auf. Acht Stunden Aufenthalt hatte ich, und das reicht bei einer Stadt vom Kaliber Vancouvers natürlich nirgendwo hin. Drei Hauptbereiche gab es zu abzudecken: Spotting am zweitgrössten Flughafen Kanadas, Jagd auf Seaplanes an der Hafenpromenade der Innenstadt, und Sightseeing in der Metropole natürlich. Ein kaum zu bewältigendes Programm. So war ich gar nicht unglücklich, als der Wind den ganzen Tag über "falsch" blies, und somit den Spotting-Part schon einmal zunichte machte (hätte eh nur Blaue-Himmel-Anflugbilder gegeben, jänu). Ab in die Stadt also!
25 Minuten später spuckte mich die vollautomatische Metro (die längste führerlose Bahn der Welt) im Stadtzentrum aus. Puh, schon lange nicht mehr zwischen Wolkenkratzern gestanden! Nach zwei Wochen im alaskischen Niemandsland wird einem da imfall gehörig schwindlig, und auch die zahlreichen zwielichtigen Gestalten auf der Strasse wirken gleich noch ein paar Graustufen düsterer. Nichts desto trotz machte ich mich auf zum nahegelegenen Canada Place - nicht des architektonisch durchdesignten Hotels und Cruise Ship Terminals (von da stechen übrigens die meisten der Alaska überfallenden Kreuzfahrttouristen in See) oder des neuen Kongresszentrums wegen, sondern wegen dem, das sich davor im Wasser befindet: Die Vancouver Harbour Seaplane Base.
In Vancouver ist das Wasserflugzeug alltägliches Transportmittel. Sei es, um zu einsamen Lodges an entfernten Seen zu gelangen, oder bloss um in die Vor- und Nachbarstädte zu pendeln. Nur war Donnerstag-Mittag um 12 offenbar die falsche Zeit für beides, denn es lief presque goa nix. Während den zwei Stunden, die ich Studentenfutter mampfend an der ansprechenden Uferpromenade sass und Däumchen drehte, verirrte sich nur ein halbes Dutzend Flieger vor meine Linse - da war ich also schon ein ganz klein wenig "underwhelmed", wie man so schön sagt. Aber anyway, was dann mal kam, sorgte direkt vor meiner Nase im strahlenden Sonnenschein für ordentliche Gischt - pas mal (hm, irgendwie haben mich diese Kanadier und ihre omnipräsente, gelebte Zweisprachigkeit wohl mit ihrer Frankophonitis infiziert!)
Von der fehlenden Action etwas schläfrig geworden, raffte ich mich dann schliesslich auf, das Sightseeing-Programm an die Hand zu nehmen und Kanadas drittgrösste Stadt zu erkunden. Die rasante Lift-Fahrt von 0 auf 168 Meter Höhe, zur Aussichtsplattform auf dem Harbour Centre, weckte mich dann aber bald wieder auf. Oben gab's (hilflos eingekesselt zwischen tonnenweise Horsts aus Berlin und Bärtus aus Bern) ein ansprechendes Panorama über die in einem tollen Natursetting aus Bergen und Buchten gelegene Metropole, die Glastürme des Business Districts, die durchdesignte Uferpromenade, und als Kontrast dazu die backsteinernen Gebäudeklötze im hippen und revitalisierten Gastown-Quartier.
Durch jenes führte mein kleiner Rundgang denn auch als nächstes - wobei ich feststellen musste, dass mir das ganze etwas zu hip, respektive die schrägen Vögel auf der Strasse etwas zu schräg waren. Kurzer Schlenker zum Dominion Building, dessen farbige, aus dem Norden Englands importierte Terracotta-Ziegel für einen willkommenen Farbtupfer sorgten. Weiter ging's nach Chinatown - immerhin sind um die 30% aller Einwohner Vancouvers chinesischer Abstammung! Bloss: Viel China war da nicht mehr zu finden. Abgesehen von einem grosszügigen Torbogen, welcher die ganze vierspurige Strasse überspannte, sowie nett gemachten Verzierungen an Laternen und Strassenschildern, war von chinesischem Charme nicht viel zu spüren. Der nahegelegene chinesische Garten, eine kleine, feine Oase mitten im Trubel der Grossstadt, war da schon etwas sehenswerter.
Damit war mein Aufenthalt auch schon zu Ende und die Metro brachte mich zurück zum Flughafen. Kurz den Znacht eingefangen und ab zum Gate. Ich kam mir ja schon blöd vor, mit meinem Subway-Sandwich durch die Sicherheitskontrolle zu gehen (ob man jede Olive einzeln sah?) - doch beim Gate von Air North angekommen, war ich Spezialgepäck-mässig in guter Gesellschaft: Da wartete doch wirklich ein Fluggast, welcher einen wild flatternden Habicht an einer Leine auf dem Arm sitzen hatte. Jaja, sie ticken etwas anders, die Northerner. Immerhin: Air North hatte sich für den Start meines Air Passes nicht lumpen lassen, und gleich mal ihre 27-jährige Beauty nach Vancouver geschickt, um mich aufzugabeln: Die Boeing 737-200 C-GANV.
Die nicht ganz so rosige Sitzbelegung sehend, war mir auch klar, wieso die mich unbedingt auf dem Flug haben wollten: Beim Jahresbericht zählt da wohl jeder Auslastungs-Prozentpunkt! Mir war's egal, ich hatte genügend Platz, mich an ein Fenster mit schöner Aussicht zu setzen und den Flug in der alten Blechmaus zu geniessen. Nachdem sich die APU nicht zur Mitarbeit hatte überreden lassen und ein Triebwerk mit Hilfe externer Pressluft am Gate gestartet werden musste, ging's lautstark aber ohne weitere Probleme in die Luft und wieder nordwärts. Nach anderthalb Stunden bewölkten Fluges klarte es auf, und wir starteten den (steilen) Sink- und Anflug über die endlosen, von der warmen Abendsonne getränkten Waldlandschaften Yukons. Zwölf Stunden nach meinem Abflug war ich wieder dort, wo ich den Tag begonnen hatte: In Whitehorse. Aber um einige Eindrücke einer durchaus schönen Stadt reicher!
English Summary
Ever been forced to a city trip you actually didn't want to make? That's what those Canadians do to us tourists. Air North offers an airpass which lets you travel on a fixed routing through Canada's far north at a reduced cost: Starting in Vancouver, stopping in Whitehorse (where I was staying), and continuing north from there. Would they just let me join in Whitehorse? Nope. They made me fly all the way down to Vancouver to start from there. Still cheaper than booking all the pass' flights individually, so off I went for a day in the south then! Spotting at the International Airport was thankfully ruled out by weather, which left only two remaining areas of interest to cover: Spotting Seaplanes in the city's harbour (nice, but nowhere as busy as I had imagined) and having a look around town. While the latter wasn't too spectacular either, it still made for a pleasant and interesting day. Finally, to top it off, Air North's evening ride back north to Whitehorse was carried out in their lovely tin mouse, the 27-year old Boeing 737-200. I sure didn't mind the hassle anymore by then!



Comments
Mensch Maier! Erst hatten wir vor ein paar Monaten über das ILS noch über Reiseideen gefachsimpelt (Aleuten, M/V Tustumena, Inside Passage, Skagway, Buffalo Airways etc. etc.) und nun stelle ich fest, dass Du bereits auf und davon bist und ein Hoehepunkt nach dem anderen jagst – noch bevor ich überhaupt nach Norwegen gegangen bin! Und so wie’s aussieht, kommst Du auch noch in Yellowknife und Hay River vorbei: Da weiss ich ganz genau warum! Geil! Da freue ich mich schon jetzt auf Deinen Bericht!
Hammerbilder und tolle Erlebnisse, die Du da schon wider gesammelt hast: Flyin’ a Goose in Dutch Harbor, Seaplane haven in rainy Ketchikan, Heavies in ANC, Oldies in FAI – to name just a few. Was mich diesmal aber etwas beruhigt: Im Gegensatz zu Deinem letzten Trip in die Gegend hast Du nun endlich mal das Alltags-Wetter erlebt: Die Aleuten waren regenumtost wie erwartet, Barrow noch fest im „Vorfrühling“ und nicht mal den Denali (nicht Mt. McKinley, bitte – da bin ich voll der sture Alaskaner!) hat sich diesmal gezeigt. Wohl ein weiterer Beweis, dass Dein letztjaehriger Trip Up North wettermaessig UNGLAUBLICH genial war! Nun freu ich mich auf Deine Erlebnisse mit Air & Canadian North – ich nehme an ab jetzt fliegst Du mit einer HS 748 oder einer 732 Combi rum, oder? H-A-M-M-E-R!
Weiterhin viel Spass wünsch ich Dir – und lass uns blogmaessig nicht im Stich!
Cheers
S