Surprising Sights in the Scenic Seas of the South

Trip Start Jun 06, 2011
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13
19
Trip End Jun 27, 2011


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Where I stayed

Flag of United States  , Alaska
Monday, June 20, 2011

Auch die zweite Nacht an Bord verlief problemlos. Und nachdem ich den ganzen vorangegangenen Tag auf See verbracht hatte, sorgten heute ganze drei Zwischenhalte für viel Abwechslung. Naja, etwas zumindest. 










Als ich aufwachte, befanden wir uns schon in der Hafeneinfahrt für die erste angelaufene Stadt - bloss konnte ich die leider nicht erkennen, da ganze vier Kreuzfahrtschiffe die Sicht versperrten. Aha, die gibt's hier oben also auch, na toll. Natürlich kannte ich die Stadt aber auch so, war dies doch schon mein dritter Besuch in den letzten vier Tagen. Es handelte sich um? Genau, Ketchikan, Heimat für 7'500 Einwohner. Erkennbar auch an den tiefhängenden Wolken und den häufigen neckischen Schauern. 



 

Drei Stunden Aufenthalt lockten jeden von Bord, auch mich. Und so strömten wir paar Fähr-Ameisen denn aus, vermischten uns bald mit den tausenden Kreuzfahrt-Ameisen, und machten uns auf die erfolglose Suche nach Sehenswertem. Grosse Teile von Ketchikan beherbergten kühle und heruntergekommene Fabriken und Lagerhäuser, in denen Lachs verarbeitet und für den Export bereitgemacht wird. Nur die nach einer halben Stunde Fussmarsch erreichte "Old Town" war etwas lebendiger. Wobei das nicht eine hübsche Altstadt, sondern eine auf historisch getrimmte Ansammlung von riesigen, auf die Horden von Kreuzfahrt-Touristen ausgelegten Souvenir- und Bekleidungsshops war. 



Kurz ein Beaver T-Shirt ergattert (zur Feier meines Fluges mit der Kiste drei Tage zuvor), ein Auge voll sterilen und biederen Kreuzfahrt-Dampfern genommen, und dann schnell wieder auf mein eigenes viel charakterstärkeres Schiff geflohen - wieviel lieber mir da mein Schlafplatz auf dem Boden des Freiluftdecks war! Und schliesslich kommt unsere kleinere Fähre auch durch engere und sehenswertere Passagen, die die riesigen weissen Crèmeschnitten umfahren müssen. Nur nützt das leider nix, wenn man den Grossteil der Zeit im Nebel dahintuckert, wie in den Stunden nach Ablegen von Ketchikan. Jänu, Literatur war zur Genüge vorhanden...



Nach sechs Aussichts-losen Stunden liefen wir im Hafen der Kleinstadt Wrangell (2'400 Einwohner) ein. Aufgrund ihrer strategisch wichtigen Lage an einem Fluss, der weit ins Landesinnere reicht, war sie bei sämtlichen Kolonialmächten sehr begehrt, und gehörte neben den Indianern zeitweise den Russen, den Engländern und schliesslich den Amerikanern. Die halbe Stunde Zeit im Hafen erlaubte keine grossen Sprünge, und bald ging's weiter zur "Nachbarstadt" Petersburg, 3 Stunden entfernt. Die Fahrt führte uns durch die schmalen Wrangell Narrows, einen kurvenreichen 32 Kilometer langen Kanal, der für die Kreuzfahrtschiffe abermals nicht gross genug ist und uns somit eine weitere Exklusivität bot. 


Netterweise blinzelte auch die Sonne ab und zu hervor, und versüsste die ohnehin schon spektakuläre Passage, auf der vielfach keine hundert Meter zur Küste übrig blieben. Dazu gab es immer mal wieder einzelne majestätische Bald Eagles, die US-Wappentiere, zu erspähen - bis dann kurz vor Petersburg der Overkill kam, als mehr als ein Dutzend der Raubvögel auf einem einzigen Baum versammelt sassen. Um 10 Uhr Abends - kurz nach Passieren eines einsamen kleinen Eisbergs - kam schliesslich Petersburg in Sicht. Die 3'000-Seelen-Gemeinde war von norwegischen Fischern gegründet worden, und begeistert immer noch mit einigen typischen, farbigen Häuschen. Nur leider nicht, wenn das Schiff wiederum nur eine Stunde im Hafen liegt, und das Wetter eh zu kalt für einen Spaziergang ist.



 Es folgte eine kurze Nacht: Um 5.45 Uhr hielt das Schiff in Alaskas Hauptstadt Juneau, viele Reisende packten ohne jegwelches Feingefühl lautstark ihr Gepäck, und an Schlaf war natürlich nicht mehr zu denken. Nur das Wetter belohnte die frühe Aufsteherei abermals nicht - Nieselregen und tiefhängende Wolken warteten, das übliche Programm. Dies besserte erst ein, zwei Stunden ausserhalb von Juneau. Kaum hatte ich meine verbliebenen zwei Instant-Suppen sowie meinen Tee mit kochendem Wasser übergossen, riss der Himmel stückchenweise auf, und es lugten immer wieder imposante Gipfel, schöne Inselchen, oder gar der eine oder andere Gletscher aus der Wolkendecke hervor.


Diese späte, leichte Wetterbesserung ausnutzend, war ich permanent auf dem ganzen Schiff unterwegs. Und immer mal wieder würde jemand "Whale!" rufen, die ganze Passagiermeute würde an Deck sprinten, Ausschau nach einem kleinen, unregelmässig auftauchenden schwarzen Dreiecklein in 100 Metern Entfernung halten, und dessen Auftritt mit Oohs und Aahs quittieren. Und endlich, beim siebenundzwanzigsten Versuch traute sich mal ein Orca nahe genug ans Schiff, um mehr als nur ein paar Pixel zu füllen. Schön! 




 

Rasant vergingen so die 4 Stunden bis zu unserem letzten Zwischenhalt im Örtchen Haines (erst im dortigen Hafen hatte ich endlich Zeit für meine unterdessen kalt gewordenen Suppen!), dessen grösste touristische Attraktion darin liegt, im Gegensatz zu fast allen anderen Orten der Region ans kontinentale Strassennetz angebunden zu sein und Zugang zu Alaskas Innerem zu bieten. Dementsprechend stieg das Gros der Passagiere (inklusive all die aktiven und lauten Schulklassen) hier aus, und ich blieb als einer der Wenigen zurück.
Doch auch meine Reise dauerte nur noch eine Stunde - so lange brauchten wir, um das Ende der Fährlinie, die Stadt Skagway (800 Einwohner), zu erreichen. Und oh weh: da fährt man stundenlang durch einsame Fjorde und meint, ein gemütliches Dörfchen anzusteuern - und wird am Ende von nicht weniger als vier Kreuzfahrtschiffen im Hafen überrumpelt. 



 Als im benachbarten Kanada der Goldrausch losbrach, wurde das vom Meer zugängliche, nahegelegene Skagway förmlich überrant, die Population wuchs binnen zwei Jahren von 10 auf 10'000 Einwohner (die grösste Stadt Alaskas!), und die Stadt war bald ein gesetzloses Höllenloch, geprägt von Alkohol, Kriminalität und Prostitution. Heute sind es jährlich eine Million (!) Kreuzfahrttouristen, die das Städtchen überrenen - effektiv war die Hauptstrasse so voll von lethargisch dahinflanierenden Amis, Indern, Japanern und natürlich Deutschen, dass ich mich mit tüchtigem Ellbogeneinsatz zu meinem Hotel (in einem ehemaligen Puff gelegen, die Zimmer nach den damaligen Bewohnerinnen benannt) durchkämpfen musste.



Gross also mein Erstaunen, als ich drei Stunden und ein Nickerchen später wieder aus selbigem hinaus auf die Strasse trat: Die Schiffe waren weg, mit ihnen das Leben, und Skagway war zu einer veritablen Geisterstadt verkommen. Fehlte nur noch, dass so ein typischer Western-Busch durch die Strasse rollte. Absolut nix mehr los, nada! So schaut das wohl aus, wenn ein Dorf seine Seele voll und ganz dem Tages-Tourismus verkauft hat. Klar, es war schön, durch die geschichtsträchtige Hauptstrasse mit ihren zahlreichen hölzernen Originalgebäuden zu wandeln - aber in den Schaufenstern dabei nur die Embleme von Swarovski, Dior und Konsorten zu sehen, fühlte sich irgendwie nicht richtig an (trotz des omnipräsenten Goldschmucks). Genauso wenig, wie Abends um 8 kein offenes Restautant mehr zu finden - zum Glück hatte ich von der Schifffahrt noch ein paar Müesliriegel übrig! 



English Summary

After a full day at sea, three stops were to provide entertainment today. Ketchikan failed miserably, its superficial and touristy old town's only purpose being to house dozens of souvenir stores, catering to the several thousand daily cruise ship passengers. The following villages of Wrangell (of Russian origin) and Petersburg (a Norwegian settlement) would have been way more original, but the ferry's short stops left no time to explore them. A short night was ended by a loud and busy, but otherwise uneventful call at the port of Alaskas capital Juneau. Finally, for my last hours on board, the weather cleared up a little, revealing several islands, mountains, glaciers and the occasional whale in the distance. Upon arrival at my destination, the former gold-rush town of Skagway, I was shocked to find it, too, swarmed by the passengers of no less than four cruise ships. But I was even more bewildered to see it totally deserted and dead once the ships had left - feeling like the only living soul wandering about an eerie Disneyland of historic buildings housing out-of-place luxury stores. 
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