Im Schulbus auf Bärenjagd

Trip Start Jun 20, 2010
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Trip End Sep 15, 2010


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Flag of United States  , Alaska
Tuesday, September 14, 2010

Heute ging's auf Safari! Alaska ist ja nicht nur für seine wunderschönen Landschaften berühmt, sondern auch für den Reichtum an Wildtieren. Und im Denali Nationalpark kriegt man beides. In umlackierten Schulbussen (und auf dementsprechend harten Sitzbänken) geht's auf einer schmalen Schotterstrasse in den Park hinein. Ziel meines Rundkurses war ein idyllischer See namens Wonder Lake. Aber eigentlich ist hier der Weg das Ziel - und der Weg war zweimal 135 Kilometer lang, äusserst holprig und die Fahrt dauerte ganze 11 Stunden. Die fotografische Ausbeute ist jetzt nicht gerade der Stoff für den Jahreskalender von National Geographic - aber fürs heimische Fotoalbum als Erinnerung tut's dann doch.


Los geht's in aller früh', die Sonne ist noch nicht mal aufgegangen und der Tau auf den Blättern leicht angefroren. Nur das Visitor Center summt schon wie ein Bienenstock und dutzende Touristen in Winterjacken (oder wie ich schlotternd im Pulli) stürmen auf die alten, grünen Busse zu. Endlich scheint jeder ein Plätzchen gefunden zu haben, es kann losgehen. Der Busfahrer weist uns seeeehr gemääächlich in die Gepflogenheiten des Parks ein, danach folgt mit gleich monotoner und langsamer Stimme die Info, dass man sich anzuschnallen hat und bei jeder Tiersichtung absolut still zu sein hat (was angesichts des lauten Busmotors etwas seltsam erscheint, aber bitte). Das ganze wird während der nächsten fünf Minuten noch etwa siebenmal repetiert, und man wird das Gefühl nicht los, dass da oben irgendwas nicht so ganz stimmt. Naja, sechsmal pro Woche diese 11 Stunden zu fahren kann ja auf Dauer nicht gesund sein...

 Die ersten zwei Stunden tut sich Wildlife-Mässig schon mal gar nichts, und ich beginne an der 95%-Bärensichtungs-Garantie zu zweifeln. Immerhin ist die Landschaft aber ziemlich schön; es geht über weite Tundrafelder und ein Meer aus irgendwelchen roten Büschen, während sich im Hintergrund majestätisch die schneebedeckten Berge der Alaska Range erheben. Wenigstens können wir die andere Prozentzahl abhaken - wir gehören (wiederum) zu den 20%, die Denali zu Gesicht bekommen. Der macht mit seiner Grösse schon ordentlich was her. Zwar ist er bekanntlich nicht der höchste der Welt. Allerdings "sitzt" er im Gegensatz zu anderen Bergen wie dem Everest nicht in einer Bergkette, sondern mitten im Flachland. Das gibt ihm eine "relative Höhe" von 5'000 Metern, weltweit die höchste!

Wir nähern uns einer der vielen Brücken, und der Fahrer stoppt aprupt (zu meiner grossen Überraschung, dass der überhaupt mit einem solchen Manöver fähig ist). Vor uns steht doch tatsächlich ein hellbeiges Fellknäuel - zwar scheint es einen Wegweiser zu lesen und wendet uns nur den Rücken zu, aber es ist zweifelsohne ein Bär. Keine 20 Meter von unserem Bus, und ohne sich gross gestört zu fühlen! Schliesslich schlurft es ausser Sicht, taucht jedoch kurz darauf im Flussbett wieder auf. Und es kommt noch besser: Sekunden später erscheinen zwei weitere Fellknäuel, und wir können minutenlang zuschauen, wie Mama Bär und ihre zwei Jungen dem Wasser entlang trollen. Sehr eindrücklich!


 Weiter geht die Fahrt. Durch dieses Highlight motiviert scanne ich noch konzentrierter die vorbeiziehende Landschaft, was angesichts der monotonen Fahrerkommentierung und des Schlafmankos alles andere als einfach ist. Auch nicht einfacher macht es die Rentnerdame aus Israel im Sitz hinter mir, welche die ganze Zeit über alles dreimal nachplappert, was der Busfahrer von sich gibt und dem ganzen auch noch ihre struben Überlegungen beimischen muss. Zu allem Übel kommt da auch noch ihr starker isralischer Akzent hinzu, was den Grizzly Bear dann zu einem Chhhritzlibäächhhh macht, und laut nach einer Packung Halswehtabletten schreit - oder einem Maulkorb und einer Rolle Klebeband. 



Trotz aller Scanarbeit vergingen die nächsten zwei Stunden wiederum ereignislos - ausser der Sichtung eines Dutzends undefinierbarer weisser Punkte an einem weit entfernten Berghang, die offenbar Alaska-Schafe darstellen sollten (Fchau Ischael fand trotzdem gewohnt lautstark, wie schön die seien und dass sie gerne eines derer Felle für ihre Garderobe hätte). Endlich sahen wir am nächsten Hügel einen Elch. Sofort sprang wieder der ganze Bus auf die interessante Seite und drängelte sich zu den kleinen Fenstern durch - heute werden wohl einige Besucher mit Prellungen und blauen Flecken bestückt  ins Bett sinken. Bei jeder Wildlife-Sichtung plapperte Mama Israel -trotz Psst-Rufen aus dem gesamten Bus- noch tausendmal aufgeregter als sonst schon, und so hatte der Elch dann bald einmal die Nase, ähh die Ohren voll und zog von dannen. Trotzdem imposant - richtige Urviecher irgendwie, die mit ihrer immensen Grösse wie die letzten Überbleibsel aus der Zeit der Mammuts und Dinosaurier scheinen. 


Immerhin, nur eine halbe Stunde später ward wieder was gesichtet. Okay, es war nur ein Fuchs und ja, den kann ich auch sehen, wenn ich nachts zuhause auf dem Balkon stehe. Dennoch, der tippelte da ziemlich unbekümmert direkt vor, neben und hinter dem Bus durch, was dann glaub' ich in der Schweiz schon auch nicht üblich ist. Natürlich konnte sich Mama Israel auch hier eines Dutzends Kommentare nicht erwehren - besonders stach die Frage hervor, wieso wir nicht aussteigen und den Fuchs streicheln könnten sowie wiederum der laute Wunsch, sich den Fuchsschwanz für die heimische Mantelkollektion zu sichern. Immerhin wurde das mit 49 hasserfüllten Blicken quittiert, was ich mit Genugtuung zu Kenntnis nahm. 



Es folgte ein kurzer Halt bei unserem Umkehrpunkt namens Wonder Lake (nicht ganz so wonder-ful wie Lake Otto gestern, aber auch nett) und dann ging's die ganze Strecke wieder zurück. In weiter Ferne wurde noch ein Caribou gesichtet - die Ami-Version des Rentiers. Leider wiederum viel zu weit entfernt, und -um es im Stile von Mama Israel zu sagen- haben diese blöden Tiere hier einfach keinen Sinn für schöne Fotos, und präsentieren sich immer im gleissenden Gegenlicht. Besser wurde es dann etwas später. Wiederum stoppte der Fahrer aprupt, denn da kam uns doch wirklich ein Wolf auf der Strasse entgegengetapst. Auch wenn der eher bekifft dreinschaute und den scharfen Wolfsblick wohl aufs Saisonende schon abgelegt hatte, war es doch eindrücklich, wie der keinen Meter von unseren Köpfen entfernt unbeirrt am Bus vorbeihechelte. 

Die restlichen vier Stunden Fahrt zogen sich dann ziemlich langsam dahin - Mama Israel und den engen Platzverhältnissen sei Dank. Auch der Fahrer war keine Hilfe, repetierte er doch an den jeweiligen Punkten alles noch einmal, was er schon auf der Hinfahrt zum Besten gegeben hatte (inklusive den tupfgenau gleichen Jokes, haha). Wir waren schon fast am Ende angelangt, da sahen wir noch etwas durch die Büsche huschen. Was zum Vorschein kam war nichts geringeres als ein massiver, dunkler Grizzybär, der da irgendwelche Beeren am verspeisen war. Wow, nochmals ein richtiges Highlight zum Schluss! 

Nach 11 Stunden dauerhafter Konzentration (wohl die längste Busfahrt meines Trips und ziemlich ermüdend, wie man an der Posting-Zeit des Blogs sieht!) waren wir dann zurück. Mit "nur" zwei Bärensichtungen waren wir zwar nicht ganz so glückhaft, immerhin konnten wir aber die "Big Five" abhaken: Grizzlybär, Elch, Caribou, Alaska-Schaf (sort of...) und Wolf, mit ein Bisschen Kleingetier, Vögeln und vielen schönen Landschaftsbildern noch dazu. 


English
Alaska isn't just about the breathtaking scenery, but about the abundance of wildlife, too. A bus ride through Denali Park provides the opportunity to see both, and so I bid a heart-warming farewell to some more Dollar notes and joined in on the bumpy 11-hour ride in an old school bus. Nothing in terms of wildlife during the first two hours, but the Tundra around us and the snow-capped peaks of the Alaska Range in the background weren't too bad either. Finally, wildlife started with a big hit - a mother Bear and two cubs strolling along the road, and then happily playing around in the river below us. Other sights included several Moose, a Fox and a Wolf passing unimpressed a mere meter from the bus, a Caribou, some birds of prey, and to top it off at the end of the trip, another huge Grizzly Bear roaming around looking for berries. Well worth the money, time, and my aching back!
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