Durchs Farbenmeer zu Denali

Trip Start Jun 20, 2010
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Trip End Sep 15, 2010


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Where I stayed

Flag of United States  , Alaska
Monday, September 13, 2010

Gerne wäre ich noch einen Tag (oder zwei, oder eine Woche) in Anchorage am Lake Hood geblieben. Vielmehr ging's frühmorgens zum Flughafen - allerdings für den Bus namens  "Alaska Shuttle". Standard-Transportmittel wäre ja eigentlich der Zug, mit Panoramafenstern und dem ganzen Klimbim. Leider hatte der genau gestern Saisonende, und ich musste mich nach Alternativen umschauen. Im Nachhinein musste das mal wieder sein - denn kaum hatte ich im kleinen weinroten Minibus (beschriftet mit "Alpenglow", wie niedlich!) Platz genommen, liessen wir Anchorage auch schon hinter uns und glitten fortan über kurvenreiche Strassen durch den farbenprächtigen Herbstmorgen, vorbei an Weilern mit Abenteuer versprechenden Namen wie Trapper Creek. 


Ich weiss ja nicht, wie's euch geht, aber irgendwie sehen diese amerikanischen Strassen immer so super fotogen aus. Ich habe keinen Schimmer, woran das liegt und wieso unsere nicht und so, habe aber so halb den gelben Mittelstreifen und den rauhen Asphalt im Verdacht. Nur: Von meiner hintersten Sitzreihe war da nicht viel auszurichten. Bald konnte ich aber nicht mehr widerstehen, überredete den Driver, dass er auch einen fotografierenden Beifahrer überleben würde und verschob mich nach vorne. Mit dem immer intensiver werdenden Gelb der Laubbäume am Strassenrand war das sowas von schön, dass ich wohl beinahe jede Kurve fotografisch festhielt - und der Kurven gab es da viele!

Das stete Geklicke gefiel offenbar dem älteren Pärchen aus Arrrrchentina in der Sitzreihe hinter mir nicht so wirklich: Bei jedem der 163 Strassenbilder war  irgendein Getuschel über "el suizo" und seine "muchas fotos" zu hören - aufs Dezibel genau so getrimmt, dass ich es auch ja mitbekommen würde. Wobei, stimmt nicht. Ab etwa Bild Nummer 80 war dann jeweils nur noch ein leises, nervöses und verzweifeltes Hüsteln zu vernehmen. Dies war mir freilich so ziemlich egal, denn nun tauchte in der Ferne auch noch Denali auf - so etwas wie mein Ziel des Tages. "Denali" heisst in der Sprache der Eingeborenen "der grösste", und genau das ist er auch: Der 6'194 Meter hohe Hühne ist der höchste Berg der gesamten USA. 

Er ist derart exponiert, dass er fast immer die Wolken um sich schaart und sich nur etwa jedem fünften Besucher gänzlich offenbart. Nun, ich Glückskind war einer davon - schneebedeckt thronte er über der Herbstlandschaft! Schliesslich meinte der Fahrer, ob ich schöne Fotos von Denali wolle. Was ist denn das bitte für ne Frage? So ging's dann noch zu einem Aussichtspunkt mit in der Tat nettem Blick auf Mount McKinley (wie er von den Auswärtigen genannt wird), auch wenn er ohne Strasse im Bild beinahe etwas langweilig anmutete. Die Argentinier waren dann plötzlich überfreundlich und engagierten mich prompt für ihr Gruppenbild mit Berg - war ja klar. Immerhin hörte danach das Hüsteln auf.


Weiter ging's, und nun da wir an Denali vorbei waren, wurde die Landschaft wieder etwas weitläufiger. Halt so typisch wie man sich Alaska eben vorstellt - wie wenn jemand die Schweiz genommen und an allen Ecken und Enden kräftig gezogen und gezerrt hätte, bereichert um eine Armada farbiger Bäume. Ab und zu mal wurde ein Fluss passiert - und auch die sahen allesamt tupfgenau gleich aus wie die Flüsse in den Tierfilmen, wo die Bären immer mit den Pranken die Lachse frisch gekühlt aus dem Eiswasser fischen  (nicht dass ich jetzt der grosse Tierfilm-Junkie wäre, aber die sind jeweils die einzige Notlösung, wenn es einem an Uni-freien Nachmittagen nach Einschlafhilfen dürstet und man sich nicht mit Barbara Salesch oder noch schrecklicheren Kreaturen in Richterroben rumschlagen möchte). 

Nach sechs Stunden waren die 400 kurvenreichen Kilometer dann absolviert und ich wurde beim "Denali Park Hotel" ausgeladen. Dieses liegt am Rande des -eben- Denali Nationalparks, so ziemlich mitten im Nirgendwo, wo sich Wolf und Bär gute Nacht jaulen oder sich gegenseitig zerfleischen. Nur 15 Minuten zu Fuss entfernt gibt's einen kleinen See namens Otto Lake (was mich gar nicht mehr wundert, nachdem mich in der Tanke in Trapper Creek eine Dame in dermassen breitem Sachsen-Englisch bedient hatte, dass ich ihr gleich auf deutsch antwortete). Sah jetzt auf der Karte nich allzu schön aus, aber wenn man schon mal da ist und einen Nachmittag lang Zeit hat...



Und schon wanderte ich also mal wieder alleine durch die vielfarbige Wildnis, stets auf der Hut vor Grizzlies mit herbstbedingter Torschlusspanik und ziellos umherstaksenden 800-Kilo-Kolossen mit Mega-Geweih, auch als Elche bekannt. Zwei von diesen Riesenviechern (Schulterhöhe über 2 Meter!) hab' ich schon in Anchorage am Strassenrand gesehen, und ich war nicht allzu erpicht darauf, nun ohne Fahrrad Ziel eines ihrer herbstlichen Hormonschübe zu werden (die fügen Menschen offenbar mehr Verletzungen zu als Wölfe und Bären zusammen!). Das einzige was mich dann um Haaresbreite niedergestreckt hätte war ein Golfball, der mir plötzlich entgegengezischt kam. Aha, ein Golfplatz mitten in der Wildnis - da kann der See nicht mehr weit sein. 

Und wahrlich, die Leute haben Geschmack: Otto Lake war die Zoo-Expedition tausendmal wert; im tiefblauen Wasser spiegelten sich die umliegenden Berge und das Ufer wurde von einer Reihe knütschgelber Bäume gesäumt. Traumhaft. Und mindestens ebenso schön wie Cargo-Flieger in Anchorage. Und wenn sich die Wetterfrösche in meinem iPhone nicht übelst verklettert haben, soll's morgen nochmals so schön werden. Da darf das ganze Wildlife, das mich die letzten 3 Monate aus dem Busch beobachtet hat, dann gerne in Einerreihe zum Schaulaufen antreten - wenn ich für einmal im sicheren Bus sitze und das grosse Objektiv aufgeschraubt habe. Mal schauen...!



English
Way too soon for my taste, I left Anchorage in the early morning. A minivan of "Alaska Shuttle" took me 6 hours up north, an amazing journey on deserted roads winding through colorful seas of trees. All the while, Mount Denali's imposing figure was towering over the hills and I had the rare chance to capture the US' highest peak without any clouds blocking the view. Past Denali, the terrain flattened a little, but didn't get any less scenic. Got dropped just outside Denali National Park, in a motel in the middle of Alaskan nowhere. However, there's a scenic lake nearby, and despite all the grizzlies, moose, wolves and whatever else has set its mind on killing me, I ventured out through to woods to find it. The expedition (of 15 minutes) definitely paid off - Lake Otto was a picture perfect reflection pond for the surrounding scenery, and the intense yellow trees lining up on its shores looked almost unreal! 
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Comments

Stefan on

Waaaaaahnsinns Bilder! Alaska im September bei goldigem Sonnenschein ist photogenisch nicht mehr zu toppen!
"Denali" heisst in der Sprache der Eingeborenen "der grösste" - will ja kein Tüpflischisser sein (o.k. nur ein bisserl), aber Denali oder Dinale ist der Name der lokalen Koyukon Athabaskan Indianer und bedeutet "Der Hohe". Die Indianer südlich des Berges (der Dena'ina Stamm) nannten ihn zwar "Der grosse Berg" doch dies hiess dann "Dghelay Ka'a". ;-)
Eine Schande, dass der Berg irgendwann nach einem hundsnormalen Kongressabgeordneten aus Ohio unbenannt wurde, der in seinem Leben nie selbst in Alaska war... Bestrebungen, den Berg wieder seinen ursprünglichen Namen zu geben wurde Jahrzehntelang von Ralp Regula, Kongressmann aus - Ohio - torpediert. Auch nach seinem Rücktritt im Jahre 2009, verhindern seine Nachfolger jegliche Namensänderung!!
Aber für die Alaskaner ist und bleibt er "Denali"!

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