Im 7-8-7-ten Himmel!

Trip Start Jun 20, 2010
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Trip End Sep 15, 2010


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Flag of United States  , Washington
Wednesday, September 8, 2010

Heute gibt es ne kleine Geschichte die zeigt, dass Durchhaltevermögen ab und zu durchaus honoriert wird. Es sah nämlich sehr lange Zeit nach ungemein düsterer Schreibstimmung aus. Ich hatte ja mehr als genügend Zeit, mir einen TItel zu überlegen - und "die Leiden des jungen Meyers" schwamm ziemlich weit obenaus. Hätte ich dem Eintrag eine Farbe geben müssen, sie wäre irgendwo zwischen pechschwarz und dunklem Nebelgrau anzusiedeln gewesen. Doch punkt 17:37 stolperte Fortuna mit lautem Krach über den weissen Farbeimer und der Tag nahm eine drastische Wende.


 
Doch halt, so leicht kommt ihr mir nicht davon. Ihr sollt genauso leiden wie ich. Wobei nein, ihr könnt natürlich einfach runterscrollen - trocken und ganz ohne zu frieren notabene. Aber anyway. Wecker 06:30, sehr zur Freude meiner Zimmergenossen. Doch der Wetterbericht vom Flughafen (METAR) ist mal wieder länger als meine kühnsten Satzkonstruktionen, und das verheisst für gewöhnlich nichts gutes. Temperatur 13 Grad, Regen, Dunst, und die Wolken hängen so etwa 30 Meter über der Piste. Das ganze Herbstprogramm also, und etwa das pure Gegenteil von perfektem Fotowetter - ausser man spottet Wassertropfen in allen Variationen, versteht sich. Lange kämpfte ich gegen mich, die Bequemlichkeit und mein Bett, rückte dann aber doch aus. Was besseres hatte ich ja eh nicht zu tun.

Ab ging's also zum internationalen Flughafen Seattles. Hauptattraktion hier, neben ein paar schweren Jungs aus Asien und Europa, sind vor allem die unzähligen Alaska Air-Flieger. Bei Alaska können sie vom pinseln nicht genug kriegen, und darum geistert ein knappes Dutzend Flugzeuge in bunten Spezialbemalungen rum. Und weil Alaska so grausam weit von überall weg ist, müssen die Vögel alle in Seattle runter. Die Gelegenheit also, da fotografisch ordentlich zuzuschlagen. Einfacher gesagt als getan. Ich lasse mich auf dem obersten Deck des Parkhauses nieder, doch die Teiler steigen nach dem Start so schnell ins Gewölk hinein, dass kaum Zeit für einen einzigen Schuss pro Flieger bleibt. Hab' ja gern eine Herausforderung, aber auf die hätte ich jetzt auch verzichten können.

Ich habe mich gerade so mit der Situation arrangiert, da kommt eine Security-Dame dahergekeucht. Das hier sei Sicherheitszone, hier könne ich nicht bleiben. Aha, wo kann ich dann hin? Mir egal. Ein Stockwerk tiefer? Oh ja, klar, das ist kein Problem. Wie wenig es doch braucht, Menschen glücklich zu machen. Wieso man von Deck 8 Terroranschläge verüben kann und von Deck 7 nicht bleibt zwar ein Rätsel, aber bittesehr. 
Ich war also nass, müde, durchgefroren und mies gelaunt, und eigentlich bereit, den Heimweg anzutreten. Doch im Flugplan standen noch drei ankommende Asiaten. Und ehe ich mich versah, sass ich schon im Bus in den Anflug. Der Fotopunkt bei einem Wasserturm war dann viel besser als erwartet - abwesender Sonne sei Dank konnte ich ohne Rücksicht auf Kleinigkeiten wie Gegenlicht und Hitzeflimmern wild um mich ballern, und Flugzeuge auf allen möglichen Pisten erlegen.

Entgegen aller Wettervorhersagen kam nun auch noch die Sonne hervor - wie schön!
Damit stand ich nun aber auch im Gegenlicht, und folglich kreuzfalsch. Also packte ich meine sieben Sachen zusammen, zog einen Airport weiter und widmete mich wieder meiner liebsten Nachmittagsbeschäftigung: Gelangweilte und ungestörte Lektüre in Boeing Field. Da war heute noch viel weniger los als gestern, nämlich grad gar nix. Das einzige was flog waren Stühle, weil die gefühlten 17 Inderkinder neben mir daran ihren Spass hatten, und die Eltern offenbar von Rücksichtnahme keinen Schimmer. So wartete ich dann die verlässliche UPS MD-11 ab (Licht: Fehlanzeige) und trottete danach enttäuscht und frustriert zur Busstation. 
 

Faul wie ich bin, liess ich das Funkgerät noch in der Hosentasche und die Ohrhörer eingestöpselt. Als ich bereits meinen Bus in der Ferne daherrollen sah, zwischterte die Stimme in meinem Ohr etwas von einer DC-8. Durfte ja nicht wahr sein. So etwas schlägt in Zürich alle Schaltjahre mal auf! Also sprintete ich zurück zum Flughafenzaun (bye bye, Bus!), und kurz später kam in der Tat die schlanke Lady mit den vier Triebwerken angerauscht. Ich erwischte sie sogar noch mit etwas Sonne, perfekt. Nun war da in meinem Ohr plötzlich auch noch von einer 767 die Rede. Na gut, nehmen wir die auch noch mit, wenn schon endlich mal was läuft hier. Und dann auch noch ne weitere 737 mit Kopfschmuck, im Vergleich zu gestern mit lesbarer Aufschrift und offenbar für die Aussies bestimmt. 

Zu gerne hätte ich nachgeschaut, ob das jetzt so weitergeht - aber mein iPhone war, wie gewohnt, schon lange wieder in seinen entladenen Tiefschlaf verfallen. Andererseits: Wenn die jetzt erst so richtig loslegen wollen, bittesehr, ich habe Zeit. Kaum hatte ich diesen Gedanken gefasst, hörte ich "Boeing 2" am Funk. Ähm, sind nicht die Nummern 1 bis 6 für die neuen B787-Testflieger vergeben? Doch, da tauchte doch wahrlich diese ungewohnte, aber doch bekannte Silhouette mit den riesigen gebogenen Flügeln und den immensen Triebwerken am Himmel auf. Ich glaub's ja nicht! Ohne grossen Lärm kam das Neo-Geflügel aus Grönland einschwebend vor mir zum stehen, präsentierte sich kurz und verschwand. Was blieb war mein Smile. Und ich grinse immernoch. Geht einfach nicht weg!

Doch damit war der Tag noch nicht zu ende. Fortuna hatte den Spottergott offenbar so richtig in den Hintern getreten, denn nun purzelten die Specials nur so vom Himmel. Zwei weitere UPS-Frachter, zwei zusätzliche 767 sowie eine 737 bestimmt für Sun Express begaben sich noch dazu. Doch auch damit nicht genug. Bald darauf machte sich die MD-11 imposant von dannen, dicht gefolgt von der DC-8 (die kaum eine halbe Stunde stillgesessen hatte). Abwesend war einzig die Sonne, aber wen kümmert die bei solch einem Programm überhaupt noch? Es lief so viel, dass ich am Ende erst mit drei Stunden Verspätung auf meinen Bus hüpfte. In der Innenstadt angekommen gab's noch einen Dollar für den Hauspenner vor "meinem" Supermarkt. Der hatte mir nun zwei Tage lang stets Gottes Segen nachgerufen - und ich habe das Gefühl, das hat voll eingeschlagen!


English
Today was the perfect example, that perseverance is sometimes rewarded. The day at Seattle's International Airport started awfully, with a cloud base of just 100 feet, rain, fog, and just everything you don't want when taking pictures. Especially if you're trying to catch the colorful Alaska special paintschemes, but the planes vanish into the clouds a second after takeoff. I did get some though, and some more at a later session in the approach path. Decided to move over to Boeing Field to try my luck there. For a long time it looked like I was out of luck alltogether. It wasn't till I was already standing at the bus stop waiting to return downtown, that I heard something about a DC-8. And from now on, the sky let loose, and a myriad of specials dropped by - culminating in the so intensely hoped for visit of the mighty 787. What a sight!
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Comments

mathias on

wow tis, jetzt hast für einmal richtig zugeschlagen! Irgendwie hast du einen riecher für "right place, right time"!

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