Keep Portland Weird

Trip Start Jun 20, 2010
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Trip End Sep 15, 2010


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Flag of United States  , Washington
Monday, September 6, 2010

Nach etwas Sightseeing gab's eine 4-stündige Dosis Greyhound - die 300km nach Seattle waren sage und schreibe bereits meine letzte Greyhound-Fahrt *schnief*. Und sie brachte mich in meinen letzten Staat - ähh, den letzten hier unten im Mainland. 
Washington 


 
 Keep Portland weird. So lautet der Schriftzug, der hier überall an Stossstangen, Shop-Türen und dergleichen auf Stickern prangt. Portland hat den Ruf als verrückteste Stadt der USA, und ist auch ganz schön stolz drauf. Also den gestrigen Abend schnell vergessen und die Sache nochmals von neuem angegangen. Die ersten Zeugen der Portland'schen Verrücktheit gabs gleich zwei Strassen von meiner Jugendherberge entfernt - vier Häuschen in den schrillsten Farbtönen, zu denen man einen Regenbogen je zwingen könnte, schmiegen sich hier aneinander; so sieht es wohl aus, wenn Hippies sesshaft werden. Immerhin, ein Farbtupfer kann bei diesem grauen Wetter ja nicht schaden. Mein Weg führte weiter in die Innenstadt hinein. Kurzer Blick auf den kleinen Bahnhof mit dem hohen Turm, an dem in riesigen Lettern der Schriftzug prangt: "Ride the Train". Okay - können wir in ZRH auch was an den Tower montieren, das zu "Fliegt mehr" aufruft? Wär' doch was! Aber im Autoland USA muss man wohl alle Register ziehen, um die Leute auf die Schiene zu kriegen...


Okay, weiter geht's. Mein Weg führt mich durch Chinatown, eine kleine chinesische Enklave von zwei mal zwei Querstrassen. Nur: Die Chinesen selber sind schon lange weg. Übrig geblieben ist ein winziger Chinagarten der 12 Dollar Eintritt kostet (ich hatte glücklicherweise nur 2 Dollar und zwei Tonnen 1-Cent-Münzen dabei), einige wenige typische Restaurants, Strassenschilder in asiatischen Schriftzeichen und ein prächtiger Torbogen am Eingang. Vor dem Bogen zwei nette Löwenstatuen - leider noch im Schatten, was fürs Bild dann nicht so der Burner war. Also pilgerte ich drei Stunden später, auf dem Weg zur Busstation, mit meinem ganzen Baggage nochmals hierhin, um den Löwen auch noch mit Sonne zu erwischen. Eine Stunde vollbepackt rumlatschen für einen Löwen - ich glaube die Stadt färbt ab...








Aber weiter mit meinem eigentlichen Rundgang. Ziel war der Pioneer Square, das historische Zentrum mit einem offenbar vielversprechenden Gerichtsgebäude. Naja, das erfüllte die Erwartungen dann nicht so ganz, was auch daran lag, dass es mal wieder von unsäglich viel Krempel umstellt war. Irgendwie zieht jedes Gebäude, das auf einem Foto zumindest eine halbwegs eine gute Falle machen würde, die Stadtplaner magisch an und sie können sich nicht zurückhalten, das Objekt mit Ampeln, Strassenlaternen, Schildern in allen Formen und Farben, Werbetafeln für Fast Food-Schuppen und noch mehr Ampeln zuzumüllen. Aber am Pioneer Square gab's dafür reichlich anderes zu sehen: Der Menschenauflauf hier machte echt den Anschein, als wären die Insassen mindestens dreier Irrenanstalten gleichzeitig ausgebrochen und als erstes auf einen Kostümverleih losgestürmt.

Echt, da konnte man sich nur noch hinsetzen, mit erstauntem Entsetzen den Blick durch die Masse schweifen lassen und alle paar Sekunden ungläubig den Kopf schütteln. Dort der Typ im Robin Hood-Outfit komplett mit buschigem Fuchsschwanz der unter dem Mantel hervorlugt, daneben Miss Molly im grellen blauen Kleid mit undefinierbar grässlichem Kopfschmuck. Oder wie wärs mit der Sensemännin in hautengem Lederoutfit und Motorradhelm auf dem Kopf? Man würde ja echt denken, das sei irgendein Gaga-Festival oder eine Demo für mehr Rechte für Leute mit mindestens einem ganzen Turnfest an Sprüngen in der Schüssel. Aber nein, diese Kostümheinis und viele weitere abgedrehte Gestalten trifft man hier an jeder Strassenecke. Keine Ahnung, was genau die antreibt. Wahrscheinlich hockt irgendein durchgeknallter texanischer Rentner auf dem Wasserturm und kippt mit einem breiten, hämlischen Grinsen und irrem Kichern weiss ich was da rein. Aber Spass zum zuschauen macht's alleweil...

Es wurde Zeit, mein Gepäck im Hostel aufzugabeln. Dann eben noch der kleine vollbepackte Abstecher zum chinesischen Torbogen, um dann langsam in Richtung Busstation abzudrehen. Das letzte Mal einen grimmigen, wortkargen Schalterbeamten um mein Ticket gebeten. Das letzte Mal mit einem der zickigen Snack-Automaten gekämpft, die einfach nicht zu realisieren scheinen, dass auch stark zerknitterte, verschwitzte und angerissene Geldnoten gopferteckel ihren Dollar wert sind; das letzte Mal durch die Toiletten geschlichen auf der (erfolglosen) Suche nach einer Kabine, in der man wenigstens irgendwo seine Füsse hinstellen kann, ohne dass gleich eine besser nicht genauer beschriebene dunkle Substanz unter den Schuhen hervorquillt. 


Das letzte Mal vom Drillinstruktor von Busfahrer (okay, heute war's eine -in von Kampfweib, was aber am Ton nicht das geringste änderte) in das lotternde Vehikel gepfercht werden. Das letzte Mal mit bösen Blicken und grosser Auslegeordnung den Nebensitz verteidigen. Das letzte Mal das Taschenradio auf eine Country-Station drehen und die längst viel zu bekannten Songs und immergleichen Werbungen reinziehen. Das letzte Mal den Blick in die vorbeiziehende Ferne richten, vor mich hinträumen und die Gedanken schweifen lassen. Das letzte Mal eine Skyline aus dem Nichts (correction, heute waren's Regenwolken) auftauchen sehen und voller freudiger Erwartungen in einem weiteren kleinen, dunklen, lauten und dreckigen Terminal einfahren. Insgesamt habe ich 180 Stunden (das sind mehr als 7 Tage [!]) in diesen rollenden Ghettos verbracht und auch wenn es sich oben überhaupt nicht so anhört - ich vermisse sie schon jetzt! Aber keine Panik, die Reise ist noch nicht ganz zu Ende...


English
Forgiving and forgetting the hard time Portland gave me yesterday, I headed out for another look around town today; the craziest town in the US as people say, and darn proud of it, too. First pointed my lens at a row of psychadelic-coloured houses (Hippie meets Picket Fences), hoping it wouldn't burn anything inside the camera. Short stroll around Chinatown, which hasn't too much of China about it except for some restaurants and that prettily ornated gate. Heading on to Pioneer Square - kind of the center of town, but definitely the epicenter of its weirdness. One could only sit back and stare in bewilderment at the ever-changing flocks of people, dressed way beyond anything imagination or taste would ever allow. Finally hopped on my last Greyhound for the 4-hour service north to Seattle - marking the end of 180 hours -that's 7 days- spent on these rolling ghettos. Oh I'm gonna miss them, seriously!
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