Aufstieg ins Land der Vulkane

Trip Start Jun 20, 2010
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Trip End Sep 15, 2010


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Where I stayed

Flag of United States  , Oregon
Saturday, September 4, 2010

So, fertig Küste. Eigentlich will ich ja nach Norden, aber heute ging's 400 Kilometer oder 5 Stunden in eine sehr ungewohnte Richtung: Nach Osten! Heja, einfach einen Greyhound zu schnappen und auf der Autobahn nordwärts zu brettern wäre dann doch etwas zu wenig Challenge gewesen. Und wenn's schon eine Buslinie gibt, die sich da auf den Überlandstrassen durch Oregon schlängelt, muss ich die natürlich ausprobieren! Zudem konnte ich so nach den Dünen gleich nochmals eine exquisite Landschaftsform einsammeln. Jaja, der Titel verrät es mal wieder. Mit diesem Titelschreiber hab' ich noch ein Hühnchen zu rupfen, der zerstört mir immer die Spannung. Aaaanyway, Tagesziel war ein Ort namens Bend, immerhin auf 1'100 Metern über Meer gelegen. 
 
 Sehr früh morgens in Coos Bay. Der Nebel hat nun so wirklich zugeschlagen, man sieht kaum die Hand vor Augen. Ich kämpfe mich murrend und frierend zum höchsten Gebäude der Stadt durch, an dessen Fuss laut mehreren Aussagen die Busstation liegen soll. Von hier aus operiert ein kleines Busunternehmen namens Porter Stage Lines. Amtrak und Greyhound jagen ihre Passagiere auf diesen Bus, über das Unternehmen selber fand sich aber bis auf einen schief eingescannten Fahrplan von 1995 rein gar nichts. Seeehr suspekt, aber leider die einzige Möglichkeit, aus diesem Nest wegzukommen. Gottseidank stand da dann wirklich ein Bus, wenn auch ein kleiner und unförmiger. 
In einem ansonsten leeren Gang fand ich ein kleines, verrauchtes Bürolein. Hinter dem Tresen kauerte eine mindestens 85-jährige Oma, deren Augen so früh morgens erschreckend viel kleiner waren als meine - und das will also was heissen. 

Naja, mir wurde sofort sonnenklar, wieso's über diese Busse keine Webseite gibt - das Internet hat es sicher noch nicht bis in dieses Büro geschafft. Amtrak übrigens auch nicht. Als ich nämlich erzählte, dass ich über Amtrak ein Ticket für den Bus reserviert hatte, schaute mich die Greisin mit grossen (ähm, ganz leicht grösseren) Augen an. Die hatte echt keinen Schimmer, dass Amtrak Leuten Fahrkarten für ihren Bus anbietet! "I thought Amtrak only do trains", gab sie verwundert von sich, was bei ihrem undefinierbar schrecklichen Akzent und der Stimme eines sehr intensiv gelebten Lebens etwa so klang: "Ayyeee thaourght Aaayyyeeemtrak oaanlley doouuuaaaarrrr traaayyyyeeerrrrnnnss." Immerhin konnte ich dann doch noch mein Ticket ergattern, auch wenn sie bei der Aussprache meiner Destination "Bend" so ziemlich alle Vokale des Alphabets in das arme kurze Wort reinpackte und klang wie ein heiserer Bär im Stimmbruch ("Beeaaaooouuurrrnnnd").

 


 
Kaum waren wir fertig, kam ein Mann selben Alters mit glücklicherweise grösseren Augen aus dem Hinterzimmer geschlurft. Küsschen auf die Wange (nicht von mir dänk!), und er schlurfte weiter zum Bus. Aha, das war also der Fahrer. Seniorenpärchen betreibt Buslinie. Wie niedlich. Immerin fanden sich noch ein paar weitere Passagiere ein und es konnte losgehen. Erst während einer Stunde den eingenebelten Dünen entlang. Schliesslich drehten wir ab in Richtung Hinterland, es klarte sofort auf und eine idyllische Fahrt durch dichte Wälder nahm ihren Lauf. 4 kurvenreiche Stunden später: Wir stiegen immer höher, schlichen über eine Passhöhe, und da stand doch gleich vor uns wirklich ein Vulkan! Ich hätte dem armen alten Fahrer beinahe die Kamera an den Schädel geworfen, so schnell zückte ich sie, um ein Bild zu schiessen. 

Von nun an war's eine einzige Kür, denn es kamen immer mehr der perfekt geformten Steinkegel zum Vorschein, die zu meiner grossen Überraschung auch schon mit Schnee überzuckert waren. Wie schön! In 4 Stunden von der Sahara zum Schneefeld! Der dichte Wald am Strassenrand bereitete mir zwar ziemliche Mühe, aber mit viel Konzentration und etwas Glück erwischte ich die Löcher im Dickicht und konnte die Vulkane doch erlegen. Die letzten Kilometer fuhren wir einem Vulkantrio namens Three Sisters entlang - die drei über 3'000 Meter hohen Kolosse thronten äusserst fotogen über der Landschaft. Genau so hatte ich mir das bei der Planung vorgestellt!



 
Ankunft in Bend, als Bushaltestelle fungiert eine Bowlingbahn. Immerhin lagerten die gerne mein Gepäck zwischen, sodass ich gleich noch ne kleine Wanderung einbauen konnte. Unweit entfernt liegt nämlich "Pilot Butte", ein weiteres Vulkänlein von 150 Metern Höhe und ein perfekter Aussichtspunkt in der ansonsten flachen Stadt. Entlang der spiralförmigen Strasse (war ja klar, dass auch hier eine hochführt...) sprintete ich nach oben. Der Ausblick war jetzt nicht ganz so umwerfend, zu weit weg waren die Three Sisters schon. Und auf der anderen Seite war nichts als flache Ebene zu sehen. Naja, war trotzdem ganz nett. Danach wusste ich eh nicht mehr, was tun - da hatte ich genug Zeit für die ÖV-Odysee zu meinem Motel - geschlagene 3 Stunden brauchten die für 5 Kilometer, Samstagsfahrplan und einmal umsteigen sei Dank. Und wer jetzt noch sehen möchte, wie man die Vulkane fotografisch so richtig in Szene setzt, dem sei dieser Link empfohlen. Es steht fest: Ich komme wieder!

 
English
Bidding farewell to fogged in Coos Bay and the coast, I headed inland in a totally new direction: East! No worries, I'm not re-crossing the whole country. Only a little five hour drive to a place called Bend, just for the fun of not following the main highway north but having a good time on the smaller roads wherever possible. The first four hours were a nice, yet not too spectacular drive through dense forests. But then the excitement began: We had just climbed a mountain pass, rounded a bend, and there stood a perfectly shaped Volcano directly in front of us! Soon more of these gorgeous cones came into view, mainly a group of three of them, known as the "Three Sisters" - each of them more than 10'000ft high and impressively towering above the flat lands in the foreground. Shortly after my arrival into Bend I was already climbing a Volcano myself - okay, it was a mere 150 meters high and stood in the middle of the city. The view wasn't too great, but still better than just staying in my motel room. Oh yeah, by the way, the transfer over there took 3 hours - Saturday bus schedules must be one of the most useless things on Earth! 
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