8-stündiger Küsten-Busspass mit den Rothäuten

Trip Start Jun 20, 2010
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Trip End Sep 15, 2010


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Where I stayed

Flag of United States  , Oregon
Thursday, September 2, 2010

Heute wird's gleich nochmals kurz und nur sehr beschränkt spektakulär. Obwohl das Programm nicht ohne war: 350 Kilometer auf der abwechslungsreichen Küstenstrasse, 8 Stunden unterwegs, 4 mal umsteigen, 2 Busunternehmen und 1 neuer Bundesstaat: Welcome to Oregon!
Oregano



Das Central Transit Terminal von Arcata (eine Baracke mit zwei Bushaltestellen - nicht gerade Züri Hauptbahnhof, aber gut, immerhin) sah mal wieder aus wie die Fahndungsliste der Drogenpolizei - sehr schräge Typen lungerten da rum, die man in einem beschaulichen Küstenstädtchen nicht unbedingt erwarten würde. Aber einerseits sind wir ja noch immer in Kalifornien, und zweitens ja offenbar inmitten der Hanfplantagen. War nicht zu übersehen. So war ich dann froh als meine erste Verbindung pünktlich angerauscht kam, ein Minibus in den Farben des "Redwood Transit", dem lokalen Transportunternehmen. Damit ging's dann los, in grossen Bögen der weitläufigen Küste entlang. Nett!

Wir kamen in ein beschauliches Nest namens Klamath und steuerten eine Wohnwagensiedlung an. Aha, umsichtig, dass die sogar Camping-Plätze bedienen. Falsch gedacht. Die Horde die zustieg bestand nämlich nicht aus weiss besockten, sandalisierten kanadischen Rentnern, sondern aus einem knappen Dutzend Indianern. Ja, richtig gelesen. Die galoppieren nicht nur durch die Prärie, sondern leben auch hier an der Westküste und flechten Körbe aus Redwood-Holz. Yurok heissen sie hier und zählen knapp 4'000 Mitglieder, von denen übrigens 80% unter der Armutsgrenze leben. Mir wurde dann jedenfalls die zweifelhafte Ehre zuteil, neben "riesiger stinkender Büffel mit monumentaler Klappe", oder so ähnlich, zu sitzen, respektive beinahe erdrückt und komplett vollgelabert zu werden.

 Mit ruhigem Indianer-Charme hatte das dauernde laute Gegröhl, das offenbar das Lieblingsritual des Stammes darstellt, nicht allzu viel gemeinsam. So war ich dann froh, als die Meute in der nächsten Stadt ausstieg; meine malerischen Kindheitsvorstellungen waren aber ein für allemal hinüber: Indianer fahren also mit dem Bus zum Supermarkt, leben in Wohnwagen, tragen mit Vorliebe Harley Davidson T-Shirts, haben eine Stammes-Webseite und führen schon morgens um 11 ne umwerfende Alkoholfahne spazieren. Für einmal ein Song aus der Heimat: Keini Indianer meh (von einem, der ja laut Blick-Tagebuch kürzlich auch die USA unsicher machte)


 
Die Fahrt gehörte eigentlich zur schöneren und abwechslungsreicheren Sorte. Nach vier Stunden Kalifornien passierte ich die Grenze und Oregon stellte sich sich so vor, vor wie sich Kalifornien verabschiedet hatte: Mal ging's durch einen endlos scheinenden Nadelwald, kurz darauf wieder über Felsklippen, nur um wieder in einen Abschnitt gigantischer Redwoods einzutauchen. Durch die zahlreichen Löcher im dichten Grün konnte sich das Auge immer wieder traumhafte Küstenpanoramen zusammenbasteln - leider war kaum ein Loch gross genug, um auch mal die gesamte Szene auf einem einzigen Foto einzufangen. Seis drum, die Fahrt war trotzdem ein Genuss. 



Mmmhm, wäre gewesen. Ein einziger Indianer blieb nämlich sitzen und hatte die gleiche Destination wie ich. Das bedeutete, dass ich ihn 7 Stunden lang am Hals hatte. Das wäre nicht weiter schlimm gewesen, hätte ich nicht ausgerechnet "Wehende Fahne mit losem Kiefer" erwischt.  Ich hab mir -mangels anderer Ablenkung- ja nen Spass daraus gemacht, seine längste Ruhezeit zu stoppen. 48 Sekunden. Sonst stetiges Dauergeplapper. Auch das wäre noch kein Problem gewesen, wenn er irgendwelche lange überlieferten Indianerfabeln zum besten zu geben gewusst hätte. Aber nein, er lallte bloss sinnloses Zeugs durch den Bus, von dem ich auch nach den ganzen sieben Stunden Zwangs-Zuhören noch nicht wirklich sicher bin, ob es überhaupt englisch war. Offenbar war es aber an mich adressiert, denn alle zwei Minuten begann mal ein Satz mit "hey Swizzlän". 
So kam ich dann schliesslich ziemlich erschöpft und gerädert in Coos Bay an, das zu allem Übel auch nicht das erwartete charmante Küstendörflein ist, sondern mehr ein anonymer Industriehafen. Naja, das ist mir alles einerlei, wenn ich morgen nen Fahrradverleih aufspüren kann. Hugh - ich habe für heute gesprochen. 



English
Proceeded further north today, some 350km on winding Highway 101, crossing from California into Oregon. The 8-hour trip was anothe example of US diversity: From seemingly endless evergreen forests to pretty coastal segments to dark alleys framed by huge Redwoods, this drive had it all. Photography was another story though, and so the impression that stuck the most were the Indians (read 'native americans') who entered the bus at some trailer park, their constant blabber and excessive laughing instantly going on my nerves. Not only did they make me long for an absolutely soundproof headset, but they also managed to shatter just about every single romantic and naive imagination I had about Indians: Turns out today's American Indians ride busses to supermarkets, live in run-down trailers, wear Harley Davidson T-Shirts, have tribe websites and smell like a busy brewery already way before noon. 
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Comments

Daniel on

Hey Tis

Da nun seit über zwei Wochen keinerlei öffentliche Reaktion mehr auf deinen Blog zu erkennen ist, möchte ich doch mal wieder kurz was schreiben:

Ich (wie wahrscheinlich der Rest auch) lese immer noch begeistert und interessiert mit. Gut, es hat mir ein wenig im Herzen weh getan, wie du L.A. (ohne X) abgefertigt hast [in dieser Hinsicht verstehe ich die Spottergilde einfach nicht :-) ], aber ansonsten sind deine Eindrücke von der Küste einfach klasse!

Genieße deine verbleibende Zeit, ich freue mich schon besonders auf das "Grande Finale" in Alaska!

Grüße, Daniel

tiszrh
tiszrh on

Hallo Daniel,

vielen Dank für deine netten Worte! Naja, solange die Like-Anzahl (Button) mehr oder weniger stabil bleibt, ist die Welt ja noch in Ordnung ;-))

Freut mich aber zu hören, dass die Sache trotz momentaner leichter Fotoflaute noch immer zu gefallen weiss. Ich hoffe, spätestens in Alaska gibt's dann nochmals was fürs Auge *gg*

Weiterhin viel Spass und merci fürs vorbeischauen,
Tis

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