Mit dem Stinktier durch die Redwoods

Trip Start Jun 20, 2010
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Trip End Sep 15, 2010


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Where I stayed

Flag of United States  , California
Wednesday, September 1, 2010

Der eigentliche Grund für den Abstecher ins beschauliche Küstenörtchen Fort Bragg waren nicht seine Klippen, sondern seine alte, laute, eiserne Hauptattraktion: Richtig geraten, eine weitere Dampfeisenbahn. Die fährt von Fort Bragg aus im Sommer täglich zwei Stunden in den Wald hinein, was einem einen bequemen (sowie bären- und pumasicheren) Blick auf die Redwoods erlaubt. Da erklärt sich dann auch der Name Skunk Train von selber, und die Redwoods muss ich ja wohl nicht mehr vorstellen.



Erst wurde ich in meinem B&B von den Gastgebern frühstückstechnisch noch so richtig gemästet. Die konnten auch nach einer Nacht drüber schlafen noch immer nicht begreifen, dass ich a) überhaupt auf die Idee gekommen war, die USA per Bus zu durchqueren und nun b) auch tatsächlich vor ihnen stand und das Abenteuer offenbar überlebt habe. Dementsprechend wurde ich auch von Tisch zu Tisch rumgereicht und angepriesen wie ein Tanzbär. Den Gesichtsausdrücken der jeweiligen Rentnergilden nach wurde ich wohl in die Schublade der bewundernswert mutigen, aber doch etwas verrückten eingeordnet. Irgendwo zwischen Raubtierdompteur und Everest-Bezwinger so etwa. 

Schliesslich den Rucksack gesattelt und losgewatschelt. Und ich hätte schwören können, ich hätte da hinter den Vorhängen ein paar verwunderte Greisenköpfe mir nachstarren sehen. Ja, liebe Leute, das war kein Geist. Ein Geist hätte auch kaum einen Teller Käse-Schinken-Quiche verputzt. 
Wo war ich stehen geblieben? Ahja, der Zug. Die 87-jährige Lok stand schon fauchend und zischend im Bahnhof. Schliesslich setzte sich der Tross dann doch in Bewegung und ich wechselte auf den offenen Aussichtswaggon - sehr nette Erfindung. 



Kurz später kam auch noch so ein Clown in Uniform und Mütze angehampelt und stellte sich als Zug-Singer vor. Zug. Singer. Wasn'dat? Da gingen also meine 50 Dollar hin. Und wahrlich stimmte der mit Gitarre, Mundarmonika und rauher Stimme bewaffnet dann ein Lied nach dem anderen an, und hüpfte dazu trotz seines hohen Alters mit den begeisterten Kindern tanzend im Kreis rum. Die grosse Masse stimmte enthusiastisch mit ein, und so ratterten wir dann fröhlich trällernd in den Wald hinein. Okay, auch ich fand's dann durchaus nett. Das ganze kommt auf bewegten Bildern etwas besser rüber - das Bild rechts verwandelt sich bei Klick in ein Video. Wer noch was besseres vom singenden Unikat sehen möchte, bittesehr

 
Die mächtigen Redwoods liessen auch nicht lange auf sich warten, immer mal wieder stand am Stra---äh, Schienenrand so ein Gigant und machte unseren Zug im Handumdrehen zur Modelleisenbahn. Der Versuch, die Teiler mit dem Zug als Grössenvergleich gemeinsam festzuhalten scheiterte leider kläglich, und so gibt's nur Bilder mit normalgewachsenen Bäumen. Imposant anzuschauen waren sie trotzdem, gerade auch wegen ihres Alters von 800 bis 1'000 Jahren. Hey, die Dinger standen schon ein halbes Jahrtausend dort, als Kollege Kolumbus um die Ecke gepaddelt kam. Unvorstellbar und eindrücklich!
Abgesehen davon war's dann halt wirklich, wie viele Reviews festhielten, einfach eine Fahrt durch den Wald. Mit sehr viel Anstrengung und Bewunderung für die Redwoods, die Dampflock sowie dank kräftiger Unterstützung durch den uniformierten Animateur konnte ich dem Trip während der ersten zwei Stunden Hinfahrt noch gerade so eben einen unterhaltsamen Eindruck abgewinnen. Dann hiess es für mich umsteigen - die Masse fuhr nach Fort Bragg zurück, ich mit ein paar wenigen anderen weiter ins Landesinnere in Richtung Willits. Zum Einsatz kam der unförmige Diesel-Schienenbus auf dem Bild. Kein Openair-Deck, keine Dampflok, keine Musik - damit war nun absolut kein Mittel gegen die Langeweile mehr vorhanden, und ich verbrachte die nächsten zwei Stunden schlafenderweise. 

Vom herzeigbaren Tagesprogramm war's das leider auch schon wieder. In Willits angekommen durfte ich mir die sechs Stunden bis zur einzigen Greyhound-Abfahrt des Tages vertreiben. So strandete ich dann mal wieder im McDonalds. Gratis Internet und gratis Getränke auffüllen sind halt schon verlockend. Der Bus war zu allem Übel auch noch ne Stunde verspätet, und so gondelten wir dann in pechschwarzer Nacht auf unbeleuchteten Strassen durch Humboldt County, eine kaum besiedelte Region am Ende der Welt, wie die Rentnerin neben mir nicht müde wurde zu erwähnen. Aber die musste es ja wissen - die fuhr gerade zweimal 6 Stunden Bus, nur um einen Spezialarzt zu sehen. Mehr Kasachstan als Kalifornien. Zudem klärte sie mich auf, dass in den unendlichen Wäldern zahlreiche riesige Hanfplantagen versteckt seien - und ein Haufen Bären übrigens auch. Bären auf Drogen haben mir gerade noch gefehlt - zum Glück bin ich nur für die Nacht hier...

English
 After a hearty breakfast at my lovely B&B I made my way to the train station, where yet another steam engine was waiting, already huffing and puffing. This was the 'Skunk Train', the aptly named main attraction of Fort Bragg that takes its passengers deep into the redwoods. Heck, they even had a train singer on board, cranking out some old railroad tunes. So we were all singing along and happily rattling into the deep forest, seeing a fair share of fascinating natural giants dotting the tracks, some of them as old as 1'000 years. Even though the steam engine was charming and the train singer did a great job, the ride kept teetering on the brink of becoming boring, and you really had to focus on appreciating the Redwoods in ordner not to drift away completely. After all, it remained a 4-hour ride through the woods. Rest of the day was spent waiting for the bus (6 hours) and riding north to Arcata in the dark (3 hours). 
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