Alles andere als ein Strandspaziergang

Trip Start Jun 20, 2010
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Trip End Sep 15, 2010


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Flag of United States  , California
Wednesday, August 25, 2010

Heute galt es, die Megametropole Los Angeles zurückzulassen und den Blick weiter nordwärts zu richten. Shuttle zum Flughafen, Bus vom Flughafen zur Bahnstation. Diese Verbindung gibt's zwar erst seit vier Jahren, aber mir soll's recht sein. Und schon war ich bereit für ein weiteres kurzes Amtrak-Abenteuer.


 




Kaliforniens wunderschöne Küste ist nämlich so etwas wie die letzte Knacknuss, die sich dem autolosen Reisenden auf dem Weg westwärts durch die USA präsentiert. Die wunderschöne Küstenstrasse darf man sich ja nicht entgehen lassen - nur leider gibt es keinen einzigen Bus, der die ganze Route entlang fährt. Ein paar Bruchstücke sind jedoch mit dem ÖV erreichbar. So bin ich dann gewzungen, zu puzzeln, und mir aus den paar Fragmenten ein grosses Ganzes zusammenzubasteln. Der erste Teil war heute. Der Zug mit dem schönen Namen "Pacific Surfliner" machte sich sogar pünktlich auf den Weg - okay, ist auch kein Wunder, denn er startet erst in LA.


 Die ersten anderthalb Stunden ging's durch kalifornisches Farmland, das zwar schön grün, aber nicht weiter interessant war. Insbesondere angesichts dessen, was folgen würde. Plötzlich reckten sich im Aussichtswagen 50 mit Kameras bewaffnete Hände in die Höhe, allgemeine Unruhe machte sich breit. Aha, wir hatten die Küste erreicht, und der erste Strand kam in Sicht. Von nun an schlängelten wir uns, mal 50, mal nur 10 Meter vom Meer entfernt, der Küstenlinie entlang. Mal über steile Klippen mit dem tiefblauen Wasser beinahe senkrecht unter uns, mal entlang lieblicher Buchten und gut gefüllter Strände. Derweil befanden wir uns in stetem Kampf mit dem hartnäckigen Seenebel, der sich auch mittags um 12 noch nicht aus dem Staub gemacht hatte und uns mit Freuden die besten Panoramen einzunebeln versuchte. Ein paar nebelfreie Schüsse gab's dann doch noch, und die Szenerie war so toll wie erwartet.

Nach einer halben Stunde anstrengender Küstenfahrt war für mich Feierabend, im Städtchen Santa Barbara verliess ich den Zug. Leider war das Teil so lang, dass es im Bahnhof stehend die einzige Strasse zu meinem Hotel blockierte, und so durfte ich dann noch ne Viertelstunde rumstehen, bis sich der Koloss endlich wieder in Bewegung setzte. Kurz eingecheckt, und nun ab an den Strand. Ha, denkste! Ich hatte mich zwar schon seit Tagen aufs Nichtstun an der Sonne gefreut, aber da hatten die spanischen Missionare etwas dagegen. Die konnten nämlich beim Anblick eines schönen Hügels hinter der Stadt mal wieder nicht widerstehen und pflanzten eine ihrer Missionskirchen hin. Offenbar machten sie ihre Arbeit ganz ordentlich, denn mein Reiseführer spricht überschwänglich von der Königin aller Missionskirchen. Also gut, ich mach' mich ja schon auf den Weg...

Immerhin fährt ein Bus hin. Ganze sechs Minuten Zeit hat man, bevor er einem im Rückweg wieder einsammeln kommt. Oder man wartet zwei Stunden auf den nächsten Kurs. Ich entschied mich für ersteres, schoss quer über den Vorplatz, klick hier, klick dort, kiebitzte in den schön verzierten Innenraum, klick klick, und spurtete wieder zur Busstation. Okay, das war nun sogar für mich etwas schnell - und ich hatte doch die letzten zwei Monate über genügend Speed Sightseeing betrieben. Leider war die Kirche -wie beim Blick in die Karte erwartet- von aussen schon nicht mehr schön beleuchtet, dafür müsste man am Morgen hin. Aber da erwartete ich den Seenebel, und ich sollte übrigens recht behalten. Besser eine Kirche im Schatten als eine, die man gar nicht sieht. 

Immerhin erwischte ich den Bus und es ging zurück ins Stadtzentrum. Nächste Sehenswürdigkeit war das Gerichtsgebäude. Haja, was mein Reiseführer in gewohnt flapsiger Manier als "an absourdly beautiful place to be on trial" bezeichnet, kann ich mir schon nicht entgehen lassen. Und wirklich: Die Imitation spanischer Architektur wirkt sehr schön und lässt einen Hauch von Europa aufkommen, auch die Wandmalereien im Innern wissen zu gefallen. Vom kleinen Turm hat man eine schöne Übersicht über Santa Barbara. Ozean mitsamt bedrohlich nahe lauernden Nebelbänken rechts, die imposanten Santa Ynez-Mountains links. Gefällt!



Kurzer Bummel durch die Innenstadt. Ja, sehr charmant, immer mal wieder idyllische Ecken und schöne Häuschen. Endlich konnte ich mich auf den Weg zum Strand machen - aber leider noch immer fotografierender- und nicht entspannenderweise. Es galt noch einen Augenschein beim rustikalen Holzpier vorzunehmen, das da ziemlich weit in den Ozean hinausragt. Auf dem Pier tummeln sich etliche Hummerrestaurants -die Tiere kommen aus dem Bundesstaat Maine an der Ostküste, und sind damit etwa gleich weit gereist wie ich-, über den Köpfen kreisen Möwen und vereinzelte Pelikane, und der Blick zurück auf Stadt und Berge ist auch nicht zu verachten. Danach konnte ich dann endlich Tuch und Badehose schnappen und mich dem lang ersehnten, bewussten Nichtstun im Sand hingeben. Für genau 10 Minuten, dann ging die Sonne unter. Manchmal macht's einem das dichte Programm scho nicht leicht...!



English
Left LA behind and headed north. The task for the next few days is to see as much of the scenic California coast as possible, without actually driving along it. There's simply no means of transport that does the job. Got the first few glimpses of the scenery today, as the train from LA hugged the coastline for half an hour before pulling into lovely Santa Barbara. Would have loved to plant myself on the beach rightaway, but there was sightseeing work to do first. Started at the huge spanish Mission of Santa Barbara, followed by a visit to the pseudo-spanish (but still lovely) courthouse, and last but not least a stroll around the wooden pier down by the ocean. When I was finally done and ready to hit the beach, guess how much time I spent there? I got  a mere 10 minutes before the sun set behind the palmtrees. Sometimes this tight schedule can be tough!
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