Durch die Wüste ins Paradies

Trip Start Jun 20, 2010
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Trip End Sep 15, 2010


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Where I stayed
Motel 6 San Diego Airport/Harbor

Flag of United States  , California
Sunday, August 22, 2010

Weiter geht's, immer westwärts, 'till the map turns blue. Nach meiner längeren Greyhound-Abstinenz gab's heute auf der achtstündigen Fahrt durch die Wüste 600 Kilometer lang Gelegenheit, mich wieder voll ins Bus-Element zu stürzen. Doch schliesslich ist das grosse Nichts durchquert und ich bin im Land der Träume und Träumer angelangt, von einem schlecht schauspielernden Bodybuilder regiert und von dutzenden noch viel schlechter schauspielernden Ex-Missen invadiert. I'm in California!


 

Die Fahrt führt erst an weiten, staubtrockenen Feldern entlang, nur die Saguaros scheinen mit dem harschen Klima zurechtzukommen.  Nach einer Stunde ein kurzer Halt mitten im Nirgendwo, in einer one-horse-town namens Gila Bend. Einzige Attraktion ist das Wilkommens-Schild, welches das Dörfchen als Heimat von "1700 friendly people and 5 old crabs" identifiziert. Witzig. Also das heisst so Fahrt-durch-die-Wüste-und-dann-auf-was-unterhaltsameres-als-Wüste-stossen witzig. Immerhin. 
Weiter geht's, wir überqueren die Grenze nach Kalifornien. Sässe ich links, könnte ich nun auch die ganze Zeit über die Landesgrenze nach Mexiko starren - bloss dass ich nicht links sitze, weil das die Südseite ist, und mir da acht Stunden lang die Sonne auf die Nuss brennen würde, während es auf der Nordseite angenehm kühl ist. Auch beim Busfahren geht nichts ohne Taktik, soviel steht fest! 

Und was ist das erste, was ich von Kalifornien sehe? Sanddünen, eine ganze endlose Ebene voll! Dieses Land ist echt voller Überraschungen...
Etwas später Ankunft im Grenzstädtchen Calexico (zusammengesetzt aus California und Mexico). Ja, grässlicher Name, und an Einfallslosigkeit kaum zu überbieten. Wollt ihr raten, wie die Stadt ennet der Greze heisst? Genau, Mexicali. Wunderschön. Geht allerdings noch schlimmer; in Texas haben sie es gar geschafft, die Namen von drei Staaten (Texas, Arkansas und Louisiana) in einer Ortsbezeichnung zu verwursteln. Texarkana heisst das arme Ding. Gleiches haben sie hier in der Gegend auch versucht - ist aber mit einem Zungenbrecher namens Cal-Nav-Ari so ziemlich abverreckt. Wieso die Einwohner ihren Bürgermeister nach so einer Benamsung nicht gleich one-way ins Death Valley abschiessen, ist mir schleierhaft...


Wir sind im Grenzland, und Arnies Mannen lassen nicht lange auf sich warten. Es steht mal wieder ne Grenzkontrolle an. Ein Schrank postiert sich mit Hand an der Waffe und grimmigem Blick vor der Bustür, ein weiterer auf der Bustreppe und zwei weitere Schränke (hei, das ist ne halbe IKEA hier!) kämmen durch den Bus auf der Suche nach Illegalen. Habe natürlich nichts zu befürchten, trotzdem bereichern diese Kontrollen die Fahrten stets mit einem Schuss Aufregung. Dann fragt mich der Typ auch noch, von wo ich heute früh losgefahren bin. Falsche Frage, habe doch keine Ahnung! Bin genug damit beschäftigt, die Zukunft zu planen - da habe ich absolut keinen Platz für die Vergangenheit.Sobald der Bus sein Terminal verlässt, wird die jeweilige Stadt in einer gut verschlossenen Schublade abgelegt und in die hinterletzte Ecke meines Gedächtnisses verbannt. So schien es mir zumindest. Dem Schrank schien es wohl eher, dass ich gar keines hatte.


Es folgen 20 Sekunden bangen studierens, und ich sehe mich schon in Handschellen abgeführt, mitten in der Wüste an einen Kaktus gefesselt und vom Governator höchstpersönlich vermöbelt und ausser Landes gekickt. Da fällt mir die Antwort glücklicherweise doch noch ein und der Schrank schrankt zufrieden von dannen. Wir müssen aber eh ne halbe Stunde warten, da ein mexikanisches Ehepaar genauer unter die Lupe genommen wird. Toll. Endlich geht die Fahrt dann weiter. Die Wüste wird so langsam etwas langweilig, und da ist Blog schreiben ein netter Zeitvertreib - wären da nicht zirka zwölf Mexikaner, die mit glänzigen Augen auf mein Netbook geifern und jedesmal synchron mit den Bewegungen meiner Hand ihre Köpfe in die Höhe recken, wenn ich die Kamera aus dem Rucksack hebe. 


Schliesslich nach 9 Stunden Ankunft in San Diego, und ich erblicke endlich, was ich seit genau 29 Tagen nicht mehr gesehen hatte: Das Meer! Ich hab's geschafft, das Land, ja der Kontinent ist durchquert und ich hab's überlebt! Ghettojungs, Gangster, Dampfwalzen auf dem Nachbarsitz, tobende Babies, Bären, Schränke, Mexikaner - alles vergessen. Und paradiesisch ist's hier, umso mehr nach den Torturen der Wüste: Angenehme 23 Grad, leichte Brise, wieder Feuchtigkeit in der Luft, alles liegt nahe beisammen, toller ÖV - besser geht's gar nicht! Wie einst die Pioniere lasse ich zufrieden den Planwagen namens Greyhound zurück, lege unweit vom Wasser mein Bündel nieder und baue mein Zelt auf. Okay, über meinem Zelt prangt ein helles Neonschild mit der Aufschrift "Motel 6", aber die Annehmlichkeiten und Hygienestandards sind durchaus vergleichbar. 

Wuuuuush. Hey, das fährt ein! Habe ja extra ein Hotel in der Anflugschneise gebucht. Aber dass das Teil fadegrad 100 Meter hinter der Pistenschwelle steht, ist schon cool. Husch die Kamera gesattelt und ab zum Airport. Leider ist's hier nicht mehr ganz so paradiesisch - die Leute haben es für nötig befunden, einen Doppelzaun aufzuziehen. Keine Boden-Fotos dann. Immerhin ein paar Anflüge kann ich knipsen, im netten Abendlicht vor den schmucken Häuschen im Hintergrund. Hier gefällt's mir!





 

English
Back from fancy tourist spots to Greyhound reality. A long  8-hour trip west, through the driest and most unforgiving landscapes the US has to offer, while now hugging the Mexican border. Ah, border lands mean border checkpoints. Even two of them within an hour. Nice little excitement on an uneventful trip, suddenly seeing 4 guys with guns approaching the bus! That one guy interviewing me even asked where I had departed from today. And I had no idea anymore! I could've named every future city, hotel, bus line on my way. But the past? All gone! Then again, it's easy to forget the past if you've just crossed the California State Line. Shortly after (well, 2 hours to be honest), San Diego came into view, and with it: The ocean. Glad to see it again after 29 days in the desert! This also meant I had just successfully crossed a country, a continent even. What a great feeling! And what a nice city to accomplish the feat. Weather, temperature and humidity are absolutely perfect, and the city itselfs seems lovely. At least I love my motel - straight under the approach path, 100 meters from the runway. As you can imagine, I spent the rest of the day hunting airplanes... 
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