Bummel durchs Kakteenland

Trip Start Jun 20, 2010
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Trip End Sep 15, 2010


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Flag of United States  , Arizona
Saturday, August 21, 2010

 Nein, ich bin nicht schon wieder einer einsamen Strasse entlang durch die Wüste gewandert. Ganze zwei Programmpunkte gab es heute in Phoenix abzuarbeiten. Nummer eins: Ausschlafen (irgendwie dreht sich dieser Penner-Blog viel zu oft ums Schlafen...). Das tat ich erfolgreich bis nachmittags um drei, auch wenn irgendwann um 12 plötzlich die Putzfrau im Zimmer stand (was genau die Amis an 'Do not Disturb' nicht verstehen, und wieso sie solche Schilder überhaupt anbieten, wenn sie dann doch keine Beachtung finden, bleibt allerdings ein Rätsel). Nummer zwei war der Airport-Besuch. Bis ich ihn cancelte, und Plane-Spotting durch Kaktus-Spotting ersetzte.

Auch beim hartgesottensten Planespotter meldet sich ab und an das schlechte Gewissen, wenn mal wieder von einer Stadt nur der Flughafen gesehen zu werden droht. So war es heute. Im dünnen Phoenix-Teil meines Reiseführers fand ich immerhin eine Attraktion, die ansatzweise mein Interesse weckte. Stellte sich heraus, dass der "Desert Botanical Garden" gleich um die Ecke liegt - das heisst für US-Verhältnisse, dass man mit nur einmal umsteigen und knapp unter einer Stunde Busfahrt zum Ziel gelangen kann. Normalerweise sind Pflanzen für mich wenig mehr als ein schöner grüner Hintergrund auf Landschaftsbildern, aber die Kakteen hatten mich schon gestern entlang der Autobahn fasziniert. Und da ich die Wüste ab morgen hinter mir lassen werde, fand ich es angemessen, ihren stacheligen Bewohnern noch einen Besuch abzustatten. Links mal schon ein erster Grössenvergleich, damit bei den weiteren Bildern die Dimensionen so richtig einschlagen. Die Dinger sind nämlich riesengross!




 
 
Bevor es mit den Kakteen losgeht, erst noch zwei Foto-Anektötelein von der Busfahrt zum botanischen Garten. Oder genauer, von der halbstündigen Umsteigepause (es ist Samstag...). Die bescherte mir nämlich gleich zwei witzige Beobachtungen. Die halbe Stunde konnte ich gut gebrauchen, um mir im riesigen Supermarkt hinter der Bushaltestelle das Frühstück zusammenzubasteln (um 16:30 versteht sich, und die Wahl fiel auf 2 Bananen und die am normalsten und am ehesten geniessbar klingenden Taco-Chips, die ich finden konnte). Stellte sich heraus, dass der Supermarkt im Mexikaner-Viertel stand: Alles auf spanisch angeschrieben, laute Sombrero-Musik aus den Lautsprechern, im Gang mit den Waschmitteln tanzte gar die Putzfrau dazu. Am meisten imponierten mir aber die Jesus-Statuen, die direkt über dem Wurstregal standen. Erst sündigen, dann beten. Man muss sie einfach lieben, die Mexikaner. 

An der Kreuzung gleich gegenüber waren mal wieder Wahlkampf-Werbetafeln aufgestellt - und ein Name deutscher als der andere (Bild bei Interesse unten): Schweikert, Ableser und Huppenthal stachen aus dem germanischen Schilderwald besonders hervor. Mitten in der Wüste von Arizona. Das friert einem ja! Des letzteren Karriere als wieder-kandidierender Bildungsvorsteher ist übrigens wohl gelaufen, nachdem er mit seinem Nichtwissen über die selber verabschiedeten Gesetze kürzlich in einem Schüler-Interview derart kalt erwischt wurde, dass ihm nichts mehr anderes übrig blieb, als einfach davon zu laufen

 
Okay, fertig lustig, jetzt wird's stachelig. Oder eher dornig. Kakteen haben nämlich Dornen, wie mir Wikipedia zu erzählen wusste. Und Rosen übrigens Stacheln, jaja. Hat irgendwie damit zu tun, ob das pieksende Etwas aus dem Innern wächst (Dornen), oder nur aus der 'Haut' (Stacheln). Oder umgekehrt. Ich mit meinem Bio-Vierer stehe da sowieso auf verlorenem Posten - zu meiner Verteidigung muss ich aber anfügen, dass wir in den 6 Jahren Unterricht eh nie übers Pantoffeltierchen hinaus kamen. Da war der 'Desert Botanical Garden' schon viel interessanter. "Die Wüste lebt!", kann ich nur sagen. 20'000 Pflanzen haben sie hier, davon sind mehr als die Hälfte Kakteen. 



 
2 Stunden lang wandelte ich begeistert durch den Kakteenwald. Ganz und gar nicht, wie man sich die öde Wüste vorstellt, sondern voller Leben und Farben. Von 5 Zentimetern bis 15 Metern Grösse wird die ganze Bandbreite abgedeckt, und die faszinierende Vielfalt an Formen, mit welcher die Natur im Kampf gegen sich selber antritt, ist überwältigend. Auch für den Heimbedarf war alles vorhanden: Vom Zahnstocher-Dispenser über den Suppenteller-Kaktus bis zu stacheligen Sitzkissen. Sicherlich immer noch bequemer als die Greyhound-Sitze. Ha, wie mir Wikipedia verrät, lag ich mit dem Sitzkissen gar nicht so weit daneben - Mother-in-Law's Cushion (Schwiegermutter's Kissen) werden die Teiler im Volksmund genannt.  



 Dominiert wird das ganze von den riesigen Saguaros. Der Kaktus schlechthin, bekannt von Fajita-Packungen, Road Runner-Cartoons und vielem mehr, wächst nur hier in der Umgebung. Die Gewächse mit dem passenden Terminus "carnegiea gigantea" können bis zu 20 Meter hoch werden, und vielfach auch über 200 Jahre alt. Äusserst imposant! Was die Natur hier zu bieten hat, ist also grad so schön wie die Prunkbauten von Vegas. Das fand auch meine Kamera, und darum gibt's hier heute eine ziemliche Kaktus-Überdosis. Mit meinem nutzlosen Wikipedia-Wissen bin ich durch, zumal ich die Namen der anderen 19'998 Pflanzen ohnehin nicht kenne. Daher lasse ich von nun an die Bilder sprechen und hoffe, sie gefallen ähnlich wie mir der Besuch im Kakteenland. Viel besser als der Airport - und das will bei mir was heissen...!
 





 

   

 


 



























 

 

English
 Veeeeery late start today, which in my terms means 3 in the afternoon. Felt the planespotters' guiltiness of only seeing airports, decided to do something against it and cancelled my planned airport visit. The only attraction that sounded remotely interesting was the 'Desert Botanical Gardens'. While plants to me are usually little more than a nice lush background for landscape photos, the cactusses dotting the highway yesterday really impressed me. So I gave it a shot, and what a good decision that was! Having known cacti (equally using both terms, since Google didn't reveal a favourite) only from Road Runner cartoons and Fajita packaging up to now, I was instantly amazed and made a fan. The richness of life, forms and colors felt nothing like the image of a dull, dusty desert, but more like a lively rainforest. And above it all towered the huge Saguaros, their shape about as cactus as it gets, 15 meters tall and more than 200 years old.  I loved it, and so did my camera!
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