Die weite Reise zum Grand Canyon

Trip Start Jun 20, 2010
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Trip End Sep 15, 2010


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Flag of United States  , Arizona
Wednesday, August 18, 2010

Von Page zum Grand Canyon ist's eigentlich ein Katzensprung von nur leicht mehr als 200 Kilometern. Mit dem ÖV sah das aber ganz anders aus. Das einzige Transportmittel in Page (ausser dem Bundu-Bus) ist das Flugzeug. Und das blies den Reiseweg ganz gehörig auf: Erst eine Stunde Flug südwärts nach Phoenix, dort auf den Greyhound hüpfen, fast die ganze Strecke (300km) zurück nach Norden abfahren, im Örtchen Flagstaff auf halbem Weg auf den Grand Canyon Shuttle wechseln und nochmals weitere 180km nach Norden abspulen. Das wäre dann eine Reise von 12 Stunden geworden, statt einer zweistündigen Autofahrt. Doch das Schicksal hatte ein Einsehen...

 
Wecker um 04:30 und den armen Taxifahrer aus den Federn geholt. Doch kaum am kleinen Flugplätzchen angekommen, wurde ich informiert, dass der Flug gestrichen sei. Für die fünf gestrandeten Passagiere würde eine Limo nach Phoenix organisiert. Immerhin konnte ich die Leute dazu überreden, mich schon auf halber Strecke in Flagstaff rauszuwerfen, wo ich ja eh irgendwann heute hinmusste. Andere hatten es da weniger schön. So konnte ein typischer American Daddy in Bomberjacke und Baseballmütze beobachtet werden, wie er das ganze kleine Terminal mit seinen lautstarken Hasstiraden gegen die Airline eindeckte. Dreimal dürft ihr raten, aus welchem Staat er war. Genau, Texas. Und von Beruf? Anwalt, war ja klar. Schliesslich besänftigte ihn dann der Hinweis, dass er mit dem zur Verfügung gestellten Bus ja in 4 Stunden auch schon in Phoenix sei. Halt, Bus? Ich hab' gedacht, wir kriegen ne Limo...?

Und was für ne Limo das war - ein veritabler Limo-Bus! Aussen unscheinbar, innen piekfein hergerichtet, mit Ledersofas, verspiegelten Wänden und Decken, einer Armada Lichter in allen Regenbogenfarben und einem riesigen Flatscreen-TV an der Rückwand. Fehlte nur der Champagner. Aber auch ohne Sprudelwasser war das Teil das totale Gegenstück zu den Greyhound-Vehikeln. Dem Flug trauerte ich nicht mehr gross nach - die schöne Aussicht auf Lake Powell und Grand Canyon wäre eh der bedeckten Bewölkung zum Opfer gefallen. Stattdessen hatte ich im Party-Bus eine ganze Sitzbank für mich und konnte noch etwas Schlaf nachholen. Schliesslich meinte dann die vorwitzige Anwaltstochter -mit Ego und Selbstüberschätzung des Vaters gesegnet- noch, sie müsse mir gegenüber mit der Anzahl bereits besuchter US-Städte angeben. Als ich ihr dann aber wortlos meine Reisekarte rüberreichte, kehrte ziemlich schnell Ruhe ein im Bus...
 
Nach guten zwei Stunden Fahrt wurde ich planmässig im kleinen Städtchen Flagstaff ausgesetzt. Und hatte nun, da der Umweg über Phoenix wegfiel, plötzlich 7 Stunden rumzukriegen. Die Leute im Tourismusbüro gaben sich alle Mühe, mir die Altstadt schmackhaft zu machen. Ich schlafwandelte dann auch eine ganze Stunde durch die anonymen und charakterlosen Häuserblocks, fand aber nicht das geringste, was mich hätte aufwecken können - im Gegenteil. Ich musste echt aufpassen, dass ich nicht noch gegen nen Laternenpfahl knallte, so einschlfäfernd war das Nest! Das interessanteste Gebäude war bei weitem das Stadthaus, aber auch dieses besass höchstens den architektonischen Charme eines mittelprächtigen Schweizer Schulhauses. 










So begab ich mich zurück zum Bahnhof und frönte schliesslich Flagstaffs anderer Attraktion: 100 Frachtzüge rumpeln täglich durch die Stadt, so etwa alle Viertelstunde einer. Und bis zu 140 Wagen pro Zug zählte ich! Ich wurde also zum Trainspotter - und war in guter Gesellschaft. Bald kam ich mit dem älteren Herrn neben mir ins Gespäch. In den folgenden Stunden deckte er mich mit allerlei Wissenswertem zum amerikanischen Güterzugbusiness ein und erzählte Geschichten von seinen Fahrten auf Schweizer Bahnen in den Sechtzigern. Und der Typ erinnerte sich noch genau an jede Station jeder Bergbahn! Ich dagegen weiss jeweils, wenn mich jemand fragt, schon am Mittag nicht mehr, wo ich jetzt am Morgen schon wieder losgefahren bin (traurig aber wahr!)...

 Mein Shuttle (arizonashuttle.com) zum Grand Canyon war dann zum Glück pünktlich. Die Strecke stieg steil an und führte durch endlose Wälder. Irgendwann entfaltete das Bäume zählen dann seine Wirkung, und als ich zwei Stunden später wieder aufwachte, standen wir schon am Eingangstor zum Grand Canyon Nationalpark - im strömenden Regen notabene. Schnell fand ich meine Unterkunft und bezog mein Zimmer - keine 100 Schritte von der Felskante entfernt! Bei dem miesen Wetter zog ich erst los für eine kurze Einkaufstour. Wohl der einzige Ort der Welt, wo man beim Gang zum Supermarkt auf den Klippen eines monströsen Naturwunders wandelt. Der Laden hatte dann alles, sogar lecker aussehendes, europäisches Brot - jepee! Nächstes Mal sollte ich trotz der Begeisterung noch die Beschreibung lesen - stellte sich heraus, dass die Amis das unscheinbare Teil mit Jalapeno- und Cheddarkäse-Aroma angereichert haben. Argh, das tut doch weh...!!

 
So, nun aber noch ein paar Worte zum Canyon. Erst mal zum mitschreiben: Das Teil ist r-i-e-s-i-g! Ich hatte mir den König aller Nationalparks ja gross vorgestellt und alles, aber auf diese Ausmasse war ich schlichtwegs nicht vorbereitet. Das ist auch kein einzelner Canyon mehr, wie noch gestern der Horseshoe Bend. Das ist vielmehr eine endlose, zerklüftete Landschaft von Klippen und Bergen, die sich auf etwa vier verschiedenen Höhen-Ebenen gleichzeitig abspielt.  In Erwartung des Sonnenuntergangs mal zu einem ersten Aussichtpunkt geschlichen - schneller ging nicht, Gruppen schnatternder Touristen verstopften den Pfad. Kann bitte mal jemand in Mailand nachschauen gehen, ob da überhaupt noch Leute auf der Strasse sind? Fühlt sich an, als hätte jemand den ganzen Stiefel über dem amerikanischen Westen ausgeschüttet!

Die Sonne verabschiedete sich dann durch die Hintertür und auch die Wolken wollten heute nicht rot werden. Aber immerhin sah ich nun, da die Schatten weg waren, zum ersten Mal, wie zerfurcht die Landschaft unter mir wirklich ist. Unglaublich! Aber nun husch ab ins Bett: 5:48 ist Sonnenaufgang und den kann ich mir unmöglich entgehen lassen! 

English
Driving from Page to Grand Canyon takes little more than 2 hours. How long do you need by public transport? 12. Yes, that's twelve. The only way out of Page is the plane down to Phoenix. From there I was to drive all the way up again to the Canyon, via the small town of Flagstaff. I guess I've never been so happy about a cancelled flight. We were promised a limo down to Phoenix, and I managed to talk the people into dropping me off at Flagstaff on the way down - thus skipping some 600 kilometers. Oh, and what a limo we got! It was actually a regular bus - on the outside! On the inside it looked more like a fancy club, complete with black leather couches as well as mirrors and lights decorating the walls. Got to Flagstaff with 7 hours of time to kill, and the "beautiful historic downtown" offered nothing whatsoever to make the killing any faster. Instead, I ended up trainspotting and further fuelling my love for these enormous freight trains. Finally caught my shuttle up to Grand Canyon, and when the afternoon thunderstorm cleared off, I had an amazing first view of this masterpiece of nature unfolding below me in the warm evening light!
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Comments

Stefan on

Hmm Flagstaff, AZ kommt nicht gerade gut weg... Ich hatte das Kaff eigentlich immer gemocht - ist ein echter Kontrast zu Phoenix und Tucson. Man kann glauben, dass man sich hier wirklich in Arizona befindet. Es sieht eher aus wie in Montana, Idaho, Colorado etc. Mage mich an meinen ersten Besuch erinnern: Da Flagstaff ziemlich hoch liegt, pflügten wir uns durch dichten Schneeschauer - und das Mitte Oktober! Erwähnenswert: Die weltberühmte historische Route 66 führt durch die Stadt; wenigstens das Strassenschild wäre ein Bild wert gewesen ;-) Auch ist das Museum an der University of Northern Arizona zu empfehlen, die hatten eine eindrückliche Ausstellung über Greifvögel! Ah ja, und die Lumberjacks spielen ganz ansprechend Football 
Zum Grand Canyon: IMPOSANT ist immer noch untertrieben. Aber seine unendliche Grösse wird einem erst recht bewusst, wenn man in einer Twin Otter knapp dem Canyon entlang fliegt. AWESOME!

Stefan on

O.k. Umlaute mag Travelpod nicht!

Hmm Flagstaff, AZ kommt nicht gerade gut weg... Ich hatte das Kaff eigentlich immer gemocht - ist ein echter Kontrast zu Phoenix und Tucson. Man kann glauben, dass man sich hier wirklich in Arizona befindet. Es sieht eher aus wie in Montana, Idaho, Colorado etc. Mage mich an meinen ersten Besuch erinnern: Da Flagstaff ziemlich hoch liegt, pflügten wir uns durch dichten Schneeschauer - und das Mitte Oktober! Erwaehnenswert: Die weltberuehmte historische Route 66 führt durch die Stadt; wenigstens das Strassenschild waere ein Bild wert gewesen ;-) Auch ist das Museum an der University of Northern Arizona zu empfehlen, die hatten eine eindrueckliche Ausstellung über Greifvoegel! Ah ja, und die Lumberjacks spielen ganz ansprechend Football :-)
Zum Grand Canyon: IMPOSANT ist immer noch untertrieben. Aber seine unendliche Groesse wird einem erst recht bewusst, wenn man in einer Twin Otter knapp dem Canyon entlang fliegt. AWESOME!

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