Im Reich der Formen und Farben

Trip Start Jun 20, 2010
1
58
89
Trip End Sep 15, 2010


Loading Map
Map your own trip!
Map Options
Show trip route
Hide lines
shadow
Where I stayed

Flag of United States  , Arizona
Monday, August 16, 2010

Okay, was kann man denn in Page so unternehmen waseliwas? Das Internet ist leider nicht wirklich eine Hilfe - sucht ihr mal bei Google nach Page und ihr wisst was ich meine. Ich finde ja, man müsste das Städtchen im 21. Jahrhundert suchmaschinenadäquat (neues Unwort erfunden) umbenennen. Aber natürlich wusste ich trotzdem, was es hier in der Nähe nettes zu knipsen gibt - Flightforum und Meister Danilo sei Dank.






Das Land ringsherum gehört den Navajos. Netterweise hat die Natur ihr Reservat mit einigen Schönheiten gesegnet, und die geschäftstüchtigen Indianer wissen sehr gut, wie sie die Touristen respektive die Batzeli angeln können.Paradeattraktion ist der Antelope Canyon. Eine äusserst schmale Schlucht, deren ästhetisch geschwungene, in psychadelisch-überirdischen Farben erstrahlenden Wände jedes Fotografenherz höher schlagen lassen. So hüpfte ich dann auf die Ladebrücke des umgebauten Pick-Ups (hallo Thailand!) und los ging der wilde Ritt. Der Fahrindianer bretterte in halsbrecherischer Manier über ein ausgetrocknetes Flussbett. In diesem Wilden Westen hat schon jede Attraktion ihren Adrenalinkick, was?


Gut durchgeschüttelt kamen wir 20 Minuten später am Eingang der Schlucht an; zehn weitere solcher Pick-ups waren hier schon geparkt. Macht 150 Leute in einem Canyon von 1-2 Metern Breite, der nur einen einzigen Ein- und Ausgang hat. Definitiv nichts für auch nur entfernt klaustrofobisch veranlagte. Dementsprechend wurden wir dann auch unter heftigem Ellbogeneinsatz durch die Röhre gepfercht, wie eine Horde Schweine fünf Minuten bevor der Schlachthof Feierabend macht. Das allein brachte einem ja schon dem Herzinfarkt nahe. Aber dann musste man ja auch noch die Kamera in Windeseile den stets wechselnden Lichtverhältnissen anpassen. Von Version Stativ *ISO 100-Blende 8-Stabi aus-Timer ein-aufs Stativ knallen-Stativbastelei-waaaaaaarten* zu Version handheld *ISO 640-Blende 4-Bildstabi ein-jetzt jaa die Hand ruhig halten-biip/biip/biip, mist, den Timer dringelassen* in 5 Sekunden. Und wieder zurück. Und das zwei Stunden lang. Ich könnte glatt bei einer Formel 1-Boxencrew anheuern!





Aber die schweisstreibende Arbeit lohnte sich. Okay, der Ausschuss war gross - was nicht nur am fotografischen Unvermögen lag, sondern auch an den unzähligen Italienern, die einem stets durchs Bild stolperten. Grazie mille. Trotzdem, ein paar Schüsse gelangen dann doch noch. Schöne, geschwungene Canyonwände, nette Farbspiele, Szenen wie aus dem Drogenrausch. A propos, der Guide-Indianer erklärte auch immer wieder, was für Steinformationen man gerade sieht. Hier ist Abraham Lincoln, dort der Falke, dahinter der betrunkene Pinguin, oder was auch immer. Keine Ahnung, mit was die ihre Friedenspfeifen stopfen, ich sah nichts als Stein. Ah doch. Dort wo der Guide "The Heart" verortete, stand ich halt auch mal hin und zündete die Kamera blindlings gegen oben. Und oh Wunder, nun zuhause am Bildschirm sehe ich es plötzlich auch. Struuuube Sache.

Die Hauptattraktion sind aber die Beams. Und das ist eine halbe Wissenschaft mit diesen Beams. An manchen Orten zündet nämlich zu ganz bestimmten Zeiten die Sonne in den Canyon - und sendet eine Art himmlischen Strahl zum Boden. Das ist natürlich noch das galaktische Tüpfelchen auf dem überirdischen i. Und als wären die Beams selber noch nicht genug, werfen die Navajo-Guides unter euphorischem Beifall der Fotografenmeute freudig Schaufeln voll Sand in den Strahl, was ihn dann so richtig zum leuchten bringt. Um die nächste Ecke hockt irgendein Flötenindianer und stimmt dazu eine schöne Melodie an. Nun wurde das Erebnis ja für den Bruchteil einer Sekunde ganz idyllisch - bis sich der nächste scusi-merda-non ho visto che... lautstark palavernd vor die Kamera schob.

  Schliesslich hatte dann jemand die Beams ausgeknipst und kurz später war von draussen ein dumpfes Grollen zu hören. Unbemerkt hatte sich ein Gewitter vor die Sonne geschoben. Da drängte die ganze Masse zum Aufbruch - jaja, der Canyon liegt ja mitten im Flussbett, und wenn die Sturzflut angeschossen kommt, wird es in der schmalen Schlucht leicht ungemütlich. Gibt's in diesem Land eigentlich auch ungefährliche Attraktionen? So war ich dann zurück in Page und hatte noch den Nachmittag über die Runden zu bringen. Also Fahrrad mieten und zum nahegelegenen Damm trampen. Auf zum Fahrrad-Verleih. Wie sich herausstellte, war der nur noch Fahrrad, der Verleih ist der mangelnden Nachfrage zum Opfer gefallen. Dann halt eben nicht - schon wieder etwas Geld gespart.


Den blöden Damm wollte ich mir aber dennoch nicht entgehen lassen. Wie weit ist das Teil nochmals weg? 5 Kilometer? Na also, Schuhe geschnürt und losgewandert. Was ich auf dem Zion-Pfad kann, kann ich auch dem Highway entlang. Was mit dem Fahrrad in einer halben Stunde erledigt gewesen wäre, war nun halt ein Nachmittag-und-Abend-füllendes Programm, jänu. Aber nicht, dass ich wieder zu viel Mitleid generiere. Das ganze war eigentlich ziemlich vergnüglich, ich erhielt einen intimen und intensiven Einblick in die faszinierende Wüstenvegetation am Strassenrand - und ich kenne nun den Hupton so etwa jedes vorbeigebretterten Truck-Typs. Keine Ahnung, was die gegen Fussgänger haben. Auch Petrus hielt nicht viel von meiner Idee und strafte mich mitte des Weges mit einer Dusche ab.

Kurz in Landstreicher-Manier unter einem Baum Schutz gesucht, dann ging die Reise weiter. Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, bewegt mich so ein kleiner Schauer nicht zur Umkehr! Und die Belohnung folgte auf dem Fuss. Noch bevor ich beim Damm angelangt war, hatte sich die Sonne schon wieder durch die Wolken genagt und die schöne Szenerie vor mir erstrahlte wie aus dem Ei gepellt. Wüste und Sandsteinberge in allen Farbtönen von weiss bis dunkelbraun, dort die tiefe Schlucht, dann der mächtige Damm, dahinter türkis glitzernd der Stausee Lake Powell. Das Teil ist übrigens so verzweigt, dass es mehr Küstenlinie aufweist als die gesamte US-Westküste! Und ich habe festgestellt, dass es sich auch abseits der Nationalparks wunderbar wandern lässt. Obendrein ganz ohne Reservats-Eintrittsgeld, hetzende Indianer und stolpernde Italiener!


English
Today I joined a Navajo-led tour to the Antelope Canyon. The drive there was an unexpected adventure alltogether - seated on the tailgate of a pick-up truck, bumping and jumping, twisting and turning through a dry riverbed, all at Interstate speeds of course. Glad to have reached our destination alive and well, I was overwhelmed by its unique beauty. The extremely narrow slot canyon is a favourite among photographers, and rightly so. Twisted stone walls shining in psychadelic colours, blinding beams of  sunlight shooting through small holes in the ceiling - this all made for an amazing, otherworldly charm. Taking pictures and coping with the other 150 people in the small canyon was hard work at times, but it paid off pretty well.
Planned a bike ride to the nearby dam for the afternoon, but was to learn that the only bike rental shop in town has stopped renting bikes. Perfect - off for a loooong walk then! The three-hour return trip along the highway was actually quite pleasant, being much closer to the fascinating desert landscape than you could ever get from a car. Reached the huge Glen River Dam and was rewarded with a scenic view of the turqoise waters of rugged Lake Powell, glistening in the middle of the Arizona desert. Pretty neat!
Slideshow Report as Spam

Comments

Martin on

Warst Du auch im Lower Antilope Canyon?

Jean-Paul on

und die Bilder werden immer schöner....
und die Berichte bleiben interessant & spannend!

und ich beneide Dich... :-)

und wünsche Dir weiterhin viel Spass und Freude (man merkt aus Deinen Berichten, dass du Deine Reise mehr als geniesst!)

tiszrh
tiszrh on

@JP: Merci vielmals fuer deine netten Kommentare! Freut mich sehr, dass dir Bilder und Text gefallen! Ich hoffe, das tun sie auch weiterhin, und wuensche viel Spass bei der Lektuere. Bis bald und beste Gruesse in die Schweiz!
@Martin: Nein, siehe Facebook.

Add Comment

Use this image in your site

Copy and paste this html: