Mit Bundu in den Hoodoo-Wald

Trip Start Jun 20, 2010
1
57
89
Trip End Sep 15, 2010


Loading Map
Map your own trip!
Map Options
Show trip route
Hide lines
shadow
Where I stayed

Flag of United States  , Arizona
Sunday, August 15, 2010

Was ist ein Bundu? Und was ein Hoodoo? Die Hoodoos werdet ihr unten noch zur Genüge sehen, und Bundu beschreibt das Niemandsland. Was haben die miteinander zu tun? Nun, Bundu ist auch der Name eines Busunternehmens, das sich auf den Transport von Backpackern wie mir hier im wilden Westen spezialisiert hat. Das einzige notabene. Und das scheinen sie auch zu wissen. Das Büro wird von einem er/sie/es namens Sessel bevölkert, und das Polstermöbel hat die Freundlichkeit nicht gerade mit Löffeln gefressen. Immerhin antwortet "es" stets binnen einer Stunde - nützt aber nix, denn zurück kommt ein nichtssagender Einzeiler in einem Ton, der nicht vermuten lassen würde, dass er an jemanden adressiert ist, der sich überlegt, eine ansehnliche Summe springen zu lassen.

Einmal während meiner Planungsphase fragte ich freundlichst an, ob das benötigte 2-Personen-Minimum (sonst fährt der Bus nicht, und in der Pampa zu stranden kann ich mir nicht leisten) denn in der Hochsaison auf dieser und jener Strecke normalerweise erreicht würde. Naja, das Polstermöbel fertigte mich mit der Antwort ab, ich solle endlich mit meinen blöden Fragen aufhören. Damit war das Kapitel Bundu Bus für mich eigentlich erledigt. Aber eben, dann fiel der Arches Park aus, und ein kleines Rundreislein mit Bundu war die einzige gescheite Alternative. Etwas suspekt war mir das Unternehmen ja schon; der raue Umgangston, man darf Fragen nur per Mail und nicht am Telefon stellen - und schliesslich gibt's auch keine einzige Review über diesen Service. So war mir dann heute früh etwas mulmig zu Mute, als ich auf diesen doofen Bus wartete. Schliesslich war seit der vereinbarten Startzeit eine halbe Stunde vergangen, und mir schwante böses...

Doch siehe da, nach 40 Minuten tauchte ein schneeweisser, unbeschrifteter Minivan -vom Typ wie ihn die Gangster in den Ami-Filmen jeweils gebrauchen- auf und ich durfte einsteigen. An Bord war bereits eine Dreiergruppe junger Engländer - allesamt rot wie überreife Tomaten und in Flip-Flops und Badehosen unterwegs. Hier im bergigen Nationalpark. Jaja, solche Leute mag' ich. Entgegen dem ersten Eindruck waren sie dann aber ganz in Ordnung, und wir hatten eine vergnügliche Reise. Schön, mal wieder gehobeneres Englisch zu hören. Auch der Fahrer stellte sich entgegen meiner Befürchtungen als durchaus nett und kompetent heraus, und so genossen wir interessante und unterhaltsame 2 Stunden Fahrt durch die Utah-Pampa, bevor wir an unserem Ziel ankamen: Dem Bryce Canyon.

Und hier kommen nun die Hoodoos ins Spiel. Die sind es nämlich, die Millionen von Touristen in diesen Nationalpark locken. Keine Ahnung, was die im kürzlich erschienenen Krokus-Song zu suchen haben, jedenfals sind Hoodoos hohe, schlanke Steinskulpturen. Nach Überlieferung der lokalen Indianer böse Menschen, die der Coyote-Gott zum Schmoren in Stein verwandelt und in die pralle Sonne gestellt hat. Nach Meinung der Wissenschaftler Produkt Jahrtausende langer Erosion, wenn Schnee und Regenwasser in der Nacht gefrieren und Felsbruckstücke wegsprengen. Wem auch immer man glauben mag, die Dinger sind ganz schön imposant - und auch nicht so klein, wie sie aussehen mögen. Die meisten überragen ausgewachsene Bäume bei weitem (siehe Bild links)!


Ein oder zwei solcher Hoodoos sind schon nett anzuschauen. Richtig atemberaubend wird die Sache aber, wenn man den Blick über ein Meer von tausenden dieser speziellen Skulpturen schweifen lassen kann. Scheint ja echt viele böse Menschen hier in der Gegend zu geben. Vielleicht wäre für Sessel ja auch noch ein Platz im Hoodoo-Wald frei? Anyway, unser Fahrer führte uns zu den diversen Aussichtspunkten, von denen sich immer neue Perspektiven auftaten. Wunderschön. Und das ganz ohne anstrengende Bergwanderungen!




Schliesslich gab's ein kurzes Mittagessen in der Gruppe (sage und schreibe das erste Mal auf der ganzen 55-tägigen Reise, dass ich in einem "normalen" Restaurant ass - denn sonst, alleine, macht das natürlich keinen Spass), dann ging die Reise wieder gen Süden. Drei Stunden waren es diesmal, alles durch weite, verlassene Landschaften. Doch die fuhren alle Trümpfe auf, die sie zu bieten hatten: Riesige rote Felsen, seltsame Steinlandschaften, weitere Hoodos. Alle paar Kilometer stand entlang der Strasse etwas, das selber gut und gern Mittelpunkt eines Nationalparks sein könnte. Leider zog das alles auf der Seite der Engländer vorbei, die es aber vorzogen, ihrem in Vegas verlorenen Schlaf nachzujagen. Ich starrte auf meiner Seite drei Stunden lang in die flache Wüste. Naja, kann ja nicht immer Glück haben...


Ankunft in Page, meiner Bleibe für die nächsten 3 Nächte. Ein weiteres Billigmotel, der Name "Budget Inn" fasst es adäquat zusammen und macht weitere Kommentare überflüssig. Unser Fahrer war trotz einem mittlerweile 13-stündigen Arbeits-/Fahrtag noch immer gut drauf und offerierte uns gleich noch eine Tour der lokalen Attraktion. Mitten in der Wüste, nach 15 Minuten Marsch durch den Sand (London Boys & Girl hielten in ihren Flip-Flops erstaunlich gut mit) öffnet sich plötzlich der Boden und ein tiefer, hufeisenförmiger Canyon tut sich vor einem auf. Genau, der Horseshoe Bend, what else. Netterweise trafen wir just bei Sonnenuntergang ein, was ein schönes Schlussspektakel für den heutigen Tag darstellte. Den Canyon gibt's dann später mal zu sehen, kann ja nicht gleich mein ganzes Page-Pulver am ers...ähh, nullten Tag hier verschiessen. Aber die darauffolgende Abendstimmung in der Wüste machte ja auch einiges her.

English
Time to leave Zion today. Means of transport this time: An all-white Minivan of a company called Bundu Bus. That very same company, whose office staff once had told me to shut up with my stupid questions - when I was just asking how well booked their services usually were during peak season. Back then I had sworn not to waste any money on these idiots. Yet here I was, waiting for their bus. Well, how quickly a total lack of alternatives can change your mind! My bad expectations were only worsened when there was no sign of the bus even half an hour after the pick-up time. Then, after fourty minutes of anxious waiting, the bus finally turned up and we got started. And yes, it was actually quite pleasant, the driver/guide knowledgeable and nice. 2 hours later we arrived at Bryce Canyon, where the driver took us to all the cool viewpoints, offering incredible views on the sea of Hoodoos below. Thousands of these stone sculptures spreading all the way into the distance, quite breathtaking really. A scenic 3-hour drive across Utah followed (just that I sat on the wrong side of the bus). We finally reached our destination of Page, Arizona, just in time to watch the sunset in what seemed to be the middle of the desert. Beautiful!
Slideshow Report as Spam

Use this image in your site

Copy and paste this html: