Flusswanderung in sagenhaften Canyon-Welten

Trip Start Jun 20, 2010
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89
Trip End Sep 15, 2010


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Flag of United States  , Utah
Saturday, August 14, 2010

Der heutige Tag war eigentlich ein geschenkter, den mir die kürzlichen Programm-Änderungen bescherten. Aber natürlich hatte ich in keinster Weise Probleme, etwas sinnvolles damit anzufangen. Auf dem Programm stand nun ein anderes Highlight des Zion-Parks, von dem alle, die ich bisher getroffen hatte, nur schwärmten: Die Zion Narrows. Wie spätestens jetzt bekannt, liegt der ganze Park ja in einer Schlucht, und die Narrows sind nun halt eben der Beginn dieser Schlucht, wo er noch schluchtiger ist als sonstwo. Hier wandert man allerdings nicht auf Fusswegen - für die hat es im engen Canyon nämlich gar keinen Platz. Nein, man plantscht grädi-us durchs Wasser, immer dem Fluss entlang. Mal kommt das Wasser nur bis zu den Knöcheln, mal kämpft man sich durch bauchhohe Stromschnellen. Erfrischend ist's alleweil, und interessant zu werden versprach es auch

 
Zum Frühstück gab's erst nochmals nen kleinen Aussichtspunkt. Liegt günstigerweise unweit des Dorfes, aber immerhin sieht man das Tal und die Berge auf der anderen Seite. In einer knappen halben Stunde war ich oben. An jedem anderen Ort würden für dieses Panorama allein schon täglich tausend Japaner in Bussen durch die Landschaft gescheffelt, aber hier im Zion Park ist es wirklich kaum mehr als ein Appetithäppchen. Es mundete dennoch, und ich hatte heute doch noch ein paar Höhenmeter absolvieren können. Während dem Rest des Tages sollte die Wanderei nämlich ziemlich flach weitergehen. Das muss aber nicht bedeuten, dass das Spektakel auf der Strecke bleibt...


 
Nach einem kurzen Hike über den Zugangsweg (schon wieder machte irgendso ein Nager Männchen; keine Ahnung, was die in meiner Kamera sehen) war ich schliesslich am Einstieg der Narrows angelangt. Das ganze hatte die Atmosphäre einer biblischen Völkerwanderung - hunderte Menschen, mit Kind und Kegel, stiegen, als ob es das normalste der Welt wäre, einfach in den Fluss und wateten los. Na gut, ich wollte meine Latschen eh schon lange mal waschen. Ein paar zaghafte Schritte, schon hatte das kühle Nass meine Milwaukee-Turnschuhe durchdrungen und meine Füsse schockgefroren. Hat man sich aber an die Temperatur gewöhnt und vom Gedanken verabschiedet, dass Schuhe gefälligst trocken zu sein haben, macht das ganze ziemlich Spass...
Naja, zumindest wenn man richtig ausgerüstet ist. Im Dorf werden für den Planschspass überall Wanderstöcke angepriesen. Quatsch, brauche ich nicht , dachte ich Knauser mal wieder - so ein kleiner Bach haut einen Schweizer doch nicht um. Nach den ersten 10 Metern im Wasser belehrte mich der reissende Strom eines Besseren, und wäre ein Talentscout des Cirque du Soleil vor Ort gewesen, der hätte mich nach meiner artistischen Rettungseinlage glatt unter Vertrag genommen. Das Bachbett besteht nämlich neckischerweise nicht aus Kies oder Sand, sondern aus unzähligen grossen Steinen. Wie es eine Internetseite anschaulich beschrieb, fühlt sich das an, als ob man auf geölten Bowlingkugeln durch die Landschaft balancieren würde.

 
 Das trifft es ziemlich gut - nur dass man beim Gang auf Bowlingkugeln nicht bereits beim ersten Fehltritt das ganze teure Fotoequipment versenkt. Jaja, das war nun wie bei irgendeinem fiesen Computer-Spiel. Eine falsche Taste gedrückt und Game Over. Das ist doch mal eine Motivation nicht hinzufallen und hebt das ganze Abenteuer auf eine total neue Spannungs-Ebene. Neben offenbarer Selbstüberschätzung bin ich aber glücklicherweise auch mit einer kleinen Prise Erfindungsreichtum gesegnet - und so zückte ich dann cool mein Stativ und funktionierte es kurzerhand zum Wanderstock um. 


 

Nicht, dass es von nun an Schoggi gewesen wäre - ganz im Gegenteil. Die Wanderung brachte die Sinne nach wie vor heftigst ins Schwitzen. Der Tastsinn schwang das Stativ und stocherte nach versteckten, fiesen Löchern und noch fieseren, scharfen Steinen in der Umgebung. Das Gleichgewichtsorgan war dermassen dauerüberbeansprucht, dass ich fürchtete, die Ohren würden bald mal davonfliegen. Die Augen versuchten, trotz des trüben Wassers ihren Teil zur Teamleistung beizutragen, ergötzten sich aber viel öfter an den anderen Flussläufern: Keine Minute, in der nicht irgendwo jemand schreiend, kreischend oder fluchend ein unfreiwilliges Bad nahm. Ich hielt mich derweil ganz wacker - okay, auch ich schlug meine Beine alle zwei bis drei Minuten an so ner depperten Bowlingkugel an, sodass ich wohl morgen von der Hüfte abwärts in Blau- und Rottönen erstrahlen werde. Aber immerhin, ich bin nie hingefallen - und das, obwohl die ganze Tortur am Ende 5 Stunden dauerte.

Jaja, Fotos waren ja auch noch geplant. Die kann man während der ersten Stunde schon einmal ganz vergessen; zum einen ist der Canyon noch nicht Canyon genug, zum anderen hat man nie weniger als 20 Leute auf dem Bild. Doch auch hier zahlt sich Ausdauer aus - je weiter ich kam, desto spärlicher wurde meine Begleitung, und desto schöner und enger die Schlucht. Nach 3 Stunden Marsch flussaufwärts (gegen den heftigen Strom, was die Sache übrigens nicht einfacher machte) war der Fluss auf nur noch fünf Meter Breite geschrumpft, und ich mittlerweile ganz alleine. Das Stativ hatte glücklicherweise auch bis hierhin überlebt, und kam nun wieder seiner angestammten Rolle nach. 


 
Nun wartete wirklich alle 100 Meter eine noch schönere und imposantere Kulisse. Ich hätte endlos so weitermachen können (25 Kilometer der Schlucht sind begehbar, ich hatte vielleicht 2 bis 3 absolviert). Da fällt es umso schwerer umzukehren. Aber ich hatte mittlerweile das Gefühl, ganz alleine hier tief im Fels rumzuwandeln. Jetzt den Fuss unter so nem blöden Stein einklemmen und das wird ne seeeehr lange Nacht. So trat ich dann schweren Herzens den Rückweg an. Natürlich war ich nie total alleine, und bald hatte ich die grosse Meute vor mir auch wieder eingeholt. 



 Mittlerweile ging auch das Balance-Marschieren ziemlich ring, schnell und ohne allzu grosse Kapriolen von statten (hätte ich noch mehr einen an der Waffel, würde ich jetzt sagen, ich sei eins mit dem Fluss geworden). Alles in allem wirklich ein einzigartiges Erlebnis, das sich auf Bildern nicht so richtig rüberbringen lässt, aber wirklich empfohlen werden kann. Nächstes Mal lasse ich die Kamera ganz zuhause, und geniesse das Abenteuer unbeschwert - da geht der Spass dann erst richtig los! 


 



English
After hiking on the mountains yesterday, it was time to venture right into them today. 'The Narrows' follows the valley's main river all the way up through its winding and -well, guess what- narrow canyon. In fact, space is so tight that the river doubles as the hiking trail. While this may sound like a pleasant and cooling stroll, it is anything but. Water levels reached up to my waist and the riverbed was made up of huge, slippery stones that send you flying all over the place if you hit them just a tiny bit wrong. Like walking on greased bowling balls, as one guidebook nicely put it. This comes close - except that falling off a bowling ball won't drown your fancy camera. Here it's one wrong step and it's all gone, game over. Now that added some thrill to the story! Misusing my tripod as a walking stick and sending all my balancing senses into overdrive, I cautiosly made my way upwards against the strong currents. After three hours of tiring wading, the walls narrowed considerably and rewarded me with some great photo opportunities. When I emerged after a total of 5 hours, my legs were badly bruised, my senses tired, but I hadn't fallen a single time. Looking back, it was a whole lot of fun! 
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