1100 Kilometer, Aufholjagd und Planungsmarathon

Trip Start Jun 20, 2010
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50
89
Trip End Sep 15, 2010


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Where I stayed

Flag of United States  , Utah
Sunday, August 8, 2010

Spät gestern Abend kam also der mittelgrosse Schock. Der Shuttle nach Moab hatte heimlich seinen Betrieb eingestellt. Damit lag eine meiner am meisten herbeigesehnten Stationen nun ausser Reichweite: Der Arches Nationalpark. Das einzige Exponat der schönen Steinbögen, das ich zu sehen bekam, war der Delicate Arch auf dem Nummernschild des Bundesstaates Utah. Genau, immerhin hierhin habe ich es geschafft. Ansonsten war es vor allem ein Mammut-Tag - in fahrerischer wie in hirnender/planerischer Form. Ersteres lässt sich messen und auf 1'100 Kilometer, 14 Stunden Fahrt und 21 Stunden auf Achse festpinnen. Zweiteres kann ich immerhin damit zusammenfassen, dass so etwa Plan M (beginnend bei B) nun zu funktionieren scheint. 
Utah

Der Tag begann mit der Rückfahrt von Durango nach Grand Junction, was nach Ansicht der Streckenplaner offenbar am besten morgens um 6 in Angriff genommen werden sollte. Naja, ich hatte ja bei einer Fahrt pro Tag keine andere Wahl, also biss ich in den sauren Apfel und stellte den Wecker mal wieder auf 04.30 [oops, das ist es ja jetzt auch schon wieder, hihi]. Das sorgte im Schlafsaal für sehr gute Stimmung - besonders dass ich sechs Weckrufe brauchte, um zu schnallen, was mein iPhone von mir wollte, schienen die anderen Insassen zu mögen. Taxi zur Busstation - mich in der Dunkelheit zum Freiwild für die übergrossen Miezen und Teddies zu machen, war mir dann doch ein etwas zu unberechenbarer Start in den Tag. 

Die Busroute habe ich ja schon auf der Hinfahrt zur Genüge abgebildet. Ohnehin hatte ich kaum Augen für die Szenerie. Vielmehr musste ich einen würdigen Ersatz für die 3 dahingefallenen Tage Arches NP finden. So baute ich mir auf meinem Zweiersitz mein mobiles Planungsstudio mit Reiseführer, Karten, Zeitplan, Buchungsbestätigungen und iPhone auf, und haute, so es die zahlreichen Funklöcher erlaubten, kräftig in die Tasten - oder auch mal mit der Faust gegen den Vordersitz, wenn schon wieder ein schöner Plan wegen einer Kleinigkeit (Stichwort Sonntags-Fahrpläne, *grml*) den Bach runter ging. Nachdem ich nun also 50 Tage brav mein sauber zuhause elaboriertes Programm abgegondelt war, hatte ich heute das erste Mal keine Ahnung, wo ich die Nacht verbringen würde. So in der Luft zu hängen war nicht unbedingt erfreulich. Sonst ist das ja cool. Aber nicht in den USA, wo man mindestens zwei Schreibtische und vier Bildschirme braucht, um aus den spärlichen ÖV-Möglichkeiten was brauchbares zusammen zu konstruieren. 

Ankunft nach 6 Stunden in Grand Junction. Mit Stromanschluss und Gratis-Internet konnte ich nun endlich grösseres Geschütz auffahren (sofern man das Netbook denn als solches bezeichnen kann) und der Situation langsam wieder Herr werden. Oh wie die üblichen Stations-Penner schauten, als ich da ein halbes Büro aufzubauen begann! Nachdem ich für 4 Stunden unzählige nicht befriedigende oder nicht aufgehende Pläne durchexerziert hatte, gelang mir dann kurz vor Abfahrt des nächsten Busses der Durchbruch. Einen wegfallenden Nationalpark durch ganze vier andere Natursehenswürdigkeiten ersetzt. Mit dieser Bilanz kann ich leben. Bleibt nur zu hoffen, dass da jetzt nicht auch noch was schiefgeht. 

Eigentlich hatte ich ja mit dem Durango- Run schon mein übliches Tagespensum an Busfahrten erfüllt. Aber eben, haarige Situationen erfordern harsche Reaktionen - und so machte ich mich bereit für weitere 7 Stunden Fahrt nach Südwesten. Der Bus war dann natürlich eine Stunde verspätet, und sammelte sich im Verlauf der Route auch noch ein paar zusätzliche Viertelstunden ein. Viel zu rasch brach über den schönen Gesteinsformationen die Dunkelheit herein und meine erste wirkliche Nachtfahrt nahm ihren Lauf. Als ich das erste Mal wieder aufwachte, war's eigentlich noch ziemlich schön: Absolute Finsternis draussen (Strassenbeleuchtung gibt's keine), dafür am Himmel ein Meer von Sternen. Und wir glitten hier durch die Einsamkeit der Wüste. Passend dazu: Miranda Lambert - Greyhound bound for nowhere

Aber irgendwann ist's mit der Romantik auch vorbei, der Sternenhimmel wird langweilig, die Arme schlafen ein, der Hintern schmerzt - dann schläft der Hintern ein und die Arme schmerzen, die Nase beginnt sich zu rümpfen und die Minuten ziehen sich nur so dahin. Als wir schliesslich mit zwei Stunden Verspätung just um Mitternacht beim lang herbeigesehnten Nachtessens-Stop angekommen waren (für Verpflegung hatte ich heute nun wirklich noch keine Zeit), waren sämtliche Fast-Food-Ketten schon dicht. In einem kleinen Supermarkt stiefelte ich mir dann aus dem bescheidenen Sortiment was zusammen, was noch am ehesten nach Znacht aussah: Trocken-Steak, Minipic-Würstli mit Limettemaroma und Mozzarella-Sticks. Das Fleisch-Zeugs schmeckte natürlich so grässlich, wie es sich liest - nur auf den Nicht-Geschmack des Mozzarellas war Verlass, da können auch die Amis nicht mehr viel verhauen. Obwohl ich sicher bin, dass der Käse hier noch nie ne Kuh von innen gesehen hat. Endlich, um 02:30 Ankunft in St. George, dem letzten Halt vor Las Vegas - aber in Vegas will man definitiv nicht alleine bei Dunkelheit ums Busterminal herumgeistern, und schon gar nicht morgens um 4. So stieg ich dann hier in St. George im erstbesten Motel ab, das ich sah, und genehmige mir eine Kappe Schlaf. Aber immerhin weiss ich nun wieder, wie es morgen [heute] weitergeht...:-))


 
English
Okay, today was a tough one. Basically I'm supposed to be in Moab now, marvelling at the aesthetic rock formations that make up Arches National Park. However, the company that was to take me there stopped their services in July. So I spent the better part of today plotting alternative routings, all while returning from Durango to Grand Junction - the first 6 Greyhound hours today. At Grand Junction I could finally fire up my netbook and do some more serious planning, hacking at my keyboard nearly nonstop for four hours - much to the bewilderment of the drunkards and beggars hangin' round there. I came up with an acceptable solution just in time to hop on another bus - and off I went, another 7 hours, all the way southwest, as far as I could get. My first true red-eye drive started out pretty nice, with a starlit desert sky. But even the most amazing stargazing gets a tad annoying after time, and the journey (which in the end was delayed by two hours) did indeed get a tiny bit tedious. Finally, at 2:30AM, I called it a day (or night) in St. George, Utah and checked into the nearest cheap motel I could find - 2 hours short of the sparkling lights of Vegas. To be continued tomorrow...!
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Comments

Yves on

oh...jetzt bin ich tatsächlich schon am "vorläufigen" Schluss dieses
Reiseberichts angekommen... hab mr das ganze jetzt mehr oder weniger in
einem Rutsch durchgelesen und bin hellauf begeistert! Ich bin eher per
Zufall (FF) auf deinen Bericht gestossen und möchte dir an dieser Stelle ein
RIESEN-Kompliment machen. Wenn man den Bericht liest, im Hintergrund
eines der zahlreichen Youtube-Country-Videos hört (danke auch dafür!) -
man fühlt sich fast, als wäre man selber on the road! Dass ich für 2012
ebenfalls eine USA-Reise plane, ist natürlich noch das Tüpfelchen auf dem
i... Lieber Tis, bitte weiter so - und zwar noch gaaanz lange!

tiszrh
tiszrh on

Vielen herzlichen Dank, freut mich zu hören! Und Inspiration für deinen Trip hast du nun sicher genug :-))

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