Ein Stück Wilder Westen

Trip Start Jun 20, 2010
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Trip End Sep 15, 2010


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Where I stayed

Flag of United States  , Colorado
Saturday, August 7, 2010

So, für was nahm ich die umständliche und langwierige Fahrt nach Durango (die ich mangels Transport-Alternativen morgen rückwärts nochmals abspulen darf) überhaupt auf mich? Die Lösung heisst D&SNGR. Das ist keine mathematische Formel, sondern heisst ausgeenglischt Durango & Silverton Narrow Gauge Railroad. Eine Schmalspurbahn also, ein Überbleibsel aus der Zeit der Gold- und Silberminen (daher auch der Dorfname Silverton), als die kostbare Fracht per Zug ins Tal gebracht wurde. Diese Züge sind längst verschwunden, inzwischen ist die 72 Kilometer lange Strecke von Durango hoch nach Silverton eine reine Touristenattraktion.


Nun denn. Meine Jugendherberge liegt natürlich am bewaldeten Berg oberhalb von Durango, und meine Frage nach dem Wildlife im Gebiet, die ich der Inhaberin gestern Abend so nebenbei stellte, mündete in ein feuriges Plädoyer, was man hier alles sehen könne. Die Pumas wären nicht selten, und Bären seien immer mal wieder im Garten der Unterkunft zu Gast. Genau das, was ich hören wollte. So waren meine Glubscher dann heute morgen im 360 Grad-Dauerbetrieb, als ich die 10 (gefühlte 30) Minuten ins Dorf hinunter in Angriff nahm. Kein Paar Katzenaugen, die aus dem Busch starrten, und auch kein Pelzknäuel auszumachen. Glück gehabt. Oder ich bin einfach traumatisiert..:-))

Der Zug stand schon bereit, und das 85-jährige, rabenschwarze Dampfross katapultierte mit seinem unüberhörbaren Pfeifen und Tröten jeden einzelnen der 13'922 Einwohner Durangos aus den Federn, der den Fehler begangen hatte, Samstags früh um 8 noch im Bett zu liegen. Alles einsteigen also, und los ging die Fahrt. Äh ja, die F-a-h-r-t. Hallo, ich habe gesagt Faahaart! Naja, von der Bewegung mit 8km/h auf den ersten paar hundert Metern merkte man wirklich nur etwas, wenn man für eine Minute die Augen schloss, und beim Öffnen wenigstens einen Baum weiter war. Danach wurde dann immerhin auf 25km/h beschleunigt, was dann aber auch schon die Endgeschwindigkeit darstellte. 72 Kilometer ist die Strecke pro Weg. Man rechne und habe Mitleid...

 Na gut, viel zur suboptimalen Laune trug das Wetter bei. Bei dicht bedecktem Himmel wirken halt selbst die Rockies nicht so wahnsinnig. Und dann war da noch der Kohlestaub von unserer hart arbeitenden Lok, dem wir in unserem Sightseeingwagen ohne Fensterscheiben natürlich gnadenlos ausgelifert waren. Schon nach den ersten 5 Minuten hatte sich ein halbes Bergwerk auf meinen frisch gewaschenen, schönen hellen Hosen angesammelt, und selbst eine (nun schwarz gefärbte) Dusche später finde ich noch immer Kohlekrümel in meinen Haaren. Anyway, eigentlich wollte ich ja etwas über die Szenerie erzählen.

Also gut. Die erste Stunde war nicht wirklich erwähnenswert, und wäre auch bei schönstem Sonnenschein nicht viel fotogener gewesen. Dann stieg die Trasse an, und es folgte auch schon das Highlight der Reise: Die Fahrt entlang der "Highline", der ultra schmalen Trasse, die sie hier in den Fels gehauen haben. Links die Wand, rechts ein furchteinflössender Abgrund von hundert Metern. Das war nun wirklich was besonderes, und der Grund, weshalb ich überhaupt hier war. Das ganze Spekakel dauerte allerdings nur 5 Minuten, danach waren wir schon wieder auf Höhe des Flusses abgesunken und ratterten diesem für die verbleibenden gut 2 Stunden entlang. Nun gut, das hat für viele Touristen sicher auch seinen Reiz - aber es ist halt schwer, einen Schweizer damit wirklich zu beeindrucken, zumal BOB, RhB und wie sie alle heissen, diese Aussicht auch bieten (und noch dazu glücklicherweise etwas schneller unterwegs sind). 

Nach laaaaangen 4 Stunden (iPhone-Unterhaltung sparte ich mir die Rückfahrt auf, 2 Fahrten schafft der depperte Akku ja nicht) kamen wir dann endlich am Ziel der Route an, dem ehemaligen Minendörfchen Silverton. Hier ist alles darauf getrimmt, den schon von den Zügen ausgehenden Wildwest-Charme noch in ganz neue Sphären zu treiben. An der Hauptstrasse finden sich viele typische Originalbauten aus der Zeit  um 1880, als hier so richtig der Bär steppte. Okay, diese Hauptstrasse ist denn auch durchaus sehenswert, und stünden nicht vor jeder schön bemalten Holzbude fünf moderne Autos parkiert, würde man sich schon ab und zu nach Lucky Luke und den Daltons umschauen. 

Damit hat sich's dann aber auch. Mit meinem Marschtempo, erlernt um Metropolen wie Chicago oder Washington in einem einzigen Tag zu erledigen, war ich hier definitiv falsch und nach 5 Minuten das erste Mal "durch". Ich habe ja dezidiert was gegen Schlenderer, aber selbst als ich über meinen Schatten sprang und meinen Gang wirklich bis kurz vor den Stillstand drosselte, folgten noch ganze sechs weitere Runden around town, bis mich der Zug zurück 2 Stunden später endlich erlöste. Immerhin schaute die Sonne immer mal wieder kurz vorbei, sonst wäre ich wohl noch festgefroren.



Die Sonne blieb uns dann auch für den Rückweg erhalten, intervallweise zumindest. Da war nun auch die Fahrt wenige Meter vom Fluss entfernt gar nicht mal mehr so übel, ja ab und an sogar richtig schön. Und dank Dan Brown im Ohr ging das ganze auch einigermassen schnell vorüber. Fazit nach 8 Stunden Geratter, Gepfeife, Getröte und Kohleregen: Ja, wenn man einen perfekt schönen Tag erwischt, ist das Erlebnis sicherlich nicht übel. Wenn man die Schönheit antiker Züge mehr schätzt als ich Exponent der schnelllebigen Gameboy-Generation, ist das ganze auch toll. Aber ganz so viel Szenerie wie erhofft bot die Fahrt halt wirklich nicht, und Silverton (von meinem Reiseführer als der Geheimtipp in ganz Colorado bezeichnet) hat man in höchstens einer halben Stunde auch gesehen - oder ich habe die falsche Stadt erwischt :-))


English 
Another scenic railroad adventure, but no Amtrak this time. The Durango & Silverton Narrow Gauge Railroad was my host today, as I joined their vintage stock and the 1925 locomotive for the scenic 8-hour return trip to the former mining town of Silverton. Unfortunately, weather wasn't really on my side, the overcast sky making even the most scenic outlook over the Rockies a slightly dull experience. The one highlight of the trip were the 5 minutes on the "highline", where the tracks were literally cut into the steep cliffs, with stone walls immediately to the left and an intimidating sheer drop to the right. The remainder of the trip ran along the river, which is sure pretty nice - unless you're Swiss and see that stuff every other weekend. While the train was turned around, we got 2 hours to look around Silverton. Okay, the historic Main Street was actually quite pretty and spread a true Wild West charm - still, I had that whole area covered in only 10 minutes and had a hard time passing the other 100. 
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