Canyon-Tour mit Amtrak

Trip Start Jun 20, 2010
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Trip End Sep 15, 2010


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Where I stayed
Hotel Melrose

Flag of United States  , Colorado
Thursday, August 5, 2010

Heute ging's weiter in Richtung Westen, und weil die Route ziemlich schöne Landschaften versprach, machte ich mal wieder eine Pause vom Busfahren und stieg auf den Zug um - die Panoramafenster sind halt schon ein schlagendes Argument. "California Zephyr" diesmal der Name der Route, die von Chicago bis nach Kalifornien führt. Ja, eine lange Strecke - und entsprechend hat sich der Zug auch schon eine nette Verspätung eingehandelt. Statt um 8 Uhr ging es dann schliesslich um 14 Uhr in Denver los - lapidare 6 Stunden. Das war fast so lange, wie meine heutige Fahrt dauerte: 7 Stunden waren für die (nur) 430 Kilometer veranschlagt.


Die Verspätung bedeutete natürlich auch, dass sich schon wieder Gewitter am Himmel breit machten, und die Sonne ziemlich bald mal verschlangen. Nur schon um aus Denver herauszukommen brauchten wir eine geschlagene Stunde - das kann ja heiter werden. Wir standen meistens, und wenn wir dann endlich einmal fuhren, war Schritttempo das höchste aller Gefühle. Derweil kam uns ein Kohlezug nach dem anderen entgegen - und wie bereits einmal erklärt, geniessen die Vortritt, weil die Gleise der Frachtgesellschaft gehören. Als wir Denver endlich hinter uns gelassen hatten, folgte entlang der Ostflanke der Rockies der steile Anstieg nach oben. Etliche Kurven und über 20 Tunnels brauchte es dafür, was wenigstens einige schöne Blicke auf Ebene, Hügel und Bäche erlaubte. 

Dann stand uns der Mofatt-Tunnel bevor - mit 10 Kilometern der drittlängste der USA. Und was taten wir vor dem Eingangsportal? Genau, wir warteten mal wieder. Die durften nämlich erst die Röhre durchlüften, wie es nach jedem passierenden (Diesel-)Zug zu geschehen hat. Da musste selbst der Zugführer am Mikrofon zugeben, dass die "guys in Switzerland" das irgendwie besser drauf hätten. Auf der anderen Seite des Tunnels liegt Winter Park, wo ich gestern ein kurzes Gastspiel feierte. Nein, es standen keine winkenden Bären entlang der Trasse - ich genehmigte mir aber zur Feier des Wiedersehens eine Packung Gummibärli (da ist Rache doch sprichwörtlich süss!)



Weiter ging es nun über relativ flaches Land, auch wenn die mit einigen Rest-Schneefeldern geschmückten Viertausender stets im HIntergrund sichtbar blieben. Nächster Halt war das Dörfchen Granby, welches 2004 eine unfreiwillige Rundumerneuerung erfuhr: Der lokale Bauunternehmer war erbost, dass ihm die Stadtoberhäupter bei seinen Vorhaben immer wieder Steine in den Weg legten. Also kaufte er sich den grössten Bulldozer, den er  finden konnte, verstärkte ihn mit einem Mantel aus Stahlplatten, und walzte dann alle Gebäude nieder, die ihm vor sein Höllengefährt kamen - ein gutes Dutzend immerhin. Scheinen ein gutes Klima im Dorf zu haben, momoll (und mit europäischen Steinhäusern statt diesen Holzschuppen hier wäre das ganze imfall auch nicht passiert, genau!)


Kurz darauf wechselte die Landschaft schon wieder. Nun begleiteten und bereicherten tiefe, schroffe Canyons unsere Fahrt. Nicht einer oder zwei, nein mindestens fünf Schluchten waren es. Die Bahnlinie schlängelte sich gefährlich nahe am Abgrund vorbei, während unten reissende Ströme wüteten. Nette Unterhaltung boten die Anwohner und die unzähligen Camper, Rafter und Fischer entlang der Bahnlinie mit ihrem speziellen Gruss-Ritual für passierende Züge - Ü18 mögen das entsprechende Bild unten in der Galerie anklicken :-))





Besonders schön war dann der "Red Canyon", dessen eisenhaltiges Gestein, erraten!, eine intensive rötliche Färbung kreierte. Ab und zu blinzelte sogar die Sonne noch etwas durch. Die meisten Teile der Schlucht waren zwar schon im Schatten (heftige Verspätung sei Dank), der Rest wurde jedoch in ein wunderschönes Farbenspiel verwandelt. Das liess nur erahnen, wie traumhaft die Fahrt erst gewesen wäre, wenn wir konstanten Sonnenschein gehabt hätten. Aber okay, so schätzt man wenigstens die seltenen Lichtblicke umso mehr, jaja...



Doch die Hauptattraktion der Fahrt stand uns erst noch bevor: Der 50 Kilometer lange Glenwood Canyon, dessen Ausmasse einfach nur riesig waren. Diesmal schlängelten wir uns im Tal unten dem Fluss entlang, während die Felswände links und rechts mehre hundert Meter in die Höhe reichten. Der Himmel über uns war nun blau, aber die Sonne leider schon fast am Horizont angelangt - keine Chance, da noch Sonnenstrahlen in der Schlucht zu sehen. Dies trübte das Spektakel vor allem aus der fotografischen Sicht enorm, und ich sehnte mich nach unseren pünktlichen Zügen in der Schweiz zurück. Naja, beeindruckend war es trotzdem. 



Die letzten 90 Minuten der Fahrt konnte ich dann eine schöne, wolkenlose Abenddämmerung geniessen, während der Himmel etwa alle Farben des Regenbogens durchmachte, bevor er sich langsam in Richtung pechschwarz bewegte. Abends um 22:30 (statt um 16 Uhr, *gähn*), nach guten und sehr schönen 7 Stunden Fahrt, traf ich dann in meiner heutigen Station ein - Grand Junction. In nahezu totaler Dunkelheit stolperte ich durch das ausgestorbene Dorf und stöberte mein Hotel auf. Die Inhaberin hatte sich schon lange ins Bett verabschiedet und war dementsprechend sehr erfreut über mein Geklingel an der Tür. 


 
 

English 
With another extremely scenic portion of my trip ahead, I opted for the train again - just can't beat these panoramic windows. Well, when it finally pulled into Denver, it had already accumulated a 'slight delay of only 6 hours', as the operator kindly put it. Instead of 8 in the morning it was 2 in the afternoon when we headed off in the direction of the Rockies. The train slowly climbed the eastern slopes, using numerous switchbacks and more than two dozen tunnels - the longest one being the 6 mile Mofatt Tunnel, Nr. 3 in the US in terms of length. The terrain flattened considerably when we passed Winter Park (say hello to the bears!) and Granby, while the Fourteeners kept looming in the background. A bit later we entered canyon territory, passing five or six of them, each one more scenic than the last. The journey culminated in breathtaking Glenwood Canyon, whose rugged walls rose hundreds of feet above us. Unfortunately, as a result of our huge delay, the sun had already set and photographic conditions were a little tricky to say the least. 
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