Biking the Rockies and meeting Mr. Bear

Trip Start Jun 20, 2010
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Trip End Sep 15, 2010


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Flag of United States  , Colorado
Wednesday, August 4, 2010

Am Anfang stand der Wunsch, mal wieder etwas meinen Bus-Freipass auszunützen, um damit den Highway 40 abzugondeln. Diese Überlandstrasse schlängelt sich von Denver aus über drei hohe Pässe in Richtung Westen. So ging es dann heute früh los, mal wieder beim Greyhound-Terminal in Denver. Die Ticket-Verkäuferin kenne ich schon, sie mich auch - trotzdem ist der Bus mal wieder voll und sie kann natürlich auch nichts machen. Es beginnt die bereits bestens bekannte, nervenaufreibende Warterei auf Standby-Plätze. Letztlich bleiben mehr als die Hälfte der Sitze frei -weiss der Geier wieso- und ich darf mitfahren. 


 
Schliesslich verlassen wir die Autobahn und wechseln auf den angepeilten Highway 40. Eine der originalen Überlandstrassen aus der Planungsphase von 1920, die von New Jersey an der Ostküste bis nach San Francisco an der Westküste führt. Und das wohl schönste Stück liegt direkt vor mir. Erst geht es durch eine enge Schlucht, auch einige Goldminen treffen wir hier an. Dann beginnen die Haarnadeln, und der gut beladene Bus schraubt sich langsam aber stetig in die Höhe. Schliesslich erreichen wir Berthoud Pass auf 3'446 Metern über Meer - der höchste Punkt der Route und gleichzeitig auch Teil der kontinentalen Wasserscheide (continental divide): Alles was westlich von hier runterregnet, fliesst in den Pazifik, was im Osten aufprallt findet seinen Weg in den Atlantik respektive den Golf von Mexiko.

Nun beginnt der schönste Teil der Fahrt. Die kurvenreiche Strasse schlängelt sich wieder ins Tal hinunter, ansonsten ist inmitten von Millionen von Nadelbäumen nicht mehr viel an Zivilisation auszumachen. Traurige Anmerkung noch zu diesen Bäumen: Bereits jetzt sieht man mehr braun als grün, und die ganzen Rockies von hier bis weit hinauf nach Kanada sind von einem gigantischen Waldsterben betroffen. Ursache dafür ist der Borkenkäfer, der sich aufgrund des milder werdenden Klimas schneller verbreiten und auch neue Gebiete erreichen kann. Kaum haben wir die Talsohle erreicht, kommt der kleine Skiort namens Winter Park in Sicht, und ich werde aus dem Bus geworfen. In fünf Stunden kommt hoffentlich das Gefährt aus der Gegenrichtung angerauscht und bringt mich zurück nach Denver.

Fünf Stunden Zeit also, das gestern Nacht geplante in die Tat umzusetzen. Beim Tourismusbüro einen Voucher ergattert, der im benachbarten Fahrradgeschäft zu einer Halbtages-Gratismiete berechtigt. Dann den hypermodernen, voll gefederten Drahtesel gesattelt und kurz die 6 Kilometer bis zu den Skiliften hoch abgestrampelt - was man dann auf 2'700 Metern Höhe übrigens durchaus spürt, und meine 50-tägige Fastfood-Karriere half sicher auch nicht. Was ich bei den Skiliften will? Tja, hier kommt der Clou: Wenn sich der Schnee aus Winter Park verabschiedet, wird es im Sommer zu einem der grössten Mountain Bike-Mekkas der USA. Und damit meine ich Mountain Biking, the American way: Man lässt sich und das Bike vom Sessellift hochtragen und stürzt sich danach ausgeruht auf über 150 Kilometern an Trampelpfaden in die Tiefe. Tönt genau nach meinem Sport, und den Spass musste ich unbedingt mitmachen!

Auf der Fahrt nach oben (jeder zweite Vierersessel wurde durch eine Fahrradhalterung ersetzt) konnte ich dann nach "Strassenbilder" auch Punkt zwei auf meiner Liste abhaken: "Rocky Mountain-Landschaften". Wunderbar, klappt ja wie am Schnürchen, und der spassige Teil steht erst noch bevor! Der Lift katapultiert einem mal eben wieder auf 3'300 Meter hoch und das Panorama ist fantastisch. Schliesslich finde ich auch meinen Pfad für den Weg nach unten - der neckisch in grün markierte Greenhorn Trail, die Anfängerstrecke. Die entspricht genau meinem Gusto: Hier ein paar Wurzeln, dort ein paar Steine, aber soweit ganz idyllisch, und so einfach, dass das ganze nicht zu fest in Arbeit ausartet. Und Spass machen tut's natürlich ungemein: Weit und breit bin ich der einzige, vor mir 8 Kilometer an Abenteuer!


 
Ich sinniere gerade darüber, dass ich wohl den perfekten Ort für die perfekte Sportart entdeckt habe, da komme ich um eine Kurve, sehe 'es', greife sofort nach allem, was nach einer Bremse aussieht, und komme nach einigem Schlittern zum stehen. 'Es' liegt jetzt noch 15 Meter vor mir, ist ein massiver, pelziger schwarzer Farbklecks in der grünen Landschaft, und starrt mich grimmig an. Ach du Schande, vor mir steht Meister Petz höchstpersönlich. Ist das jetzt die Art, vor der man wegrennen sollte, oder die, bei der man stehenbleiben, schreien und mit den Armen wedeln muss? Meine Intuition scheint die Antwort zu wissen, denn ehe ich mich versehe, mache ich mitsamt Drahtesel kehrt und sprinte den Fahrradpfad hoch. Ich wage es ja kaum, nach hinten zu blicken - aber der Bär hatte glücklicherweise keine Lust auf eine Verfolgungsjagd, oder keinen Appetit auf Schweizer Fleisch (obwohl alles andere ja nur Beilage ist). Zum Glück liegt nur unweit oberhalb eine Forststrasse, auf der ich dann in gebührendem Abstand und mit grösstmöglicher Geschwindigkeit passieren kann. Dass ich darauf plötzlich auf einem schwarz markierten Pfad (die sind für die absoluten Profis gedacht) ende, nehme ich auch kaum mehr zur Kenntnis - wahrscheinlich habe ich das Teil in einer neuen Bestzeit absolviert.

So ende ich dann also nicht als das dritte US-Bärenopfer im 2010, bin mir aber durchaus bewusst, dass das ganze auch hätte anders ausgehen können. Okay, Abenteuer Rockies ist beendet, und ab sofort gibt's keine Solo-Ausflüge in den Wald mehr. Basta. Unten im Skiort angekommen, mache ich es mir im erst besten Restaurant (an der Parsenn Road, das tut ja weh!) gemütlich. Das Fleisch vor mir auf dem Teller, so gefällt mir die Situation schon um einiges besser. Währenddessen führe ich mir die Liste tödlicher Bärenattacken zu Gemüte - wenn jemand noch eine Gutenachtgeschichte braucht, da gibt's einigen netten Stoff: Leute, die mitsamt Schlafsäcken aus ihren Zelten gezerrt werden; Kinder, die beim Blumen pflücken vor der Haustüre vertilgt werden. Oder der arme Mann aus New Mexico, bei dem der Bär direkt in die Wohnung eingebrochen ist...
Die 6 Kilometer zurück ins Dorf waren dann easy - bis auf den Fakt, dass sich mittlerweile heftiger Gewitterregen im Tal eingenistet hatte. Die 15-minütige Dusche wäre jetzt nicht wirklich nötig gewesen, zumal ich keine Ersatzkleider dabeihatte. Klitschnass liess ich mich im McDonalds nieder und erhielt mich mit literweise warmem Tee am Leben. Nass und frierend in einem kleinen Nest auf den einzigen Bus des Tages zu warten, der in der Gegenrichtung ausgebucht war, ist auch nicht wirklich der Stoff, aus dem die Träume sind. Glücklicherweise war er dann fast leer, und so gelangte ich endlich zurück in die Zivilisation. Bin mir ziemlich sicher, dass ich meine illustre Souvenir-Palette noch um eine Verkältung aus Winter Park werde erweitern können. Immerhin, es hätte heute ja wirklich schlimmer kommen können...


English 
In Colorado, it's all about the outdoors, and so I joined in on the fun today. First goal was to see some Rocky Mountain scenery, and so I had me a return ticket to a tiny ski resort town called Winter Park. The 2-hour drive along Highway 40 led through deep valleys, and then up a dozen hairpin bends to Berthoud Pass, standing at a whopping 11'300ft/3'400m. Got dropped in Winter Park soon after, with 5 hours till the returning bus would pick me up again. Winter Park becomes mountain biking heaven in summer, with chairlifts whisking up riders to soaring heights, and dozens of trails available for the way down. I was really having lots of fun there, when two thirds into my ride, I rounded a bend and came face to face with a bear staring back at me! Not really a sight I wanted to see, alone out in the woods! I skidded to a halt a mere 15 meters from it, and instantly dashed up the trail again. Thankfully it didn't chase me, and I didn't end up as the third US bear victim this year. No more solo hikes and bikes out in the woods for me!
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Comments

Andy on

Servus Tis,

da hast du aber wirklich großes glück gehabt, dass du den Bär rechtzeitig gesehen und vor allem ruhig und besonnen reagiert hast!

Ich verfolge deine Berichte von Anfang an täglich und so ein abruptes Ende hätte dein toller Blog ned verdient... :x

Aber eins frage ich mich noch, meinst du es war Zufall, dass sich der Bär ausgerechnet auf dem Greenhorn Trail gemütlich gemacht hat? ;)

viele Grüße aus München,

Andy

Mike on

Hoi Tis;
What a great thrill and what great luck to see a bear in the wild. That does not occur very often. I have hiked and spent alot of time in the mountains and have not seen too many of them. Enjoy your travels.
P.S. There is a bear in the area around and in the Swiss National Park, not to mention wolves in canton Wallis.

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