Reich der Götter, Reich des Teufels

Trip Start Jun 20, 2010
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Trip End Sep 15, 2010


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Flag of United States  , Colorado
Monday, August 2, 2010

Neben dem Garden of the Gods hat Colorado Springs noch eine zweite riesige Attraktion - und das ist wörtlich gemeint. Sie ist 4'300 Meter hoch, besteht aus Granit und hört auf den Namen Pikes Peak. Nun, mit seiner Höhe geht Pike im Colorado'schen Wald der Viertausender zwar beinahe unter -er ist nur gerade Nr. 31 auf der Liste der höchsten. Aber Pike hat einen anderen Trumpf: Er beheimatet eine der einzigen drei Zahnradbahnen der USA. Und ja, die geht bis ganz nach oben. Und ja, das macht sie zur höchsten der Welt. Und ja, das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen - welch perfekter Ort, um den 1. August nachzufeiern. Umso mehr, als die niedlichen Züge in schönstem Rot erstrahlen und, genau, aus Winterthur stammen!

Als ich morgens aus dem Fenster blicke, bin ich positiv überrascht: Es ist nur etwas erkennbar (abgesehen vom Schimmel an den Wänden) - stahlblauer Himmel! Der Wetterbericht hatte etwas von Dauerregen gefaselt. Und dann war da morgens um 3 noch dieses heftige Gewitter, das mich auch nicht wirklich positiv stimmte. In einer raschen Rettungsaktion hatte ich meinen Rucksack vor dem sicheren Ertrinken retten müssen - genau, das Wasser kam einfach unter der Tür meines billigen Motelzimmers hindurch und machte es sich am Fussende meines Bettes gemütlich!So stehe ich nun vor dem niedlichen Bahnhöfchen im ebenso niedlichen, und nett benannten Dörfchen Manitou Springs. Die Busfahrt hierhin war problemlos - es darf nur nicht Sonntag sein, dann kann man mit diesen Bussen hier ziemlich viel anstellen! 

 Schliesslich wird der Zug mit Passagieren aus allein Teilen der USA gefüllt. Ich erwische als Sitznachbaren ein älteres Ehepaar aus Texas - dafür sind sie ziemlich normal. Und leider -als hätten sie es geahnt- in langen Stoffhosen erschienen. Keine Socken-Studie heute. Eine dichte, schwarze Rauchwolke steigt vom Zug auf. Mit Ächzen und Getöse setzt er sich in Bewegung und kämpft sich die ersten paar Meter hoch. Eine gute Stunde werden wir für die 2'300 Höhenmeter benötigen - am Volkslauf schaffen es die Atlethen jeweils in deren zwei! Erst führt die Fahrt durch den dichten Wald, der erst mit Laub-, dann mit Nadelbäumen besetzt ist. Nur vereinzelt können wir einen Blick auf die Felsformationen in der Umgebung erhaschen - ein Produkt von Eis und Zeit. Nach gut zwei Dritteln der Fahrt nimmt die Dichte des Grüns endlich ab, wir haben die Baumgrenze erreicht. Wir lassen den Wald unter uns zurück und werden von der traumhaften Aussicht hinunter in die Ebene begrüsst. 

Die letzte Viertelstunde führt dann über eine Steinwüste, links die tolle Aussicht, rechts die Murmeltiere, die mit unserem Zug um die Wette laufen. Schliesslich haben wir den Gipfel erreicht. 4'302 Meter, auf einem so hohen Berg stand ich noch nie! Mittlerweile hat die Bewölkung zugenommen, ein weisser Schleier schwebt keine zehn Meter über unseren Köpfen - wir sind auf Augenhöhe mit den Wolken! Die Amis packen sich dicht in ihre Skijacken ein und begeben sich todesmutig nach draussen ins harsche, kalte Bergklima. Sie staunen, dass ich in Shorts und T-Shirt umhergehe. Und sie staunen noch mehr, als ich ihnen erzähle, dass das hier für Schweizer sommerlich warm sei. Okay, am nachgeholten Nationalfeiertag darf man ja mal etwas dick auftragen - aber es war wirklich 10 Grad plus und mit der Sonne ziemlich angenehm.

Leider beginnen die Wolken, den Gipfel zu vereinnahmen, und die Aussicht in einige Richtungen verwandelt sich in ein monotones Grau. So sprinte ich dann halt zur anderen Seite (was sich auf dieser Höhe im Kopf ziemlich neckisch anfühlt, auch bekannt als 'Rocky Mountain High'). Hier liegt das Ende der Gipfelstrasse - ja, genau, auch diesen Berg kann man mit dem Auto erklimmen. Die schnellsten bewerkstelligen das bei der jährlichen Bergralley übrigens in sage und schreibe 10 Minuten! So geniesse ich dann noch etwas die Aussicht auf endlose Wälder und einige Bergseen. Der Blick in die Ebene und auf Colorado Springs ist gar nicht so spektakulär - das liegt alles so weit unten, dass es zu einem einzigen Einheitsbrei verschmilzt.

Nach 30 Minuten trommeln sie uns wieder zusammen und pferchen uns in die Züge für die Rückfahrt. Wenn man länger hier oben bliebe, würde man die Höhe zu spüren bekommen, meinen sie. Während der Talfahrt mache ich mich an die Planung für den Rest des Tages. 6 Stunden Zeit habe ich noch bis zu meiner Weiterreise mit Greyhound nach Denver. Genau für den Fall eines solchen Lochs hatte ich mir mal noch 'Cripple Creek' in meinen Reiseplan gekritzelt - ohne wirklich zu erwarten, das auch noch reinpacken zu können. Der Krüppelbach ist eine kleine ehemalige Minenstadt eine gute Stunde von Colo Springs entfernt. Heute stehen dort Dutzende Kasinos - und um den Fluss an zahlungswilligen Spielern zu sichern, sponsorn sie einen stündlichen Bus. Eine schöne Fahrt durch die imposante Berglandschaft, ein hübsches Dörfchen als Ziel, und das alles auf Kosten der Kasinos. Konnte ich mir ja nicht entgehen lassen!

So stand ich dann wenig später auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums, der offenbar als Haltestelle fungiert. Ja, ich war richtig - da stand schon so ein erster komischer Kauz, der auch auf den Bus wartete. Der kam dann auch prompt. Das Klientel an Bord war wie erwartet - meist einsame ältere Herren, einige gut, andere miserabel gekleidet, die ihre viele Freizeit offenbar am liebsten an einarmigen Banditen verbringen. Die einstündige Fahrt über  kurvenreiche Passstrassen und durch dichte Wälder war zwar nichts, was man in der Schweiz nicht auch erleben könnte - aber trotzdem besser, als sechs Stunden nur faul rumzusitzen. Cripple Creek selber - hachja. Immerhin war die kurze Hauptstrasse wirklich ein Bijou, rund 40 stattliche Häuser aus den 1850er-Jahren reihten sich da aneinander, heute alle mit Kasinos gefüllt. 

English summary
Besides 'Garden of the Gods', Colo Springs' has another huge attraction - quite literally. It is 4'302 meters high, made of granite, and called Pikes Peak. And there's a swiss cog railway running all the way to the top, making it the highest of its kind. Definitely something I had to see! The one-hour ride up originated in the tiny, yet quite beautiful village of Manitou Springs, and then zig-zagged through the thick greenery. When we had finally crossed the treeline, an amazing vista of endless forests and beautiful mountain lakes enfolded before us - and Colorado Springs was reduced to such a little size that it could barely be seen anymore. This adventure completed, I still had six hours to spare till my bus back to Denver would run. And so I squeezed in another little trip - a one-hour bus ride to the casino town of Cripple Creek - subsidised by its casinos in order to shuttle in even more gamblers. No gambling on my part, but I sure did enjoy the nearly free ride through the nice Rocky Mountain scenery, as well as the cute little town at the end of the route.
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Comments

mathias on

Hey Tis

Ich staune immer wieder wie du während deiner Reise die Zeit und Energie aufbringst diesen Blog zu führen! Respekt! Die Bilder und der Text machen das ganze wirklich spannend.
Doch lieber als nur Blogs zu lesen wäre ich selbst irgendwo auf Achse, und daran bist auch du nicht ganz unschuldig.

Weiter so, ich wünsche viel Gutes Licht zum Fotografieren und nicht zu breite Sitznachbarn im Greyhound;-)

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