Spaziergang im Garten der Götter

Trip Start Jun 20, 2010
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Trip End Sep 15, 2010


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Flag of United States  , Colorado
Sunday, August 1, 2010

Nachtrag: Natürlich schlug ich schon gestern in einem neuen Bundesstaat auf, Colorado, dem Alpenstaat. Obwohl rund 7-mal grösser als die Schweiz, liegt kein Punkt unter 1'000 Metern, und die durchschnittliche Höhe beträgt ganze 2'000 Meter. Achja, und über 50 Viertausender tummeln sich hier auch noch! Die heutige Reise führte von Denver ins 120 Kilometer südlich gelegene Colorado Springs. 
Colorado
 
Okay, ganz so göttlich begann der Tag ja nicht. Ausser dass Sonntag war. Aber da sind wir auch gleich beim Kern des Problems angelangt. Sonntags hat man in den USA gefälligst nicht ÖV fahren zu wollen. Langer Schwede, kurzer Finn' - was unter der Woche ein Katzensprung von 50 Minuten ist, wurde heuer zu einer Odyssee von vier Stunden. Und als wäre das noch nicht strapaziös genug, wurde ich, endlich bei den Greyhounds angekommen, mit finsterer Miene informiert, dass der Bus schon ausverkauft sei. Der nächste ginge in 12 Stunden, klar. Ich und die zwei anderen Überzähligen konnten den mexikanischen Fahrer dann aber mit Händen und Füssen doch noch zu einer Volkszählung bewegen, und siehe da: Genau drei Plätze warden noch aufgetaucht - ¡Àndale, Àndale!

Kurzer Boxenstopp in meiner Unterkunft namens EconoLodge Downtown. Während ich den Econo-Teil mit einem kurzen Rundblick in meinem Zimmer bestätigen kann, möchte mein Rücken festgehalten wissen, dass alles, was einen 45-minütigen Marsch vom Stadtzentrum aus erfordert, gefälligst nicht unter downtown laufen darf. Danach noch ein Überfall auf den nahegelegenen Tankstellenshop, wo ich mich sehr zur Freude des Kassen-Inders mit Proviant für eine einwöchige Amazonasexpedition eindeckte. Aber hey, ich wandere ja heute schliesslich in den Rocky Mountains! Aus diesem Grund schlüpfe ich denn auch bei 30 Grad in meine langen Jeans (die seit Bangor zuunterst im Rucksack vor sich hin moderten) - offenbar soll das helfen, nicht als Festmahl der Klapperschlangen zu enden. Wenn Snakey dennoch Lust zum zubeissen hat, schaut man natürlich trotz Jeans in die Röhre - oder von unten in die Wurzeln, eher. 

Anyway, schliesslich bin ich bereit. Natürlich haben wir immer noch Sonntag, also fährt auch der Bus zum Nationalpark nicht - diese Logik geht zwar an mir vorbei, aber es läuft trotzdem nichts ohne ein zähneknirschend bestelltes Taxi. Die Laune bessert sich aber schlagartig, als das Objekt der Begierde in Sicht kommt: Der Park namens Garden of the Gods, eine Ansammlung mega-überdimensionierter roter Steinklumpen, die da mitten in der Hügellandschaft verstreut liegen, stehen und balancieren. So etwa wie wenn Ayers Rock mit einem riesigen Hammer eines übergebraten erhalten hätte, in zehntausend Teile zersplittert und auf die dicht bewaldete Landschaft niedergeprasselt wäre.


Kurzer Besuch im Visitor's Center, um mich nach den Klapperschlangen zu erkundigen. Die dauergrinsende Rangerin in ihrer neckischen olivgrünen Uniform inklusive Cowboyhut (weiss der Geier wofür sie den an der Kasse des Souvenir-Shops braucht, aber es sieht allemal chic aus!) weiss zwar dazu nichts zu sagen. Dafür rattert sie aber Warnungen zu sonstigen zwei Dutzend Tierarten runter, von denen ich zwar nur Luchs, Puma und Bär aufschnappe, mich aber auch damit durchaus schon zufrieden gebe. Wo bitte kann ich nochmals ne Flinte mieten? Und wieso wollen die mich hier alle fressen? Und warum gibt es bei den Raubtieren keinen Sonntagsfahrplan?
 

Ich mache mich trotzdem auf und schlendere im leichten Nieselregen an den eindrücklichen Felsen vorbei, die sich da scheinbar aus dem Nichts erheben. Eines gleich vorneweg - ich bin wohlbehütet zurück im Motel angekommen, und alle meine Extremitäten ebenso. Die Begegnungen mit dem fresslustigen Zoo beschränkten sich auf zwei Hasen und einen (allerdings nervigen) Kamikaze-Schmetterling, der offenbar irgendetwas gegen meine Nase hatte. Am furchteinflössendsten waren aber ganz klar die Horden amerikanischer Rentner, stereotypen-konform mit Tächlichappe, Bierbauch und weissen Socken - bis zu den Oberschenkeln, und noch viiieeeeell weiter (getreu nach ToyStory). 

Jetzt habe ich noch immer nicht viele Worte über die Steinformationen verloren. Aber ich kann's kurz machen: Sie waren wirklich äusserst eindrücklich - so, dass die Bilder dem ganzen wohl eher gerecht werden als meine zehntausend Worte. Die Wolkenkratzer-hohen Steinklumpen namens Gateway Rocks waren in der Tat imposant; die spitzen Cathedral Spires machten ihrem Namen alle Ehre. Die "Kissing Camels"-Formation wird mit etwas Fantasie und vielleicht einer klitzekleinen Prise Dynamit durchaus den Erwartungen gerecht. Und Balanced Rock, der da gefährlich nahe der Strasse auf bedrohlich wenig Sockel steht, war trotz touristischer Dauerbelagerung auch toll. Ein wirklich gelungener Ausflug, mit dem ich nun endlich den etwas Natur-betonteren Teil der Reise einläuten kann! 

 
English Summary 
Travelling the 80 Miles between Denver and Colorado Springs is obviously something they don't want you to do on a Sunday, and so what is otherwise an easy 50-minute drive became a 4-hour hassle today. Arriving into Springs, I stocked up on food supplies as if I was preparing for an Amazonas expedition - but hey, I'm hiking the Rockies today! Okay, it's actually more at the foot of the Rockies - Garden of the Gods Park, home to a myriad of giant red rock formations and boulders of all sizes. But still I was a little frightened when that lovely Park Ranger, with her perpetual smile and cowboy hat (no idea what she needs that one for, working the souvenir store checkout) rattled down all the creatures out there waiting to eat me (rattlesnakes, bobcats, mountain lions, bears). However, the following stroll around the impressive rocks was absolutely amazing, and passed with no wildlife encounter whatsoever (okay, not counting that kamikaze butterfly launching numerous attacks at my nose). A perfect day to kick-start the more scenery-focused part of my trip!
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