Mexikaner, Bulldoggen und Lehmhütten

Trip Start Jun 20, 2010
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Trip End Sep 15, 2010


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Flag of United States  , New Mexico
Friday, July 30, 2010

Heute liess ich das riesige Texas hinter mir. Die Fahrt führte über 430km nach Norden, nach Albuquerque, New Mexico. 
New Mexico
Der Morgen hatte mal wieder ne nette Überraschung parat. Soeben im morgendlichen Sonnenschein zur Greyhound-Station gekeucht, erzählte man mir dort, dass hier keine Busse an meine Destination fahren würden. Ich müsste zum mexikanischen Ableger namens "Americanos" (macht sehr viel Sinn, ja), die etwas entfernt ein eigenes Terminal hätten. Also weitere 20 Minuten schwitzend durch die Stadt gelatscht. 


Im Mexikaner-Viertel direkt an der Landesgrenze angekommen, erblickte ich zwar allerlei fliegende Händler, Tortilliastände und sogar eine früh aufgestandene Mariachi-Kapelle, nur die Busstation ward nicht gesehen. Auch der Versuch, nach dem Weg  zu fragen, erntete nur fragende Blicke - was aber eher auf die Sprachbarriere zurückzuführen war. Anyway, schliesslich fand ich das Terminal dann doch noch (ja, es wimmelte mal wieder von Sombreros und Cowboy-Hüten), und mit einer geringfügigen Verspätung von bloss zwei Stunden konnte die Reise beginnen. Bevor wir uns allerdings auf die Autobahn begaben, folgte noch ein weiterer Halt - genau, beim Greyhound-Terminal natürlich. Seltsamer Verein das - da ist ja ein Hühnerstall besser organisiert!

 Dann ging's aber wirklich los, und während sich über die Bordlautsprecher irgendwelche mexikanischen Volksmusiker in übermässiger Lautstärke ihren Liebeskummer von der Seele jaulten, wurde die Landschaft draussen rasch immer karger. Das war die Einladung, etwas Schlaf nachzuholen, welcher ich sehr gerne folgte. "Ä-me-si-sen!!" schrie plötzlich jemand in mein Ohr, während er meine Schulter mit festem Griff die Richter-Skala hochtrieb. Da hatte sich doch wirklich so eine typisch amerikanische Bulldogge in Uniform vor mir aufgebaut. Was hab' ich denn nun schon wieder verbrochen? Zu wenig Trinkgeld gegeben? Falsches Flugzeug abgelichtet?

Ne, der Mann war von der Grenzpolizei und wollte wissen, ob ich "American Citizen" bin, oder nicht doch ein fremder Fötzel. Aha, wir waren mal wieder in eine Ausweis-Kontrolle geraten, wie sie hier im erweiterten Grenzgebiet mindestens 1-2 Mal pro Fahrt vorkommen - die scheinen da ein echtes Problem mit den mexikanischen Einwanderern zu haben. Ich zeigte meinen roten Pass, und die Bulldogge zog weiter, während ich meine Schulter wieder einrenkte. Rauhe Sitten herrschen hier! Passenderweise hiess die nächste Stadt, die wir passierten, dann allen Ernstes "Truth or Consequences". Ich bin definitiv im Wilden Westen angelangt. Die Stadt hat sich den Namen im Übrigen im Jahre 1950 selber gegeben - und weil sie das als erste tat, gewann sie den Fernseh-Wettbewerb und sicherte sich so den Platz als Drehort der gleichnamigen Quizsendung. Die spinnen, die Amis...!

 Immerhin, die Landschaft um uns herum war nun gar nicht mehr so langweilig. Im Vordergrund die kargen Böden, auf denen nur vereinzelte Gräser und Büsche wachsen. Dahinter abwechslungsweise weite Ebenen, ganz stattliche Berge, sowie der eine oder andere Stausee. Eine Freude fürs Auge, nachdem ich nun gut 40 Tage vornehmlich durch dichtes Grün gefahren bin. Schliesslich kommen wir mit nun so etwa 150 Minuten Verspätung in Albuquerque an. Achja, der Städtename ist nicht etwa indianisch für irgendwas romantisches mit Adler im Sonnenuntergang und so, sondern entweder arabisch (Abu al-Qurq) oder lateinisch (alba quercus) für die Korkeichen, respektive spanisch/galizisch (albaricoque) für Aprikose - je nachdem, wem man nun gerade glauben mag. 

Eigentlich wollte ich ja direkt einen Ausflug ins offenbar sehr schöne Santa Fe anhängen, aber der sprichwörtliche Zug war bei der Verspätung auch ganz real schon lange abgefahren. Die nächste Chance bietet sich morgen früh um 4 Uhr - mal schauen. So hatte ich dann also das Vergnügen, Albuquerque zu inspizieren. Touristenmagnet ist die Altstadt, wo man zwischen den für die Region typischen, historischen Lehmhäusern flanieren und sich in dutzenden Shops mit jedem erdenklichen Indianer-Souvenirkitsch eindecken kann. 


 

Den Indianerkrempel liess ich ohnehin gleich links liegen, und bei den Lehmhäusern hatte ich ewiger Skeptiker die ganze Zeit das Gefühl, dass die nur so tun als ob, und unter dem ockerbraunen Anstrich und den abgerundeten Ecken ganz normal gebaut sind - vielleicht tue ich der Stadt aber auch Unrecht. So hielt sich meine Begeisterung dann in Grenzen, obwohl ich durchaus vereinzelte nette Ecken fand. Immerhin, als das tägliche Gewitter durchgezogen war und die Dunkelheit mit sich gebracht hatte, waren einige der Häuschen schön beleuchtet und gewannen dann doch noch etwas an Charme. 

 

 
English Summary
Leaving El Paso and Texas wasn't  a walk in the park - more a walk around town really. Greyhound staff telling me they don't have busses to Albuquerque, and sending me to their Mexican partner another 20 minute hike away. Had trouble finding the place and got a little lost in the lively Mexican quarter near the border. When I had finally found the station, it turned out the bus was two hours late. And once we managed to get going, guess where we stopped first? Right at the damned Greyhound terminal. Anyway, the five hour drive was pretty nice: Typical western scenery flying by, while mexican folk singers poured their heart out on the radio. Arriving late into Albuquerque (New Mexico) with not much time left for sightseeing, I headed straight for the main tourist drag, the old town: A cluster of typical old adobe houses, hosting an endless array of Pueblo-Indian souvenir shops. Doubting the authenticity of the former, and not at all interested in the latter, ABQ struggled to strike a chord with me. This improved somewhat after sunset, when the nicely lit buildings were actually quite charming. 
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