Kampf mit Onkel Murphy

Trip Start Jun 20, 2010
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89
Trip End Sep 15, 2010


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Flag of United States  , Florida
Wednesday, July 21, 2010

Nein, das ist nicht der Fahrplanheini von Greyhound, sondern der gemeine Kerl, der einem dann das Leben schwer macht, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann. Aber anyway, immerhin habe ich wieder 500 Kilometer zurückgelegt - bin aber immer noch in Florida, nämlich in Tallahassee. 
(Bitte um Nachsicht für die Kleinschreibe - mehr dazu später...) 




 
Augen auf, und draussen ist es doch ziemlich hell für 4.30 morg...shit! Musste ja so kommen, ich habe eiskalt meinen Bus verpennt. Das Bett mit seinen 6 kissen (keine ahnung, wofür die alle sind) war halt einfach zu fein, und ich zu müde. Bravo. Damit rückt das heutige Etappenziel in weite Ferne. Oder doch nicht? Ich haue tüchtig in die laptop-tasten, probiere ein paar umsteige-kombinationen - und siehe da: In ner halben Stunde geht ein Bus nach Orlando, und von dort gibt's tatsächlich noch eine verbindung nach tallahassee. Also in Windeseile meine sieben Sachen gepackt und zum Busterminal gespurtet. Am Ticket-Schalter die Ernüchterung: Der Bus sei ausgebucht. Immerhin nimmt mich die Dame auf die Warteliste - als Nummer 7 solle ich mir aber keine zu grossen Hoffnungen machen. Schliesslich wird der Bus mit allen erschienenen Personen gefüllt, und der Fahrer geht die leeren Plätze zählen. 6 Sitze sind noch frei. Ich bin Nummer 7. Wunderbar. Irgendeine Macht will mich wohl in diesem vermaledeiten Tampa festhalten. 

Die 6 glücklichen steigen ein und ich bleibe alleine im nun ausgestorbenen Terminal zurück. Da haue ich den Fahrer an, er solle doch bitte nochmals nachzählen gehen. Und siehe da: Der Busfahrer kommt strahlend zurück - er hat doch noch einen Sitz gefunden - auf geht's! (beim Einsteigen sehe ich dann noch mindestens 3 freie plätze - der liebe Mann scheint mit den Zahlen wohl noch mehr auf Kriegsfuss zu stehen als ich!)

So geht's dann also zuerst 2 Stunden nach Orlando. Natürlich handeln wir uns unterwegs noch 30 Minuten Verspätung ein, und die Fahrt verläuft insgesamt so chaotisch, dass erst der Busfahrer ausflippt, daraufhin eine ältere Dame weinend den Bus verlässt, und schliesslich ein jüngerer Herr ebenfalls wutentbrannt von dannen stürmt. Keine Ahnung, was die genau für ein Problem hatten - ich schaute mehr auf die Uhr, denn die Minuten rannen gnadenlos davon. 
Ankunft in Orlando. Wiedermal Orlando, wie nett. Aus meinen 35 Minuten Umsteigezeit waren 5 geworden, und ich brauchte noch ein Ticket. Zum Glück war ich zur Ticket-Agentin beim letzten Besuch so freundlich - man sieht sich ja immer zweimal im Leben, sie erkannte mich prompt und stellte mir mein Billet aus, obwohl sie das eigentlich nur bis 15 Minuten vor der Abfahrt dürfte. Glück gehabt! Ich erwische also auch den zweiten Bus noch und entrinne Murphys Fängen erneut. Die folgenden fünf Stunden Fahrt sind weiter nicht interessant - ausser das der Sumpf endgültig weiten Feldern und üppigen Mischwäldern weicht, und ganz zaghaft sanfte Hügel zum Vorschein kommen. Es sieht wieder aus wie im Schweizer Mittelland.


 
Wer kennt die Hauptstadt von Florida? Miami? Orlando? Nö, Tallahassee. Weitab vom Schuss, weit weg vom Meer, und ein kleines Dörfchen im Vergleich zum pulsierenden Miami. Die Strassen sind so ausgestorben, dass ich während fünf Minuten keine Menschenseele sehe. Kein Wunder haben die hier sogar eine Statue eines Zeitung lesenden Mannes auf einer Parkbank - irgendjemand muss den Raum ja bevölkern!
Immerhin, alles schön grün hier, und von den Bäumen hängt auch wieder das typische Moos. Seeeehr beschaulich, aber nicht sehr fotogen. 


 
 Einzige Sehenswürdigkeit ist mal wieder das Kapitol - wobei dieses hier eindeutig den Hauptpreis für das scheusslichste Design einheimst. Da hilft auch die Delfinstatue davor nix mehr, das Teil ist einfach nur katastrophal. Gleich dahinter steht das alte Kapitol und zeigt, wie's geht - leiser steht es aber sprichwörtlich im Schatten des Neubaus und lässt sich kaum befriedigend ablichten. 
Zurück in meinem Zimmer riecht es, als hätte einer ein halbes Bierfass ausgeschüttet. Das Zimmer scheint in dieser Hinsicht irgendwie verhext, denn schon kurz später folge ich der Tradition mit einem grossen Gutsch Fanta. Leider steht mein Laptop mitten in der Schusslinie - die Tastatur ist zwar spritzfest, aber nicht für veritable Überschwemmungen gedacht. Also schnell aufschrauben und austrocknen lassen - für etwas hat man als Schweizer ja ein Sackmesser dabei, und die Klinge fungiert nun als Schraubenzieher. Natürlich klemmt dann die allerletzte Schraube. Und selbstverständlich schneide ich mich auch noch im Kampf gegen dieses Mistvieh, den ich schliesslich erfolglos abbrechen muss. 
Nach zwei Stunden quittieren dann plötzlich zwei Tasten ihren Dienst (selbstverständlich die, die ich für mein windows-passwort brauche - zum
Glück kann ich dieses noch über den Touchscteem eingeben). 
Der Laptop braucht definitiv eine Auszeit - hoffentlich erholt er sich wieder. Darum tippe ich diesen Eintrag nun auf dem iPhone-Mäuseklavier, daher auch die miese Schreibe. 

Lektion des Tages: Murphy entkommt man nicht so leicht. Und wenn man ihn dann doch abhängt, meldet er sich später nur umso kampflustiger zurück. Hätte mich seinen Plänen nicht widersetzt und wäre in Tampa geblieben, wären wohl Laptop und Finger noch heil. Hach, zum Glück ist dieser Tag in vier Minuten vorbei...



   

English:
Overslept in the morning. Thankfully found another possibility to get to Talahassee, by changing busses in Orlando. Bus to Orlando was overbooked, but I finally got on anyway. 5 Minutes transfer time in Orlando, but I made it.  Not much to see here in Talahassee, despite being the capital of Florida. The capitol building (a boring high-rise) is about as awful as architecture can get, but the only sight there is really. Okay, the old capitol building right next to it is kinda nice. 
My motel room smelt of spilt beer, and I followed the tradition and added some Fanta. Unfortunately, I poured most of it over my laptop, which obviously made some of the letters on my keyboard depart on a holiday. Tomorrow can only get better, despite a 10-hour journey waiting for me.  
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