Ein ganz normaler Reisetag

Trip Start Jun 20, 2010
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Trip End Sep 15, 2010


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Flag of United States  , Florida
Tuesday, July 20, 2010

Okay, heute ging's erstmals in eine ungewohnte Richtung - nach Norden. Zum ersten Mal seit einem Monat wieder geflogen bin ich auch, von Key West zurück aufs Festland nach Fort Lauderdale, an der Ostküste Floridas. Natürlich gab's auch wieder ne nette Busetappe - in 7 Stunden erst quer durch den Stiefel durch und dann der Westküste entlang rauf nach Tampa. Direktflüge dorthin wären natürlich auch im Angebot gewesen - aber dann hätte ich ja 400 Kilometer interessantes Sumpf-, Busch- und Weideland verpasst. Also eben...




Tagwache früh morgens in Key West, geweckt nicht nur von meinem unerbittlichen iPhone, sondern auch vom Gekreische mehrerer Hähne. Schlafwandelei zum Stadtbus. Halt, sind das wirklich Hühner, die da munter durch Downtwon tappeln, die Hauptstrasse inbegriffen? Verrücktes Nest das...Stadtbus zum Flughafen, eine Stunde warten auf die Check-in-Dame, warten am Gate, eine nette Texanerin (mitte fünfzig, keine Angst) zeigt mir auf ihrem Laptop -der Bildschirm so gross wie mein Fernseher- ihre halbe Lebensgeschichte in Bildern. Endlich Boarding, mal wieder eine nette Beech 1900. Continental steht drauf, Gulfstream ist drin - die Amis und ihre verschachtelten Fluggesellschaften halt. 

Der Flug hält dann aber, was er verspricht. Nach dem Start kann ich -wenn auch im Gegenlicht durch getönte Scheiben, aber besser als nix- noch ein paar Keys von oben erspähen, was der ganzen Sache wirklich eine zusätzliche Dimension gibt. Lange blau, dann lange grün - aha, die Everglades sind wirklich gross, ja. Schliesslich grosser Schüttelbecher, als die kleine Schuhschachtel es im Sinkflug mit den grossen Quellwolken aufnimmt. Anflug auf FLL - und das erste Mal fallen mir die amerikanischen Wohn-Batterien auf, deren vollste Absurdität und Schrecklichkeit halt eben nur aus der Luft ersichtlich werden. Hunderte absolut gleicher Häuser stehen da in Reih' und Glied. Stimmt nicht, korrigiert mich die Texanerin nebenan - die hätten manchmal verschiedene Anstriche. Wow, okay. Macht natürlich nen riesigen Unterschied.Ich wäre ja dafür, klammheimlich alle Hausnummern einzusammeln - mal schauen, wer dann sein trautes Heim noch findet!

Anyway. In Fort Lauderdale kann man die Amis mit ihren eigenen Waffen schlagen. Diese Autoverrückten pflanzen natürlich an jedem Airport riesige Parkhäuser hin - und weil der Ami nicht gerne geht, stehen diese gleich hinter -oder vielerorts auch: auf- dem Terminal [okay, zugegeben, in Zürich ebenso]. Und das wiederum kommt dann Leuten wie mir ganz gelegen, bietet sich doch von dort eine wunderbare Aussicht auf den Flugverkehr. So verbrachte ich dann die nächsten zwei Stunden auf ebendiesem Parkhaus und konnte fröhlich vor mich hin knipsen. Weit und breit kein Cop in Sicht - zwar auch kein übermässig interessanter Verkehr, aber immerhin lief die ganze Zeit was. 

Schliesslich ist Greyhound Time, erfreulich wenig Leute steigen ein, und los geht die Fahrt. Erst nehmen wir die "Alligator Alley" unter die Räder. Okay, der Name tönt einiges spektakulärer als die Strasse in Wirklichkeit ist: Eine absolut schnurgerade Linie quer durch die Everglades, 135 Kilometer Fahrspass geradeaus durch den endlosen Sumpf. Hat aber irgendwie doch was, wenn man links und rechts bis an den Horizont nur unendliches, topfebenes Grün sieht. Alligatoren liessen sich keine blicken (wobei ich zugeben muss, mich die grösste Zeit meinem Buch zugewendet zu haben und nicht der ganz leicht eintönigen Aussicht). 


Der Rest der Fahrt ist dann insofern unspektakulärer, als die Landschaft wieder normaler wird. Immerhin, innerhalb von 3 Stunden fuhr ich sowohl durch Neapel als auch durch St. Petersburg. Internationale Namen haben sie ja, diese Kleinstädte - nur wirken sie leider alle gleich langweilig.

Achja: Woran erkennt man die europäischen Bus-Passagiere? Genau - die futtern ihr Essen nicht im auf Pinguin-Klima gekühlten McDonalds drin, sondern verziehen sich schnellstens wieder nach draussen. Heute war ich der einzige Fremdling, und vereinigte demnach alle verwunderten Blicke auf mich. Da bestellt einer doch wirklich einen Salat, und dann isst er auch noch draussen auf einem Stein sitzend. Das brachte die armen Amis total aus dem Konzept, und mehrere fragten mich voller Unverstädnis und Entrüstung, wie ich es in dieser Gluthitze überhaupt draussen aushielte. Es war ein wunderschöner Sommerabend, 25 Grad und eine laue Brise. Gibt's ein schöneres Setting für ein Nachtessen? Lustiges Völkchen das...

By the way, das links sind leckere Honey BBQ Chicken Wings mit -eben, aber zugegeben das erste Mal seit langem- Salat statt Fritten. Damit wäre die Fast Food-Liste nun um den Schuppen namens Wendy's bereichert, mit sehr gelungenem Einstand. Subway ist aber kaum mehr einzuholen.


Fahrt in den Sonnenuntergang hinein, meine erste. Das warme Abendlicht verwandelt selbst die langweiligste Landschaft in ein fotografisches Paradies (naja, fast). Zwei Stunden nach Einbruch der Dunkelheit Ankunft in Tampa und Marsch durch die gespenstisch ausgestorbene Innenstadt zum Hotel. Was ich hier will? Schlafen vor den nächsten 7 Stunden Busfahrt, nichts weiter. Ein feines Bett steht bereit - leider wird unsere Beziehung nur gerade 2,5 Stunden dauern. 10 Dollar in die Kopfgeld-Sammelkasse für den Fahrplan-Witzbold von Greyhound, dessen Lieblingszeit wohl 5 Uhr morgens ist, und der in seinem kleinen Kämmerlein sicherlich eine diebische Freude hat, wenn er die armen Passagiere ihres hart verdienten Schlafs berauben kann. 

 
English summary
Change of heading - up north now! Instead of retracing my route I fly back up to Fort Lauderdale. The ride in the small shoe box proves to be as scenic as expected - nice view down on the Keys after take-off. Short planespotting intermezzo at FLL - the parking garage offers good views and there's no cop in sight - okay, no great traffic, either. 'Course no day is complete without riding the Greyhound - a mere 7 hours it is today. First part takes me all across Florida to the west coast - travelling Alligator Avenue, a straight line cutting right through the Everglades. While it's really just an endless view of totally flat, green swamps, it does still have a certain charm - at least to me. Back to normal for the rest of the trip - the only event to report is being stared at in disbelief by all the American passengers, for actually eating my dinner outside in the lovely evening sun instead of shivering in McDonalds' Arctic climate. Late night arrival in Tampa - not intending to do anything here but sleep, getting ready for another 7 hours on the bus tomorrow morning. Will be on the road again in 5 hours from now. Wondering who that Greyhound-weirdo is who comes up with schedules starting at 5:40AM. He sure doesn't appreciate the beauty of a good night's sleep. I do, and very much so. Over and out!
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Comments

Kevin on

Super Tis! Jetzt bin ich endlich dazu gekommen den grössten Teil deines ersten Monats nachzulesen. Da erlebst du wie so oft einiges und immerhin hast du den Weg wieder mal ins Flugzeug geschafft. Gibt also wieder klasse Bilder von innen und nicht nur von aussen ;-)
Weiterhin viel Spass und Durchhaltevermögen beim früh aufstehen!

Gruess, Kevin

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