Back in Time

Trip Start Jun 20, 2010
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89
Trip End Sep 15, 2010


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Flag of United States  , Georgia
Tuesday, July 13, 2010

Viereinhalb Stunden Fahrt. Wieder 400 Kilometer. Und noch immer bin ich in Georgien - allerdings im östlichen Teil, nur noch 15 Kilometer vom Meer weg. Und: Besser als gestern war's auf jedenfall. Und das nicht nur, weil ich die erste Palme erblickt habe (auch wenn sie im schüttenden Regen steht, aber mehr dazu später). Savannah -die grosse Unbekannte- entpuppte sich als angenehme Überraschung. 



 

 
Die letzte Nacht war wieder von der kürzeren Sorte. Schuld daran: Diese elenden Flieger. Nicht nur dass es ziemlich unmöglich ist ein Auge zuzumachen, wenn vor dem Balkon die MD-80 (nicht umsonst als "Mad Dog" bekannt) im Minutentakt ihre Reverser reinhauen. Die volle Dröhung - für Kerosinjunkies zumindest. Doch damit nicht genug - was da unter dem Mantel der Dunkelheit (und damit kaum fotografierbar) alles angebrettert kam, treibt einem die Tränen in die Augen. Vier DC-10, zwei MD-11, und sage und schreibe vier DC-8! Wenigstens eine davon konnte ich nachts um zwei im strömenden Regen auf dem Balkon stehend erlegen, auch wenn der Schuss keine Schönheitskonkurrenz gewinnen würde.

 
Greyhound hat sich mal was überlegt, und am grössten Airport der Welt gleich auch ne Busstation aufgemacht - so fuhr ich direkt mit dem Renaissance-Shuttle vor. Netter Kontrast.  Einziges Highlight des Trips (Back in Time, Teil 1): Ich habe endlich auch noch das älteste Modell in der Greyhound-Flotte kennengelernt (den MC-12, falls Busfreaks mitlesen). Ich dachte, das Teil hätte mindestens 40 Jahre auf dem Buckel - es waren dann aber doch nur 20. DIe Air-Condition war aber klar ein vor-Klimaerwärmung-Design und wirkte ziemlich überfordert. Wenn der Fahrer die Scheibenwischer wedeln liess, zischte und rumorte es im ganzen Bus. Wenn es regnete, tropfte das Wasser neckisch von der Decke. Und das war fast die ganze Distanz über der Fall, denn wir zuckelten mit etwa der gleichen Geschwindigkeit ostwärts wie das heftige Gewitter über uns.

 Schliesslich Ankunft in Savannah. Immerhin, meine Unterkunft liegt gleich gegenüber von der Busstation. Ein typisches Motel, wie man es aus den Ami-Filmen kennt. Thunderbird Inn. Und das Teil wird seinem Namen mehr als gerecht - alles voll im Retro-Look hier, auf dem ganzen Gelände läuft Kaugummi-Pop, die überdimensionierte Leuchtrecklame verzapft was von "love is in the air". Und irgendwo wird sicherlich noch ein alter Thunderbird auf dem Dach stehen oder an einer Wand kleben. Back in Time, die Zweite. 

Die Stadt selber wird regelrecht überwuchert von üppigem Grün, dichtes Moos hängt von den Bäumen, und das Klima lässt die Masoala-Halle wie ein Weihnachtsmärchen erscheinen. Doch damit nicht genug, Gewitter um Gewitter entlud sich über unseren Köpfen - Petrus war offenbar in Planschlaune. Kannst du haben - ich bin gerüstet! Hatte zwar Badehosen und Strandlatschen nicht fürs Sightseeing mitgenommen - aber was solls. So sah ich nun also aus wie der durchschnittliche Tourist hier (nur auf die weissen Socken in den Sandalen  verzichtete ich), genoss die unzähligen warmen Regenschauer aber voll und ganz! Also ab auf den Stadtrundschwumm...

Und was für ein Erlebnis das war! Sobald man sich durch das dichte Grün zu Dornröschen durchgekämpft hat, entfaltet sich eine in den USA kaum gesehene Ansammlung von wunderbarer historischer Bausubstanz. Zugegeben, ich bin ja hier drüben architektonisch ziemlich auf Entzug und damit vielleicht leichter zu beeindrucken - aber mir gefiel wirklich beinahe jedes Haus und jede Strassenecke! Das begann bei der etwas düsteren, mit Pflastersteinen besetzten Flusspromenade, wo die Lagerhäuser aus dem 19. Jahrhundert zu neuem Leben erweckt wurden. Das fühlte sich so stark aus dem historischen London hierhin transplantiert an, dass ich nur darauf wartete, auf Sherlock Holmes zu prallen. Back in Time, die Dritte.

Im Inneren der Stadt begeisterten dann Strassenzüge voller niedlicher viktorianischer Häuser. Ein halbes Dutzend Kirchen wetteiferte um die Gunst der unzähligen Touristen. Und sage und schreibe 21 Parks (beinahe an jeder Kreuzung einer) taten mit Statuen und Brunnen ihr bestes, zum Verweilen einzuladen - auch wenn sie gegen den Regen keine Chance hatten. Nun sicherlich, gemessen an europäischen Standards ist das alles nicht so weiter aufregend. Aber für hiesige Verhältnisse ist dieses Savannah wirkliche eine Perle. Ein grosses Dankeschön an den weitsichtigen Stadtplaner, der für einmal nicht eine Armada Bulldozer über sein Reich jagte um Platz für langweilige Einkaufszentrum zu schaffen, sondern dieses Denkmal so toll bewahrte. Savannah hat all' das, was Atlanta fehlt - und noch viel mehr. Ein echter Geheimtipp!






 
 
English summary

Had a short night at my room with a view - hard enough to sleep with MD-80s kicking in their roaring reversers right at your doorstep, but even more so when you realize it's actually a bunch of DC-8s sneaking in there in the dark. Hopped on the eastbound bus to Savannah early in the morning - a lovely 20-year old piece of junk that wasn't fully waterproof to say the least. Arrival in Savannah (still Georgia) after a 4.5 hours, crashing into my hotel-room at overly kitschy, retro-ish Thunderbird Inn. Time to discover Savannah, which surprised me quite a bit. The old town boasts dozens of cute Victorian houses and lush parks, and is quite an amazing experience (at least after Atlanta). The converted 19th century warehouses bordering a darkish cobblestone alley down by the river feel so authentically old-english, that I expected to bump into Sherlock Holmes any minute. Short and sweet: Savanna's got all that Atlanta doesn't, and a hell of a lot more. What a pleasure!
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Comments

Stefan on

In Savannah sass doch Tom hanks mit seiner Pralinenschachtel und seinem Koffer im Fil "Forrest Gump", oder? Kann Deinem Urteil über Savannah nur beipflichten: Eine echte Perle - ähnlich wie Charleston, South Carolina etwas weiter nord-östlich.

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