Mehr Brei als Beere

Trip Start Jun 20, 2010
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89
Trip End Sep 15, 2010


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Where I stayed

Flag of United States  , Maine
Wednesday, June 23, 2010

Tja, der Titel sagt's schon kurz und bündig. Viel mehr gab der heutige Tag auch nicht her. Und viel mehr gab auch das Wetter nicht her. Und Bangor selber schon gar nicht. 

Da kann man sich natürlich fragen, wieso ich überhaupt einen Tag Aufenthalt hier eingeplant habe? Naja, eigentlich wäre ein Daytrip in ein nettes Küsten-Örtchen namens Bar Harbor geplant gewesen. Wie ich nun aber in Bangor ankam, erfuhr ich, dass das betreffende Busunternehmen den Betrieb eingestellt hatte. Wie dies übrigens auch die Fähre tat, mit der ich eigentlich von Halifax herkommen wollte. Und wie es bald auch der Busstrecke Saint John-Bangor ergehen wird, die ich gestern benutzte. Danach ist hier oben ziemlich alles dicht. Der Dornröschenschlaf kriecht auf leisen Sohlen heran, und Bangor ist mehr als akut gefährdet. 

Was einst der grösste Holzumschlagplatz der Welt war, kann sich heute nur noch damit rühmen, 99% der Heidelbeeren Amerikas zu stellen. Und die östlichste Stadt der USA mit mehr als 20'000 Einwohnern zu sein. Ihr merkt, ich habe Wikipdia mit Argusaugen durchforstet, um überhaupt etwas zum schreiben zu haben. Achja, wenn wir schon bei unnützem Wissen sind: Krimi-Autor Stephen King hat sich hier in Bangor angesiedelt und der Ort hat auch Pate für seine Romanschauplätze gestanden, Gott weiss wieso. Ironischerweise ist Bangor neben der allgemeinen Langeweile nämlich auch der Ort mit der zweit-niedrigsten Kriminalitätsrate der USA.

 
 
Ihr seht, Bangor hat nicht mehr so richtig was zu bieten, der Bär steppt definitv woanders. Typisch dafür ist der leicht vergangene Glanz der Hauptstrasse. Stolz tragen die solid gebauten Steingebäude an der Main Street ihre 1800er-Jahreszahlen in Emblemform zur Schau - doch so richtig leben tut das ganze irgendwie nimmer. Immerhin, bei Wikipedia wird Bangor für seine "fascinating architecture" gerühmt, und Teile der Stadt sind sogar offizelle Kulturdenkmäler von nationaler Bedeutung. Ohalätz, da müssen mir ja 85 architektonisch extrem unter-, ähh, enthaltsame Tage bevorstehen. 

 

Anyway. Das Wetter will nicht begeistern, und Bangor kann nicht. Zum Glück gibt's König Fussball. Ich plünderte also den nächstgelegenen Supermarkt, und baute mich voller Vorfreude mit einer Schachtel Heidelbeeren und Chips in allen möglichen und unmöglichen Geschmacksrichtungen ("Dill Pickle", "Blazin' Buffalo & Ranch", "Honey BBQ", "Sweet & Spicy Thai") vor dem Fernseher auf. Doch schnell setzte Ernüchterung ein: 99 Fernsehkanäle, aber meint ihr, EINER hätte Deutschland-Ghana gezeigt? Nicht, dass jetzt der Verdacht aufkommt, dabei habe es sich um meine Traumpaarung gehandelt. Quizfrage: Was ist noch langweiliger als ein typisches WM2010-Durchschnitssspiel? Ein verregneter Stadtrundgang durch Bangor natürlich. Also ebe!

 Schliesslich fand ich dann auf der Webseite des Spanischen Fernsehens Aysl, wo man den Match gratis im Internet anschauen konnte. Ob's ein Stephen King-Krimi war, weiss ich nicht - hab nämlich nix verstanden, ausser die Rufe, wenn "Suweinesteige, Suuweinesteigeee!" zu einem seltenen Lauf ansetzte (und auch das nur mit Müh' und Not). 
Achja, die Heidelbeeren enttäuschten übrigens auch auf der ganzen Linie - zum einen schmeckten sie fad, zum anderen hatte ein Grossteil der Früchte die beste Zeit schon hinter sich und war mehr Brei als Beere. Irgendwie symptomatisch...
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Comments

Stefan on

Hey, Tis
Du als Aviatik-Fan hättest doch noch erwähnen sollen, dass früher als die Balair noch mit der A310 flog, auf den Flügen nach San Francisco und Las Vegas stets ein Fuelstop in Bangor, ME fällig war...
So long
S

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