Wie man sich zum deppen macht....

Trip Start Aug 01, 2005
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Trip End Sep 09, 2005


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Flag of Russia  ,
Wednesday, August 10, 2005

dobrij djen zusammen,

hier der naechste teil der erlebnisse im wilden osten:

sonntag fuhren wir zum kloster sergeiev posad. das sah so aus, dass wir zunaechst 20 min zur naechsten metrostation liefen, dann ca. 45 min metro fuhren und schliesslich noch 90 min mit einem kleinen lokalen bummelzug, der an nahezu jeder kuh hielt und uns noerdlich von moskau brachte.
kaum am bahnsteig angekommen, trafen wir schon auf eine weitere gruppe aus unserem institut, eigentlich trifft man immer und ueberall mitstudierende... da es sich um polnische studierende mit eigener fuehrung handelte, machten wir uns dann doch lieber allein auf den weg.
das kloster ist einer der heiligsten orte russlands, dementsprechende besonders an den wochenenden auch gut besucht. es liegt hinter grossen mauern, die mit allerlei tuermchen versehen sind (u.a. auch ein brauturm!)auf dem gelaende befinden sich mehrere kapellen und kirchen sowie diverse andere gebaeude. und ein brunnen mit heiligem wasser! davor stehen lange schlangen von menschen, um sich etwas von dem heilenden nass mitzunehmen.
ausserdem befindet sich vor einer der kapellen ebenfalls eine sehr lange schlange, in die man sich einreiht, wenn man den schrein mit den reliquien des heiligen sergei gerne kuessen moechte. wir haben darauf verzichtet, uns aber ganz brav der orthodoxen tradition entsprechend kopftuecher aufgesetzt.
mir sind diese heiligen rituale etwas fremd. und ich mag den aelteren damen auch nicht gerne beim beten, murmeln und singen zusehen und -hoeren, moechte sie schliesslich nicht stoeren. daher hielten wir uns kaum in den kirchen auf. die von aussern aber auch sehr sehenswert sind: quietschbunte zwiebeltuermchen mit viel gold und prunk. hier muss ja immer alles gross und bunt sein.
alles in allem ein recht beeindruckender besuch. am spaeten nachmittag ging es dann wieder zurueck, nicht ohne auf dem weg zum bahnhof noch auf eine weitere gruppe von mitstudierenden zu treffen, diesmal sogar von unserer TU-gruppe...

ein paar stunden spaeter waren wir dann auch wieder zu hause. recht muede.

montag war dann wieder unterricht angesagt und unsere lehrerin hat ein sehr heftiges tempo vorgelegt, weswegen mir nach dem unterricht der kopf rauchte und birthe und ich den nachmittag zum lernen nutzten.

um dann doch noch mal vor die tuer zu kommen, beschlossen wir, am abend eine bar in der naehe aufzusuchen. ca 20 min zu fuss entfernt liegt die russische universitaet der voelkerfreundschaft, in deren naehe es ein paar bars mit vielen bunten plastestuehlen unter grossen bunten sonnenschirmen gibt.
wir liefen also zu der ersten mit dem verheissungsvollen namen "galileo". da wir keine kellner sahen, sind wir einfach direkt zur im garten aufgebauten theke marschiert, hinter der eine zapfsaeule hervorlugte. und haben versucht, dem menschen hinter derselbigen zu erklaeren, dass wir gerne zwei bier haben wuerden. das ging aber nicht. denn er gab bloss wasserpfeifen aus. aha. mal wieder reingefallen: glaube nie, dass es das, was eine theke/schaufenster/plakat/etc verspricht, auch wirklich an dem angepriesenen ort gibt!!!!!! die wasserpfeifen schienen in dem biergarten sehr verbreitet zu sein, liegt wohl daran, dass es an der voelkerfreundschaftsuni viele arabische studierende gibt. von denen einige auch direkt ihre grosse chance witterten und uns mit "i can help you" ueberfielen. wir beschlossen daraufhin, uns an einen weiter am zugehoerigen restaurant liegenden tisch zu setzen und auf eine der kellnerinnen zu warten. die zumindest am tisch neben uns auch mal eine karte abgab. wir waren vermutlich weder laut noch energisch genug.
da ich aus einem urlaub in jalta noch weiss, dass man dort auch mal 45 min auf ein bier warten kann, schloss ich aus dem verhalten der kellnerin nix boeses. nach gut 15 min wurde es birthe dann aber doch irgendwie zu doof und da wir uns ja vorher eh schon zum affen gemacht hatten mit unserer bierbestellaktion an der wasserpfeifenausgabe sind wir einfach wieder aufgestanden und gegangen....
um im naechsten etablissement mit dem verheissungsvollen namen "mirage" wieder ueberrascht zu werden.
dort trugen kellnerinnen getraenke und essen in regelmaessigen abstaenden an tische. was uns zu dem schluss kommen liess, dass man solche bei den damen auch bestellen kann. wieder nach geraumer zeit hatten wir es tatsaechlich geschafft, eine kellnerin anzusprechen und wollten bloss zwei bier bestellen. das ging aber nicht, wie sie uns erklaerte. man muesse erst zu einer kasse in einem saal und dann dies und jenes, und da verliessen uns die sprachkenntnisse... sie schien jedoch mitleid mit uns zu haben und marschierte zu einer ihrer kolleginnen, die dann wiederum zu uns an den tisch kam. bei ihr durften wir tatsaechlich und ausnahmsweise bier bestellen!!!!! sonst laeuft das wohl so ab, dass man erst zu einer kasse im inneren des restaurants geht, dort die bestellung abgibt und bezahlt und dann alles an den tisch gebracht bekommt. fuer das naechste mal sind wir also gewappnet. wir waren selten so gluecklich ueber ein bier!!!!
ich bevorzuge doch einfach diese kiosk-bars. da geht man einfach an den kiosk, holt sich ein getraenk und fertig. nicht so nervenaufreibend. und man kommt sich auch nicht ganz so bescheuert vor....
natuerlich ist es auch ein prima schauspiel, einfach ohne bier das treiben in einem solchen restaurant zu beobachten: die kellnerinnen flirteten herum, liefen so langsam, dass man ihnen die schuhe haette neu besohlen koennen, machten kaugummiblasen, schafften es, beim abraeumen von glaesern die kundInnen garantiert zu ignorieren und waren dazu auch noch aeusserst zahlreich vertreten. muss an meinem verstaendnis fuer das system noch ein wenig arbeiten, bin aber ganz zuversichtlich.
jedenfalls waren wir der lacher des abends, als wir reichlich nuechtern nach ca 2 stunden heimkamen und der rest unserer gruppe in der kueche sass. reichlich betrunken. wodka.....

heute ging der unterricht in siebenmeilenstiefeln weiter. puh.
das hat birthe, mich und ein paar andere jedoch nicht davon abgehalten, noch in die stadt zu fahren und den beruehmten friedhof des jungfrauenklosters zu besichtigen. dort sind sehr viele wichtige menschen begraben, gogol zum beispiel (der lt meinem reisefuehrer lebendig begraben wurde, war wohl ein gruseliges versehen), majakowski, tschechov, schostakovich, prokovjef und auch raissa gorbatschowa. die grabsteine sind zumeist sehr prunkvoll gestaltet. und wenn die wertvolle marmorbueste auf einem solchen der witterung nicht zu sehr ausgesetzt werden soll, wird eben ein kunststoffkasten drumrum gesetzt. sieht nicht wirklich schoen aus, ist aber sicherlich sehr praktsich. auch ganze grabsteine in kunststoff habe ich erblicken koennen. ob es zusammenhaenge mit den beliebten plastetueten gibt, ist mir unklar.
sind die etwas aelteren grabsteine haeufig noch sehr kuensterlisch und auch ein wenig kitschig gestaltet, so scheint bei den neureren zu gelten, dass groesse alles ist. ein general (natuerlich auch ein held der sowjetunion) steht gar in mehr als voller lebensgroesse dort und hat raketen aus bronze ueber sich...

auf dem rueckweg wollten birthe und ich eine telefonkarte erstehen, um von einem oeffentlichen telefon (davon haengen in jeder metrostation unzaehlige) nach deutschland telefonieren zu koennen. immerhin haben wir es geschafft, der dame hinter einem kiosk (die sogar freundlich war und laecheln konnte) auf russisch zu erklaeren, was wir gerne haben wollten. gab es aber nicht. leider konnten wir nicht rausfinden, ob es dieses produkt prinzipiell nicht gibt oder aber nur gerade bei ihr nicht. sie wollte uns gerne eine callingcard verkaufen, aber da wir ja ueber keinen festanschluss verfuegen, ging das nicht. alles sehr kompliziert.... haette ich nicht gedacht. zur staerkung nach diesem abenteuer wollten wir uns mit einem stueck brot mit fuellung belohnen und konnten auch problemlos eines mit kaesefuellung am entsprechenden kiosk bestellen. ich habe auch genau gesehen, wie die dame eines aus dem korb nahm, an dem "mit kaese" dranstand. gefuellt war es dann aber doch mit kartoffeln und dill. auch lecker. und immerhin kein fleisch. dabei hatten wir uns schon sehr gefreut, endlich mal das zu bekommen, was wir auch wollten. aber falsch gedacht ;-)
gluecklicherweise gelang uns der einkauf von einem beutel butterkekse mit dem wunderbaren namen "maria". die werden unser dessert sein heute. gemeinsam mit dem mir bisher immer eher unheimlichen produkt "schokoladenbutter" sicherlich eine delikatesse. die uns fuer die heute abend wieder stattfindende hausdisco staerken wird!
diesmal werde ich dort besser auf mein studenskij biljet aufpassen. beim letzten mal ist es mir wohl aus der tasche gerutscht. und man braucht diese karte, um ins haus zu gelangen und studentenermaessigungen zu erhalten etc... hatte vermutet, dass ich es im haus verloren habe und eine mitstudentin hatte netterweise auch bei einer der dickbebrillten damen fuer mich nachgefragt, ob es dort abgegeben worden sei. war es nicht. zumindest nicht am samstag. aber sie sagte, wenn es nicht auftauche, solle ich einfach ein neues beantragen.
bevor ich das mache, wollte ich lieber noch einmal nachfragen. bin also gestern wieder zur rezeption gegangen und traf auf eine andere dame mit dicker brille. trug ihr meinen muehsam gelernten spruch vor und erntete ein "sehr sehr schlimm"....hm. sie wollte mich dann nicht weiter verstehen und machte sich ueber mich lustig, als aus der anderen richtung ein tiefes und eher unbetontes "dewuschka, dewuschka" (heisst fraeulein, so wird man hier immer und ueberall genannt) erklang. der wachmann sass mit versteinerter miene an seinem tisch und wedelte mit einem studentenausweis. und tatsaechlich, mein photo klebte drin! habe einen kleinen luftsprung gemacht und war sehr erleichtert. und einmal mehr die deppin vom dienst. immerhin komme ich an dem wachmann jetzt sogar ohne ausweis vorbei. heute frueh konnte er sich ein kleines laecheln kaum verkneifen....

so, abendessen!

herzliche gruesse

tina
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