Eine busfahrt, die ist lustig...

Trip Start Jul 08, 2004
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Trip End Dec 31, 2004


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Sunday, January 2, 2005

ein frohes neues jahr allerseits!

deutschland hat mich wieder, bin schon seit knapp zwei wochen in heimatlichen gefilden und seit vorgestern dann auch endlich wieder in berlin.
die eingewöhnung ist noch nicht so ganz wieder abgeschlossen, aber mittlerweile habe ich mich immerhin wieder mit den deutschen computer-tastaturen vertraut gemacht.

der kulturschock war recht gross... so vieles, was ich ein halbes jahr lang nicht gesehen oder gegessen habe, aber auch nicht vermisst habe... vermisse dafür den leckeren moldawischen brinza (ein feta-ähnlicher käse) und die marschrutkas, die günstigen preise, das markttreiben, die fehlende strassenbeleuchtung (wäre doch ein prima energiesparkonzept, denn es geht auch mit weniger strassenlaternen...)
und natürlich vermisse ich meine freundInnen im weiten osten. der abschied fiel mir nicht leicht...

conrad und ich haben gemeinsam eine abschiedsparty in unserem häuschen veranstaltet.
dazu haben wir unsere koch- und backkünste versucht, unter beweis zu stellen. es gelang so einigermassen, nur das tadschikische pfannekuchengericht gelang nicht so ganz...

auch waren wir mit der zeitplanung etwas in not geraten, denn wir hätten nicht gedacht, daß es uns mal wieder mehrere stunden kosten würde, unsere visa bei der ukrainischen botschaft lediglich abzuholen...

jedenfalls hatten wir weihnachtsplätzchen gebacken, den obligatorischen zwiebelkuchen fabriziert und glühwein angesetzt. quiny hatte mir jede menge glühweingewürz mitgebracht, als sie mich besucht hatte... sie meinte, dass sie das in schottland immer sehr vermisst habe und all die jahre leute, die zu besuch aus deutschland kamen, gebeten hatte, glühweingewürz mitzubringen.

unsere party startete pünktlich um sechs, denn es war ein donnerstag und am nächsten tag musste ja gearbeitet und studiert werden... und die marschrutkas fahren nicht so lange und viele weibliche wesen haben auch furchtbare angst, allein zu später stunde über die strasse zu gehen...
das häuschen war auch bald gut gefüllt, jedoch auch gegen 21 uhr fast wieder leer, da die studierenden am nächsten tag beinahe alle prüfunge hatten und die reichlichen vodka-vorräte auch schon geleert waren...
ein paar leute von OWH kamen zu später stunde nach einer veranstaltung noch vorbei und retteten uns vor einer bereits vor mitternacht wieder geputzten wohnung ;-)
trotz der merkwürdigen zeiten eine schöne party, immerhin konnte ich alle noch einmal sehen und wurde mit einigen hübschen geschenken bedacht.

an meinem letzten tag in moldova haben conrad und ich die wohnung aufgeräumt und unseren krams in alle vorhandenen taschen und tüten gepackt, was gar nicht so einfach war. und bei einem kurzen letzten besuch bei OWH wurden mir von vlad eine menge videos und DVD überreicht, die ich nun zu diversen filmfestivals in deutschland schicken soll.

unser werter vermieter und kollege alexei erklärte mir bei meiner verabschiedung in seiner wohnung ( er traute sich wohl nicht auf unsere party...)entgegen seiner eine woche vorher gemachten prognose, dass ich besser doch keine karriere in der politik starten solle. das passe nicht. meine frage nach dem warum blieb unbeantwortet. stattdessen wünschte er mir "good luck, a nice husband and lots of children". hosianna. konnte mir einen kleinen aufschrei des schreckens ja nicht verkneifen und conrad bewahrte nur schwer die haltung. "i wish you the opposite" sagte alexei zu conrad, der ihn etwas verdutzt anstarrte und fragte, warum er denn viel pech, keine partnerin und keine kinder haben solle???? nein, nein, das habe er falsch verstanden, denn mit dem "opposite" wollte alexei also lediglich zum ausdruck bringen, dass er conrad eine ehefrau und keinen mann wünsche... hm. wir machten uns ganz schnell aus dem staub, rannten in unsere wohnung und lagen erstmal für eine kurze weile auf dem boden, lachenderweise. auch wenn die story hier jetzt nicht so irre komisch rüberkommt, es war eine absolut kabarettreife darbietung. leider kann ich hier weder geräusche noch grimassen von alexei wiedergeben... und auch sein wunderbarer akzent muss allein in eurer phantasie leben...

nun, samstag früh um 8 sollte also mein bus nach deutschland fahren. conrad und ich warteten auf einen trolleybus, als ein grosser reisebus mit dem schild "chisinau-pforzheim" an uns vorbeirauschte. der hätte mich direkt vor meiner haustür einsammeln sollen, dann wäre uns etwas ärger erspart geblieben...
wir stiegen in einen recht prall gefüllten trolleybus ein, der durch die stattliche menge meines gepäcks nicht unbedingt bequemer wurde und als die gute frau taxatore sich ihren weg zu conrad gebahnt hatte, wollte er zwei ticktes bei ihr kaufen. eines für sich und eines für den rucksack. so hatten wir es nämlich kurz vorher erst gelernt: für grösseres gepäck muss ein extra ticket gekauft werden. aber die taxatore verkaufte ihm zwei tickets und meinte, das andere sei für mich. da wollten wir ja auch keinen grösseren aufstand machen und auf zwei weitere tickets für mich und meine tasche bestehen. schliesslich sollten die ticketverkäuferinnen die beförderungsregeln ja eigentlich kennen. das gewühl war auch viel zu gross, um lust auf diskussion zu machen.
an der nächsten haltestelle jedoch stiegen drei finster dreinschauende, äusserst bullige männer ein, die unsere tickets sehen wollten. nun, wir hatten ja bloss zwei und das ärgerte sie etwas. an der nächsten haltestelle wollten sie uns also aus dem trolleybus zerren, doch das konnte dank conrad verhindert werden, der ihnen auf russisch erklärte, dass wir eh nur noch eine station zu fahren hätten. dort wurden wir dann samt dem "bagasch" unsanft aus dem trolleybus gezogen und man zündete sich erstmal eine zigarette an. ich stand etwas auf heissen kohlen, denn mein bus wartete ja... es war sehr schwierig, dies den kontrolleuren klar zu machen. also, rein sprachlich ging das schon, zumal conrad ja sehr gut russisch spricht, aber sie wollten das einfach nicht hören. und meinte, da wir ja ausländer seien und die regeln nicht kennen und nix verstehen, müsse man erstmal die polizei rufen... ich wurde etwas nervös, aber das störte die jungs glücklicherweise nicht. vielleicht sei hier noch am rand erwähnt, dass es sich um den gegenwert von zwei trollebustickets in höhe von zusammen 10 cent handelte...
unser argument, dass die taxatore uns ja nur zwei tickets verkauft habe und sie doch eigentlich wissen solle wie die regeln sind, prallte auch ab. sehr zu unserem ärgernis. sie pochten auf die beförderungsregeln, die natürlich auch ausländerInnen zu lesen haben.
wir waren beide schon oft mit gepäck trolleybus gefahren, ohne dass uns je der doppelte fahrpreis abgenommen wurde... das erste mal war das geschehen, als conrad anfang dezember wiedergekommen war...
all unsere verhandlungskünste nützten also nix, die polizei sollte gerufen werden... doch da nahte unsere rettung in form von sergei, einem freund von mir, der mir am bus noch auf wiedersehen sagen wollte und von weitem gesehen hatte, dass wir ein problem haben. sergei ist von recht stattlicher statur und schimpfte sofort auf die kontrolleure ein. auch eine für uns eher ungewohnte vorgehensweise... das meist gebrauchte wort war dann "skolka", das bedeutet "wie viel"... schliesslich drückte er dem einen 20 lei in die hand und wir durften gehen, natürlich nicht, ohne noch ein wenig belehrt und beschimpft zu werden und darüber aufgeklärt zu werden, dass einer der kontrolleure mal ohne ticket in österreich erwischt worden war und das sehr teuer gewesen sei und wir verdammt glücklich sein könnten, mit 20 lei davon gekommen zu sein...
ich habe mich etwas geärgert, denn nun musste ich in meiner letzten stunde in chisinau tatsächlich noch jemanden bestechen. war all die monate davor immer drumrum gekommen und damit auch sehr zufrieden gewesen.
auch max und silvia waren noch zum bus gekommen, um mich zu verabschieden, das hat mich sehr gefreut. mein gepäck wurde verladen und tatsächlich setzte sich auch niemand auf den platz neben dem meinen. so ein glück. um etwa kurz vor neun setzte sich der bus dann auch in bewegung. wäre ja auch blöde, pünktlich loszufahren. nur wenige dumme passagiere waren deshalb pünktlich um 8 am bus...
es handelte sich um ein etwas betagteres modell von reisebus, zu etwas mehr als der hälfte gefüllt. beinahe alle allein reisenden hatten einen freien platz neben sich. es gab drei busfahrer, von denen einer allerdings kaum fuhr, dafür aber immer neben dem fahrer sass und aufpasste und das geschehen im bus und an den grenzen managte. der konnte auch ein paar wörter deutsch und war sehr bemüht um die einzige mit deutschem pass reisende passagierin.
ich weiss nicht so genau, was die anderen passagiere alle in deutschland so vorhatten... viele wurden von verwandten abgeholt, vermutlich wurde gemeinsam weihnachten gefeiert. dann gab es aber auch noch ein paar männliche wesen im alter von 30 bis 40 mit grösseren mengen bargeld und strassenkarten bewaffnet, die wollten bestimmt gebrauchtwagen kaufen.
es sprach so gut wie niemand deutsch oder englisch, aber ich war auch nicht so böse drum. konnte also meinen gedanken nachhängen und ganz viel lesen und schlafen.
laut fahrplan hätten wir bereits am frühen mittag an der grenze zur ukraine im norden moldawiens ankommen sollen, waren aber aus unerfindlichen gründen erst gegen halb vier dort. vielleicht waren ein paar der vielen zu umfahrenden schlaglöcher auf den schlechten strassen erst kürzlich hinzugekommen. die ausreise dauerte auch sehr lange, obwohl wir das einzige fahrzeug am moldawischen grenzübergang waren und auch vorher noch brav 5 euro von jeder/m eingesammelt hatten, um damit unnötige taschenkontrollen an den bevorstehenden grenzen zu vermeiden. das geld wurde von einer damit beaauftragten passagierin eingesammelt während die pässe gleichzeitig von einem grenzbeamten eingesammelt wurden.
zwei mal bestechen müssen an nur einem tag, das hat mir nicht sonderlich gepasst. aber ich hätte mich ja schlecht dem gruppenzwang entziehen können und den mitpassagieren erklären können, warum die einzige deutsche an bord nun keine fünf euro aus moralischen gründen ausgeben möchte...

die einreise in die ukraine gelang uns etwas schneller, allerdings war an dieser grenze die reise für eine der passagierinnen auch schon zu ende, sie wurde wieder nach chisinau geschickt. ich weiss nicht, warum....
es war dann schon dunkel, als wir in die ukraine fuhren und somit konnte ich leider gar nix sehen. mitten in der nacht standen wir schliesslich an der neuen aussengrenze der EU, der grenze zwischen der ukraine und polen. die ausreise dauerte mal wieder nur wenige stunden, wir wurden alle aus dem bus gescheucht und durften uns an einem kleinen häuschen in eine schlange stellen. das häuschen wurde dann auch nach etwa einer stunde von einem grenzbeamten mit leben gefüllt und die passkontrolle begann. irgendetwas wollte er von mir wissen, aber aufgrund von sprachschwierigkeiten konnte das nicht geklärt werden. schien dann auch nicht so wichtig zu sein.

die einreise nach polen war ein weiterer stundenlanger warteprozess, immerhin diesmal im bus. die fahrt ging weiter und als ich morgens irgendwann aufwachte, stellte ich fest, dass wir gerade in krakau waren. damit war mir also klar, dass wir unseren im fahrplan angegebenen zeitrahmen unwesentlich sprengen würden, denn mit einer ankunft in dresden am frühen nachmittag war nun wirklich nicht zu rechnen.
zur allgemeinden freude wurden wir auch noch von der autobahn gefischt und von polnischen grenzschutzbeamten komplett durchsucht. wir mussten aus dem bus aussteigen und dieser wurde von oben bis unten gefilzt. sogar der inhalt der wasserflaschen im handgepäck wurde überprüft, es hätte ja vodka sein können... alle ecken des busses wurden kontrolliert und alles gepäck rausgeschafft und kontrolliert... ein meer an karierten plastetaschen... glücklicherweise war man an meinem gepäck nicht sonderlich interessiert und ein kurzer prüfender blick auf die oberen lagen gepaart mit kurzer unterhaltung auf englisch reichte den herren. hätte ja auch wenig lust gehabt, all meine in ausgetüfteltem system in meine beiden taschen gestopften habseligkeiten (ha, wort des jahres) auszubreiten. von dem unglaublichen viertelliter cognac, den ich verbotener weise zu viel dabei hatte, mal ganz abgesehen ;-)
sie fanden tatsächlich fünf stangen zigaretten und drei liter wodka, die jemand zu viel mitführte. gemessen an drei stunden aufwand kein so grosser erfolg... die beute wurde in den kofferraum ihres autos verladen und ich denke mal, dass man eine nette party davon feierte...

am nachmittag näherten wir uns immerhin der polnisch-deutschen grenze. jedoch musste am letzten rastplatz davor erst einmal eine lange pause eingelegt werden und der bus durch die waschstrasse fahren. sonst wären wir sicherlich nicht nach deutschland rein gekommen... dauerte alles etwas sehr lange, vermutlich wäre es schneller gewesen, hätten die passagiere den bus mit den händen gewaschen. aber egal.
irgendwann ging es weiter und am frühen abend waren wir dann an der grenze zu deutschland. die einreise ginge erstaunlich schnell, etwas verwirrt war der deutsche beamte über eine deutsche in dem moldawischen bus. aber auch etwas amüsiert, er fragte gleich, ob ich eine angenehme reise gehabt hätte.

die tatsache, dass wir in deutschland waren, bedeutete natürlich nicht, dass ich deshalb schnell zu hause sein würde. erstmal ging es nach dresden, von dort nach dessau, über landstrassen gen A2. das vergnügen wurde durch vor uns fahrende schwertransporter noch erhöht, es ging nur im schrittempo voran. glücklicherweise gibt es ja mobiltelefone, so dass ich meine eltern also vorwarnen konnte, dass es nix werden würde mit meiner ankunft gegen 23 uhr in essen sondern dass sie einfach schlafen gehen sollten und ich vor dem mächsten morgen eh nicht dort sein werde... schliesslich mussten wir auch noch nach osnabrück fahren und von dort dann langsam aber sicher gen ruhrpott, wo wir ziemlich genau um 7 uhr morgens in essen eintrafen. 47 stunden nach abfahrt... wurde von meinem vater erwartet, der es sich auch nicht nehmen liess, den wunderbaren bus zu fotografieren. auch die busfahrer waren sehr beruhigt darüber, ihre deutsche passagierin in seriös aussehende hände abgeben zu können.

war alles halb so schlimm, konnte einigermassen schlafen und habe "dracula" gelesen. und ich glaube, dass diese zwei tage auf reisen den kulturschock etwas kleiner gehalten haben. innerhalb weniger stunden von chisinau nach essen zu gelangen wäre einfach zu krass gewesen...
und zu guter letzt kam ich aufgrund des hervorragenden filmangebots an bord auch noch in den zweifelhaften genuss von karatefilmen mit russischem voice over. also keine synchronstimmen sondern lediglich eine für alle personen sprechende stimme, die auf russisch nur leidlich den originalton übertönt. davon gab es direkt mehrere. und damit man auch ja keiner anderen beschäftigung nachgehen konnte, war es während der filmvorführung nicht möglich, die individuelle leselampe am platz einzuschalten.

weihnachten habe ich auf sehr angenehme weise bei meiner familie verbracht und mich so langsam wieder an deutschland gewöhnt. das fiel gar nicht so schwer, denn es gab jede menge trubel und wiedersehensfreude vor den und über die feiertage. und endlich wieder eine etwas grössere gemüseauswahl als in moldawien. gutes essen, liebe gesellschaft, nette geschenke, so wie weihnachten sein sollte ;-)

freue mich darüber, nun wieder in berlin zu sein und einen sehr gemütlichen silvesterabend mit quiny und zwei freundinnen von ihr verbracht zu haben. morgen geht es dann mal wieder gen uni, mal sehen, was sich vom semester noch so retten lässt.
die wg hat mich vermisst, musste erstmal ein wenig chaos im topfschrank beseitigen. nun gibt es also wieder eine professionelle spülmaschinenausräumerin hier! und mathenachhilfe für louisa habe ich auch schon gegeben. mein zimmer muss noch ein wenig eingeräumt werden und ich muss platz schaffen für all die souvenirs und bilder aus moldawien.

es kommt mir etwas unwirklich vor, dass ich vor gut zwei wochen noch dort war... werde mich noch ein wenig eingewöhnen müssen, schlage mich aber ganz gut. und geniesse den luxus einer waschmaschine!!!!!!

damit werde ich mich also auch von diesem weblog verabschieden, es bleibt selbstverständlich an dieser stelle stehen, wird aber nicht mehr erweitert. ich danke euch allen ganz herzlich für das eifrige mitlesen und bin sehr erfreut über all die vielen positiven kritiken!

startet gut ins neue jahr,

pe curand

tina!

Comments

Linda on

Hallo Tina!

sehr interssant was du so schreibst!
Ich schreibe gerade meine Bachelor-Arbeit über Freiwilligendienste und bräuchte noch ein bisschen Unterstützung! Darf ich deinen Blog verwenden? Und wärst du bereit einen ganz kurzen Fragebogen auszufüllen?
Wäre dir sehr dankbar für deine Hilfe! Meld dich einfach unter: lindakuhl@web.de

Liebe Grüße!

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