Invasion der tartan army

Trip Start Jul 08, 2004
1
14
21
Trip End Dec 31, 2004


Loading Map
Map your own trip!
Map Options
Show trip route
Hide lines
shadow

Flag of Moldova  ,
Monday, October 18, 2004

ein herzliches priwjet allerseits,

und viel vergnuegen beim verfolgen der erlebnisse der letzten woche:

bereits am sonntag auf dem weinfest hatte ich die ersten schotten in quilts und sogar mit dudelsack unterm arm gesichtet. montag und dienstag sah man immer mehr von ihnen in der innenstadt herumspazieren. normalerweise verirren sich ja nur wenige westliche touristen hierher, so dass sie gleich doppelt auffielen... maenner in roecken gibt es hier sonst naemlich auch nicht.
die ganze stadt schien aufgeregt zu sein, zumindest im direkten zentrum, wo die meisten der schotten wohnten und herumliefen. eine beinahe international angehauchte stimmung lag ueber dem stefan bulevard. an allen ecken und enden war englisch zu hoeren...
mittwoch war dann der grosse tag des wm-qualifikationsspiels gegen die wilden moldawier.
bei einkaeufen auf dem markt wurde ich an diesem tag immer gefragt, ob ich wegen des fussballspiels hier und schottisch sei. sehr merkwuerdig, ein jeder meiner marktbesuche scheint unter einer anderen nationalitaet abzulaufen. beim vorletzten wurde ich von den marktfrauen, bei denen ich einkaufte, immer fuer eine franzoesin gehalten, ein anderers mal war amerika-tag... ob ich deutsche sei, wurde ich bisher noch nicht gefragt. aber vielleicht steht ja auch irgendwann einmal der deutschland-tag an, wer weiss. der schotten-tag stand natuerlich in unmittelbarer verbindung zu dem groessten ereignis des jahres hier in der stadt, aber warum man sich sonst immer an eine nationalitaet pro tag beschraenkt, ist mir ein wenig raetselhaft...
mittwoch nachmittag war der ganze stefan bulevard richtig voll mit schotten. laut angaben in der schottischen presse waren ungefaehr 2000 von ihnen hier. und davon hoechstens 200 frauen. der rest maenner im schottenrock. musste herzlich lachen beim spaziergang durch die stadt, so etwas hat chisinau noch nie gesehen und die reaktion einiger moldawierInnen war recht spannend. habe viele offene muender gesehen...
ich muss ja zugeben, dass ich normalerweise ihrer (national)mannschaft hinterreisenden fussballfans eher sehr skeptisch gegenueber stehe, wie eigentlich diesem ganzen sport, aber die schotten sind da echt eine ausnahme! haben angeblich auch mehrere preise fuer faires verhalten gewonnen. muss mal nachforschen, nach welchen kriterien solche von welcher instanz vergeben werden...
auch hat die "tartan army" die angewohnheit, sozialen einrichtungen der laender, in die sie fahren, etwas zu spenden. somit erfreuen sich nun kinder in chisinau an neuem spielzeug und einrichtung in ihrem kindergarten. verhalten sich deutsche fans auch so????

natuerlich wollten auch sabina und ich abends an dem grossen ereignis teilhaben. das praktischerweise wieder vom tiraspoler sheriff-stadium ins stadion der republik in chisinau verlegt worden war, dank an die herren voronin und smirnof! nachdem wir ja bereits moldova ordentlich im spiel gegen italien angefeuert hatten und bei diesem spiel als laien innerhalb kuerzester zeit die ueberlegenheit der italiener feststellen konnten, sind wir nun zu wahren expertinnen geworden. und hatten uns im voraus bereits mit tickets versorgt. zu unserem grossen erstaunen waren sie diesmal sogar mit nummern von reihen und sitzplaetzen versehen. und zu unserem mittelpraechtigen entsetzen stellten wir beim lesen der lokalen presse wenige tage vor dem spiel fest, dass nicht nur in der ganzen stadt erhoehte sicherheit in form von noch mehr poliziepraesenz herrschen sollte sondern tatsaechlich die unseren sitzen gegenueberliegende komplette seite des stadiums fuer die schotten reserviert war... wo wir doch diesmal die gegnerische mannschaft anfeuern wollten... ein wenig geknickt machten wir uns also auf den weg zum stadion.
was fuer ein schauspiel, unmengen von schotten und ein paar moldawierInnen, dazu heerscharen von polizisten. von denen hatte ich schon nachmittags hunderte im gleichschritt meine strasse hinunter marschieren sehen. wohne unweit der "polizeiakademie stefan cel mare"....
die schotten hatten einen eigenen eingang und wir stellten uns also brav an den fuer die moldawierInnen vorgesehen pforten an. da sabina und ich auf englisch kommunizieren, kam sogleich ein polizist angelaufen, der uns mit hand und fuss zu erklaeren versuchte, dass sich der eingang fuer die schotten (englisch sprechend = schottisch ;-), deutscher unverkennbarer akzent macht da nix) auf der anderen seite des stadions befinde. nur kurz ueberlegten wir, ob wir ihm nun wirklich erklaeren sollten, dass wir nicht schottisch sind und karten fuer diese seite haben. schnell eilten wir von dannen, um an dem tor fuer die schotten von einem weiteren polizisten gleich auf moldawisch angewiesen zu werden, dass sich der eingang fuer einheimische auf der anderen seite befinden... ohne, dass man unsere tickets begutachtet haette. so schnell wurden wir also zu einheimischen... wir haben natuerlich nix verstanden und uns verstaendnislos angesehen und auf englisch gefragt, was er wohl gemeint haben koenne... so wurde uns dann doch noch zutritt zur schottischen seite gewaehrt. das spiel hatte auch schon begonnen... es gab nur ein kleines tor fuer alle schotten und nach passieren desselben musste man auch noch durch so einen metalldetektor marschieren, wie er auf flughaefen oder im reichstag zu finden ist. sehr sinnig, schotten im quilt und tracht dort hindurch zu schicken... werden quilts doch mit dicken nadeln dekoriert etc... da alle in eile waren, fiel es auch bei der kartenkontrolle am eingang zur tribuene nicht auf, dass wir dort eigentlich gar nicht hingehoerten... erklommen die stufen bis weit nach oben und da wir ja einen sitzplatz auf der anderen tribuene hatten, blieben wir einfach mal auf den stufen stehen.
leider war es uns nicht gegoennt, von den ersten 20 min des spiels viel mitzubekommen, denn wir waren ganz schnell von 5 polizisten umzingelt, deren grosses interesse wir erregten. zuerst hielt man uns mal wieder fuer moldawisch (das mit der einbuergerung ging wirklich schnell...), war jedoch noch mehr angetan, als man feststellte, dass wir auslaenderinnen sind. sofort wollten sie uns in flirtereien verwickeln, heissa. man fragte nach den ueblichen dingen und sabina musste ein wenig dolmetschen, da sie mittlerweile ein wenig moldawisch spricht und die polizisten kein englisch. komischerweise schienen sie am spielgeschehen ueberhaupt keinen gefallen zu finden, sondern fragten lieber nach, wie alt wir seien. haben sie schaetzen lassen und mir wurden suesse 19 jahre zugesprochen. waere fast von meiner stufe gefallen vor lachen, aber es gab ja hilfsbereite schotten. die einen amuesierten sich sehr ueber das ungemein professionelle vorgehen der polizisten, die anderen waren ob der stoerung eher sehr veraergert, da sie meinten, so das spiel nicht verfolgen zu koennen. sabina wurde aehnlich eingeschaetzt, bei ihr lag die luecke zwischen geschaetztem und realem alter noch um ein paar jahre weiter auseinander... dann die obligatorische frage, ob wir verheiratet seien... sobald man hier naemlich unser wahres alter herausgefunden hat, wird gar nicht mehr nach einem "boyfriend" gefragt, sondern direkt nach ehemann und familie. unverheiratete weibliche 27jaehrige (bzw jenseits der 30 in sabinas fall) gibt es hier kaum... wir kamen zu dem schluss, dass es vermutlich weise sei, uns gegenseitig einfach mal ehemaenner und kinder anzudichten. bin also schon seit 6 jahren verheiratet und habe zwei kinder, sabina hingegen schon drei. ich denke nicht, dass sie uns geglaubt haben, wir haben unsere unberingten haende in den jackentaschen versteckt (war eh besser, denn es war ekelig kalt)und darauf beharrt, NICHT mit ihnen nach dem spiel in eine bar gehen zu wollen... so wirklich locker liessen sie nicht, besonders einer hatte es sehr auf sabina abgesehen und meinte auch ganz unverhohlen, dass sie ihn mit nach holland nehmen koenne... als ich ein photo von sabina mit dem spielfeld im hintergrund machen wollte, sprangen zwei von ihnen direkt ins bild und nun habe ich also ein bild von einer von zwei polizisten eingerahmten sabina, auch nett.
irgendwann liessen die herren dann locker... vermutlich waren wir ihnen doch zu alt, denn sie waren eindeutig juenger als wir. aber was man fuer eine chance im westen nicht alles auf sich nimmt... sie wollten auch noch gerne wissen, was man in deutschland/holland so als polizist verdienen koenne...
wir waren ganz froh, als wir dann doch mal das spiel anschauen konnten und auch die schotten um uns herum freuten sich fuer uns mit. und schon fiel das erste TOR!
aber, verflucht, gar nicht fuer schottland sondern tatsaechlich fuer moldova!!!! wir wussten nicht so recht, was wir nun tun sollten, dachten jedoch, dass es schlau sei, nicht allzu viel freude zu zeigen... die gegenueberliegende seite tobte jedenfalls. zurecht. 5 min spaeter dann der schottische ausgleich, jubel im karierten block.
das war dann auch noch der stand nach der zweiten halbzeit, sehr zum entsetzen der schotten. die tartan army verstummte in den zweiten 45 min immer mehr, vielleicht froren sie auch einfach furchtbar. es waren nur ganz wenige grad ueber null und da bereitet das herumstehen im rock vielleicht nicht so viel vergnuegen... berti vogts habe ich leider nicht sehen koennen. ist er eigentlich noch trainer oder hat man ihn nun doch gefeuert??? muss mich nachher mal informieren...
ueber die spielweise der moldawier war ich wirklich erstaunt. die vorstellung, die sie gegen italien abgaben, ueberzeugte wirklich nicht, doch diesmal haben sie sich richtig tapfer geschlagen und auch gar nicht so viel gefoult. das unentschieden war sehr gerechtfertigt.
da ich keine ahnung von fussball habe, empfehle ich euch, evtl gelueste nach detaillierten spielbeschreibungen durch studieren der einschlaegigen presse zu stillen!

nach dem spiel begaben wir uns mit einer gruppe von schotten in deren hotel, um dort an der bar mit noch mehr schotten ein paar bier zu trinken. die guten herren der tartan army waren zwar nicht mehr so ganz nuechtern, waren aber noch unterhaltsame gespraechspartner. lustigerweise hatte ich auch einem von ihnen mal unbekannterweise ein paar ratschlaege fuer die reise nach chisinau im forum der lonely planet homepage gegeben.
wir erzaehlten ihnen ein wenig vom leben hier in moldova und den unzaehligen problemen des landes; insbesondere das niedrige einkommen ueberraschte sie sehr... fuer einige von ihnen war in den wenigen tagen in chisinau alles einfach nur total guenstig gewesen (und ich bin mir sehr sicher, dass sie fuer vieles mehr bezahlt haben als den eigentlichen preis)... natuerlich ist wodka in spelunken auch fuer einheimische recht guenstig, aber allein vom wodkapreis auf lebenshaltungskosten zu schliessen halte ich doch fuer etwas zu einfach ;-)

donnerstag fand der alljaehrliche "chisinau-tag" statt. dazu waren bereits mittwoch den ganzen stefan bulevard entlang jede menge staende und buden aufgebaut worden.
sabina und ich trafen uns nachmittags mit ana, einer moldawischen freundin, um dem spektakel beizuwohnen. alle 5 stadtbezirke hatten ein eigenes stueck vom stefan bekommen, auf dem sie sich praesentierten. in riscani gab es eine grosse buehne vor den treppen zur oper, auf der viel folklore dargeboten wurde. natuerlich mit vielen flaggen in den nationalfarben. wir schauten eine weile zu und liefen dann den stefan bulevard auf und ab. sehr bemerkenswert fand ich die tatsache, dass es an beinahe jedem stand ganze flaschen wodka zu kaufen gab... denen auch zur fruehen nachmittagsstunde schon eifrig zugesprochen wurde.
an den trolleybusoberleitungen auf dem stefan bulevard hingen in saeuberlich regelmaessigen abstaenden ebenfalls fahnen und die ganze stadt schien auf den beinen zu sein. und nur noch sehr wenige schotten zwischendrin...
nach wenigen stunden waren wir ziemlich durchgefroren und begaben uns dann nach waermendem tee in der beliebten theaterbar wieder nach hause...

seit dem wochenende sind die temperaturen wieder gestiegen. sehr angenehm. kann mich mit meiner heizung wirklich gluecklich schaetzen, da ich die entscheidungsbefugnis ueber das an- und abstellen habe. die meisten groesseren wohnhaeuser hier sind mit dem fernwaermenetz verbunden und ab wann diese geliefert wird, ist natuerlich nicht klar. aber sicherlich nicht schon im oktober.
ich hingegen kann meinen ofen einfach anfeuern. wow!!! habe nun eine wahre luxuswohnung.

da mein vater sabina das buch von tony hawks mitbrachte, was sie auch schon fast verschlungen hat, lag es nahe, dass wir einen ausflug nach soroca machen. sonntag, also gestern, erschien uns der dazu geeignete tag zu sein und es war auch ueberhaupt kein problem, am samstag am busbahnhof nach einem gefaehrt dorthin zu fragen und tickets zu kaufen. in moldova ist alles so einfach verglichen zu aehnlichen aktionen in der ukraine...
also sassen wir sehr zeitig gestern morgen in einer marschrutka, die uns gut drei stunden spaeter ohne weitere zwischenfaelle in soroca wieder ausspucken sollte. und der fahrer fuhr sogar richtig umsichtig!!! und es standen auch nur wenige menschen im gefaehrt fuer nur kurze abschnitte...
soroca liegt im norden von moldawien und dort steht eine festung aus dem 15. jahrhundert, drei mal duerft ihr nun raten, wer bei der erbauung derselben seine finger im spiel hatte. nun???? genau, stefan cel mare... wer haette das gedacht?!
ausserdem ist soroca heimat fuer viele roma geworden, die dort haeuser gebaut haben und damit "richtig" sesshaft sind. unter ihnen lebt auch der koenig der roma, zigeunerkoenig arthur, dem tony hawks ein vermeintlich originelles geschenk in form eines runden tisches machte (okay, der tisch war aus plastik aus einem heimwerkermarkt...) und dafuer im gegenzug von arthurs mutter (der koenig selber war gerade nicht anwesend) ein paar socken und unterhosen erhielt...
also, koenig arthur haben wir nicht gefunden, aber auch nicht ernsthaft nach ihm gesucht. wir haben uns die festung angesehen und sind am nistru entlangspaziert. und als wir eine faehre auf die andere seite sahen, dachten wir uns, dass es ja nett waere, damit zu fahren, ein stueck den fluss entlangzulaufen und dann die andere faehre nahe am busbahnhof wieder auf unsere seite zu nehmen, um in unsere marschrutka gen heimat zu springen. zielstrebig marschierten wir also richtung faehre, waren jedoch ein wenig verwirrt, als diese gar nicht so einfach zu erreichen war und sich vor uns ein zollhaeuschen befand. hm, was ist das??? erst da fiel uns ein, dass auch tony hawks die ueberquerung des nistru untersagt war, da sich auf der anderen seite bereits die ukraine befindet... sind also lieber wieder schnell umgekehrt, bevor jemand von offizieller seite die beiden dummen touristinnen nach ihren visa fragen konnte. zwar laeuft meines erst ende oktober aus, aber es erlaubt nur eine einmalige einreise. und die hatte ja schon vor laengerem stattgefunden....
am spaeten nachmittag fuhren wir dann wieder zurueck, auch diesmal ohne weitere zwischenfaelle. das kaufen der tickets war nicht so leicht gewesen, aber letztlich doch erfolgreich.
als wir bei unserer ankunft direkt tickets fuer die rueckfahrt kaufen wollten, meinte die grossbebrillte dame hinterm schalter erst mehrmals "nein" zu unserem zettel, auf dem unverkenntlich uhrzeit und ziel standen... ein grosser und beleibter mann in lederjacke konnte drei woerte englisch und fand somit heraus, dass wir nach chisinau wollten. gratulation. er schlug dann auf russisch vor, dass er uns eine stunde frueher, als wir bus fahren wollten, in seinem auto mitnehmen koennte, aber wir gaben lieber vor, nix zu verstehen, da wir keine lust darauf hatten, in seiner maschina kutschiert zu werden. nachdem sein interesse an uns dann wieder abgelassen hatte, zeigte sich die fahrkartenschaltermatrone dann doch kooperativ und verkaufte uns zuegig und ohne weiteres nachfragen zwei tickets zurueck gen hauptstadt... irgendwie bekommt man hier meistens doch das, was man will, man muss nur geduld haben ;-)

so viel fuer heute!

beste gruesse aus dem sonnigen osten sendet

tina

PS: denkt nicht, dass all die naechtlich mit blaulicht fahrenden krankenwagen tatsaechlich in sachen medizinischer notfaelle unterwegs waeren. nein, vielmehr werden sie als marschrutka benutzt, denn hinten drin ist ja eine ganze menge platz, wenn gerade keine kranken transportiert werden. und mit blaulicht ist man ja auch viel schneller am ziel....
Slideshow Report as Spam

Use this image in your site

Copy and paste this html: