Komische oper

Trip Start Jul 08, 2004
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Trip End Dec 31, 2004


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Flag of Moldova  ,
Monday, September 20, 2004

salut,

aufgrund nicht vieler ereignisse musstet ihr etwas warten, bis es mal wieder ein wenig aus dem alltag hier zu berichten gab.

vielleicht ein erfolgserlebnis vorneweg: ich habe es geschafft, mir eine neue jeans zu kaufen!!!
da es stramm auf den herbst zugeht und die zeit der sommerroecke sich dem ende zuneigt und eines meiner mitgebrachten exemplare raetselhafterweise eine menge loecher aufweist, musste also ersatz her.
durch die jogginghosenerfahrung auf dem markt bereits etwas abgeschreckt, hielt ich den markt diesmal nicht fuer erfolgversprechend und versuchte mein glueck somit in den glitzernden laeden an der prachtmeile des gesamten landes, dem stefan cel mare bulevard, die sich auf westprodukte spezialisiert haben und so klangvolle markenschilder wie "diesel", "mexx" etc in ihren schaufenstern tragen. preislich ist dort kein wirklicher unterschied zu deutschland festzustellen, aber hinsichtlich der auswahl schon.
das soll nicht heissen, dass die kollektionen dort nur in abgespeckter form vorzufinden sind, nein nein, es gibt sehr viele verschiedene dinge dort zu kaufen. nur erweist es sich als aeusserst problematisch, wenn man oder eher frau nicht dem moldawischen figurideal entspricht....ist also eigentlich wie auf dem markt.
es sieht naemlich so aus, dass es kleidung in diesen schicken laeden nur bis kleidergroesse 38 gibt, wenn man nach etwas groesserem fragt, erntet man nur mitleidige blicke des zahlreich anwesenden verkaufspersonals. jeansgroessen werden nur bis 28 gefuehrt. mein erster shoppingversuch war ein wenig frustrierend. dass ich keine bohnenstange bin, ist mir natuerlich klar. aber ich sehe mich auch noch nicht gezwungen, meinen koerper nur noch in kittelschuerzen verstecken zu muessen. das tun hier die aelteren und richtig dicken frauen...
einen tag spaeter hatte ich neuen mut gefasst und stolperte in den kleinen "mustang"-laden hinein. der auch nicht am stefan cel mare bulevard liegt. vielleicht ist die miete deshalb geringer und man kann es sich erlauben, ein paar ladenhueter in groesseren groessen vorraetig zu haben. zwar war das mit dem sprachlichen verstaendnis dort ein kleines abenteuer, aber immerhin schaute man mich freundlich an. und ich durfte mehrere modelle in meiner groesse anprobieren. und es gab sogar welche, die mir zu gross waren. wer die nur kaufen wird????
fand tatsaechlich etwas passendes und zu meiner grossen freude konnte ich dieses schmuckstueck von jeans dann auch noch wegen sommerschlussverkaufspreisen fuer schlappe 18 euro erwerben. war auch ein hartes stueck arbeit....

nachdem seit anfang september schule und uni wieder begonnen haben und die stadt aus allen naehten platzt - das gilt insbesondere fuer die transportmittel am vor- und nachmittag - hat nun auch das kulturelle leben der hauptstadt wieder begonnen. eines der alljaehrlichen highlights ist das "maria biesu laedt ein" opernfestival. maria biesu ist eine grosse opernsaengerin hier, ich weiss nichts ueber ihren bekanntheitsgrad ausserhalb des landes, lasse mich aber gerne belehren.
sabina und ich wollten uns diese moeglichkeit des kunstgenusses natuerlich nicht entgehen lassen und kauften uns somit tickets fuer carmen. 3,50 euro sind nicht zu viel fuer einen platz im parkett.

nun, das spektakel sollte also um 18 uhr beginnen (wie alle kulturellen ereignisse hier, ganz schoen frueh...) und so gegen 18.20 ging tatsaechlich auch das licht im saal aus und die eingesprochene werbung vom band fand auch ein ende. die ersten takte der ouvertuere begannen und damit auch das gerangel um die plaetze. denn natuerlich kommt man hier auch zur oper nicht puenktlich und es ist halt ein wenig schwierig, im dunkeln auf die mittleren plaetze einer reihe zu gelangen.
puenktlich zum ende der ouvertuere jedoch sassen dann auch alle. und der vorhang erhob sich.
wunderbar. die erste forderung an die regie hier scheint zu sein, alles so bunt wie moeglich zu gestalten und dabei bloss nicht am einsatz von saengerInnen und anderen personen zu sparen, die dann auch noch in moeglichst bunte und rueschige kostueme gesteckt gehoeren. kein wunder, arbeitskraefte kosten hier ja auch kaum geld.
habe noch nie eine so verstaubt und einfallslos inszenierte oper gesehen.
als carmen dann endlich die buehne betrat, verfiel das publikum bereits ohne, dass sie auch nur einen ton gesungen haette, allein aufgrund ihrer erscheinung in verzuecken und applaus. wir waren etwas verwundert. aber das machte ja nix. leider liess mich nach wenigen weiteren minuten weder ihre stimme noch ihr aussehen in die gleiche begeisterung verfallen, in der der rest des publikums sich ja bereits allein durch ihr erscheinen befand, aber auch das machte nix weiter....
in der pause nach dem ersten akt amuesierten wir uns ein wenig ueber das publikum und stellten betrachtungen ueber das plastiktuetenaufkommen an der garderobe an. ausserdem wurden wir von zwei amerikanischen damen beinahe wild umarmt. und das nur aufgrund der tatsache, dass wir nicht moldawisch aussehen. sie erklaerten uns, dass sie bei der amerikanischen botschaft arbeiten und die carmen ganz ungemein toll faenden. immerhin kannten sie die organisationen, fuer die wir arbeiten, da sie sowohl biotica als auch sabinas menschenrechtsorganisation schon finanziell unterstuetzt haben. sie sahen beide ein wenig nach weihnachtsbaum aus, gemessen an der schillernden kleidung, den aufgetuermten frisuren und dem gewicht der ohrringe. oder besser ohrungetueme....

der zweite akt ging in bereits bekanntem menschen- und rueschenreichtum weiter, etwas wunderten wir uns ueber die anschliessende erneute pause. hier gibt es also nach jedem akt eine pause. das liegt vermutlich daran, dass die kulissen alle per hand bewegt werden und man die zeit einfach zum umbauen braucht. es werden schliesslich auch immer sehr viele und bunte kulissen benoetigt. vielleicht hat das auch eine art erziehungeseffekt, denn nach der dritten pause kam beinahe niemand mehr zu spaet zurueck an seinen platz.
im dritten akt faszinierten mich die lustig blinkenden feuer im schmugglerlager so wie die aufgehenden sterne im hintergrund. und einen mond gab es auch. kitsch at its best.
was jedoch alles vorherige in den schatten stellte, war der auftritt von escamillo, dem matador. ein riese von kerl, jedoch leider voellig unfaehig in punkto schauspielern. stimmlich ganz prima, einer der besten des abends, aber mit einer unsaeglichen tolpatschigkeit gestraft.
der einzige gesichtsausdruck, den er zu beherrschen schien, war ein grenzdebiles dauergrinsen. das trug dann auch etwas zu meiner erheiterung bei und sabina und ich mussten unsere ganzen energien aufwenden, um nicht vor lachen vom stuhl zu fallen, als sich der gute beim kampf mit don jose mit seinem messer in seinem umhang verfing. letzterer liess ihn uebrigens ein wenig wie aus einem drittklassigen vampirfilm entsprungen aussehen.

die dritte pause verbrachten wir also mit viel lacherei. und dem anstellen von ueberlegungen dazu, wie wir wohl den vierten akt ueberleben wuerden, ohne uns vor den fuessen unserer sitznachbarn waelzen zu muessen. nun, der matador im matadoroutfit sah noch ein wenig alberner aus als in seinem vampirumhang, da er nicht zu den schlankesten gehoert. und all das gold und der samt liessen ihn an einen karnevalsprinzen auf abwegen erinnern. die dramatik war ein wenig dahin, fanden wir. aber gluecklicherweise musste er ja in die arena, um mit dem stier kaempfen zu gehen. don jose trat dann wieder auf die buehne. in einem sehr lustigen kostuem: ein bluetenreines und frisch gebuegeltes weisses hemd, das jedoch ein paar schlitze und fein saeuberlich ausgeschnittene loecher enthielt. aber das erschien uns im vergleich zum stierkaempfer ja eher minder lustig.
komplett gefordert wurde unsere lachkraempfeunterdrueckungsgabe jedoch noch einmal beim ueberraschenden starauftritt des abends: eine graue katze fand ihren weg vom zuschauerraum hinauf auf die buehne und streunte dort ein wenig unbeholfen herum. vermutlich hatte sie sich das vorher bei escamillo abgeschaut. immerhin waren wir nicht mehr die einzigen im publikum, die lachten. die resolute carmen machte ihrer rolle alle ehren und vertrieb das katzentier durch energisches aufstampfen und das wedeln mit ihren zahlreichen gerueschten roecken. vermutlich hatte sie angst, dass das tier ihr die show stehlen koenne.
als escamillo den stier dann schliesslich besiegt und carmen sich umgebracht hatte, war ich sehr froh, dass das publikum schon weit vor den letzten toenen in begeisterungsstuerme verfiel, so dass unser letztlich doch nicht mehr zurueckzuhaltender lachkrampf ueber die gestik des helden beim erblicken der toten geliebten nicht mehr wirklich auffiel....

hatte selten so viel spass in einer oper.


und um noch einmal das erlebnis des besuchs vom opernfestival haben zu koennen, ging ich mit matthias und seiner gerade auf besuch hier weilenden schwester am Donnerstag direkt wieder in die oper. diesmal gab es tosca. leider war sabina wegen arbeit verhindert, uns zu begleiten. jedoch sah ich darin auch einen grossen vorteil, denn ich befuerchtete, dass unter umstaenden ja auch der famose matador wieder mitsingen koenne. und da waere es aus geraeuschentwicklungstechnischen gruenden vielleicht einfach besser, wenn wir nicht zusammen sitzen wuerden....
netterweise hat die dame an der kasse mir die gleichen plaetze verkauft wie bei carmen. da kann man mal sehen, wie sehr man uns auslaenderInnen hier das leben einfach, heimelig und bequem gestalten moechte. ich kannte mich also aus und wir sassen mal wieder viel zu frueh auf unseren plaetzen... dafuer kannten wir dismal den die oper aufzeichnenden kameramann, der naemlich auch ab und an fuer owh (das ist die filmfirma, bei der matthias praktikant ist) arbeitet. ueberhaupt sollte dieser abend ganz im sinne von wiedersehen verlaufen....
die oper begann und diesmal kamen noch mehr leute zu spaet als bei carmen. und es redeten auch viel mehr menschen... das war etwas nervig.
auch die inszenierung war wieder sehr altmodisch und rueschenlastig. insbesondere das wort verstaubt passte hier ganz prima, denn sobald tosca mit ihrem umhang umherwedelte (und das tat sie sehr oft), zog sie eine wunderbare staubwolke hinter sich her. aber ich blieb eisern und liess mir mein lachen nicht anmerken. bei jeder neu auf die buehne kommenden person hielt ich natuerlich den atem an und sonja und matthias waren auch sehr gespannt, da sabina und ich natuerlich blumenreich von unserem carmenerlebnis berichtet hatten.
als ich dann beim auftritt von scarpia, dem fiesen polizeichef, versuchte, in meinem sitz zu versinken und mir ein paar traenen die wangen hinunterliefen, war die sache klar. hier stand also der begehrenswerteste aller stierkaempfer wieder auf der buehne. diesmal jedoch waehrte die lachattacke nur kurz. zwar konnte er immer noch kein anderes gesicht machen als dieses eine ekelig grinsende, aber nun passte es ja beinahe zu seiner rolle.
im zweiten akt war er ununterbrochen auf der buehne praesent, aber aufgrund seiner wirklich guten stimme und der beeindruckenden musik mussten wir alle drei erst wieder lachen, als tosca ihn erstochen hatte, und er etwas roboterartig starb.
der letzte akt ging dann ohne katzenbeteiligung oder andere spaesse ueber die buehne, lediglich die aufgehenden funkelsterne kamen wieder zum einsatz.und auch wieder ein tolles zerschnittenes weisses hemd ohne flecken und falten.
dieses zweite opernerlebnis war also ein beinahe ernstes und musikalisch viel gelungener als die carmen.
nun bin ich auch mit dem kulturellen leben hier vertraut. und sehr gespannt darauf, in welchen rollen ich meinen lieblingsopernstar zukuenftig noch bewundern werden darf!




ein highlight in der letzten woche war ausserdem ein brauereibesuch am freitag. ein freund von matthias hatte das netterweise organisiert. sergej arbeitet in einem anderen bereich der firma, die eben auch diese brauerei besitzt, und hat sich dahintergeklemmt, dass die deutsche brauerin diesen betrieb einemal zu gesicht bekommt. und da ja im moment die schwester von matthias auf besuch hier ist, liess sich die fahrt zur brauerei also auch ganz prima ins touristische programm einbringen. wir mussten ein wenig raus aus der stadt gen dorf fahren und fanden dort dann die kellers-brauerei.
habe schon lange keinen fuss mehr in eine brauerei gesetzt gehabt und war sehr gespannt.
die technische leiterin (sic!leiterIN!) des ganzen erwartete uns bereits mit ein paar probem zum verkosten und erdnuessen. das kannte ich noch nicht. sie meinte, wenn man so frueh am tage bier trinke, dann muesse man auch nuesse essen. kein problem. sergej studiert deutsch und spricht es ganz ausgezeichnet; er war ein wenig unsicher wegen all der technischen begriffe, hat seine sache aber ganz prima gemeistert und die gute dame konnte uns mit seiner dolmetschhilfe also ein wenig etwas ueber die schwierigkeiten des betriebs erzaehlen. die liegen insbesondere im mangelnden absatz, da es sich um eine sehr kleine brauerei handelt und die konkurrenz durch die zu efes gehoerende moldawische grossbrauerei und diverse russische und ukrainische konzerne sehr gross ist.
ich war ueberrascht, im betrieb dort richtig moderne anlagen zu finden... und man braut sogar nach deutschem reinheitsgebot. und legt da sehr viel wert drauf.
alles ganz sauber und gut in schuss, sehr bemerkenswert. und das bier ist auch lecker. nur ist die vertriebsart etwas eigenwillig. man kann es leider nur in 2l-plastikflaschen kaufen, die auch noch per hand (!!!) abefuellt werden. das geschmackserlebnis bei kellers aus dem supermarkt duerfte also zu wuenschen lassen. habe es jedoch noch nicht ausprobiert.
werde mir halt eine kneipe suchen muessen, wo es dieses produkt vom fass gibt.

die gute frau oberbraumeisterin war schwer entsetzt, als sie mich nach der tour ein wenig ueber brauereien in deutschland ausfragte und ich meinte, dass es in deutschland kaum weibliches technisches personal gebe. entruestet meinte sie, dass doch nur frauen das viel bessere gespuer fuers brauen haben und ausserdem sehr viel versierter seien in punkto hygiene ;-)


am samstag habe ich mich seit laengerem mal wieder auf den grossen zentralen markt getraut. in letzter zeit war mir der trubel dort immer etwas zu viel und ein wenig gemuese laesst sich auch problemlos auf den ueberall stattfindenden kleineren maerkten einkaufen.
nun besitze ich einen neuen foehn. habe meinen in berlin vergessen und wegen der zu erwartenden temperaturen ist dies ein nun hilfreiches instrument. und ein wahres schnaeppchen: fuer nur 10 euro konnte ich ein modell erstehen, das angeblich von einer oesterreichischen firma stammt, den zusatz "eternity" traegt und auch noch ueber ein tuv- zeichen verfuegt. wenn das mal alles wahr ist... der verkaeufer vasilij wollte auch direkt meine adresse haben und hat allen benachbarten foehnverkaufsstaenden sehr gewichtig berichtet, dass diese deutsche jetzt bei ihm einen foehn kaufe.

alexei hat meine heizung inspiziert und meine wohnung nach zwei minuten mit den worten "i call master" wieder verlassen. nun, wir werden sehen.
gluecklicherweise ist es auch wieder richtig warm geworden, gestern waren wir ausserhalb der stadt am strand vom nistru und ich habe es bereut, keine badesachen mit zu haben....
jeans am strand sind nicht so praktisch, sabina hatte immerhin kurze sachen mit. aber woher soll man frueh morgens beim verlassen der wohnung ahnen, dass der sommer so richtig zurueckkehrt?

erfreue mich ansonsten immer noch guter gesundheit und frohen mutes. auch wenn sich im buero noch nix geaendert hat... wenig bis keine arbeit. werde mir nun wirklich etwas einfallen lassen muessen.
conrad ist gut in tajikistan angekommen und seine abenteuer dort sind in seinem weblog zu finden: www.travelpod.com/members/conradosc

naechsten mittwoch werde ich besuch von meinem vater erhalten! juchu! und bis dahin bin ich sogar ein wenig beschaeftigt. bei den eltern einer bekannten aus dem workcamp steht die weinernte an und eine freundin von conrad braucht ein wenig unterstuetzung wegen krams zum studieren in deutschland. sinnvolle dinge! heissa!

gruesse euch alle ganz herzlichst, wuensche viel vergnuegen bei kulturellen aktivitaeten und hoffe auf viel post ~

tina

PS: weiss nun endlich, warum hier so viele leute in sehr dicken jeeps rumfahren: sollte auf einer kreuzung mal ein unfall die freie fahrt blockieren, so kann man damit viel besser ueber die wadenhohen bordsteine holpern als es ein trolleybus zu tun vermag!

PPS: falls jemand von euch weiss, was ein kilo storch kostet, so moege er/sie es mir bitte mitteilen!
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