Der anfang

Trip Start Jul 08, 2004
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Trip End Dec 31, 2004


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Flag of Moldova  ,
Monday, July 12, 2004

so, dies wird also der erste eintrag in dieses "tagebuch".

sitze in einem internetcafe unweit meines neuen arbeitsplatzes. die vorhaenge sind zugezogen, dafuer brennen neonroehren. warum auch nicht, wenn draussen schoenster sommer herrscht. die beschallung besteht aus unvermeidlichem russischen billigen pop und ich bin der einzige weibliche gast. die anderen sind alle ein paar jahre juenger und spielen lustige computerspiele oder chatten.

aber von vorne. denn die fahrt hierher war zwar nicht gefaehrlich, aber zumindest ein wenig spannend.

von meiner wohnung ging es mit annas auto, anssa, til und wolf zum ostbahnhof. die vielen gepaecktraeger erwiesen sich als ausserordentlich hilfreich, da mein krams doch eine ganze menge geworden war... danke!!!!
von berlin nach prag: eigentlich harmlos, teilte mir ein abteil mit einer familie mir zunaechst unbekannter herkunft. schienen irgendwo aus dem arabischen raum oder so zu stammen, sprachen kein deutsch aber prima englisch, auch der 7jaehrige sohn.
die grenzbeamten bei der passkontrolle waren von ihrer anwesenheit allerdings nicht so begeistert und haben sich verdammt unfreundlich verhalten. irgendein stempel fehlte angeblich bei einem der soehne im pass... dafuer wurden aber direkt alle paesse mit schwarzlicht auf das allergruendlichste untersucht und anschliessend umso mehr stempel hineingesetzt. das dauerte eine ewigkeit und die beamten sahen sich noch nichtmals genoetigt, auch nur ein wort englisch zu sprechen.
nun, die familie stammte aus afghanistan. sie meinten auch, dass sie dieses verhalten bereits gewohnt seien... sie leben und arbeiten in prag, die kinder gehen dort auf die internationale schule und besonders der aeltere sohn hat mich dann ueber das studieren in deutschland ausgequetscht. die zugstrecke an der elbe entlang ist wunderschoen und wir bestaunten sie gemeinsam. spaeter haben wir das licht im abteil getoetet (so umschreibt man das in afghanistan...) und den ausblick auf heftige gewitter genossen.

in prag hiess es dann umsteigen und ich begann, mein gepaeck zu verfluchen... beim naechsten mal werde ich weniger einpacken!!!!!
viel trubel am bahnhof, schulklassen und backpacker ohne ende. mein anschlusszug stand schon beinahe bereit und ich konnte es mir in meinem schlafwagenabteil bequem machen. das teilte ich mit einer anderen deutschen, ebenfalls aus berlin und gerade fertig gewordene studentin der filmregie.
das durchschauen der schlafwagenabteiltechnik gelang uns quasi in rekordzeit und schon konnten wir zum naechtlichen pizzeessen uebergehen (danke wolf, danke til!!!). der schaffner warnte uns vor dieben und erklaerte, dass wir das abteil waehrend des schlafens auf jeden fall abzuschliessen haetten. taten wir natuerlich auch. und da wir ja nicht bloede waren, haben wir auch noch die kette vor die tuer gemacht. wie sich herausstellte, war dies die noch viel wirksamere methode, um diebe abzuwehren...
die nacht war sehr unruhig, da wir staendig ueber grenzen fuhren und sich die die paesse kontrollierenden beamten die klinke in die hand gaben: raus aus tschechien, rein in die slowakei, raus aus der slowakei, rein nach ungarn, ...
als es jedoch ein weiteres mal geraeusche an der tuer gab, war dies niemand, der unsere paesse sehen wollte, sondern ein im gleichen wagen reisender rumaene, der sich mittels taschenmesser zugang zu unserem abteil verschaffen wollte. ha, aber wir waren schlauer, denn wir hatten die tuer ja noch mit der kette verriegelt! sahen ihn dann sein glueck nebenan versuchen... er schien sich auch extra umgezogen zu haben, um inkognito zu bleiben, da er bei abfahrt noch ein graues hemd trug und am naechsten morgen ein gruenes. auf der taschenmessertour hingegen eines in schwarz...
vor- und nachmittag verbrachten wir mit ausdemfenstersehen und nichtzusehrbewegen. das wetter war wunderbar sonnig, nur der zug leider ohne lueftung... war ein wenig wie sauna...
die vorueberziehende landschaft von ungarn und rumaenien war sehr beeindruckend. viele felder, unmengen von sonnenblumen und ab rumaenien jede menge pferdekarren. so viele pferdekarren habe ich in meinem ganzen leben vorher nicht gesehen wie in den paar stunden. ab und an ein paar huegel und auch mal ein see. die werden natuerlich auch zum baden benutzt. und damit das nicht zu anstrengend wird, faehrt man mit dem auto direkt ans ufer. nur noch die tuer oeffnen und schon ist man im wasser. sehr praktisch. sieht ziemlich ulkig aus, wenn so ein ufer mit autos vollsteht.

meine reisebegleitung stieg etwa eine stunde vor mir aus und mit meiner ankunft in alba iulia begann dann das abenteuer. bei alba iulia handelt es sich um ein provinzstaedtchen mitten in rumaenien. mit frisch renoviertem bahnhof in den landesfarben. hier brauchte ich nun eine weitere fahrkarte, denn bei der deutschen bahn sah man sich damit ueberfordert. und vermutlich haette ich auch das 10fache bezahlen muessen...
das dumme war nur, dass ich zwar einiges an euros und auch diverse karten mithatte, aber der niedliche banhof natuerlich weder ueber wechselstube noch einen geldautomaten verfuegte. um jedoch eine fahrkarte kaufen zu koennen, brauchte ich rumaenische lei. die dame an der information gab mir lediglich die auskunft "centru". bei ihr und ihrer kollegin war gleichzeitig die gepaeckaufbewahrung angesiedelt, ein kleines regal in ihrem raum. da ich absolut ueberhaupt keine lust darauf hatte, mein gepaeck auf der suche nach geld mit ins centru zu schleppen, testeten wir gegenseitig unsere nerven. ich wollte mein gepaeck bei ihnen lassen, sie hingegen wollten es ohne bezahlung in lei nicht im regal liegen lassen. prima, dachte ich. zwar gaben sie vor, englisch zu koennen, aber ich glaube nicht, dass sie verstanden haben, was ich ihnen erzaehlte. war mir aber egal. ich bin ganz hoeflich geblieben, habe mich aber auch nicht wegbewegt. und ihnen zwei euro geboten, vermutlich das mind. 10 fache des normalen tarifs. aber auch da gingen sie stoisch drueber hinweg. und haben dann mit irgendwem telefoniert. das ergebnis war ein weiteres "no". ich sah sie weiterhin als meine einzige chance an, mein gepaeck irgendwo lassen zu koennen. und erklaerte es ihnen auch so... nach guten 20 min dann der ploetzliche stimmungsumschwung: wie lange ich denn wegbleiben wolle. wir einigten uns tatsaechlich auf eine stunde fuer zwei euro und ich konnte loslaufen. puh, gut, dass ich mal im besitz eines extrem sturen ponys war.
bis zur naechsten bank waren es auch etwa 20 min fussmarsch, das waere mit dem ganzen gewicht bei locker 30 grad und sonnenschein eine ziemlich tortur geworden.
kam reibungslos an geld und zurueck an mein gepaeck.
dann wollte ich noch eine fahrkarte kaufen. hatte alles schoen aufgemalt, da die nette aeltere dame am schalter und ich keine gemeinsame sprache hatten. aber es ist nicht so leicht, in rumaenien ein zugticket zu kaufen. es war etwa 20 uhr und ich wollte einen zug um halb elf nehmen. doch um 8 kann man dafuer noch gar keine tickets kaufen. gluecklicherweise fand sich ein des englischen maechtiger mensch, der mir uebersetzte, dass ich um 9 wiederkommen muesse.
also sass ich eine stunde herum ehe ich wieder vor dem gleichen schalter vorsprach, an dem auch wie vorher immer noch nichts los war. liegewagenplaetze gab es weiterhin nicht, aus was fuer gruenden auch immer. somit einigten wir uns auf die erste klasse, von der die dame ganz begeistert schien.
ich bekam vier kleine pappkaertchen mit vielen handgeschriebenen zahlen drauf und bezahlte 550.000 lei. nicht, dass das teuer gewesen waere :-) fuer das geld kommt man in deutschland in der ersten klasse nichtmals von essen nach duesseldorf...
nach weiterer warterei konnte ich dann endlich in den zug steigen. die erste klasse machte ihrem namen keine richtige ehre und ich war erstmal etwas geschockt. in "meinem" abteil hielten sich diverse reichlich betrunkene kerle auf und es roch unverkennbar nach versifftem klo. die anderen abteile reichlich ueberfuellt... prima, dachte ich, es sind ja bloss elf stunden und ich bin fast noch taufrisch!
gluecklicherweise stiegen die herren an einem der naechsten bahnhoefe aus und angenehmere zeitgenossen ein. der schaffner warnte mich davor zu schlafen, da ich dann mit sicherheit ausgeraubt werden wuerde. da ich aber reichlich kaputt war und die anderen leute im abteil sehr nett waren, schlug ich diese warnung in den wind. die anderen schliefen naemlich auch und ich waere gar nicht in der lage gewesen, die ganze nacht ueber wach zu bleiben. meine gepaeckmengen schindeten viel eindruck, mein reiseziel moldawien viel verwunderung und die vestaendigung mit haenden und fuessen funktionierte ganz prima.
durch das oeffnen des fensters liess sich dann auch noch der klogeruch beheben und das leben war wieder schoen.

am naechsten morgen befand ich mich schliesslich in iasi (sprich: jasch). hier wollte conrad mich einsammeln. conrad ist der deutsche, den ich so mehr oder weniger abloesen werde.
nach zwei weiteren stunden am bahnsteig traf conrad ein und brachte auch direkt leckere bonbons mit.
conrad wollte sich noch ein ticket fuer eine rumaenische zugverbindung kaufen, doch scheiterte das an der tatsache, dass samstag und das offizielle zugticketreisebuero geschlossen war. am bahnhof kann man naemlich nur tickets fuer fahrten am selben tag kaufen. natuerlich nur zu bestimmten zeiten...

am banhof angeschlagen war ein zug gen moldova, doch durch nachfragen fand conrad dann heraus, dass der von einem anderen bahnhof aus faehrt. waere ja auch bloede, mal einen hinweis darauf zum fahrplan zu haengen...
nach einer kurzen tramfahrt fanden wir auch den besagten bahnhof. tickets gab es mehr oder weniger problemlos, nachdem der schalter erstmal gefunden war.
im bahnhofsgebaeude sassen die grenzbeamten, da der zug nach moldova gehen sollte. da wir ja keine afghanischen paesse haben, war das kein problem.
der "internationale schnellzug" war zwar weder von aussen noch durch seine reisegeschwindigkeit als solcher zu erkennen, aber er fuehrte uns in moldawisches gebiet. der grenzbeamte, der die paesse im zug ansah, stempelte unsere problemlos ab und dann gab es nur noch eine weitere kontrolle. im banhof wurde das gepaeck durchleuchtet und die paesse erneut angesehen. und die herren am zoll hatten sogar ein laecheln uebrig. was conrad sehr verwunderte. vielleicht lag das einfach an der charmanten weiblichen begleitung :-)
so leicht gelangt man also nach moldawien!
vor dem bahnhof wartete bereits ein "minibus" nach chisinau. das sind busse in bulligroesse mit vielen sitzen und ohne kofferraum. mein gepaeck stand also zwischen den sitzen und man musste drueberklettern... es koennen auch mehr leute als sitze vorhanden mitgenommen werden, dann steht der rest einfach im "gang". fuer kuerzere strecken.
die fahrt dauerte etwa zwei stunden und ging ueber viele doerfer. habe aber nicht so viel gesehen, da ich geschlafen habe. trotz des lauten billigen russischen pops aus dem radio.

eines dieser lieder ist mir bereits sehr ans herz gewachsen: stammt von einem ukrainischen transvestiten, dessen name mir gerade entfallen ist, und heisst "wsjo budet xarascho", was nix anderes bedeutet als "alles wird gut". finde ich sehr passend!

tatsaechlich waren wir am samstag um halb sechs abends zu hause. die fahrt hat exakt 48 stunden gedauert, von tuer zu tuer... hier geht die uhr naemlich eine stunde vor.

gestern haben wir sightseeing betrieben und den abend in einer wunderbaren bar mit live musik verbracht. sehr praktisch: bar besteht aus kiosk und dem bestuhlten areal mit tanzflaeche. getraenke einfach selber am kiosk kaufen, an den tisch tragen, fertig. zu den wodkaflaschen gibt es auch beliebig viele plastikbecher.

heute war mein erster arbeitstag.
es gibt so unendlich viele neue eindruecke, dass ich vermutlich noch bis tief in die nacht hinein schreiben koennte. aber das erspare ich sowohl euch als auch meinen augen! schliesslich moechte ich noch etwas vom schoenen wetter haben und ein wenig in der stadt herumlaufen. diese zeichnet sich nicht unbedingt durch schoenheit aus, aber sie hat was!

was ich von der arbeit halten soll, weiss ich noch nicht so genau. vermutlich soll ich jetzt irgendwas zum thema windenergie erarbeiten. da hier aber nichts zuegig passiert, mache ich mir keine grossen sorgen darum, bereits am ende der woche ein konzept erarbeitet haben zu muessen...

der russische pop wechselter gerade zu deutschem "rap": erinnert sich noch jemand an tic tac toe, die girlgroup aus dem ruhrpott???

conrad ist heute morgen fuer zwei wochen nach deutschland gefahren, muss mich jetzt alleine amuesieren. die beiden gemeinsamen tage waren super, denn conrad hat mir alles wichtige gezeigt und erklaert. kann jetzt alleine zum buero finden! im dunkeln nach hause hoffentlich auch... strassenbeleuchtung ist eher weniger vorhanden und wir sind gestern erfolgreich an unserer bleibe vorbeimarschiert.
bin noch nichtmals eine woche weg, aber es kommt mir bereits wie eine halbe ewigkeit vor...

gruesse euch alle ganz herzlichst und warte auf antworten an tina.naubert at arcor.de!
oder post zum buero schicken:
Biotica
of.22, Nicolae Dimo str. 17/4
mun. Chisinau 2068
Moldova

alles gute aus dem osten ~

tina

PS
idee des tages: falls man als marktfrau sein kopftuch vegessen hat, laesst sich ein grosses weisskohlblatt prima als solches nutzen!
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