Carnevaaaaaaaal, Copacabana, Churasco, Caipi....

Trip Start Oct 20, 2009
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Trip End Feb 22, 2010


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Where I stayed
Ruedi's

Flag of Brazil  , State of Rio de Janeiro,
Friday, February 12, 2010

Nach einer Woche im *****Hostel bei den Iguazufällen gings einmal mehr über die Grenze nach Brasilien. Eigentlich wollten wir ja noch einen Stopp in Sao Paulo einlegen, doch da uns die Zeit langsam davon lief, entschieden wir uns direkt nach Rio zu fahren.
Neben unseren beiden ersten Nächten in Lima, war Rio der einzige Ort in dem wir bereits von der Schweiz aus für eine Übernachtungsmöglichkeit geschaut haben ...und das bereits im Juli vor Abreise!!! Da während des Karnevals alles ziemlich schnell ausgebucht und masslos überteuert ist (bspw. 120 Euro pro Tag für ein Bett in einem 8er-Schlag und minimum ein 5-tages Package), war das auch eine sehr weise Idee. Nach langem nachfragen bei Kollegen und Verwandten, konnte uns ein Onkel von Teresa einen Freund empfehlen, der nach Rio ausgewandert ist. Wir hatten keine Ahnung was uns erwarten würde, als wir dem Taxifahrer die Adresse bekannt gaben und wir uns durch die Strassen von Rio schlängelten (wobei dies ein schlängeln der angenehmen Art war.. aber dazu in einem späteren Eintrag). Endstation war dann in Leme, das ist der nordöstlichste Teil der Copacabana, dem wohl bekanntesten Strand der Welt. Dort wurden wir von Ruedi mit offenen Armen empfangen und in seine tolle Wohnung mit direktem Blick auf Strand und Meer geführt - einfach grossartig.

Nachdem die erste Nacht nur von der Temperatur her extrem heiss war - in Rio herrschte eine Hitzewelle mit bis zu 40° C - versprach die zweite Nacht auch andersweitig ziemlich heiss zu werden.

Tagsüber besuchten wir, wie ein paar tausend weitere Touristen auch, den Cristo Redentor (die grosse Jesus-Statue) von wo aus man einen grandiosen Blick über Rio und die Umgebung hat. Rio liegt in einer ziemlich hügeligen Landschaft und ist in die verschiedene Täler hinengewachsen. Es könnte also vorkommen, dass man sich zwischen zwei Stadtteilen auf einem Hügel mitten im Urwald befindet. Ich schrieb extra "könnte", da man sich besser nicht dort aufhält, weil sich auf diesen Hügel die Favelas (Armenviertel) befinden, aber dazu später mehr.

Am späteren Nachmittag besorgten wir uns Tickets für die Sambavorstellung am Abend, wobei wir auf dem Rückweg so naiv waren und uns von einem Jungen mit ziemlich verlumpten T-Shirt den Weg zur U-Bahn zeigen lassen wollten. Als wir dann nach grossem Umweg (eigentlich hätten wir nur 30m laufen müssen) und immer mulmigerem Gefühl im Bauch endlich bei der Station angekommen waren, forderte er uns in ziemlich harschem Ton auf ihm Geld (viel Geld) zu geben. Er folgte uns die Treppe zur U-Bahn runter und nachdem wir ihm ein paar kleine Münzen in die Hand drückten verschwanden wir so schnell wie möglich in den abgesperrten Bereich der Station.

Jetzt zurück zur heissen Nacht. Am Abend gingen wir mit ein paar Schweizer Freunden von Ruedi und deren Kollegen in den Sambadrom, wo die grossen Samabschulen während des Karnevals ihre Vorführung haben. Wir platzierten uns auf einer der Tribünen entlang der etwa 500 Meter langen Strecke und schauten den tausenden von Tänzern mit ihren wilden Kostümen (welche meistens aus sehr wenig Stoff bestanden) und den grossen selbst gebastelten Wagen zu. Es gab eine Jury, welche die Samba-Schulen, welche meist von einem Quartier gestellt werden, bewertete. Die Fans sangen zu der Sambamusik und feuerten ihre Schulen lautstark an. Einfach grandios.

In den weiteren Tagen, die wir in Rio verbrachten, machten wir das übliche Touristenprogramm und amüsierten uns vor allem an den Stränden beim People-watching. Die Hauptstrände Ipanema und Copacabana sind in Abschnitte aufgeteilt, die sich im Laufe der Zeit verschiedene Gruppen angeeignet haben. So ist Leme bspw. der Familienstrand, während es weitere Abschnitte für Homosexuelle gibt, oder einen wo sich die Tele-Novelas oder die Möchtegerns treffen. Die Bademode ist bei allen, ob Mann, Frau, alt, jung, dick oder dünn dem Motto "möglichst wenig und hauteng" gewidmet ...für gewisse Figuren vorteilhaft, für andere weniger. Überall an den Stränden standen auch Beachvolleyfelder, wo vor allem die Footvolleyer ihr Können zeigten, welche wahrscheinlich alle zentimeterdicke Hornhaut an den Füssen hatten, bei diesen Sandtemperaturen. Abends bietet es sich an, entlang der Strandpromenade zu schlendern, sich hier und da einen Caipiriña zu gönnen und wenn der Hunger lockt im Garten einer Churrasceria einem guten Stück Fleisch zu frönen.

Neben dem Sambadrom gab es auch noch etliche Strassenfasnachten, welche man sich wie in der Schweiz vorstellen kann, ausser dass die Kostüme ein bisschen anders aussehen. Statt dicken warmen Kostümen, besprüht man sich den nackten Oberkörper (bei Männern wohlverstanden) mit ein bisschen Glitzer und fertig ist die Verkleidung. Bei Frauen bestand die Verkleidung meist aus einem Fetzen Stoff und einem lustigen Haarreifen.
Wir versuchten diese Fasnachten wenn möglich zu meiden, da es erstens extrem eng, heiss und schweissig war. Man fühlte sich dadurch auch nicht gerade sicher. Aber vor allem war es eklig, da es sozusagen keine sanitären Anlagen gab und deshalb jeder sein Geschäft einfach gleich auf der Strasse verrichtete. Hygienischer, aber nicht empfehlenswerter ist es, sich mit dem Bus durch diese Massen zu bewegen, man bleibt gerne mal 1-2 Stunden stecken.

Zurück zu den Favelas. Rio war früher der Sklavenumschlagplatz von Südamerika und es leben heute noch viele Schwarzafrikaner dort, die nie aus der Armut herausgefunden haben. Zusätzlich gibt es sehr viele Landflüchtlinge, welche ihr Glück in der grossen Stadt versuchen. Diese Leute leben alle in den Favelas, welche sich an den unzähligen Hügeln von Rio empor klimmen. Diese Favelas werden meist von Drogenbossen kontrolliert, welche nach ihren eigenen Regeln und Gesetzen regieren. Diese Bosse versuchen zwar für Recht und Ordnung zu sorgen (so kann ja schliesslich auch mehr verkauft werden), doch es gibt sehr grosse Rivalitäten unter den einzelnen Banden wodurch die Kriminalität sehr hoch und ein Menschenleben sehr wenig wert ist. In der Favela gleich hinter Leme (d.h. zwei Blocks hinter Ruedis Wohnung!!!) gab es vor kurzem einen Bandenkrieg, weil ein Drogenboss sein Quartier zurück haben wollte. Es herrschte scheinbar richtiger Krieg mit Maschinengewehrsalven über Monate. Die Freunde von Ruedi, haben direkten Blick auf diese Favela und ihnen wurde empfohlen nicht mehr in den hinteren Teil der Wohnung zu gehen, wenn sie Schüsse hören - Gefahr von Querschlägen.

Wir selber fühlten uns in Rio allgemein nicht sehr sicher und hatten immer ein komisches Gefühl im Bauch, was wir bspw. in BA nie hatten. Vielleicht liegt es daran, dass wir viel schlechtes über Rio gelesen hatten oder einfach nur daran, dass wir die Sprache nicht verstanden und wir uns deshalb hilflos ausgesetzt vorkamen. Obwohl uns überhaupt nichts passiert ist, trübte das leider ein bisschen unser Bild von dieser eindrücklichen Stadt.
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