Von Münzen, Tango und Fleisch

Trip Start Oct 20, 2009
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Trip End Feb 22, 2010


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Where I stayed
Carlos Gardel

Flag of Argentina  , Distrito Federal,
Monday, January 25, 2010

"Esta ciudad no funciona sin monedas, pero nadie tiene" (Diese Stadt funktioniert nicht ohne Münzen, doch keiner hat welche). Diesen weisen Satz, der sich noch öfters bewahrheiten sollte, hörten wir vom Barkeeper der Ciudad Cultural Konex.

Wir verbrachten den 1. Abend in Buenos Aires und verliesen noch immer im Takt zuckend ein Konzert der Percussion-Gruppe "La Bomba de Tiempo", die hier jeden Montagabend ein rhythmisches Trommelfeuer entfacht. Die Band ist legendär, das Konex-Gebäude einfach zu finden. Wo der Bus sich kaum einen Weg durch die Menge bahnen konnte, stiegen wir aus und stellten uns in die Schlange, um eines der begehrten Tickets zu ergattern und eingelassen zu werden. Strassenverkäufer verkürzten den Wartenden die Zeit mit Spacecake.
Das Konzert fand open-air statt, war genial... und heiss. Doch auch nachdem sich die enge, wild tanzende Menge wieder aufgelöst hatte, vergingen wir in unseren kurzen Hosen und T-Shirts. Denn Buenos Aires wird momentan von einer Hitzewelle heimgesucht und ist zudem mit einer überdurchschnittlichen Luftfeuchtigkeit gesegnet (35 Grad, 90% Luftfeuchtigkeit). Tagsüber suchen wir den Schatten und Nachts läuft in unserem Zimmer die Klimaanlage.

Der Bus soll uns nach diesem Abend wieder zurück zum Hostel bringen. Buenos Aires verfügt (laut unsere Quelle, der ein BA-Kenner ist) über ein ausgezeichnetes Bussystem und tatsächlich sind wir bisher jedesmal praktisch vor der Haustür in einen Bus eingestiegen und direkt am gewünschten Ort wieder rausgelassen worden. Vorausgesetzt, wir konnten die Münzen für die Ticketautomaten, die ausschliesslich mit Münz funktionieren, aufbringen und dies ist nicht ganz einfach. Münz gibt es nämlich nur bis 1 Peso. Bereits ab 2 Pesos exisiteren nur Scheine, was ungefähr 55 Rappen entspricht und Münz, obwohl lebenswichtig, zu einem seltenen Gut macht. Münz ist wertvoll, jeder bewahrt Münzen auf und gibt sie ungern wieder her. In Supermärkten wird oft grosszügig abgerundet, falls ein Restbetrag unter 2 Pesos resultiert.
Wir lernen schnell und versuchen wie die Porteños (Einwohner  BA's) kleine Dinge mit kleinen Scheinen zu bezahlen, in der Hoffnung, ab und zu ein rundes Metall für unsere Busfahrten zu ergattern. Einmal, wieder verzweifelt auf der Suche nach Münz, wollten wir an einem Kiosk zwei Sugus für insgesamt 0.40 Pesos erwerben und freuten uns schon auf das Rückgeld. Doch der Verkäufer, nicht faul, schenkte uns die beiden Zückerli und meinte wir könnten ja morgen nochmals kommen und mit passendem Geld bezahlen. Ein anderes mal kauften wir auf dem Heimweg Empanadas an der Ecke, 2 für 6 Pesos, bezahlt mit einem 5er und einem 2er. Der Kellner gibt sie uns für 5...

So ist das mit dem Münz (wahrscheinlich könnte man eine Doktorarbeit darüber schreiben, wie sich die Volkswirtschaft von BA verändern würde, wenn man bei den Bussen ein Kartensystem einführen würde). Zum Glück konnten wir an jenem besagten Abend doch noch bei jemandem wechseln.

Und dann gibt es in Buenos Aires natürlich Tango. Die Musik und der Tanz scheinen in dieser Stadt allgegenwärtig. Unser Hostel, Carlos Cardel, ist nach DEM Tangosänger benannt. Aus jeder Bar und jedem Geschäft erklingen Tangomelodien, auf Plätzen geben Paare ihre sinnlichen und wagemutigen Tanzschritte zum Besten und immer wieder werden uns Flyer für Tanzshows in die Hände gedrückt. Wir lassen uns verführen und gönnen uns eine Show mit vorangehendem Dinner und Tangolektion. Die Tangolektion ist kurz, überfüllt und enthüllt uns nur wenig vom wahren Tangofeeling. Doch die anschliessende Show packt uns mit ihrem Tempo: Tangotänze jeglicher Couleur wechseln sich mit Tangosängern ab, Kostüme werden gewechselt, Bühnenbilder ab- und aufgebaut.. und dies alles musikalisch begleitet von einer Tangoband, die alleine es schon Wert gewesen wäre Eintritt zu bezahlen. Wir waren begeistert.

Und noch etwas gibt es in Buenos Aires, bzw. in ganz Argentinien en masse: FLEISCH.
Wir hatten einige gute, und nicht allzu touristische, Parillas (Grillrestaurants) empfohlen bekommen und wurden bald gute Gäste. Eine Parilla befand sich nur eine Strasse weiter von unserem Zimmer in einem roten Haus mit kleinem Patio unter freiem Himmel. Ohne Empfehlung wären wir wohl nie eingetreten, denn das Restaurant erschien immer leer (und die Erfahrung hat uns gelehrt, leere Restaurants zu meiden), doch das Risiko hat sich gelohnt. Im kleinen und gemütlichen Hinterhof wurde uns vorzügliches Fleisch serviert. Und wenn ich sage Fleisch, dann meine ich Fleisch. Die Portionen sind riesig. Nachdem wir bei unserem ersten Besuch in einer Parilla, naiv wie wir waren, noch eine Vorspeise und jeder für sich eine Beilage bestellt hatten, beschränkten wir uns schnell auf weniger. Was eigentlich immer noch zuviel ist. Und trotzdem kriegten wir nicht genug. Bife de chorizo, asado, ojo de bife, vacio, lomo, bife angosto con lomo, bife ancho... und vieles mehr liess uns das Wasser im Mund zusammen laufen. Das Fleisch ist zart und zergeht einem auf der Zunge. Und dies zu einem Preis,
bei dem sich jeder schweizer Metzger an den Kopf langen würde

An unserem letzten Tag in Buenos Aires war Fussball angesagt. Einmal wollten wir die Stimmung bei einem Fussballmatch in Argentinien erleben. Es spielten River Plate, einer der Stadtclubs, gegen Banfield, den aktuellen argentinischen Meister. Das Spiel fand im Stadion der River Plates statt. Allen Befürchtungen zum Trotz bekamen wir ohne weiteres noch Tickets, sogar Sitzplätze im Trockenen (denn endlich hatte es ein wenig geregnet).
Bei unserem Anflug von Rio Gallegos nach Buenos Aires sind wir über dieses riesige Stadion, es fasst rund 67'000 Personen, geflogen und sahen es noch im Dunkeln liegen. Nun sassen wir bei Tageslicht unten, während über unseren Köpfen die Flugzeuge hinweg donnerten. Obwohl, das Donnern konnte man nur erahnen. Umgeben von schwarz und rot/weiss gekleideter Fans, die unablässig und lautstark ihren Klub besangen und die gegnerische Manschaft, nicht weniger melodisch, verspotteten, war es schwierig irgendetwas anderes zu hören. Von unseren Plätzen hatten wir Blick auf einen Teil des Sektors der hartgesottenen Fans und Fanclubs. Diese standen dicht gedrängt auf den obersten Plätzen, inmitten von Transparenten und Bändern in den Clubfarben und ihr Gesang wurde noch durch ganze Garnisonen an Trommlern und Trompetern unterstützt.
Während des Spiels hatten wir keine Ahnung, wie lange schon gespielt wurde. Keine Anzeige weit und breit. Erst später fanden wir heraus, dass hinter unserem Rücken, jedoch ausserhalb unseres Sichtbereichs, eine angebracht gewesen wäre. Dafür konnten wir, mit einigem Köpferecken immer wieder einen Blick auf einen der Fernsehbildschirme werfen, die über unseren Köpfen hingen und die Partie live übertrugen. Ziemlich praktisch, wenn man abgelenkt vom ganzen Trubel im Stadion, ein Foul verpasst hatte. Denn das Geschehen rund um den Platz war genauso spannend wie jenes auf dem Platz.
Schlussendlich hat alles Singen nichts genützt; River Plate verlor 0:1. Und als die gegnerischen Fans das Stadion triumphiernd verlassen hatten, wurden auch wir ausgelassen. Die Stimmung nun etwas gedämpfter.

Unter schattenspendend Bäumen und auf den zahlreichen Plätzen sitzen und Kaffe trinken, Glaces schlecken, durch Quartiere schlendern, in kleinen Designerboutiquen stöbern... so schnell kann 1 Woche vorbei gehen. Hasta luego, Buenos Aires.


P.S. Wie könnte es auch anders sein. Wir hatten so sehr nach Münzen gesucht, dass wir bei unserer Ausreise viel zu viele übrig hatten.
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