Dabeljuh und die 4 Jahreszeiten

Trip Start Oct 20, 2009
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Trip End Feb 22, 2010


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Where I stayed
Campsite

Flag of Chile  , Patagonia,
Tuesday, January 12, 2010

Der Parque Nacional Torres del Paine liegt ca. 3 Fahrtsunden nördlich von Puerto Natales. Seinen Namen verdankt er drei turmähnlichen Bergspitzen, die schon vom Parkeingang her ins Auge stechen. Wenn man sie denn sehen kann... Patagonien ist berühmtberüchtigt für seine schnellen Wetterwechsel und starken Wind. Sonnenschein, Regen oder sogar Schnee könne sich im Stundentakt abwechseln. Sollten wir also die Torres vom Parkeingang her sehen können, wurde uns geraten, sofort auszusteigen und unsere Wanderung unmittelbar zu beginnen. Gesagt getan. Als wir zum Eingang gefahren kamen, waren die drei Spitzen tatsächlich sichtbar, wir verloren keine Zeit, schulterten unseren Rucksack und machten uns auf den Weg.

Torres del Paine wird jährlich von mehreren tausenden Touristen besucht und ist durch einige ausgeschilderte Wanderwege, die zu den Highlights führen, gut erschlossen. Besonders beliebt ist das "Doble V", eine Wanderung in W-Form, die auch wir machen wollten. Geplant waren 6 Tage und 5 Übernachtungen im Park. Die gute Sicht auf die Torres entschied, dass wir unsere Wanderung "rückwärts" machen würden.

Nach etwas mehr als 4 Stunden Fussmarsch erreichte unsere kleine Gruppe das erste Campamento für die Nacht. Wir waren mit Anita, Tobi, Barbara und Jean-Daniel, den Schweizern von der Fähre, aufbebrochen und unterwegs auf Maria und Harry gestossen. Nachdem wir in Sonnenschein losgelaufen waren, wurden wir auf einer Anhöhe erst von starken Windböen überrascht, worauf sich das Wetter immer mehr abkühlte. Als wir schliesslich das Zelt aufgestellt hatten und die letzten Höhenmeter zu den Füssen der Torres erklommen, schlug der Nieselregen in leichten Schneefall um… Patagonien hält was es verspricht. Trotz Wetterumschlag erreichten wir die Torres aber noch bevor sie von Wolken verdeckt wurden und wir konnten die imposanten Berge in voller Grösse bestaunen.

Der Weg zu unserem nächster Stopp auf dem “W” führte zum Campamento Cuernos, ans Ufer des Lago Nordenskjol. Gefrühstückt hatten wir noch bei leichtem Regen und mit erfrorenen Fingern, unterwegs drückte jedoch die Sonne durch und gab den Blick frei auf die tolle Landschaft. Wunderschön sind die intensiven Farben, besonders der zahlreichen Seen. Sie reichen von kaltem weissblau über türkis bis hin zu tiefem dunkelblau.

Cuernos war ein besonderes Abenteuer. Dass es in Patagonien immer windet ist bekannt. Doch so?! Nachdem die erste Nacht ziemlich kalt und feucht war, hatten wir uns auf eine weiter solche eingestellt. Doch der Wind der uns vom See her engegen wehte, oder besser gesagt stürmte, hatte eine Temperatur von 27 Grad Celsius. Die Böen waren teilweise so stark, dass sie einem ohne festen Stand von den Füssen fegten. Auf dem See tobten regelrechte Windhosen und wenn eine Wasserwand auf das Ufer zuraste, ging man besser in Deckung, wenn man nicht völlig durchnässt werden wollte. Die Wolken über unseren Köpfen bewegten sich in rasendem Tempo… wir machten uns auf das Schlimmste gefasst. Doch kein Regen fiel, nur der Sturm tobte und liess uns nicht schlafen. Als der Sturm auch gegen Morgen nicht nachliess, sondern eher zunahme und sich die Zeltstangen zeitweise bis auf unsere Köpfe runter durchbogen, fanden wir es an der Zeit aufzutstehen. Einige Zelte rund um uns herum waren bereits abgeräumt, andere waren verlassen und hingen zerfetzt in den Büschen. Gleich hinter uns riefen zwei Mädels um Hilfe. Sie versuchten verzweifelt ihr Zelt festzuhalten, während sämtlicher Inhalt in alle Windrichtungen weggeblasen wurde. Als eines ihrer Mätteli von einer starken Böe erwischt wurde, wurde es in Sekunden mehrer Hundert Meter in die Luft geschleudert und verschwand hinter dem nächsten Hügel.

Unser windfestes (juhui :-) Zelt abgebaut, machten wir uns wieder auf den Weg. Es sollte eigenlich eine kurze Etappe von 2 Stunden werden, doch der immer noch starke Wind zwang uns alle paar Meter buchstäblich in die Knie. Immer wieder hinter Büschen in Deckung gehend, warteten wir eines ums andere die starken Böen ab, nur um hinter den nächsten Busch zu huschen. Anders hätte es uns, mitsamt unseren schweren Rucksäcken, umgehauen. Einigen ist es passiert. Auch Sonnenbrillen wurden zuhauf von den Köpfen gerissen und säumen nun den Weg. Wer es nicht erlebt hat, kann sich diesen starken Wind gar nicht vorstellen.

Aber auch in Patagonien und am Torres del Paine verliess uns unser Wetterglück nicht. Den Wind buchen wir als besonderes Abenteuer. Und mit dem Regen in der darauffolgenden Nacht haben wir gerechnet. Ehrlich gesagt haben wir uns vor dem Trek nur auf Regen eingestellt. Doch als wir am nächsten Morgen nach 12 Stunden Schlaf auf dem Campamento Italiano erwachten (denn Wind macht müde und was bleibt einem anderes übrig als zu Schlafen, wenn es auf dem Campamento keinen Strom und kein anderes warmes Plätzchen als den Schlafsack gibt und es in Strömen regnet) weckte uns strahlender Sonnenschein. Das Valle Frances, das Mittelstück der W-Tour war dementsprechend ein Highlight. Denn angegebenen Aussichtspunkt haben wir zwar nicht gefunden, aber weit entfernt konnten wir nicht sein. Der Weg führt erst am überhängenden Gletscher Ventisquero vorbei, von dem sich nach dem nächtlichen Schneefall tosend mehrere Lawinen lösten. Schlussendlich gelangten wir in eine Art grösszügigen Talkessel, rundum umgeben von Bergen und stahlblauem Himmel. Imposant.

Das “W” führte uns weiter an den Lago Pehoé, wo wir wiederum unsere Zelte aufschlugen. Von hier aus sind es 3 Studen Fussmarsch zum Glaciar Grey, die wir am nächsten Tag in Angriff nahmen. Der Grey-Gletscher hat die imposanten Ausmasse von 30m Höhe, 6km Breite und 28km Länge und endet im Lago Grey. Eine Landzunge auf der gegenüberliegenden Seite reicht ziemlich nahe an das Eissfeld heran und lässt einem einen guten Blick darauf werfen. Doch uns wurden diese Masse erst richtig bewusst, als unter uns ein Touristenboot vorbei tuckerte und neben der weissen Gletscherwand winzig erschien. Auch hier auf der Landzunge wehte uns ein starker Wind entgegen, daneben fanden wir jedoch ein windstilles Plätzchen am Seeufer, wo die abgebrochenen Gletschermassen hingeschwemmt wurden. Ein Verwegener versuchte sich im Begehen von Eisschollen, doch er schien sich seiner Sache nicht ganz sicher, zog er sich doch bis auf die Unterhosen aus... für alle Fälle.

Der letzte Tag ist angebrochen. Eigentlich wäre das “W” mit dem Glaciar Grey komplett und wir hätten gemütlich die Fähre zum Parkausgang nehmen können. Harry und Maria entschieden sich für diese Variante, Teresa war nahe dran es ihnen gleich zu tun. Doch dann entschieden wir uns doch, das letzte Stück zu laufen. Es hat sich auf alle Fälle gelohnt. Das letzte Stück war mehrheitlich Flach und liess einen Blick auf das gesamte Torres- und Cuernos- Massiv zu, das wir in den letzten Tagen umrundet hatten. Quasi die Zusammenfassung von 6 wunderschönen Tagen. Ein gelungener Abschluss.
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