Uros und Taquile - zwei Inseln

Trip Start Oct 20, 2009
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Trip End Feb 22, 2010


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Where I stayed

Flag of Peru  ,
Sunday, November 15, 2009

Uros - die schwimmenden Schilfinseln. Wer hat nicht schon davon gehört? Fast niemand, scheint es, denn die Inseln werden von Touristen überrannt. Früh morgens legen wir im Hafen von Puno ab und erreichen tuckernd "unsere" Insel. Hinter uns folgen mindestens 20 weitere Boote, die ebenfalls je auf eine der Inseln zusteuern. Wir legen an und erhalten zuerst anschauliche und spannende Infos zu Bauweise und Unterhalt der Schilfflosse:

Das Fundament der Flösser bilden quadratische Erdblöcke, die unter Wasser ausgeschnitten werden. Darüber werden mehrere Schichten Schilf (tortora) gelegt, bis das ganze Gebilde schlussendlich über 6m Höhe erreicht. Mit Pflöcken, die ins Floss und in den Seegrund getrieben werden und mehreren Seilen mit bis zu einer Länge von 90m, werden die Flosse schliesslich vertäut. Unterwasser muss sich eine bizzare Landschaft abgeben.

Ursprünglich dienten die Schilfflössern den Uros als erfolgreichen Schutz vor den Inkas. Heute leben die meisten der Familien, die tatsächlich noch auf den Schilfinseln leben, vom Tourismus. Im Schilfdorf gibt es von einer Schule über ein Spital bis hin zu Übernachtungsmöglichkeiten alles zu finden. Trotzdem ziehen es viele der Uros vor, auf dem Festland zu wohnen. Einige unterhalten noch eine Insel als Einkommensquelle und fahren morgens hin und abends zurück. Die Urosgemeinschaft auf dem Festland wächst ständig.

Nach den Ausführungen zur Bauweise werden wir in die Häuser und zu den Sovenirständen geführt. Wir könnten uns in traditioneller Tracht ablichten lassen oder vom "Mirador" aus einen Blick auf das gesamten Schilfdorf werfen. Später rudert uns ein Wassertaxi aus Schilf (von den Uros nicht ohne Spott "Mercedes" genannt) auf eine weitere Insel. Unterwegs unterhalten uns die Kinder mit "Alle Vögel sind schon da" in Spanisch und verabschieden uns mit einem "Hasta la vista, baby"...

Nachdem wir Uros hinter uns gelassen haben, tuckern wir in gemählichem Tempo drei weitere Stunden über den Titicacasee. Hinter der Bucht von Puno erscheint unser nächstes Ziel am Horizont: die Insel Taquile. Im Gegensatz zu den Uros-Inseln ist Taquile eine natürliche Insel, aber auch sie wird jeden Tag während 2 Stunden von einer Horde Touristen besetzt. Taqulie mit seinen rund 4000 Bewohnern ist für die wunderschönen Strick- und Webwaren bekannt, diese wurden im Jahr 2006 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Aber noch aussergewöhnlicher als die Textilien ist wohl der Umstand, dass nicht die Frauen, nein, sondern die Männer Taquiles diese herstellen.

Auf einer Tagestour nach Taquile wird man auf den Hauptplatz und in das angrenzende Verkaufstzentrum der Webwaren geführt (die Einnahmen aus dem Verkauf der Textilien fliessen in die Gemeindekasse) anschliessend in ein Restaurant und nach nur knapp 2 Stunden geht es auch schon wieder zurück nach Puno. Wir beschlossen über Nacht zu bleiben und uns diese besondere Insel genauer anzusehen. Nachdem die Schiffe wieder abgelegt hatten und wir ziemlich die einzigen Touristen auf der Insel waren, kehrte auf Taquile wieder Ruhe und Alltag ein.

Fast... denn wie es der Zufall wollte war Sonntag und Wahltag dazu. Repräsentanten aus den 6 Inselteilen strömten auf dem Hauptplatz zusammen um ihren neuen Repräsentanten in Puno zu bestimmen. Aus gegebenem Anlass und zu unserer grossen Freude in den traditionellen Trachten: Die Männer mit ihren selbstgestrickten Mützen, die den Zivilstand oder die Stellung in der Politik des jeweilgen Trägers anzeigen und die Frauen mit ihren mehrschichtigen Röcken.* So sassen wir also am Rand des Dorfplatzes zwischen den Dorfbewohnern, tauschten Cocablätter zur Begrüssung und schauten dem bunten Treiben kauend zu.**



*Rote Mütze mit weisser Spitze bedeutet, dass derjenige noch ledig ist. Wird der Zipfel auf der Seite getragen hat der Glückliche seine Auserwählte schon gefunden, liegt der Zipfel hinten, ist er noch auf der Suche. Nur rote Mützen tragen die verheiraten Männer, wobei die Kappe von älteren und wichtige Persönlichkeiten durchwegs bunt ist. Ausserdem kann an der Mütze der Knaben das ungefähre Alter ablesen. Verheiratete und ledige Frauen erkennt man hingegen an der Farbe der Röcke. Ledige Frauen tragen helle Farben, verheiratete Frauen dunkle, wobei darunter mehrere Schichten leuchtend greller Unterröcke hervorlugen.

** Statt sich zur Begrüssung die Hand zu reichen, tauschen die Taquileños als Geste der Freundschaft Cocablätter aus. Diese tragen sie in einem bunten Beutel stets mit sich herum.
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