1,2 Mrd. Inder und ich mitten drin

Trip Start Jan 22, 2011
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Trip End Jul 24, 2011


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Flag of Oman  ,
Monday, April 18, 2011

Unsere Reise führte uns zuerst nach Cochin, der wirtschaftlichen Kraft des Bundesstaates Keralas. Da Indien heißumkämpftes Pflaster für die Europäer seit Ankunft Vasco da Gamas 1498 war, findet man hier Spuren portugiesischer, holländischer und britischer Kolonialherren. Über mehrere Inseln erstreckt sich Cochin, so befand sich unser Liegeplatz auf Willingdon Island, einer von den Briten künstlich erschaffenen Insel, die heute als Militärbasis sowie Hafen genutzt wird. Hier lag unsere kleine AIDAaura drei Tage im Hafen. Erster Tag war der Ausflugstag für die am darauffolgenden Tag abreisenden Gäste. Mit dem Boot, Tuk Tuk und Bus sowie zu Fuß ging es durch die Stadt. Der Bundesstaat Keralas gehört zu den Fortschrittlichsten Indien. Die Reiseleiter warteten mit fantastischem Englisch auf, so dass es für uns Scouts ein Leichtestes war zu übersetzen. Kein Indisch-Englisch (aber das sollte in Mangalore folgen) Nicht nur in die koloniale Geschichte des Landes tauchten wir ab, sondern auch in den Hinduismus und so kenne ich nun mittlerweile einige der Hauptgottheiten des Hinduismus und weiß auch wie der Gott Ganesha zu seinem Elefantenkopf kam. Meine Nacht an dem Tag war reichlich kurz, da ich mit zwei Kollegen ab 1Uhr die ab- sowie anreisenden Gäste am Flughafen betreute. Hierfür erhielten wir extra eine Aufenthaltsgenehmigung für die An- und Abflughalle des Flughafens. Leider, zählte die letzten Endes dann doch nichts mehr, da die Behörden im Flughafen es sich doch anders überlegt hatten. Bei Ankunft am Flughafen bot sich uns ein sensationelles Bild vor der Halle, hunderte von Indern warteten auf Bekannte, Freunde und Verwandte. Einige standen an den Absperrungen, wieder Andere schliefen. Auch wenn ich es gesehen habe, erscheint es mir heute schon wieder unrealistisch. Nachdem die Behörden uns einen Strich durch die Rechnung gemacht hatten bezüglich des rotierenden Check Ins „parkten" wir die ankommenden Gäste zwischen in einer Hotelanlage. Ich muss sagen, sie trugen es alle mit Fassung. Am dritten Tag in Cochin ging es für die Neuankömmlinge auf Ausflug, der harte Anreisetag lag vielen noch in den Knochen. Leider, konnte ich mir an dem Tag nicht die berühmten Backwaters (schmale Kanalsysteme im Hinterland) per Hausboot anschauen, aber das ist ein Grund wiederzukommen.

Am nächsten Morgen erreichten wir Mangalore im Bundesstaat Karnataka. Hier befindet sich eine der heiligsten Tempelanlagen der Hindus und die wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Mit viel Glück führte uns sogar ein Tempelwärter durch den Sri Krisna Tempel in Udupi. Höhepunkt der Führung war ein Blick in die Gemeinschaftsküche und den angeschlossenen Speisesaal täglich werden hier bis zu 2500 Schüler kostenlos verköstigt. Lange Bahnen, ähnlich einer Kegelbahn, und davon mehrere neben einander werden als „Tisch“ genutzt während die niedergelegenen Banden die „Stühle“ sind. Mit einem großen Gummischieber (wie zum reinigen von Fenstern) wird am Ende dann die „Kegelbahn“ von Essensresten befreit. Phänomenal, kann ich Euch sagen. In dem Tempel erfuhr ich auch einen der Gründe warum die Kuh in Indien heilig ist. Der Gott Krisna war zu Lebzeiten ein Viehtreiber und liebte Milchprodukte.

Auf der Rückfahrt vom Tempel stoppten wir noch in einer Cashewnuss-Fabrik. Indien ist einer der größten Cashewnuss-Exporteure der Welt. Die Cashewnuss-Ernte sowie Verarbeitung läuft heute immer noch größten Teils per Hand. Erntezeit für den Kaschuapfel, die Frucht an der die Nuss hängt ist im März bis Mai. In diesen drei Monaten müssen so viele Nüsse gesammelt werden, dass die Arbeit für die 9 Monate, in denen es keine Nüsse gibt, reicht. Aus dem Kaschuapfel wird ein hochprozentiger Likör gewonnen, den ich in Goa auch probieren durfte. Incredible India erwartete uns auch hier wieder mit einer Überraschung, die Röstmaschinen standen still als wir die Fabrik erreichten. Mittagspause. Nur die hunderte von Schälern arbeiteten weiterhin fleißig und das für gerade einmal 4 Dollar am Tag.

Nach dem vierten oder fünften Tag hatte ich dann auch den Dreh mit dem Kopfschütteln heraus. Denn Kopfschütteln in Indien bedeutet nicht nein, es bedeutet „ist okay“ bzw. „Zustimmung“. Erst energisches Kopfschütteln signalisiert ein Nein. Gott sei Dank kam ich durch Indien ohne große Missverständnisse mit den Reiseleitern.

Der Bundesstaat Goa, das Paradies der Hippies in den 1960ern, ist der kleinste der indischen Bundesstaaten und gehörte 451 Jahre zu Portugal. Besonderes Highlight an diesem Tag war der Besuch einer Gewürzplantage, wo ich erfuhr, dass der Pfeffer, der König der Gewürze ist und Kardamom, die Königin. Außerdem erklärte mein Reiseleiter noch die vielen verschiedenen medizinischen Verwendungen der Kräuter. Curryblätter die in Indien in die verschiedensten Curries hinzugegeben werden, sind z.B. gut zum Abnehmen. Zimtblätter helfen bei Mundgeruch, gelber Ingwer bei Verdauungsbeschwerden oder war es doch der Kardamom? Wie gewonnen, so zerronnen, so ist das meistens mit dem Wissen bei mir. Ich wünschte es würde alles hängen bleiben.

Krönender Abschluss unserer indischen Häfen war Mumbai. Die Stadt erhielt erst 1998 ihren ursprünglichen Namen Mumbai (benannt nach einer hinduistischen Göttin) wieder. Unter den Portugiesen hieß sie Bom Bahia (schöne Bucht) und die Briten machten daraus Bombay. Für die Einheimischen blieb sie jedoch immer Mumbai. 20 Millionen Einwohner zählt der Großraum Mumbai. Die Verkehrssituation ist der Wahnsinn. Mein vier Stunden Ausflug kam mit zwei Stunden Verspätung zurück zum Hafen. Generell kamen alle Halbtagesausflüge zwischen einer und drei Stunden zu spät an ihr Ziel zurück. Mumbai erwartet einen mit vielen wunderschönen kolonialen Bauten, von denen einige ihren Glanz leider schon verloren haben und wieder andere aufgrund ihres Prestiges für die Stadt instandgehalten werden, wie z.B. das Taj Mahal Hotel oder der Bahnhof Chhatrapati Shivaji (3Millionen Reisende pro Tag). 30 bis 50 Prozent der Einwohner Mumbais leben in Slums je weiter man das Zentrum verlässt desto mehr Armut begegnet einem. Die Regierung Mumbais versuchte bis vor einigen Jahren Herr der Lage so werden, da viele Landbewohner in die Stadt migrier(t)en und ihre Lager auf der Straße aufschlagen. Die Regierung bot diesen Familien Wohnungen an, nur leider rissen die Völkerwanderungen nicht ab und so stellte man diese Maßnahme ein. Das Faszinierendste an diesem Tag war der Chor Basar, ein Healermarkt. Sämtliche gestohlenen Geräte von Handys über PC-Monitore, Rohrzangen, Geschirr und Fahrrädern etc. wird hier Feilsch gegeben. Ich habe versucht von dem Spektakel Fotos zu machen, ein einziges Schieben durch die engen Gassen, aber nachdem mehrere Händler meine Kamera als ihre nächste Ware anscheinend anvisieren, steckte ich sie doch lieber wieder weg. Den wohl schlimmsten kulturellen Schock erhielt ich weder auf diesem Basar, noch auf dem lokalen Markt als verschiedenste kleine Hundewelpen in viel zu engen Käfigen zum Verkauf angeboten wurden. Der Schock kam als eine Neujahrsprozession der Tamilen auf den Straßen Mumbais passierten. Mit Karabinern durch die Rückenhaut zogen einige Menschen Autos, wieder andere hingen an Balkenkonstruktionen herunter. Eine Dame war von einem Gott besessen und rannte wild vorne weg. Die Tamilen glauben, dass durch dieses Leiden alle Probleme gelöst werden und das neue Jahr als Neuanfang startet. Da Indien noch viel mehr zu bieten hat, war dies sicher auch nicht meine letzte Reise hierher. Den Slogan der Tourismuskampagne Indiens „Incredible India“ hat das Land aufjedenfall zu Recht. Morgen sind wir in Salalah/Oman und darauf folgen sechs Seetage. Und danach erwartet uns das Mittelmeer mit 15 Grad Regen, aber bis dahin ist noch etwas Zeit. Vielleicht sollte ich mir dennoch den Windbreaker oder Anorak, der mir zusteht, abholen.

Nächtliche Grüße aus Kabine 3320

wünscht Stephie
Salalah hotels

Comments

Birgit und Peter on Apr 18, 2011 at 05:30PM

Hallo liebe Steffi,
das ist nicht nur ein sehr ausführlicher, sondern auch sehr interessanter Reisebericht aus Indien. Wir wünschen dir weiterhin eine schöne Reise.
Liebe Grüße von Birgit und Peter

Mama on Apr 23, 2011 at 01:53PM

hi maus wie immer schön deine berichte zu lesen kann mich birgit und peter nur anschließen.fahren nachher zu heike u micha ob sie wohl schon verheiratet sind lach bab mama

masc
masc on Apr 26, 2011 at 07:55AM

Hallo Stephie,
danke, zunächst mal ein schöner Bericht. Wir sind vergangenes Jahr nach 14 Tagen in Kochi ausgestiegen und dann nach Hause geflogen.

Demnächst geht es auf die Aura...

Hat die Verspätung, oder sollte sie heute (Die 26.4.11) nicht schon in Limasol sein anstatt in Haifa ?

Liebe Grüße bis demnächst

Manfred

stephietingelt
stephietingelt on Apr 27, 2011 at 12:14PM

Danke Ihr Lieben für Eure Kommentare. Bitte entschuldigt die Fehler, habe grad noch einmal drüber gelesen. Manchmal übersehen die Augen doch einiges bei Müdigkeit. :)

Mami, wie war es bei Heike und was hat es mit den Hochzeitsglocken aufsich.

Lieber Manfred, so so anscheinend findet man meinen Blog bei eifriger Suche. Gut zu wissen! Es gab eine kleine Routenänderung, aber keine Angst wir sind am 1.Mai in Antalya. Steigen Sie dann zu uns oder wann darf ich Sie an unserem Schalter erwarten? Freundliche Grüße, Ihr baldiger Scout, Stephie

masc
masc on Apr 27, 2011 at 12:47PM

Hallo Stephanie,

dann bin ich ja beruhigt, ja ich steige mit meiner Frau am 1.5.2011 in Antalya zu und hoffe es wird wie immer eine toller Urlaub. Bis demnächst ;-)

Manfred

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