Java und Bali, Deutscher Text

Trip Start Nov 05, 2008
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Trip End Dec 05, 2008


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Flag of Indonesia  , Bali,
Friday, June 26, 2009

Jakarta

Jakarta ist heiß und feucht. Bei meiner Ankunft gab es gleich ein Riesengewitter. Am Nachmittag regnet es manchmal für ein bis zwei Stunden. Aber bei 32 Grad ist das nicht weiter schlimm. Ich wohne für ca. 50 Euro pro Nacht im 17. Stock in einem schönen Hotel mit Swimmingpool und alle Räume und Einkaufszentren sind klimatisiert und trocken. Die alte koloniale Innenstadt ist schon recht heruntergekommen, aber man bekommt noch einen Eindruck, wie bescheiden es zuging, in Zeiten als die Holländer hier das Sagen hatten. Das ist lange her. Jakarta hat heute im Großraum 15 Millionen Einwohner und ist ein Riesenmoloch mit mehreren Geschäfts- und Einkaufszentren, alle mit glitzernden Hochhaustürmen und neuen Shopping Malls, jede davon größer als das größte Einkaufszentrum in Berlin. Dazwischen wuchert das normale Leben, von arm bis reich, vom Slum bis zum Mittelklassevorort. Leider ist der Verkehr ziemlich chaotisch, allüberall steckt man im Stau und wenn man falsch abbiegt kann man dank Mittelpollern auch auf normalen Strassen kilometerweit nirgends wenden. Stephan empfiehlt die Einführung von Kreisverkehr. Stadtplanung ist auch ein interessanter Beruf.

Mein netter einheimischer Führer ist Marketing Chef einer Amerikanischen Cafe-Kette, also trinke ich jeden Tag mehrmals Cafe mit ihm bei Starbucks. Dort sieht es aus und schmeckt auch genauso wie in Berlin. Der Segen der Globalisierung ist zugleich sein Fluch: Keine Unterschiede mehr in den Waren. Die wahren Unterschieden sind in den Köpfen der Leute. Gut wenn man jemanden hat, mit dem man darüber reden, und mit dem man sie entdecken kann.

Noch zwei Tage hier, dann geht es weiter mit dem Überlandbus in alte Handels- und Sultansstädte Javas, Richtung Bali.

Bandung nach Yogyakarta

Reisfelder, Palmen- und Bananenhaine, kleine Städte, schmale Flusse die voll sind mit dem braunen Wasser der Gewitter der letzten Nacht: Es ist allerhand los vor meinem Zugfenster, auf der achtstündigen Fahrt vom quirlig-dreckigen Bandung, mit seinem Hinterland von Bergketten, Tee- und Erdbeerplantagen, Vulkanen und heißen Quellen nach Yogyakarta, dem man nachsagt, das kulturelle Herz Javas zu sein.

Am eindrucksvollsten sind hier diese kunstvoll gestaffelten Reisterrassen, die in jedem Hügelland und bis hoch hinauf in die Berge auch noch den letzten Quadratmeter, der irgendwie zum Anbau genutzt werden kann, zum Teil eines landwirtschaftlichen Gesamtkunstwerks machen. Über hunderte von Kilometern zieht sich das an beiden Seiten der Bahnlinie entlang, die die holländischen Kolonialherren einst zurückgelassen haben, die hier aber besser gepflegt und in Schuss. gehalten wurde als vergleichbare Bahnen in vergleichbaren Ländern.

Jetzt zum Beginn der Regenzeit wird dort unter Wolken verhangenem Himmel auch bei den nachmittäglichen Regenschauern viel geackert und gepflanzt und überall sieht man Männer, Kinder und vor allem Frauen mit diesen konischen Bambushüten bei der Feldarbeit. Beim Zugfahren zeigt sich, mehr noch als von der Strasse aus, die idyllische Seite des Landlebens. Und manchmal wirkt das hier wirklich wie eine gigantische Parklandschaft.

Der Urwald ist längst abgeholzt, die vielen Millionenstädte auf diese 130-Millionen Insel mit ihrem stinkenden Verkehrschaos und den Umlandstrassen fressen sich immer weiter ins tropische Grün, aber das Gesamtbild ist auf seine ärmlich kultivierte Art doch irgendwie auch harmonisch und schön. Der Mensch setzt das Werk der Natur fort und vervollkommnet die Schöpfung, oder so. Diese Sichtweise ist für mich als Menschen auch ohne Religion zumindest nicht unplausibel.

90.000 Ruphias kostet die Fahrt über 400 km in der Business Class, das sind gut 6 Euro. Business ist in diesem Zug nur die zweite Klasse, aber ich mag weder die Klimaanlage in Executive Class, noch die getönten Scheiben. Für Kühlung bei den knapp 30 Grad sorgen Fahrtwind und Ventilatoren.

Ich sitze am Fenster und knipse in die vorbeihuschenden Landschaften, um mich herum ein buntes freundlich gleichgültiges Gemisch von Mitreisenden, überwiegend Frauen, die meisten davon mit dezent farbigen Kopftüchern. 80 % der Leute hier sind Muslime, 40 % davon "Fanatics", wie mein Fahrer gestern meinte, die nach Mekka pilgern und ihre Kinder auf islamische Schulen schicken. Der Staat scheint sich da aber rauszuhalten und ein entspannt säkulares Leben scheint auch für Muslims möglich und weiterhin der Regelfall..

Obwohl man fast keine Europäer und nur wenige Touristen sieht, werde ich als "Caucasian" hier weder bestaunt noch verfolgt, einfach freundlich in Ruhe gelassen, was das Reisen angenehm macht Das liegt aber wohl auch daran, dass die wenigsten der einfacheren Leute hier mehr als ein paar Brocken Englisch sprechen. Hier spricht jeder mindestens eine Regionalsprache, von denen es auf Java 4 gibt, dazu Bahsa Indonesia, ein Kunstprodukt des Nationalstaates seit 1950. Englisch können aber nur die gebildeteren Stände.



Zu Mittag gibt's ein Nasi Goreng, serviert vom freundlich schlurfenden Zugschaffner. Bei jeder Station steigen auch lokale Händler zu und verkaufen was die Ich-AG tragen kann, vom Kinderspielzeug bis zum Reisgericht im Palmblatt verschnürt. So komme ich zu meinem Nachtisch.

Endloser Halt zwischen Reisfeldern. Wir haben jetzt sicher eine Stunde Verspätung, aber das kommt bei Deutscher Bahn auch vor. Schön wenn man ohne Zeitdruck reist.

Yogyakarta und Surakarta

In den alten Sultansstädten Zentaljavas geht es schon deutlich geruhsamer zu als im hektischen Jakarta und in Bandung. Fahrrad-Rikschas und sogar Pferdekutschen sind noch durchaus gebräuchliche Verkehrsmittel und für den Touristen eine folkloristischere Variante der Fortbewegung als die Motorradtaxis oder normalen Taxis. Eine Fahrt kostet allerdings kaum weniger, 5 - 10.000 Rupiah (35 bis 70 Cent). Der Preis ist vorher auszuhandeln. Im touristischen Yogyakarta, Jogja genannt, wird noch auf den Touristenpreis verdoppelt und man muss runterhandeln, in Surakarta, Solo genannt, nennt man gleich den normalen Preis, vielleicht weil hier wirklich hunderte von Rikschafahrern auf der Sitzbank dösend auf zu wenige Kunden warten.

Jogja hat mehrere Universitäten und gilt als die netteste und lebenslustigste Stadt Javas, daher gibt es auch eine große Auswahl an Billighotels für die Rucksacktouristen. Meines bietet für 8 Euro pro Nacht sogar einen Swimmingpool in dem man Morgens und Abends abkühlen kann. Dennoch wohnen hier mit mir nur 3 weitere Gäste. Es ist einfach Nebensaison und Touristen sind rar, vor allem "Cauasians".

Der Sultan von Jogja hat sich 1945 frühzeitig auf die Seite der Republik geschlagen und wurde dafür mit Ministerposten, seinem Bild auf einer Banknote und dem Erhalt seines kleinen Reichs belohnt. Noch heute ist der Sultan hier automatisch Gouverneur der Provinz. Der aktuelle Amtsinhaber gilt als fähig und charismatisch und hat gerade angekündigt, bei den nächsten nationalen Präsidentenwahlen 2009 als Kandidat zur Verfügung zu stehen. Aber 'SBJ', wie der gegenwärtige Präsident kurz genannt wird, ist beliebt und angeblich, anders als fast alle anderen Politiker und Volksvertreter nicht korrupt. Auch er will zur Wiederwahl antreten. Es könnte also schwer werden für den Sultan.

Sein Palast hat eine Ansammlung großer offener Hallen, mit Steinfußböden und vergoldeten Schnitzereien an der Decke. In einem kleinen Museum wird Ahnenkult betrieben, Führung inklusive Der gesamte Hofstaat scheint weit über 70 zu sein. Viel interessanter ist der ehemalige Sommerpalast von 1756, den die Engländer 1810 zerschossen haben, der aber noch ein schönes Haremsbad, geheimnisvolle unterirdische Gänge und verzweigte Treppen aufweist.

Draußen tost derweil das bunte Leben. Auf riesigen Bazaren schiebt man sich durch zahllose Gassen, die voll sind mit kunstvoll handgefertigten Batik-Stoffen, poppigen T-Shirts, Buddha Statuen und dergleichen Memorabilia. Ich habe auch was eingekauft, Mitbringsel, denn für mich selbst brauche ich nichts, außer neuen Eindrücken.

Borobodur heißt ein riesiger kunstvoller Stufenhügel aus Stein, ein Weltwunder aus der Zeit als hier die Hauptstadt eines buddhistischen Reiches war, 40 km von Jogja entfernt, der unter Lavaasche und Urwald die letzten 1300 Jahre überdauert hat. Hunderte von Buddhas aus grauem Lavastein blicken von dort aus würdevoll immer noch über die umliegenden Täler und Bergketten. Ich habe den ganzen letzten Sonntag dort verbracht.

Viele Schul- und Jugendgruppen aus der Provinz waren auch dort unterwegs. Für die ist ein Caucasian eine solche Sensation, dass ich immer wieder sehr freundlich gebeten wurde, mich mit jemandem zum Gruppenportrait zusammenzustellen. Bei einigen Riesengruppen liefen die Kids dann dutzendweise kreischend zusammen und warfen sich in ihre eingeübten Gruppenfoto- Posen, so dass von mir nur ein klitzekleiner grinsender Kopf am hinteren Bildrand übrigblieb. Ich kann euch ein paar Bilder davon zeigen.

Pandagaran ist eine ähnliche Sensation nahe Jogja, eine Parkanlage mit wunderschönen hoch aufschießenden hinduistischen Tempeln aus dem 8. Jahrhundert, die auf meinen Fotos im Gegenlicht fast wie gotische Kathedralen aussehen.

Hinten auf dem Motorrad eines netten Bekannten ging's auch noch ans Meer, gut 20 km südlich von Jogja. Man sucht sich dort Fische auf dem Fischmarkt, bringt sie zu einer der Strandküchen, geht dann ein wenig spazieren und verzehrt auf Bambusmatten ein köstliches Mal aus Garnelen und frisch gegrilltem Fisch, schaf gewürzt mit gebratener Jackfruit und Reis. Den Durst stillt man mit dem Saft frisch geöffneter Kokosnüsse, deren dünnes weiches Fleisch zusammen mit einer saftigen Mango zu einem köstlichen Nachtisch taugt.

Anschließend habe ich wieder mal im warmen Wasser mein Body-Wellensurfen geübt, bewundert von den Einheimischen, die Angst haben vor der Königin des Meers, die hier manchmal ihre Opfer holt. Sie bildet den Gegenpart zum König der Berge, der für die zahlreichen Vulkane und Erdbeben zuständig ist. Viele Elemente der uralten Javanesischen Naturreligionen haben auch 1000 Jahre Hinduismus, 1000 Jahre Buddhismus und 500 Jahre Islam irgendwie überlebt und werden weiter praktiziert, gleich welcher Religion man angehört.

Motorräder machen hier ca. 60 % des Verkehrs aus. Man parkt sie wegen der Helme besser bei einer der zahlreichen Parkwachen, die für ein paar Cent aufpassen, dass nichts wegkommt. Die Parkwächter am Strand meinten, es gäbe am Abend dort ein 'Rtual'. Wir sind geblieben und haben ein Bier getrunken, auch um das Ende des üblichen Gewitterschauers abzuwarten. Zahlreiche Menschen waren am Strand, ein paar Feuer und viele Räucherstäbchen brannten im Sand, aber Aufregendes passiert ist auch zwei Stunden nach Sonnenuntergang nichts.

Semarang

Jetzt bin ich schon zwei Tage in Semarang, einer alten kolonialen Hafenstadt der Holländer mit heute 1.2 Mio. Einwohnern. Die protestantische Kirche und die zahlreichen alten Häuser sind im Prinzip recht hübsch, es gibt auch noch tolle Art Deco Straßenlaternen und sogar ein paar Gebäude im Bauhaus Stil, aber wie auch Teile der alten Chinesen- und Araberviertel ist alles in einem erbärmlichen Zustand, teilweise verlassen, dreckig und heruntergekommen, mit dreckigen Kanälen und Unrat überall. Leider ist das keine Ausnahme. Die Indonesier können sich mit den Filipinos um die Asienmeisterschaft streiten, in der Abteilung 'schlecht planen, mies bauen, schnell verrotten lassen'. Wohnte ich hier, würde ich sofort einen Denkmalschutzverein gründen, versuchen den alten Kern dieser quirligen Stadt sinnvoll wiederzubeleben und mit einem indonesischen Orden auf der Brust sterben.

Ich schreibe diese netten Bemerkungen schweißgebadet in einem Vorortbus, auf der Rückfahrt aus den Bergen, wo ich mit einem 'Couchsurf-Gastgeber' (vgl. Couchsurf.com) den Tag mit der Besichtigung alter Tempel und dem Baden in Pools mit warmen grünem Thermalwasser verbracht habe. Morgen geht es mit dem Zug weiter Richtung Bali, nach Surabaja.

Ubud, Bali

Ich sitze in Ubud, einem Kaff in den Bergen von Bali, bei einem großen Bintong Bier in eine Kneipe am Rande eines verschlammten Fußballfeldes, auf dem eine von Yamaha Motorcycles gesponserte Band vor 10.000 begeisterten Teenagern eine durchaus passable Mucke spielt. Das ist ein schöner Kontrast zu dem Lelong Abend vorher, mit seinem streng ritualisiertem balinesischem Tempeltanz voll rollender Augen und abgespreizter Finger, der in prächtigen Kostümen zu den glockenartigen Klängen eines balinesischen Gamelan Orchesters getanzt wird. Diese Musik klingt hier ganz anders als in Java, rhythmischer, schneller und heller.

Überhaupt ist das kleine Bali ganz anders als der riesige Rest von Indonesien. Bali ist hinduistisch geblieben, als in den letzten Jahrhunderten alle umliegenden Inseln nach und nach zum Islam konvertierten. Und über Generationen sind hinduistische Künstler und Intelektuelle hierhin geflohen, um der Anpassung zu entgehen. So ein Zufluss zahlt sich aus. Nirgendwo habe ich so zahllose Handwerks-, Kunst- und Antiquitätenläden gesehen, wie auf der Motorradfahrt hierher. An der letzten Ampel kam ich neben einem Kleinlaster zu stehen, der bis zum Rand vollgeladen war mit geschnitzten Holzenten.

Ubud ist das Kontrastprogramm zu Kuta, mit seinem Traumstrand und seinem Chaos aus unzähligen Hotels, Restaurants und Läden von billig bis superteuer, wo blonde Australier ohne Helm aber mit den Surfboard in der Halterung auf Motorrädern über die immer verstopfte Hauptstrasse knattern, Teenies in Karaoke Bars hemmungslos die Nacht durchgröhlen und zahllose Schwule aus allen Landesteilen dem Zwang ihrer Familien zu entgehen hoffen. Aber das Surfen dort in den gleichmäßig hereinrollenden lauwarmen Wasserbergen macht wirklich Spass. Da ich das Ende des Strandes am ersten Tag nicht erlaufen konnte, habe ich am zweiten ein klappriges Fahrrad gemietet und bin den Strand entlanggefahren. Nach knapp 20 km endet er in Canggu, im Norden von Kuta an einem hinduistischen Tempel, wie es hier so viele gibt, mit kleinen Türmchen und dämonischen Gestalten die die bösen Geister bannen sollen. Dahinter schließt sich eine Reihe kleiner Sandbuchten an, wo ich schöne Muscheln gefunden habe.

Plötzlich standen in der Abenddämmerung hunderte von Leuten am Strand, fast nur Erwachsene, die Männer mit weißem Sarong, weißen Jacken und weißem Stirnband, die Frauen mit weißen durchsichtigen Blusen über schwarzen Tops. Zwei motorisierte Auslegerboote wurden ins Wasser geschoben, kämpften sich durch die spritzenden Wellen weit hinaus, kamen zurück, und die Leute gingen nach Hause. Die Asche der Verstorbenen wird ins Meer verstreut, wie man mir sagte, immer unter der Anteilnahme der ganzen Familie und des halben Dorfes.

Es sind solche Erlebnisse und Orte wie Ubud, die Bali erst zu etwas Besonderem machen, auch wenn die meisten der Sonnen- und Surfurlauber davon kaum etwas mitbekommen. Natur ist schön, aber erst wenn in dieser Schönheit auch eine kulturelle Blüte entsteht, wird das Ganze einzigartig. Von daher rangieren Bali und Indonesien vom Erlebniswert für mich doch vor vielen anderen Ländern, wie Malaysia oder die Philippinen. Des Menschen Geist zieht uns hinan, in Ewigkeit.

Bali, Inselrundfahrt

Bali ist wirklich ein ganz besonderer Ort. Kuta ist ja schon mal ganz toll, mit seinem breiten weissen Strand und den schönen warmen Wellen, den vielen Geschäften und Kneipen, seinem zu schnell gewachsenen Chaos und dem vielfältigen Nachtleben, das ganz auf die Bedürfnisse gerade flügge gewordener Kids aus aller Welt zugeschnitten ist. Aber wenn man einen Weg findet, das alles hinter sich zu lassen und den großen Rest der Insel zu erkunden stellt man fest, dass Kuta sich zum richtigen Bali verhält wie eine Plastikblüte zu einem Strauss prachtvoller Rosen.

Wer's kann und sich was traut, sollte sich dafür ein Motorrad mieten. Für 40.000 Rupiah am Tag, ca. 3 Euro, bekam ich eine solide Yamaha mit gutem 125cc Motor. Das Nötigste für 3 Tage war schnell in meinen kleinen Rucksack gepackt und ab ging es durch den knatternden Verkehr, zur Inselerkundung. Näheres zur Route und den Schmerzen am Steiß nach mehr als 6 Stunden im Sattel unten auf Englisch.

Der Verkehr mag erst einmal erschreckend sein: alte Laster schleichen in der Mitte der Hauptstrassen und werden links und rechts überholt, Überholverbote werden überall missachtet, rote Ampeln dagegen oft respektiert. Anders als in Vietnam zählt aber nicht nur das Recht des Größeren, Schnelleren und Stärkeren. Jeder verfolgt mit gewisser Sturheit seinen Kurs, gibt aber nach, wenn es für einen anderen brenzlig zu werden droht. Damit kann man klarkommen, wenn man gute Nerven hat und sein Zweirad beherrscht. In 4 und Wochen habe ich hier keinen einzigen Unfall gesehen, in Vietnam waren es damals dagegen an jedem Tag mindestens zwei.

Die Insel ist von großer tropischer Schönheit, bietet wilde sanfte Küsten, liebliche wasserreiche Täler mit kunstvollen großen und kleinen Reisterrassen, Kleinstädte mit alten und neuen Tempeln, eindrucksvolle Berge mit heißen Quellen und Vulkanen die alle paar Jahrzehnte mal ausbrechen, unberührte Hochregionen unter Naturschutz, terrassierte Bergregionen wo Mais, Bananen und andere Früchte angebaut werden wo die Erdnüsse am Straßenrand zum Trocknen ausgebreitet liegen und so weiter und weiter.

Was die Sache aber erst ziemlich einzigartig macht ist die Spiritualität und hohe Religiosität der Leute die hier wohnen und die kulturelle Verdichtung. Überall sieht man Tempel und kleine Andachtstürmchen, überall kann man die Leute beim Beten und Opfern beobachten und ganze Dorfgemeinschaften bei der Vorbereitung eines Tempelfestes oder bei einer Prozession. Das alles läuft freundlich und still ab, wer beobachtet wird angelächelt und darf zusehen. Und das kulturelle Leben blüht, in Form von Kunsthandwerk und Design, Gamelanmusik und Maskentanz, Schattentheater und Malerei. Für den Besucher ist das alles ziemlich paradiesisch und dabei soo erschwinglich.

Aus Sicht der Einheimischen ist das Leben vielleicht nicht ganz so golden. Sie sind überwiegend eingebunden in eine noch ziemlich intakte dörfliche und religiöse Gemeinschaft in die sie sich einfügen müssen. Das schränkt ein, aber es gibt auch Sicherheit. Man hilft sich gegenseitig. Und manche Fragen nach einem erfüllten und glücklichen Leben stellen sich einfach gar nicht.

Wahyu zum Beispiel, Mitte zwanzig, mittlere Statur und freundliches breites Gesicht, zuständig für den Pool und den Garten und das Saubermachen in der nette Jogi Lodge im idyllischen Amed an der Nordostküste, mit dem ich beim Frühstück ins Gespräch komme: der einheimische Hotelbesitzer, der noch zwei weitere Hotels in der Gegend hat, zahlt ihm 200.000 Rupiah im Monat, ca. 13 Euro. Dafür muss er von 7 Uhr morgens bis 9 Uhr Abends in der Lodge anwesend sein. Urlaub gibt es nicht. Trotzdem ist er froh, dass er überhaupt einen Job hat. Er hat nur 9 Jahre die Schule besucht, bis zur Junior High School.. Zur High School 15 km entfernt hätte er mit dem Bus fahren müssen, dazu Schulbücher kaufen, Schulgeld zahlen und eine Schuluniform. Das kostet ca 1 Mio Rupiah im Schuljahr und die hatte sein Vater nicht, nicht für das 7. von 8 Kindern, ohne besonderes Talent zum Lernen. Englisch hat er sich selbst beigebracht, durch das Reden mit den Touristen. Fischer sein wie der Vater wollte er bald nicht mehr, es gibt zu viele Boote, manchmal fängt man gar nichts, und das Benzin wird immer teurer. Also ist er froh über den Job. Er hat vor einem Jahr geheiratet, die Frau haben seine Familie und er gemeinsam ausgesucht, Fischerstochter aus dem Dorf, weder hübsch noch nett. Er kratzt sich am Kopf. Vor einem Monat kam das erste Baby, ein Mädchen. Kaiserschnitt, das Krankenhaus hat 3,5 Mio. Rupiah gekostet, das Geld musste ihm ein Freund leihen. Seine Frau will keine weiteren Kinder, wegen der Schmerzen, er vielleicht noch ein zweites, später mal. Sie leben wie noch zwei weitere seiner Geschwistern weiterhin im Haus seiner Eltern, haben aber ein eigenes Zimmer. Er betet mindestens drei Mal am Tag, meist am Altar im Elternhaus, Mittwochs ist sein Tag für das Gebet im Dorftempel. In alle Gemeinschaftsfeste und Aktivitäten des Dorfes ist er eingebunden, muss dort mithelfen. Und sind nicht alle freundlich hier? Er lächelt. 'We believe in Kharma'. Jede gute Tat, jeder gute Gedanke wird belohnt, jede schlechte Sache führt zum Unglück oder zu Problemen. Manchmal muss man ein bisschen mehr beten. Vielleicht kann er mal zur Eco-Lodge wechseln, dem großen teuren und schönen Hotel im Ort. Der Deutsche Eigentümer dort zahlt etwas mehr und man muss dafür nur 8 Stunden am Tag arbeiten. Aber außerhalb der Hochsaison im Juli und August gibt es kaum noch Touristen.

Jede Sache hat auch hier ihre zwei Seiten. Die Kinder lachen mich an, bei der Weiterfahrt auf der kurvigen kleinen Küstenstrasse. Eine wunderschöne Sandbucht reiht sich an die andere. Alle sind restlos vollgepackt mit Fischerbooten, manche davon haben sogar noch Segel. Man sieht die Silhouetten der Nachbarinseln. Lombok mit seinem über 3800 Meter hohen Vulkan ist gut zu erkennen. Es soll sehr schön sein dort, viel unberührter noch als Bali. Aber man muss aufpassen da drüben, sagt mir der Besitzer der kleinen fahrbaren Suppenküche, wo ich Mittags eine scharf gewürzte Nudelsuppe esse. Die meisten dort sind Muslime, da wird mehr geklaut. Ich werde trotzdem hinfahren, bei der nächsten Reise.
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