Mumien am Fuße der Anden

Trip Start Oct 01, 2006
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Trip End Oct 21, 2007


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Flag of Argentina  , Northern Argentina,
Thursday, July 12, 2007

Auf dem Weg zum Busbahnhof in Buenos Aires konnte ich mich tatsaechlich mit dem Taxifahrer unterhalten. Das haette ich nie fuer moeglich gehalten! Der Bus nach Salta, das im Nordwesten Argentiniens gelegen war, hatte sichtlich eine schlechtere Qualitaet als der, mit dem wir nach Buenos Aires gekommen waren. Viele Argentinier tranken ihren Mate Tee, ein hyperaktives Kind hampelte auf dem Nebensitz herum, und die Lieblingsbeschaeftigung aller Insassen schien es zu sein, an kleinen Radios herumzudrehen, die hektisch herumquiekten, rauschten und dudelten. Wir bekamen ein eingeschweisstes Abendessen, und man konnte sich vorne im Bus mit Cola und Wasser aus Getraenkespendern bedienen, sodass der Boden in Windeseile zuerst schwamm und dann klebte. Es wurde so arschkalt im Bus, als wir ueber Nacht durch die Pampa fuhren, dass man noch nicht mal schlafen konnte. Die Landschaft war dieselbe, als wir losfuhren, und sie blieb dieselbe, bis kurz bevor wir in Salta ankamen. Es war ein kleines Staedtchen am Rande der Anden, mit kolonialer Architektur. Das Hostel war anscheinend ein umgebautes Hotel mit unfreundlichem Service. Unsere Buchung war gar nicht eingegangen, die versprochene Waescherei gab es auch nicht. Das Personal schickte uns mit all unseren dreckigen Klamotten zu einer anderen Waescherei. Als wir mit den Sachen wiederkamen, weil wir vor verschlossenen Toren standen, meinten sie: "Ja klar, die haben gerade Mittagspause". Wie unheimlich freundlich. Und wie praktisch, dass von 1 Uhr Mittags bis 5 Uhr abends alles geschlossen ist. Wir verbrachten den Rest des Tages mit Ticket-Buchen, um diesen unwirklichen Ort quer ueber die Anden zu verlassen, Lama-Muetzen- und Mate-Tee-Becher-Kaufen und Suedamerikanischen Backwaren. Am Fruehstueckstisch traf ich am naechsten Tag Franzosen, die ihren Leihwagen zerschrotet hatten, eine Deutsche Studentin aus Buenos Aires und zwei sehr nette da untypische Jungs aus Buenos Aires; alle zogen aber schon an dem Tag weiter. Um Salta herum kann man anscheinend sehr gut niedliche Doerfer und bunte Sandstein-Formationen besichtigen; interessierte mich aber nicht. Ich nahm Shelley ins Schlepptau, um die Sehenswuerdigkeiten Saltas zu sehen. Ziemlich viele Kirchen, und eine Gondelbahn, die auf einen Aussichtspunkt faehrt. War alles nicht so spannend; das ausgestopfte Lama hellte den Tag auf. Es sollte nicht der letzte haltbar gemachte tote Koerper sein, den wir an diesem Tag sahen. An den stinkenden Obstverkaeufern am See mit Schwanenbooten vorbei gingen wir zum Museum. Dort gab es Inka-Mumien, die in Vulkanen in den Anden gefunden worden waren. Es handelte sich um die Koerper von Kindern, die den Goettern geopfert worden waren, und die durch die Trockenheit und Kaelte recht gut konserviert worden waren. Besonders schoene Kinder oder Kinder von einflussreichen Personen wurden ausgewaehlt, sie mussten bestimmte Rituale durchfuehren, und ihnen wurden Miniaturen von Alltagsgegenstaenden mitgegeben. Das sollte gewaehrleisten, dass alles in der Welt der Inka seinen rechten Lauf ging. Eine ziemlich grausame Angelegenheit; es wurden sehr viele dieser Mumien gefunden. Nur eine Mumie war zu besichtigen; zu den anderen war der Zugang versperrt, da es eine heikle Diskussion ueber die Ethik dieser Ausstellung gibt. Von den anderen drei gab es nur Fotos und Filmmaterial. Die Inka waren ausserdem ein kriegerisches Volk, das andere weit entwickelte Zivilisationen in Suedamerika verdraengt hat. Hm, darueber laesst sich viel diskutieren; jedenfalls sind diese Funde von hoher archaeologischer und historischer Relevanz. Auf dem Rueckweg fanden wir ein Geschaeft, in dem es ausschliesslich Heiligenfiguren gab, und in denen es nach Weihrauch stank. Ich deckte mich mit Bildern der furchterregendsten Heiligen ein; Shelley kaufte den heiligen Christopher, den Beschuetzer der Reisenden (und hoffentlich auch der Backpacker). Die frommen Frauen waren sehr bemueht, uns alles moegliche ueber die Heiligen zu erzaehlen.Am Abend kehrten wir in eine Peņa ein, ein Restaurant, in der Live-Musik gespielt wurde. Alles ziemlich touristisch, aber trotzdem nett. Maenner mit weissen Anzuegen, schwarzen Stiefeln und roten Umhaengen, die Gitarren- und Trommelmusik spielten und lauthals dazu sangen. Ein netter Abend; wie konnte ich ahnen, dass die riesige Knoblauchpizza und der Alkohol sich am naechsten Tag raechen wuerden?In aller Herrgottsfruehe ging es am naechsten Morgen aus den Federn, um den Bus nach San Pedro de Atacama in Nordchile nicht zu verpassen. Die Landschaft auf der Busreise war unbeschreiblich schoen. Zuerst fuhren wir an bunten Sandfelsen vorbei, die man anscheinend von Salta aus besichtigen kann. Dann kamen viele Felsen mit Kakteen, zwischen denen sich das eine oder andere Eselchen tummelte. Die Berge wurden hoeher und hoeher, und wir schienen uns auf einem Anden-Hochplateau zu befinden. Wir durchquerten eine kleine Salzwueste. An der Argentinischen Emigration stiegen wir aus. Jede kleinste Bewegung schien unendlich anstrengend zu sein. In meinem Reisefuehrer schlug ich nach: "Die Hoehenkrankheit. Tritt ein bei Aufstieg von mehr als 2500 m pro Tag, bedingt durch Sauerstoffmangel. Tritt in leichten Formen als Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Benommenheit und Uebelkeit auf. In schweren Faellen kommt es zu Wasseransammlungen in der Lunge bis hin zum lebensbedrohlichen Lungenoedem. Bei schwersten Faellen kommt es zu Wasseransammlungen im Gehirn, die zum Tode fuehren". Na Super, da weiss ich ja, was mich erwartet. Der folgende Abschnitt der Strecke war auch sehr schoen, wir passierten gelbgruene Graslandschaften mit kleinen Seen, Lamas und Bergen. Dann verschwand die Vegetation vollkommen, und wir fuhren zwischen schneebedeckten Vulkanen entlang. Ich war hundemuede und schlief, aber jedes Mal, wenn ich aufwachte, hatte ich das Gefuehl, zu ersticken. Ein schrecklicher Kopfschmerz setzte sich fest. Als wir endlich in San Pedro de Atacama in Chile ankamen, mussten wir uns noch durch den Zoll quaelen. San Pedro liegt immerhin noch in 2500 m Hoehe, aber der Pass ueber die Anden muss ueber 4000 m hoch gewesen sein. Wir fanden gleich ein nettes Hostel und schliefen uns erst einmal aus, um uns zu akklimatisieren!      
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