Opernhaus-Kacheln und Flughunde in Karanthänezone

Trip Start Oct 01, 2006
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Trip End Oct 21, 2007


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Where I stayed

Flag of Australia  , New South Wales,
Thursday, April 5, 2007

Im Uebernacht-Jet-Airways-Flieger von Denpasar nach Sydney gab es mal wieder kein
Abendbrot und kein zu Trinken. Zum Glueck hatte ich mir noch vorm Abflug "Mie
Goreng", Indonesische Bratnudeln, reingezogen. Am Flughafen hatten die ganzen
Australier ihre Surfbretter eingechekt; sie sind doch eine ganz eigene Sorte
von Menschen. Im Flieger wurde erstmal die Klimaanlage ordentlich aufgedreht,
und die Decken kosteten was. Ist ja auch ne gute Geschaeftsidee, aber zum
Glueck war meine Decke im Round The World Ticket mit drin. Ich statte mich mit
Augenbinde und Ohrenstoepseln aus und wachte auch erst auf, als mich meine
Platznachbarin kurz vor dem Anflug auf Sydney bekletterte, um das Klo
aufzusuchen. Wir bekamen Kaertchen in die Hand gedrueckt, die wir
wahrheitsgemaess ausfuellen sollten; Falschaussage war strafbar. “Haben Sie
Drogen im Gepaeck? Fuehren Sie Lebensmittel mit sich? Haben sie sich im
vergangenen Monat in laendlichen Regionen oder in der Naehe von Bauernhoftieren
aufgehalten? Fuehren Sie Tierprodukte wie Wolle oder Leder, oder Holz mit sich?
Fuehren Sie lebende Tiere mit sich? Fuehren Sie Schuhe mit sich, an denen
Schlamm und Gras haften?” Oh oh, was sollte ich da bloss antworten? Hat nicht
jeder irgendwas aus Holz oder Wolle dabei? Ich kreuzte einfach ueberall “Nein”
an, um nicht in Schwierigkeiten zu geraten. Bis auf die Drogen, Lebensmittel
und lebende Tiere traf eigentlich alles in gewisser Weise zu. In Suedostasien
laufen doch die Huehner ueberall um einen rum, und was war mit meinen Nepalesischen Yak-Wollsocken und meinen Trekkingschuhen? Total uebermuedet schnappte ich mir mein Gepaeck vom Flughafen-Fliessband und machte mich gen Ausgang. Zwei in Uniformen gekleidete junge Herren traten an mich heran. ”Guten Morgen, junge Dame. Haben Sie ein Zelt in ihrem Rucksack? Und was ist denn in dieser seltsamen Papproehre drin?” ”Aeeeeh, nein, ich habe kein Zelt. Und das ist mein Musikinstrument. Es ist eine Geige.”, stammelte
ich. “Und haben Sie diese Geige auch auf Ihrem Zettel angegeben? Zeigen Sie mir
doch mal ihren Zettel!” sagte einer der Beamten mit strengem Blick. Der andere
wollte es eigentlich durchgehen lassen, aber der Strenge bestand darauf. ”Es
tut mir unheimlich leid!”, rief ich, ”Ich dachte, es waere als Musikinstrument
definiert und nicht als Holzartikel!” ”Haben sie das Instrument selber gebastelt?”, fragte der strenge Beamte – eine frage, die ich sehr haeufig hoere. ”Aeeh, nein, aber es wurde fuer mich gebaut”, stotterte ich; ich wollte nicht noch mehr luegen. ”Oho, Bambus! Und wo, sagten Sie, kommen Sie gerade her? Aus Bali? Der andere Herr wird Ihnen jetzt erklaeren, was auf Sie zukommen wird”, sagte er und ging weg. Ich spuerte, wie mir das Blut in den Kopf stieg:
Jetzt war ich dran! ”Gehen Sie jetzt durch die Schranke fuer die Leute, die Holz
angegeben haben, und sagen Sie, dass Sie Ihre Karte versehentlich falsch
ausgefuellt haben. Dann wird man Ihr Instrument untersuchen auf eingeschleppte
Parasiten. Und viel Spass in Australien!”, sagte der nettere Beamte zu mir.
Uff, Glueck gehabt. Eine Beamtin nahm sich also meine geliebte Raounta unter
die Lupe. “Ja, auch das rohe Leder ist wichtig fuer uns, da sich darin
Parasiten befinden koennen”, meinte sie. Sie fuhr mit ihren Fingern behutsam
ueber alle Oberflaechen. Zum Glueck habe ich ihr nicht gesagt, dass die Saiten
aus Pferdehaaren sind; dann waere sie wahrscheinlich in Ohnmacht gefallen!
”Haben Sie auch Trekkingschuhe dabei?”, fragte sie. ”Ja, in meinem Rucksack.
Ich habe sie extra vorher noch abgebuerstet, aber vielleicht sind sie noch ein
bisschen staubig”, log ich. Ich musste an meinen Onkel Steffen denken, der der
Beamtin in Australien damals ueber die Stiefel, mit denen er vorher im
Leinebecken spaziert war, versichert hat : ”They are Nagel-New!”; ein echter
Klassiker. Und auch an meinen Bruder mit seinem Zippo-Feuerzeug und
Nachfuellbenzin im Fluggepaeck............ ”Das haben Sie sehr gut gemacht! Und
Staub interessiert uns nicht. Sie koennen weitergehen! Und was fuer eine
Adresse haben Sie hier angegeben? Asyl Sydney, ist das ein Krankenhaus?”,
wunderte sich die Beamtin. ”Nein, das ist ein Backpacker-Hostel....”, lachte
ich. ”Bitte nehmen Sie diesen Nebenausgang”, wies sie mich an, um weiteren
Stress zu vermeiden. Ein junger Brasilianer mit Dreadlocks und
Chauffeur-Uniform fuhr mich, in Begleitung von drei brasilianischen
Studentinnen, zu meinem Hostel. Ich wollte unbedingt in dieses bestimmte
Hostel, denn ich hatte davon im Internet gelesen. ”Warnung: Komme nicht in
dieses Hostel, wenn Du steril, humorlos und nicht ein bisschen verrueckt
bist!”, wurde angepriesen. Zuerst war es etwas schwierig, ohne Buchung aufgenommen zu werden, aber dann klappte es doch, und das Leben im Hostel machte viel Spaß. Wir machten einen gemeinsamen Streifzug durch die Pubs, der Hollaender Kasper versorgte mich mit extra-altem Gouda, Lakritze und Sirupwaffeln, und ich bekam noch eine Stadtfuehrung. Als ich zum ersten Mal das Opernhaus sah, hatte ich zum ersten Mal einen leichten Verdacht, in Australien zu sein. Es dauert immer einige Zeit, bis man das Gefuehl hat, in einem Land
auch wirklich angekommen zu sein. Ich war wirklich geruehrt, als ich es
erblickte - es hat doch in Europa einen sehr starken symbolischen Wert. Als ich
dichter dran war, habe ich gesehen, dass es aus Fliesen besteht, so wie ein
Toilettenfussboden. Aus der Traum. Die Form hat es angeblich wegen der Akustik.
Im Botanischen Garten schlafen tagsueber hunderte von Flughunden, die ich mir
ansah. Eines der possierlichen Tierchen versah mich gleich mit einer goldenen
Dusche. Eine Fahrt mit der Faehre offenbarte wunderbare Ausblicke auf das
Opernhaus, die Bruecke und die Hochhaeuser.Meinen alten Bekannten Krishnakumar,
den ich in Newcastle kennengelernt habe, habe ich in Sydney auch getroffen. Ich
hatte in Indien schon seine nette Freundin Pavitra getroffen und war von seiner
Familie herzlich in Empfang genommen und bekocht worden. Er arbeitet in Sydney
seit 6 Monaten fuer eine Softwarefirma und lebt in einem atemberaubenden
Appartement in einem Hochhaus im Business District von Sydney. Ich hatte schon
seit 6 Monaten nicht mehr gekocht, und konnte es gar nicht erwarten, seine
Kueche zu verunstalten. So verbrachten wir einen netten Abend mit Kuerbissuppe
und Ofengemuese. Das war Plan B, denn die Polenta war im Supermarkt
ausverkauft. Die Mitbewohner von Krishnakumar waren auch sehr nett, und wir
schwaermten ueber die Zeiten im guten alten Newcastle.Am naechsten Tag flog ich
mitten ins Outback, nach Alice Springs.
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