Hit the Road Jack

Trip Start Sep 20, 2011
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Trip End Jul 07, 2012


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Flag of Nicaragua  ,
Wednesday, November 2, 2011

„Willkommen im gelobten Land!" So fühlten wir uns nach Honduras in Nicaragua tatsächlich. Unsere erste Station, die in einem Hochtal gelegene ländliche Stadt Esteli, wird von äusserst freundlichen, interessierten und hilfsbereiten Menschen bewohnt. Esteli selbst ist nichts Besonderes, jedoch die wunderschön grüne und unverbaute Natur um Esteli herum. Unter anderem wird in diesem Hochtal auch Tabak angepflanzt und so besichtigten wir als erstes eine Zigarrenfabrik. Die Tabakblätter werden auf Paletten angeliefert, mehrere Wochen getrocknet, für die Verarbeitung befeuchtet, flinke Frauenhände separieren den dicken Mittelstrang des Blattes, und andere flinke Hände rollen schliesslich die Blätter mithilfe einer Art „Sushi-Maschine“ in runde Stengel. Ein Deckblatt rundherum und fertig ist die Zigarre! Die Angestellten arbeiteten wirklich zügig, sie werden auch pro Stück bzw. pro Zigarre bezahlt. Trotzdem hatten sie immer Zeit für einen Schwatz mit uns oder einen Spass mit Jack, einem pensionierten Kanadier auf der Suche nach einem lauschigen Plätzchen für seinen Lebensabend, mit dem wir noch den einen oder anderen lustigen Abend verbringen sollten. Die degustierten Zigarren schmeckten dann so gut, dass wir beim unschlagbaren Preis-Leistungsverhältnis von USD 1 pro Zigarre einige Stück kauften. Am Nachmittag wanderten wir ins Reserva Natural Cerro Tisey-Estanzuela zu einem 36m hohen Wasserfall, der uns Abkühlung verschaffte. Der Weg war anstrengend, so waren wir froh, dass uns sowohl auf dem Hin- als auch dem Rückweg Locals auf ihren Pick-up's mitnahmen. Am nächsten Tag gings tiefer in das Tisey-Reservat hinein zum Bergdorf La Garnacha. Kurze Wanderungen wurden mit tollen Ausblicken auf die scheinbar unberührte Natur und Vulkane belohnt. Der eigentliche Höhepunkt war für uns Schweizer aber die Besichtigung der Käserei in La Garnacha. Sie stellen dort tatsächlich Tilcit, sprich Tilsiter, her! Ein Schweizer hat das denen beigebracht und so produzieren sie nun in Nicaragua täglich ca. 10 kg Tilsiter. Der örtliche Pfarrer, Don Patricio aus Italien, der übrigens in Fribourg gelehrt hatte, organisierte für uns kurzerhand eine Besichtigung dieses Käse-KMU. Überglücklich verliessen wir La Garnacha mit einem Pfund Tilsiter im Gepäck und wanderten sogleich zur nächsten Attraktion, der Galeria del Arte El Jalacate. Diesen Ort hätten wir alleine nie gefunden, aber zwei junge Mädels die Ökotourismus an der Uni in Esteli studieren und auf den Bus warteten (ja, in abgelegenen Orten Nicaraguas kommt es schon vor, dass man einen Nachmittag lang auf den Bus wartet) schlossen sich uns spontan an und führten uns zu Don Alberto. Don Alberto ist ein lokaler Künstler, mittlerweile in den Siebziegern. Über 40 Jahre lang hat Don Alberto in seinem riesigen Landschaftsgarten Figuren, Symbole, Tiere und Landschaftsbilder in eine 40m hohe Felswand geritzt und gehauen. Nachdem man ehrfürchtig all die Unterschriften der Leute aus der ganzen Welt begutachtet hat, die Don Alberto stolz präsentiert, taucht man mit ihm in sein Reich ein und begibt sich auf eine Reise in Don Alberto's ganz eigene Welt. Anekdoten, gebetsartige Litaneien und frisch gepflücktes Obst versüssten die Führung durch diese Fantasiewelt. Abschluss und i-Tüpfelchen dieses Tages im Tisey-Rerservat war nach kurzer Wanderung die Aussicht vom Mirador Segoviano. Ein Panoramarundblick auf Dutzende Vulkane, Seen und Sicht bis nach El Salvador und auf den Pazifik.

Gemeinsam mit Jack nahmen wir die kurzweilige Minibusfahrt nach Leon unter die Räder. Wir entschieden uns für eine ruhig, gediegene Unterkunft mit Gartenanlage und Pool am Rande der Stadt, da Wahlwochenende war. Bei den letzten Präsidentenwahlen im 2008 gab es in manchen Städten einigen Radau, worauf wir keinen Bock hatten. Daniel Ortega, Freund von Chavez und bis vor ein paar Monaten auch von Gaddhafi, hatte extra die Verfassung abgeändert, damit er ein zweites Mal gewählt werden konnte. Dies taten die Bürger von Nicaragua denn auch (oder auch nicht). Wie auch immer, jedermann sagte uns schon vor dem Wahlwochenende, dass der Sieger feststeht und die Wahlen grundsätzlich gar nicht stattfinden müssten. Die Studentin, welche wir im Tisey-Reservat getroffen hatte, erzählte uns, dass sie gar keinen Stimmausweis hat, nirgends registriert sei und somit auch nicht stimmt könne. Bei den Ämtern wird man mit einem solchen Problem anscheinend von Pontius zu Pilatus geschickt und es sei für gewisse Leute fast unmöglich einen Stimmausweis zu erlangen. So besichtigten wir Leon’s etwas „abgefackte“ (ein Franzose nannte es „authentische“) Innenstadt am Samstag. Den Wahlsonntag und den Montag mit der Bekanntgabe der Ergebnisse liessen wir es uns richtig gutgehen und chillten in unserer Oase der Ruhe: www.hostalmariposa.com Dort konnte uns auch das ley seca (kein Alkoholausschank während den Wahlen) nichts anhaben, da uns die Franzosen, die das Hotel führten, noch so gerne ein Bierchen verkauften. Wobei auch in der Stadt musste man nicht vollständig auf Alkohol verzichten, in vielen Bars wurde café special serviert: Bier in einer Kaffeetasse. Jack, der mitten im Geschehen sein wollte und deswegen in der Altstadt hauste, war neidisch auf unseren tollen Hotelpool und das Bier. Mangels Unterhaltung in der Stadt besuchte er uns in der Oase.
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