Kanutour auf dem Melozi River

Trip Start Dec 01, 1998
1
3
Trip End Jun 30, 1999


Loading Map
Map Options
Show trip route
Hide lines
shadow

Flag of United States  , Alaska
Friday, May 14, 1999

Irgendwann während des langen Winters wurde die Idee für eine weitere Kanutour auf einem abgelegenen Flüsschen geboren, und so machten wir uns bald daran, Karten zu studieren und von Einheimischen Informationen und Meinungen einzuholen. Informationen waren zumindest über den oberen Teil des Flusses kaum brauchbare zu finden, nur einige ältere Indianer erinnerten sich noch vage, wie ihre Väter früher gelegentlich dort draussen Biber gejagt hatten. Über den Unterlauf und seine Stromschnellen konnte uns der lokale Pilot immerhin recht detaillierte Angaben machen, da er schon einige Male Leute mit Rafts auf diesem Fluss abgesetzt hatte.
Dafür bekamen wir umso mehr verschiedene Meinungen betreffend der Machbarkeit unseres Vorhabens zu hören, die natürlich alles von 'unmöglich' bis hin zu 'no problem' einschlossen. Besonders die Wanderung zum geplanten Startpunkt schien ein grösseres Problem darzustellen, wenn nicht die grösste Schwierigkeit überhaupt. Ungefähr 100 km weglose und nasse Tundra standen uns bevor, mit einigen grösseren Wasserläufen dazwischen und teilweise sicherlich auch noch Stellen mit Altschnee vom Winter.

Schon während des Winters erstanden wir im Dorf ein Kanu, und zogen dieses relativ mühelos hinter dem Schlitten her zum Slokenjikh Creek hinaus, von wo aus wir die Tour zum Melozi River hinunter und weiter bis zur Mündung in den Yukon beginnen wollten. Zusammen mit einem grossen Sack voll Essen wurde dieses dort hoch in die Luft gehängt, denn so langsam würden die Bären aus ihrem Schlaf erwachen und bestimmt einen enormen Appetit mitbringen.

Nun standen wir also wieder auf dem Hügel ausserhalb des Dorfes, wo die Strasse endete und in den Schlittentrail zum Tozi hinaus überging. Tom, ein Freund aus Tanana, hatte uns noch dort hinauf gefahren und wünschte uns nun zum Abschied alles Gute, als wir uns mit schwer beladenen Rucksäcken auf den Weg machten.
Bald gerieten wir immer öfter in grosse Schneefelder und sanken oft hüfttief in der weichen Masse ein. Wie viel einfacher doch das Vorwärtskommen mit Hunden und Schlitten gewesen war!
Nach drei langen Tagen erreichten wir schliesslich Toms Blockhütte, die sich weiter flussabwärts ebenfalls am Tozi befand. Er hatte uns erlaubt, in seiner Hütte zu wohnen, während wir warten wollten bis das Eis auf dem Fluss aufbricht. Dies sollte ein riesiges Spektakel sein, wenn sich der meterdicke Eispanzer in Form von tonnenschweren Eisbrocken verabschiedet. Zumindest meistens, leider aber nicht diesen Frühling. Nachdem wir ganze drei Wochen in jener Hütte ausgeharrt hatten, verabschiedete sich das Eis nach und nach völlig unspektakulär. Der Frühling hatte einfach zu zögerlich eingesetzt, als dass der gesamte Fluss auf einen Schlag aufgebrochen wäre.
So machten wir uns einigermassen enttäuscht wieder auf den Weg und wanderten weitere drei Tage durch endlos erscheinende Tundraebenen.
Zu unserer grossen Erleichterung hing das Boot und die Vorräte noch immer sicher in den Bäumen und war bald startklar gemacht. Das vorerst noch winzige Flüsschen präsentierte sich enorm abwechslungsreich und spannend. Hinter fast jeder der unzähligen Biegungen erwartete uns eine neue Überraschung: Elchkühe mit ihrem Neugeborenen, von denen uns eine fast attakierte, Scharen von Bibern, Gänsen und anderen Wasservögeln, und einige Male auch Hindernisse wie eine Barrikade aus Eisplatten oder umgestürzte Tannen quer über den Bach.

Dank der grossen Mengen Schmelzwasser war die Strömung recht kräftig und so erreichten wir schon nach wenigen Tagen den Melozi River, wo das Tempo spürbar abnahm. Besonders aber die unzähligen Windungen des stark mäandrierenden Flusses liessen uns manchmal glauben, wir bewegten uns kaum vom Fleck. Irgendwie wollten die Berge in der Ferne einfach nicht näherkommen... Eigentlich störte uns das aber wenig, da wir gerne möglichst viel Zeit an diesem einsamen Fluss verbringen wollten. Bald mussten wir aber feststellen, dass wir uns beim Packen der Vorräte ziemlich verschätzt hatten und das Essen daher niemals für die vorgesehene Zeit reichen würde. Um die Tour deswegen nicht abkürzen zu müssen, setzten wir erst einmal auf 'Gänse-Diät', denn diese Tiere waren gerade auf dem Rückweg aus ihren Winterdestinationen und daher sehr zahlreich auf den Sandbänken entlang des Flusses versammelt. Endlich einmal waren wir richtig froh um das mitgeschleppte Kleinkalibergewehr und unsere Vorräte wurden so erfolgreich gestreckt.

Schliesslich erreichten wir jene Biegung des Flusses, die auf die wir schon länger gewartet hatten. Auf der Karte hatten wir eine heisse Quelle etwa einen Tagesmarsch abseits des Flusses verzeichnet gefunden. Zudem waren da noch ein paar Hütten eigetragen und auch in Tanana hatten uns schon ein paar Leute über diesen verlassenen Ort Auskunft gegeben. Zuerst mussten wir aber noch einen Tag Pause einlegen, da ich seit einiger Zeit krank war und mich vor der bevorstehenden Wanderung noch ein wenig erholen musste.
Als wir schliesslich den Ort mit den heissen Quellen erreichten, staunten wir nicht schlecht, als wir dort ein noch komplett eingerichtetes, jedoch schon seit vielen Jahren verlassenes Ferienresort vorfanden. Immer noch überwältigt von dem unerwarteten Luxus verlängerten wir unseren Aufenthalt dort gleich um ein paar Tage, zumal sich in der Küche sogar noch halbwegs geniessbares Essen fand, der Bach nebenan reichlich Fische hergab und besonders natürlich die stundenlangen Bäder im heissen Wasser nach dem wochenlangen feucht-kühlen Frühlingswetter mehr als willkommen waren.

Porentief sauber und halb aufgeweicht verliessen wir schliesslich den einladenden Ort und wanderten an den Melozi zurück. Dort erwartete uns nach kurzer Fahrt das grösste Hindernis unserer Tour, nämlich eine Folge von zwei grösseren Stromschnellen am Eingang zu einem längeren Canyon. Die Stromschnellen bei diesem Wasserstand zu befahren wäre gelinde ausgedrückt ziemlich leichtsinnig gewesen, und so trugen wir das Kanu und die gesamte Ausrüstung einen knappen Kilometer weit durch Wald und dichtes Gebüsch. Nach dieser Schinderei wasserten wir das Boot schliesslich wieder und freuten uns auf den bevorstehenden Flussabschnitt mit schnellem Wasser, zahlreichen kleineren Schnellen und einer gelegentlichen kalten Dusche. Gegen Ende des Canyons bauten wir am steinigen Flussufer ein eher ungemütliches Camp im anhaltenden Nieselregen auf, um dort die letzte Nacht unserer Tour zu verbringen.
Nach einigen weiteren Stunden Paddeln am nächsten Tag im nun wieder träge dahinfliessenden Fluss erreichten wir dann überraschend die Mündung in den Yukon. Obwohl wir diesen Strom schon von früher kannten, erschien er uns nach so langer Zeit auf einem kleineren Fluss nun doppelt so gewaltig, und so machten wir uns aufs Neue beeindruckt von seiner Grösse an die Überquerung dieser graubraunen Wassermasse, um am gegenüberliegenden Ufer schliesslich unser Ziel, das kleine Indianerdorf Ruby zu erreichen.
Slideshow Report as Spam

Use this image in your site

Copy and paste this html: