Ankunft in Tanana

Trip Start Dec 01, 1998
1
3
Trip End Jun 30, 1999


Loading Map
Map Options
Show trip route
Hide lines
shadow

Flag of United States  , Alaska
Saturday, December 12, 1998

In Tanana wurden wir am Flugplatz schon von Stan erwartet. Er hatte uns bei unserer ersten Begegnung in seinem Fishcamp am Yukon eingeladen, einen Winter in seiner Blockhütte am Tozitna River zu verbringen. Natürlich konnten wir sein Angebot nicht abschlagen und entstiegen nun nach einem kurzen Flug von Fairbanks hierher als Einzige dem kleinen Flugzeug. Die Begrüssung gestaltete sich ziemlich kurz, denn alle wollten möglichst schnell wieder an die Wärme.
Während der knapp zwei Wochen, die wir bei Stan wohnten, lernten wir alles Nötige für die kommenden Monate, die wir in der Blockhütte verbringen wollten. Im Vordergrund standen natürlich die Hunde, und wir beide als komplette Anfänger auf diesem Gebiet hatten eine Menge zu lernen. Wie man aus getrocknetem Lachs und Hundefutter eine kräftige Suppe für die Tiere kocht, welcher Pflege sie bedürfen, das Anschirren und Einspannen vor den Schlitten, und viele andere Dinge. Anschliessend erhielten wir eine Einführung ins Schlittenfahren und standen bald selbst das erste Mal auf einem solchen Gefährt.

Sa, 5.12.98 (Tagebuchauszug)
Heute waren wir bereits zum ersten Mal mit dem Schlitten unterwegs und es war einfach genial! Wir fuhren während etwa 5 h und legten dabei gegen 40 km zurück.
Zuerst ging es der Strasse entlang auf einen Hügel hinauf, und von dort aus noch ein Stück weiter auf einem Trail in Richtung Tozi, bevor wir die Gespanne wendeten und ins Dorf zurück fuhren. Zum ersten Mal hier in Tanana liess sich die Sonne blicken (d.h. sie ging auf und gleich darauf wieder unter), wodurch der Himmel in allen Farben leuchtete und alles so unwirklich erscheinen liess. Dazu kam noch die schier endlos weite, tief verschneite Winterlandschaft, kurz es war einfach unglaublich schön.
Der Umgang mit den Hunden und das Schlittenfahren ist gar nicht so schwierig wie ich es mir vorgestellt habe, zumindest so lange alles normal läuft. Dafür ist es recht anstrengend, da man häufig laufen oder zumindest mit einem Fuss nachhelfen muss. So waren nach diesem Trip nicht nur die Hunde (28 Stück, verteilt auf 3 Schlitten), sondern auch wir ziemlich geschafft.


Daneben vermittelte uns Stan noch viel Wissenswertes über das Leben im Busch und besonders den Umgang mit den zusätzlichen Gefahren im Winter, vor allem natürlich der Kälte. Hier im Innern von Alaska, nur wenig unterhalb des Polarkreises gelegen, bewegen sich die Temperaturen zu dieser Jahreszeit im Bereich von -30° bis -40° C oder auch ein gutes Stück darunter. Besonders in Kombination mit Wind sind die Auswirkungen auf den menschlichen Körper, allem voran der Haut, natürlich sehr schnell verheerend und so profitierten wir noch so gerne von seinem umfangreichen praktischen Wissen.

Mo, 7.12.98 (Tagebuchauszug)
Gute Neuigkeiten zu Beginn: Stan hat uns angekündigt, dass wir wahrscheinlich schon nächsten Sonntag oder Montag in unsere Cabin hinaus fahren werden, da er vor Weihnachten wieder zurück sein muss! Das tönt doch gut, nicht?
Heute haben wir erst am Nachmittag die Hunde angeschirrt und sind, nachdem sie gestern einen Tag Pause hatten, ausgefahren. Stan führte uns über ein paar recht anspruchsvolle Trails ausserhalb des Dorfes. Das war vielleicht ein Spass, in teilweise atemberaubendem Tempo durch den Winterwald zu rasen! Schon auf dem ersten Abschnitt verstauchte ich mir den Daumen als ich versuchte, den Haken, der zum Bremsen benötigt wird, im Boden zu verankern und er sich auf dem harten Untergrund immer wieder los riss. Trotzdem genoss ich die Fahrt noch, und zeitweise kam es mir schon fast so vor, als hätte ich mein Leben lang nichts anderes gemacht. Jetzt ist es schon wieder recht spät (die Zeit vergeht immer viel zu schnell!), und wir lassen den Tag gemütlich in unserer Behausung ausklingen.
Stan ist dabei, noch einen weiteren Schlitten zu bauen, obwohl er schon 4 oder 5 Stück davon hat. Auch sonst ist er ständig beschäftigt, so dass er die Versorgung der Hunde immer mehr uns überlässt. Wir verstehen uns mit den Tieren schon ganz gut, doch gibt es immer noch viel zu lernen, da die Ernährung und Pflege eine Wissenschaft für sich ist.


Noch kurz zu Tanana:
Ein Grossteil der ungefähr 800 Einwohner gehört zum Stamm der Athabaskan Indianer, daneben leben auch einige Weisse hier, hauptsächlich aus den unteren Teilen der USA. Sogar ein paar wenige Deutsche sind in dieses Dorf ausgewandert.
Jobs sind in diesem, wie den meisten Dörfern entlang des Yukons, die ohne Strassenverbindungen zur Aussenwelt auskommen müssen, eher selten und so beschäftigen sich die Leute auf andere Weise. Viele verbringen die Sommermonate in Fishcamps entlang des Flusses, um Lachs zu fischen und zu trocknen als Vorrat für den Winter. Der grösste Teil davon dient als Hundefutter.
Im Herbst ist als besonderes Ereignis die Elchjagd hervorzuheben. Während der drei Wochen dauernden Saison wird fleissig gejagt und geschossen, um die Kühltruhen für den bevorstehenden Winter zu füllen.
Im Winter dann sind die Hunde das Hauptthema. In Tanana soll es doppelt so viele Schlittenhunde wie Einwohner geben... Einige der Leute züchten ihre eigenen Hunde und verkaufen und tauschen diese dann mit Andern, meist in der Absicht, ein möglichst schnelles Rennteam zusammen zu stellen.
So ist nicht verwunderlich, dass während der Wintermonate über wenig anderes als Hunde diskutiert wird und auch wir uns bei unseren gelegentlichen Besuchen im Dorf zu wahren Kennern der Szene gemausert haben.

Leider ist das Leben in einem Ort wie Tanana nicht nur so romantisch, wie obige Schilderung vermuten lässt. Alkohol- und Drogenabhängigkeit haben erschreckende Ausmasse angenommen. Gründe dafür sind unter anderem sicherlich die hohe Arbeitslosigkeit, die Zahlungen von Staat und Ölkonzernen an die Ureinwohner, die ein ausreichendes Einkommen sicherstellen, sowie der Zerfall ihrer ursprünglichen Kultur. Immerhin gibt es einige Lichtblicke: die Kinder lernen in der Schule wieder ihre alten Bräuche, Fertigkeiten und ihre eigene Sprache, nachdem diese durch übereifrige Missionare im vergangenen Jahrhundert beinahe ausgerottet worden sind.
Charlotte hotels Slideshow

Use this image in your site

Copy and paste this html: