San Martin de los Andes - Stille Tage im Klischee

Trip Start Dec 04, 2004
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Trip End Jan 04, 2005


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Sunday, December 26, 2004

Sebis Urteil steht fest. Wenn wir 2006 von Managua wegziehen sollten und es ginge dann nicht nach Deutschland, dann wuerde er am liebsten in San Martin de los Andes leben wollen. Ersatzweise kaeme fuer ihn noch Santiago de Chile in Frage, aber auf keinen Fall Buenos Aires, das ihm doch zu schmutzig und zu laermend erscheint, oder gar Salta, das er ueberhaupt noch nicht kennt, das aber von dritter Seite bevorzugt wird. Nicht mal Bariloche kaeme fuer ihn in Frage, obwohl die Schokoladenversorgung insgesamt als stabil und sicher angesehen werden kann und viele Haeuser - aehnlich denen in San Martin - sorgfaeltig in gelacktem Echtholz-Furnier glaenzen.

Wir waren per Bus, von San Carlos de Bariloche kommend, ueber La Angostura angereist. Theoretisch in dreistuendiger Fahrt auf der 7-Seen-Route, der Langfassung unseres geliebten Circuito Chico. Da der Dieseltank des Busses aber unterwegs seinen Tampon und damit rapide an Kraftstoff verlor, musste auf freier Strecke eine Zwangspause eingelegt werden, die dem Fahrer Gelegenheit gab das Loch mit einem Holzpropfen zu stopfen. San Martin de los Andes hatte sich durch unsere Verspaetung nicht aus der Ruhe bringen lassen und wartete gelassen auf unsere Ankunft.

Am Busbahnhof verteilte ein kleiner, baertiger Mann uebersichtliche Stadtplaene mit unuebersichtlicher Beschriftung, die sich als hebraeisch herausstellte. Er bot uns ein Apartment in seinem "Aparthotel Naum" an mit Kueche, Bad, Wohnzimmer, Balkon und Schlafzimmer fuer schlappe 100 Pesos, innen und aussen natuerlich im San Martiner Barock gehalten. Ueberhaupt lag das Hotel in einer Neubausiedlung aehnlicher Hospedajes, Hostales und Cabaņas, die wie einer Musterausstellung des Saegewerks wirkten. Sebi war begeistert. Sauber.

Der erste Orientierungsspaziergang fuehrte uns am Seeufer entlang und dann ueber die Hauptstrasse, die ueberraschenderweise Avenida San Martin hiess, zur Touristeninformation am Plaza San Martin, wo uns der hebraeisch beschriftete Stadtplan anstandslos gegen einen lateinischen eingetauscht wurde.

Wir nutzten die Gelegenheit, um uns gleich ueber die Versorgungsituation am Heiligabend zu erkundigen. Wir wurden an eine Wandtafel gefuehrt, an der die "Cenas de Nochebuena", der offen zu haben geruhenden Restaurants dem werten Publikum zur Anzeige gebracht wurden. Die Tafel offerierte sowohl in der Breite wie in der Tiefe ein attraktives Angebot, das nur durch Reiners per Mail uebermitteltes Weihnachtsmenue in Hamburg in den Schatten gestellt wurde.

Wir entschieden uns fuer das "Restaurante Avatares" am Heiligabend und fuer die anderen Restaurants an den uebrigen Tagen. "La Barra" hatte den absolut nettesten Kellner Argentiniens aufzuweisen. Wir koennen das inzwischen beurteilen. Argentinien hat sowieso schon die souveraensten Kellner der westlichen Welt, die nicht nur ihr Handwerk verstehen, sondern dabei auch noch locker, freundlich und gespraechsbereit bleiben.

Das "Avatares" wurde von einer Damenkooperative geleitet. Zwei kuemmerten sich um die Rezepte und die Kueche, die dritte ums Ambiente im Lokal. Letztere sprach auch deutsch und es wunderte uns auch nicht, dass ein erheblicher Teil der Gaeste aus deutschstaemmigen Argentiniern bestand. Denn die Argentinier feiern den Heiligabend gar nicht, sondern bevorzugen den Geschenkeaustausch zum Fest der Heiligen Drei Koenige zu organisieren. Und so rotten sich eben die deutschstaemmigen aus gegebenen Anlass zusammen und lassen es sich gut gehen.

Das ganz andere Herangehen an Weihnachten bewirkte eine entsprechende Ruhe im Ort. Keine hektischen Einkaeufe allerletzter Weihnachtsgeschenke, die Menschen ruhig, freundlich, ausgeglichen und mir zum Wohlgefallen.

Ich nutzte die ruhigen Tage im Ort zu ausgedehnten Besuchen in Internet-Cafes um die verfluchten Bilder hochzuladen, die diesen Texten beigefuegt sind. Da in ihnen auch Handys verkauft werden, weiss ich, was die Haelfte der Einwohner von den heiligen drei Koenigen bekommen wird.
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