Endspurt in Mexiko

Trip Start Jul 23, 2004
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Trip End Nov 03, 2004


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Flag of Mexico  ,
Monday, October 11, 2004

Guten Morgen!

Gestern war mal wieder ein Reisetag angesagt. Vor meiner Abreise konnte ich die Salzkathedrale leider nicht mehr sehen, da Wilmann kein Auto bekam.
Dafür telefonierte ich mit Filip und Elke.

Relativ pünktlich ging es dann zum Flughafen. Die Fahrt war lang, sehr lang. Samstag Mittag ist in Bogotá scheinbar die Hölle los, aber wir kamen trotzdem an.
Während der Fahrt dachte ich noch so, ob die mexikanische Luft noch schlimmer sein würde als das Gemisch, das ich hier unfreiwillig einsog.

Die Einchecken am Flughafen ging schnell. Meine Tasche hatte das erste Mal auf dieser Reise unter 30 kg Gewicht (hab ich mal wieder was vergessen?) und nachdem ich die Flughafensteuern bezahlt hatte und auch höflich gefragt hatte, hatte ich einen BoardingPass mit Sitzplatz an einem der Notausgänge in der Hand.
Da ich ca. 3 Stunden vor Abflug da sein musste, galt es einige Zeit zu überbrücken.
Der teuerste Stern meines Lebens half mir dabei. Die Ausgabe war noch relativ neu, vom 30.09. (ganz im Gegensatz zu dem einen Exemplar der FAZ, die von irgendwann Mitte September und völlig zerflettert war)
So verflog die Zeit bei Themen wie "50 - und noch knackfrisch" und "Unsere raffgierigen Politiker" wie im Fluge.
Da mich der Lärm in der Wartehalle ungewöhnlich stark störte, begab ich mich schon früher zu meinem Flugsteig, neudeutsch ja auch Gate genannt. :)
Um dorthin zu gelangen, musste ich dreimal durch Filzeinrichtungen - DREIMAL! So ganz habe ich den Sinn nicht verstanden, erklärt werden konnte er mir auch nicht.
Und in der Wartehalle wurde noch zwei weitere Male mein BoardingPass kontrolliert.
Der Flug war angenehm, teilweise etwas ruckelig - wir wurden oft gebeten, wieder den Gurt anzulegen, aber das hätte mir nur bei den allerersten Flügen was ausgemacht.
Der Platz zwischen mir und meinem Nachbarn, der "Engel und Dämonen" von Dan Brown las, blieb frei.
Das Essen war gut. Bei Landung habe ich das erste Mal miterlebt, wie bei einem Flieger der Hinter wegrutschen will. Nach 3-4 Hüftbewegungen hatte der Pilot die Maschine aber wieder vollständig im Griff.
Die Einreise, der Teil, der mir immer am wenigsten gefällt verlief unproblematisch und auch das Checken meines Gepäcks ging gut.
An der Stelle muss ich dem Eindruck, der mir bei einer der Sicherheitsschulungen vermittelt wurde, mal widersprechen. Damals klang das so, als würde man in Mexiko einer Halle mit ungefähr 20 Röntgenapparaten gegenüber stehen und das Zeichen "Durchgehen" bzw. "Überprüfen" erfolge nach reiner Willkür der Beamten - das ganze Bild kann schön beunruhigend sein, ist aber falsch.
Es sind nur 3 oder 4 Apparate - wie in jedem anderen Flughafen also auch - und ich habe das Gefühl, dass das Zeichen "Überprüfen" immer dann gewählt wird, wenn nicht genau erkannt werden kann, was drin ist - also eher frei von Willkür.

Kaum raus aus der Schleuse kaufte ich den europäisch-preisigen Taxischein und stieg kurz danach ins Taxi ein. Los ging's dann aber noch nicht, da der Taxifahrer mit der Adresse nichts anfangen konnte.
Das genannte Gebiet im Süden sei so gross, das könnte Stunden dauern. Auf meine Frage, ob er denn keine Karte hätte, wo er die angegebene Strasse finden könne, meinte er, dass er keine habe (ganz toll bei einer Stadt die ca. 2,5 mal so gross ist wie Berlin) und auf meinen Hinweis, dass ja auch eine Telefonnummer angegeben sei, kam der Fahrer auf die Idee, dass ich doch eine Telefonkarte kaufen könne, um dann dort anzurufen.
Das hab ich allerdings nicht gemacht. Ich schaltete ein wenig auf stur, brabbelte was von "kein Geld mehr" und irgendwann ging es dann los. Auf dem Weg dahin hielten wir noch dreimal an, aber letztlich kamen wir dann an.
Einen Pluspunkt hatte der Taxifahrer aber, er fuhr erstaunlich gesittet, völlig unlateinamerikanisch.

Meine Bleibe für die nächsten 3 Wochen ist ein grossen Zimmer mit Küche und Bad - eine Mischung aus der Unterkunft in Antigua und dem Hotel in Sao Paulo. Das Zimmer ist sehr sauber und bei meiner Ankunft standen Früchte, Cornflakes und Milch sowie trinkbares Wasser bereit.
Das Wasser soll hier die fragwürdige Qualität wie in Guatemala haben.

Da es zwischenzeitlich schon nach 23:00 Uhr war, packte ich kurz aus und ging dann schlafen.

Mein Eindruck von gestern abend und heute morgen im Zimmer war, dass die Luft gar nicht so wild ist - allerdings hatte es gestern abend auch geregnet.
Heute morgen, als ich die Tür aufmachte, merkte ich aber doch, dass die generelle Meinung stimmt, die Luft ist mies. Sie erinnert mich an bestimmte Stellen in Sao Paulo.

Wenig später hab ich auch meine Vermieterin kennen gelernt - Ute (gestern abend hatte mir ihr Sohn alles gezeigt).
Ute hat deutsche Eltern, ist aber hier in Mexiko geboren.
Frühstück bekomme ich hier auch - normalerweise von Montag bis Freitag. Zur Begrüssung wurde heute allerdings eine Ausnahme gemacht.

Bei einem ersten kleinen Plausch hab ich auch erfahren, dass das Wetter zu dieser Jahreszeit eigentlich nicht so ist.
Hier ist immer noch Regenzeit, was bedeutet, dass die Luft zwar etwas besser ist, aber dafür steigen die Temperaturen auch kaum über 20° C.
Einen kleinen Vorteil hat das Wetter aber - ich werde bei der Rückkehr nach Deutschland keine Klimawechselprobleme bekommen und auch äusserlich nicht so auffallen - die in Guatemala und Brasilien gewonnenen Pigmente dürften bis dahin wieder eingegangen sein.

Ich werde heute wohl meinen Kolumbienbericht schreiben und auch ein wenig rausgehen.

...

Kleiner Abendnachtrag:

Da ich gerade keine Lust habe, die Zusammenfassung meines Berichtes weiter zu schreiben, schreib ich einfach mal schnell, was ich heute erlebt habe.

Ute ist ein ziemlicher Engel. Sie hat mir die Umgebung und die wichtigsten Geschäfte hier gezeigt. Zwei Internetcafés sind auch dabei (ich bin also gerettet).
Während des Spaziergangs hat sie ein wenig erzählt - sie kann besser erzählen als zuhören; was ich so erzähle, scheint sie nicht so zu interessieren.
Was ganz interessant ist, ist, dass sie eine Sicht dem Land gegenüber hat, die ich schon bei mehreren Personen, die noch nicht zig Generationen im jeweiligen Land leben, bemerkt habe.
Dem ganzen recht kritisch und teilweise auch eine Spur abwertend gegenüber stehend.
Zudem ist Ute, und damit scheinbar auch der eine noch im Haushalt lebende Sohn und ihr Mann, Vegetarier.
Das gefällt mir aber ganz gut, da ich bei gemanschten Speisen so nicht aufpassen muss, ob da nicht irgendwelche Fettgnubbel drin sind.
Zu meiner GANZ grossen Freude wird auch in Mexiko viel mit frischem Koreander gekocht.
Ich glaube, ich muss bei der "Hallo, ich bin wieder zurück"-Feier auch ein paar Sachen mit frischem Koreander machen - z. B. Guacamole mit Koreander - so wird was eigentlich ganz Leckeres fast ungeniessbar.
Am Nachmittag hab ich ein Schläfchen gemacht, und würde wohl noch immer ratzen, wenn mit Ute nicht irgendwann geweckt hätte.

Zwischendurch war ich ein wenig depri, weil ich hier in der Wohnung kein Telefon habe. Allerdings hatte ich das in Guatemala ja auch nicht, und es ging auch. Ich werde dann einfach von Schering aus telefonieren oder mich dort anrufen lassen.

Morgen früh werde ich von einer Kollegin abgeholt. Und dann bekomme ich morgen wohl auch mein Auto. Ganz wohl ist mir bei der Geschichte nicht - ich hoffe, ich bekomme einen Stadtplan.
Zu Schering Mexicana und zu CECLA kann ich jedenfalls auch zu Fuss gehen.
A propos Auto - heute vor genau 6 Jahren hab ich meinen Führerschein bekommen - wie die Zeit rennt.

Gute Nacht!

Rinne
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