Phnom Penh und Killing Fields

Trip Start Aug 11, 2006
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Trip End Sep 25, 2006


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Flag of Cambodia  ,
Sunday, September 3, 2006

Hallo,

gestern ging es mit dem Bus vom Saigon nach Phnom Penh. Die Fahrt war angenehm, der Bus ein normaler Butterfahrt-Reisebus.
Der Grenzuebertritt war hingegen ein wenig beschwerlich, weil nicht alle von uns vor der Reise ein Visum beantragt hatten, daher verzoegerte sich die ganze Prozedur. Ein wenig seltsam war auch, dass wir erst offiziell ausreisten, dann scheinbar im Niemandsland waren, dann unsere Paesse wiederbekamen, sie dann wieder abgeben mussten und aus dem Bus aussteigen, und nach Aufruf wieder in den Bus einsteigen durften. Das Einsteigen in den Bus war dann wie das Einreisen in Kambodscha.
Auf halber Strecke in Kambodscha ueberquerten wir mit einer Faehre einen Fluss und wurden das erste Mal von bettelnden Kindern ein wenig ueberrannt. Bevor wir in Phnom Penh ankamen, machten wir noch einen Zwischenstop an einer kambodianischen Raststaette - bestehend aus einem akzeptablen WC und ein paar Haendlern, deren Verkaufsschlager frittierte Vogelspinnen und gefuellte Froesche waren. Diejenigen von uns mit der "Ich probiere alles"-Mentalitaet schlugen bei den Spinnen auch zu. Es soll wie Schinken geschmeckt haben. Waehrend wir die frittierten Damen betrachteten, holte die Verkaeuferin aus der etwas hoeher haengenden Tuete eine lebendige Spinne raus. Ganz klasse. Zumindest blieb das Tier ruhig, auch dann noch, als sie jemand aus meiner Truppe auf die Hand nahm.
Phnom Penh ist auf den ersten Blick eine Bezirksstadt, die einfach zu gross geraten ist. Am ersten Nachmittag nach der Ankunft wanderten wir einfach nur in der Stadt umher. Nach dem wir vorerst genug von der Stadt und seinen Maerkten hatten, besuchten wir noch ein Einkaufszentrum und schlugen uns danach den Bauch mit westlichen Backwaren voll.
Den Abend verbrachten wir in einem Restaurant, das ein Waisenhaus unterstuetzt und danach gingen Stuart und ich, begleitet von wenigen anderen, in einen schwulen Club. Wenn man bedenkt, dass es ein Freitag Abend war, dann gibt es entweder kaum Schwule in Phnom Penh, oder der Club ist nicht so angesagt. Jedenfalls war es, freundlich gesagt, recht ruhig. Nun ja, wir hatten trotzdem Spass und nicht allzu spaet ging es dann zurueck ins Hotel.

Der heutige Tag war total gemischt - von ganz bezaubernd bis sehr bedrueckend und traurig. Am Morgen besuchten wir den Koenigspalast. Als wir ankamen, verliess der Koenigsvater gerade mit einer Eskorte das Gelaende. Es war ein komisches Bild - auf der Strasse der gepanzerte Mercedes und auf der anderen Strassenseite die bettelnden Strassenkinder. Insgesamt sind die sozialen Unterschiede hier krasser und spuerbarer als in Vietnam. Man sieht hier viel mehr Armut als in Vietnam, aber gleichzeitig auch mehr wirklich wohlhabende mit grossen Haeusern und Autos.
Nach der Besichtigung im Palast besuchten wir ein Kindertanzprojekt. Dieses Projekt nimmt sich Waisenkindern und solchen aus armen Familien an. Die eine Haelfte des Tages gehen sie in die Schule, die andere Haelfte werden sie in tradionellen Taenzen und in Englisch unterrichtet. Zum Ende des Besuches wurde jeder von uns von einem Kind auf die Buehne geholt. Gemeinsam imitierten wir die einfachen Schrittfolgen, die uns gezeigt wurden. Insgesamt war es total schoen zu sehen, welche Freude die Kinder beim Tanzen hatten.
Im Anschluss daran stand das nationale Kunstmuseum auf dem Programm. Der Touristenfuehrer gab sich alle Muehe, allerdings waren wir insgesamt nicht so begeisterungsfaehig, was wahrscheinlich an der Waerme (es ist hier weitaus trockener als in Vietnam) und dem Hunger lag.
Nach dem Mittagessen besuchten wir das Foltergefaengnis Tuol Sleng und die Killing Fields, zwei sehr bedrueckende Orte, die aber einer Kambodscha-Reise dazugehoeren.
Nach der Machtuebernahme durch die Roten Khmer 1975 wurde Phnom Penh innerhalb von 3 Tagen fast komplett zwangsevakuiert (von ca. 1 Million auf nur 50.000 Einwohner) - unter dem Vorwand, die Amerikaner wuerden die Stadt angreifen. In den folgenden vier Jahren wurden von 7 Millionen Kambodschianern ca. 1,5-3 Millionen umgebracht. Da ein kompletter Bauernstaat errichtet werden sollte, war jegliches Anzeichen fuer Bildung genug, um umgebracht zu werden.
Das Foltergefaengnis-Museum zeigte die Zellen der Gefangenen aber auch die Portraits vieler Inhaftierter - bei der Einlieferung wurde jeder befragt und fotografiert. Besonders erstaunlich war, wie wuerdevoll und manchmal auch freundlich einige auf den Bildern ausschauten, obwohl vielen klar war, dass sie den Ort nicht lebend verlassen wuerden (nur 7 von mehreren Tausend Inhaftierten) ueberlebten.
Leider hatten wir in dem Museum nicht so viel Zeit, wie ich gern gehabt haette, da wir zu den Killing Fields aufbrechen mussten.
Die Killing Fields ist ein Massengrab, wo ca. 9000 Leichen in mehreren Graebern gefunden wurden. Die gesamte Szenerie war fast ein wenig surreal: Auf der einen Seite waren die ausgehobenen Graeber mit Beschreibungen, der Gedenkturm mit ca. 8000 Schaedeln auf 17 Ebenen und Kleider- sowie Knochenresten im Boden, und auf der anderen Seite hueteten Jungs ein paar Kuehe in dem Bereich, um das Gras kurz zu halten; auch die Tuk-Tuk-Fahrer wirkten eher gelangweilt.
Da ich nach dem Nachmittag nicht mit der gesamten Gruppe Abendessen wollte, ging ich nur mit Stuart, Ziva und Elaine. Wir assen in einem Restaurant, das ein Kinderprojekt unterstuetzt. Da der Laden rappelvoll war, wurde fuer uns flott ein Extra-Tisch auf dem Gehsteig aufgestellt. Da neben dem Restaurant viele Strassenkinder spielten, verschenkte ich dort auch das mitgebrachte Nutellaglas und die Buntstifte.
Die Abend liessen wir absichtlich in dem Homo-Club vom Vorabend ausklingen, da wir was eher Ruhiges wollten - und auch bekamen.
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